Rechts: Vom Trauerspiel zum Pöbelmarsch – NPD in Düren zwischen Karneval und Hass

Düren. Rund 250 Menschen haben am Freitagabend in Düren gegen einen Aufmarsch der NPD demonstriert. Die NPD protestierte ihrerseits mit einem makaberen Trauermarsch gegen das „Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ (BgR) sowie dessen Vollversammlung in der Christuskirche. Die BgR-Mitgliederversammlung besuchten über 500 Menschen. Dürens Innenstadt war teilweise durch Polizeisperren abgeriegelt, um ein Aufeinandertreffen der einzelnen Demonstrationszüge zu verhindern. Laut Lokalpresse waren 750 Beamte im Einsatz. Nach Ende des offiziellen NPD-Aufmarschs mit rund 60 Teilnehmern meldete ein Mitglied der Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) noch eine Spontandemonstration „gegen Polizeiwillkür“ an. Die Neonazis zogen daraufhin lauthals Parolen skandierend zurück zum Bahnhof, wo ihre „Spontandemo“ endete.

Schon am Nachmittag hatte die Polizei Teile der Innenstadt und den Bahnhofsvorplatz hermetisch abgeriegelt. Dort sollte der Aufmarsch der NPD beginnen. Die Gegendemonstration begann am Südausgang des Bahnhofs. An den Gegenprotesten nahmen meist junge Leute und Vertreter linker Gruppen sowie zahlreiche Migranten teil. Unter den Nazigegnern befand sich auch eine Abordnung der NRW-Sektion der „Apfel-Front“, die mit an Hakenkreuzflaggen erinnernden „Apfel-Fahnen“ und einem skurrilen, den Nationalsozialismus karikierenden Uniformkitsch Neonazis verulken wollen. So karikiert die „Apfel-Front“ Ausländerfeindlichkeit, indem sie gegen die Überfremdung deutschen Obstes sowie die Entartung des heimischen Obstes als Fallobst kämpft. Laut eines Berichts des BgR haben jedoch Passanten den derben Humor nicht immer verstanden und die jungen Leute der „Apfel-Front“ für echte Nazis gehalten.

Offenbar unterhaltsam wollte sich auch die NPD gestern präsentieren. Sie trugen nach einbrechen der Dunkelheit symbolisch mittels eines Sarges, den vier als Mönche verkleidete Neonazis trugen, das BgR zu Grabe. Der Aufmarsch selbst verlief in großen Teilen wie ein makaberer Schweigemarsch, selbst die Passanten am Wegrand verhielten sich teilweise still. Dürens NPD-Chef Ingo Haller (Inden-Pier) war in einem Priestergewand, mit Bibel und Priester-Hut angetreten und wirkte wie eine Karikatur von Don Camillo. Sein Stellvertreter, zugleich Anführer der Neonazi-Truppe KAL, René Laube (Vettweiß), war im schwarzen Traueranzug erschienen, mochte indes nicht auf seine übliche militärische Kopfbedeckung verzichten. Während die anderen rund 50 Neonazis nicht kostümiert erschienen waren, trugen am Ende des „Trauerzuges“ vier junge Neonazis Sträflingsuniformen als Zeichen dafür, dass sie vom Staat angeblich zu Unrecht wegen Volksverhetzungs- und Propagandadelikten sowie der Bildung einer terroristischen Vereinigung verfolgt werden. Anwesenden waren ebenso Lars Spönlein, NPD-Anführer aus Krefeld, und der NPD-Landesvize Claus Cremer (Bochum).

Neben der üblichen Medienkritik durch Don Haller bei der Auftaktkundgebung am Bahnhof wetterte der Siegener NPD-Chef, auch Mitglied im NRW-Landesvorstand, Stephan Flug, bei einer Zwischenkundgebung am Rathaus gegen Migranten. Die von dem ehemaligen Republikaner- und Pro-Köln-Aktivisten eher lieblos abgelesene Rede strotzte vor NPD-Wahlkampf- und Plakatslogans der vergangenen Jahre. Der frühere „Kölsche Haider“ kritisierte etwa die hohe Ausländerkriminalität, wetterte, dass das BgR zu Gewalt aufrufe und lobte die „gewaltfreien Nationaldemokraten“. Während die „Kameraden“ Flug gelegentlich Applaus spendeten, skandierten Antifaschisten einige Meter entfernt hinter Polizeiabsperrungen Parolen gegen Neonazis. Passanten, die direkt neben dem braunen Spuk standen, schimpften gegen die Rechtsextremisten, etwa ein junger Mann, der meinte, das Schauspiel erinnere ihn an die SA. Migranten versuchten am Rande der Flug-Rede zuerst diesen mit Buh-Rufen zu stören, beschränkten sich indes später darauf, den Redner auszulachen. Polizeibeamte nahmen nach Flugs Rede dessen Personalien auf wegen des Verdachts, dass er gegen die Auflagen verstoßen hat.

