Archiv für Februar 2008

Rechts: NPD Düren plant offenbar Konzert mit Lunikoff [update]

Düren. Offenbar plant die NPD Düren abermals eine Veranstaltung – laut Szenekreise dürfte es sich dabei um ein Konzert des frisch aus der Haft entlassenen Kult-Rechtsrockers „Lunikoff“ handeln. In einem NPD-Szeneforum war kürzlich davon die Rede, dass am 15. März, einem Samstag, im Raum Düren eine Veranstaltung der NPD geplant sei. Über Zeit, Ort und das geplante Programm wurde nichts mitgeteilt, wohl aber darüber informiert, dass der Vorverkauf von Eintrittskarten begonnen hat.

Wie unterdessen aus Szenekreisen zu erfahren war, soll es sich bei der höchst konspirativ organisierten Veranstaltung um einen Auftritt von Michael Regener alias „Lunikoff“ handeln. Regener, Ex-Sänger der als kriminellen Vereinigung verbotenen Kultband „Landser“, sollte nach Verbüßung seiner Haftstrafe Ende Februar aus dem Gefängnis entlassen werden. Seit langem halten sich in Szenekreise Gerüchte, dass der Sänger danach verschiedene Konzerte geben wird. Verunsicherung schufen zudem die von Unbekannten an Neonazis verschickten Massen-SMS, die ein „Lunikoff“-Konzert für heute (29.2.) an einem unbekannten Ort ankündigten. Die Braunszene verbreitete, die Kurznachrichten seien von der Antifa gefälscht worden.

Regener wurde im Jahr 2001 als Sänger der Kultband „Landser“ wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet. Die Bandmitglieder hatten spätestens seit 1993 eine auf Heimlichkeit und Konspiration aufbauende Musikgruppe geschaffen. „Die Liedtexte […] waren geprägt von rassistischen, nationalistischen und antisemitischen Hasstiraden. Sie riefen zu Gewalt gegen Ausländer, Juden und politisch Andersdenkende auf und waren darauf angelegt, den Staat sowie seine pluralistische Ordnung als untragbar zu diffamieren,“ hieß es seinerzeit vonseiten der Ermittler.

Ende Dezember 2003 wurde Regener zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Nachdem er Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt hatte, hatte letztlich der Bundesgerichtshof das Urteil des Kammergerichts bestätigt. Ab April 2005 musste Regener dann seine Reststrafe von zwei Jahren und zehn Monaten in der JVA Tegel absitzen. Innerhalb der Neonazi-Szene gilt er als Kultfigur und Märtyrer. Regener war angeblich noch vor seinem Haftantritt der NPD beigetreten. Auf einer Solidaritätsdemonstration vor der JVA, bei der die Freilassung gefordert wurde, hatte auch NPD-Parteichef Udo Voigt gesprochen – man stehe „zusammen für Deutschland“, hatte Voigt dem Volksverhetzer [1] seine Solidarität erklärt und dessen Freilassung gefordert.

Unklar ist derzeit, ob neben „Lunikoff“ weitere Musiker auftreten sollen. Das Konzert soll am 15. März im Raum Düren konspirativ organisiert werden. Unterdessen ranken sich selbst Szeneintern Gerüchte darum, wo es stattfinden wird oder ob es sogar umterminiert worden ist. Die Anreise, hieß es aus Szenekreisen, werde – wie bei Rechtsrock-Konzerten üblich – über Kontaktrufnummer und Schleusungspunkte koordiniert. So soll einerseits verhindert werden, dass Antifaschisten vor Ort gegen das Konzert demonstrieren und es zu Ausschreitungen kommt; zum anderen will man so verhindern, dass die Polizei das Konzert mit einem Großaufgebot auflösen könnte. Da „Lunikoff“ innerhalb der Braunszene Kultstatus besitzt, dürfte eine Großveranstaltung mit vielen anreisenden Besuchern geplant sein. [© Klarmann]

[1] Texte siehe: HIER