Rechts: Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Antifaschisten an Karneval

Aachen. Während der Karnevalsfeiern sind in Aachen Neonazis, Antifaschisten und Punks aneinander geraten. Die Neonazis hatten sich nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ für Fettdonnerstag auf dem Markt verabredet. Antifaschisten wollen zudem gehört haben, wie Neonazis auf dem Weg nach Aachen gesagt hätten, sie seien auf dem Weg, „Zecken [zu] klatschen“. Noch vor 11 Uhr stießen dann zufällig rund acht Antifaschisten und Punks auf die Gruppe kostümierter Neonazis, die auf rund 30 bis 35 Personen geschätzt wurde. Laut Antifaschisten provozierten die Neonazis sie. Unter den Neonazis befanden sich Mitglieder der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) und der „Autonomen Nationalisten“, kostümiert unter anderem als „Volksverhetzer“ in Sträflingskleidung, Mönch oder Hase.

Durch die Provokation der Neonazis, sagten Antifaschisten, sei es fast zu einer Schlägerei gekommen. Nachdem die Nazigegner ihrerseits antifaschistische Sprüche gegenüber den Neonazis riefen und sich wegen der Übermacht der Rechtsextremisten zurückziehen wollten, seien sie von den Neonazis eingekreist und fotografiert worden. Daraufhin hatten die Linken sich teilweise vermummt. Als einer von drei Mitarbeitern des städtischen Sicherheitsdienstes dann versucht habe, einem Antifaschisten sein Tuch vom Gesicht zu reißen, habe dieser dies versucht zu unterbinden, sagten Antifaschisten „Klarmanns Welt“. Offenbar wertete der Wachmann das als Angriff gegen seine Person, woraufhin er und die Kollegen den Antifaschisten zu Boden brachten und der Betroffene dabei eine Wunde auf seiner Stirn erlitt. Neonazis beschrieben gegenüber „Klarmanns Welt“ die Szene völlig anders und sagten, die Linken hätten den Sicherheitsdienst der Open-Air-Party provoziert und sie selbst seien an der Auseinandersetzung gar nicht beteiligt gewesen.

Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes nahmen danach den linken Jugendlichen vorläufig fest und brachten diesen in das Verwaltungsgebäude am Katschhof, wo man den Antifaschisten der Polizei übergeben wollte. Drei Antifaschisten begleiteten den Jugendlichen nach Angaben der Antifaschisten, zudem sei die Gruppe von mindestens zwei Neonazis der Neonazifeind-Aufklärung „Anti Antifa“ verfolgt worden. Diese seien dann, hieß es vonseiten der Antifaschisten gegenüber „Klarmanns Welt“ weiter, dem Verhafteten und den Antifaschisten in das Verwaltungsgebäude gefolgt. Bei der Feststellung der Personalien des jungen Antifaschisten sollen die Neonazis dessen Personalausweis abfotografiert haben. Dagegen hätten sich sowohl der Betroffene, als auch die anderen Antifaschisten verwehrt. In dieser Situation sei es dann zu einem Tumult gekommen, aufgrund dessen alle vier Antifaschisten festgenommen wurden, hieß es weiter.

Gegen die vier Personen wird nun wegen Beleidigung und Körperverletzung gegenüber den Sicherheitsleuten ermittelt. Alle waren bis etwa 15 Uhr in Polizeigewahrsam. Teile der Neonazis waren später nicht mehr vor Ort oder zogen provozierend über den Katschhof und durch die Pontstraße, jedoch trafen später noch weitere KAL-Mitglieder und „Autonome Nationalisten“ ein und feierten auf dem Markt. Einige Neonazis sollen im Gesamtverlauf Platzverweise erhalten haben, mindestens ein KAL-Mitglied im Mönchskostüm wurde in Gewahrsam genommen, da es diesen offenbar nicht befolgte.

Laut Antifaschisten sollen schon vor dem Vorfall auf dem Markt Neonazis am Elisenbrunnen dort sitzende Punks attackiert haben. Eine größere Gruppe Neonazis habe demzufolge die Punks provoziert und mit Flaschen beworfen. Die Punks wollen sich dann Eigenangaben zufolge in die gegenüberliegende Elisengalerie zurückgezogen haben. Gegen 15 Uhr sollen dann rund zehn Neonazis abermals die unterdessen auf rund 40 Personen angewachsene Gruppe der Punks am Elisenbrunnen mit rechten Parolen und dem Zeigen des Hitler-Grußes provoziert haben. Kurz sollen demnach dann wechselseitig Flaschen geflogen sein. Unterdessen war die Polizei mit Teilen der Einsatzhundertschaft in Bereitschaft und verhinderte ein Aufeinandertreffen der Gruppen. Sowohl gegen einige Linke als auch gegen alle Neonazis wurden gegen 16 Uhr Platzverweise ausgesprochen. Mindestens ein Neonazi soll dabei auch in Gewahrsam genommen worden sein, da er am Morgen schon auf dem Marktplatz aufgefallen war.

Ein junger Mann, der nicht erkennbar der Neonazi-Gruppe angehörte, provozierte zudem gegen 16 Uhr die Punks mit rechten Sprüchen. Daraufhin kam es zu einem Gerangel zwischen ihm, Antifaschisten und Punks, wobei man ihn auch mit Pfefferspray attackierte. Nachdem der junge Mann von Sanitätern behandelt worden war und gemeinsam mit Polizisten die Täter identifizieren sollte, blieb er noch eine Zeit vor Ort. Gegenüber Migranten zeigte er dabei noch den Hitler-Gruß. Im zeitlichen Umfeld des Vorfalls wurde zudem ein Mitglied aus der Gruppe der Neonazis mit einem „Good Night Left Side“-T-Shirt unter seinem Kostüm von Unbekannten attackiert und geschlagen beziehungsweise zu Boden geworfen. [© Klarmann]


2 Antworten auf “Rechts: Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Antifaschisten an Karneval”


  1. 1 Klar, Mann? 03. Februar 2008 um 17:24 Uhr

    Stellungnahme zur Ergänzung:

    Neonazis provozieren in Aachen – Sicherheitsdienst und Polizei gehen gegen Antifaschisten vor

    In einer ersten gemeinsamen Erklärung beziehen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener antifaschistischer Gruppen und Organisationen Position zu den gestrigen Vorgängen in der Aachener Innenstadt. Wir dokumentieren den Text an dieser Stelle.

    Neonazis provozieren in der Aachener Innenstadt – privater Sicherheitsdienst und Polizei gehen gegen antifaschistische Jugendliche vor

    Etwa 35 kostümierte Neonazis, darunter Aktivisten der „Kameradschaft Aachener Land“, hielten sich am Rande des Marktplatzes auf. Eine handvoll antifaschistischer Jugendlicher, die zufällig auf die Gruppe stiess, wurde von diesen gegen 11 Uhr umzingelt, bedrängt und fotografiert.

    Infolgedessen rissen Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes, der vermutlich im Auftrage der Stadt Aachen zur Unterstützung des Ordnungsamts angeheuert wurde, einen der bedrängten Jugendlichen mit roher Gewalt zu Boden, nachdem dieser sich nicht von den Mitarbeitern des privaten Sicherheitsdienstes grundlos wegführen lassen wollte. Die ärztliche Diagnose des zu Boden gerissenen jugendlichen Antifaschisten lautet: Schädelprellung mit Schürfwunde am Kopf, Verstauchung eines Ellenbogens, Kratzspuren am Unterarm.

    Der Verletzte wurde festgenommen und zunächst in das Verwaltungsgebäude am Katschhof gebracht. Drei Freunde begleiteten ihn dorthin. Im Beisein von zwei bekannten Neonazis aus Aachen und Düren wurden dort die Personalien des Betroffenen aufgenommen. Als die Jugendlichen dagegen protestierten, dass die Neonazis den Personalausweis des Verletzten einsehen und sogar abfotografieren konnten, wurden auch die drei Begleiter von der Polizei festgenommen. Die antifaschistischen Jugendlichen wurden erkennungsdienstlich behandelt und teilweise bis 19 Uhr festgehalten.

    Währenddessen zog die Neonazi-Gruppe – zeitweise bis auf rund 40 Personen angewachsen – weiter durch die Stadt. Im weiteren Verlauf des Tages attackierte diese eine Gruppe Punks am Elisenbrunnen. Ob es bei diesem und anderen Vorfällen weitere Verletzte gegeben hat, ist derzeit unbekannt. Weiterhin sollen Migranten und andere Passanten durch die Neonazis provoziert und beschimpft worden sein. Dabei soll auch der „Hitlergruss“ gezeigt worden sein.

    Die Unterzeichner kritisieren in einer ersten gemeinsamen Stellungnahme das Vorgehen der Polizei und des Sicherheitsdienstes. Nach glaubhaften Augenzeugenberichten hätten die privaten Wachleute völlig unangemessen und einseitig eingegriffen. Die antifaschistischen Jugendlichen seien demnach friedlich gewesen und der Sicherheitsdienst habe sie offenbar grundlos abführen wollen.

    „Allem Anschein nach trägt diese private Sicherheitsfirma nicht zur Sicherheit bei, sondern ist selbst ein Teil des Problems“, heißt es in der am Freitag verbreiteten Stellungnahme. „Es ist in keiner Weise hinnehmbar, wenn in Aachen private Hilfssheriffs eingesetzt werden sollten, um gewaltsam gegen Antifaschisten vorzugehen. Den Mitarbeitern der Sicherheitsfirma empfehlen wir den Besuch einer Fortbildung über die Gefahren der extremen Rechten. Wir fordern zudem Aufklärung über das Vorgehen der Polizei. Während diese hart gegen antifaschistische Jugendliche vorging, konnten die Neonazis offenbar bis in den Nachmittag hinein ungestört durch Aachen ziehen. Die Aachener Bevölkerung rufen wir auf, sich den Umtrieben von Nazis auch in der Aachener Innenstadt entgegenzustellen und die örtlichen antifaschistischen Gruppen zu unterstützen.“

    Vertreterinnen und Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Aachen, der Partei DIE LINKE, der DKP Aachen, des ak sub.version, der FAU Aachen, der UWG Bürgerwille Aachen, der Antifaschistischen Aktion Aachen, des Anti-Kriegs-Bündnisses Aachen, der SDAJ Aachen, der FDJ Aachen, der SAV Aachen, der Antifa Düren sowie Horst Schnitzler (Mitglied des Aachener Stadtrates), Marc Treude (Mitglied des Aachener Stadtrates), Andrej Hunko (Mitglied im Landesvorstand der Partei DIE LINKE) und weitere Aachener AntifaschistInnen.

  2. 2 Klar, Mann? 03. Februar 2008 um 17:25 Uhr

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