In Hörweite der hermetisch abgeriegelten Kirche hielt schließlich Don Haller die Grabrede auf das BgR, dem man während des Aufmarsches mittels Fronttransparent gedroht hatte: „Ihr habt abgedankt! Möge Euer Gott Euch vergeben. Wir tun´s nicht!“ Haller kritisierte zuerst, dass das BgR nicht nur zu Gewalt aufrufe, sondern auch Rufmord gegen „Nationalisten“ betreibe. Es bestehe ein Klima, so Haller frei nach der SA-Losung: „Kauft nicht bei Juden!“, indem es heute heiße: „Kauft nicht bei Nationalisten!“ Hallers Grabrede war rhetorisch einem Gebet nachempfunden, aus „Kameraden“ wurden „Brüder“, Haller rezitierte Psalme, rief zum Gebet für die „Ungläubigen“ des BgR auf und betete selbst mehrmals: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die „Gutmenschen“ müssten „auf den rechten Weg“ finden, sprach Don Haller.

Offenbar durch den Schweigemarsch arg strapaziert wollten die Rechtsextremen danach auch richtig demonstrieren. Ein KAL-Mann meldete eine „Spontandemo“ an. Lautstark und teils aggressiv Parolen skandieren zog der Pulk der „Nationalisten“ dann zurück im Polizeikordon – verstärkt durch zehn berittene Polizistinnen und Polizisten – zum Bahnhof zurück. Dabei skandierten die „gewaltfreien Nationaldemokraten“ (Flug) Parolen wie „Frei, sozial und radikal“, „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ und „Nationaler Sozialismus bis zum Tod“ sowie „Multikulti ist Völkermord, hier und an jedem andern Ort“ und „Heute seit ihr tolerant, morgen fremd im eignen Land.“

Das BgR blickte in seiner rund einstündigen Vollversammlung auf die Aktivitäten seit seiner Gründung vor einem Jahr zurück. Es hat seine Mitgliederzahl nach eigenen Angaben fast verdoppelt seit Ende Januar 2007. So gehören ihm mittlerweile mehr als 900 Mitglieder an, darunter rund 100 Vereine, Schulen und Kommunen. Mit einer Ausnahme wurde der alte Sprecherkreis in seinem Amt wiedergewählt. Die erwartete, kontroverse Diskussion, ob Bürgermeister Paul Larue (CDU) weiter dem Sprecherkreis angehören soll, blieb aus. Der Christdemokrat steht in der Kritik, da er eng mit dem rechtslastigen Dürener Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) kooperiert, dessen Vorsitzender Manfred Barsuhn der Vollversammlung neugierig beiwohnte. Larue wurde jedoch im Amt bestätigt, was nach der Abstimmung und einer ausbleibenden Diskussion von Teilnehmern im Gespräch mit „Klarmanns Welt“ sowohl begrüßt, als auch scharf kritisiert wurde. [© Klarmann]

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5 Antworten auf “Rechts: Vom Trauerspiel zum Pöbelmarsch – NPD in Düren zwischen Karneval und Hass”


  1. 1 BgR-Mitglied 09. Februar 2008 um 20:50 Uhr

    Der Bürgermeister wurde bestätigt? Das ist mir neu, schliesslich wurden die Sprecher in einer Liste gewählt. Es war eine Lachnummer, dass die Sprecher nicht einzeln kandidiert haben. Nach der ganzen Lobhudelei war wohl kein Platz mehr für etwas nötige und echte Kritik. Der Abend in der Kirche hat mich sehr verärgert und man sollte das nicht einfach so leise hinnehmen.

  2. 2 Klar, Mann? 10. Februar 2008 um 17:20 Uhr

    Aus Sicht der NPD:

    Pressemitteilung
    10.02.2008
    Gelungener Trauermarsch in Düren

    Düren- Am 08.02.08 konnte die NPD Düren ihren zweiten Aufmarsch bis auf einige polizeiliche Willkürmaßnahmen wie gewohnt ruhig durchführen.

    Der mitgeführte Sarg, getragen von vier Personen im Mönchskleidung in Begleitung unseres Kreisvorsitzenden in der Soutane eines Geistlichen, sorgte dank des zivilisierten Verhaltens der nationalistisch ausgerichteten Teilnehmer für einen gelungen Aufmarsch. Im hinteren Teil des Aufzuges rundeten dann noch vier Kameraden im Sträflingskleidung die Sache ab. Sie verdeutlichen damit mit welchen primitiven mitteln der politische Gegner versucht Nationalisten das Leben zu erschwert.

    Den eigentlich vorgesehenen Kundgebungsplatz wollte die Polizei uns nicht zur Verfügung stellen und positionierten ihre Absperrungen mehr oder weniger im Vorfeld schon falsch. Um so erfreulicher war zu sehen, daß zahlreiche Bewohner des Kaiserplatzes ihren Logenplatz einnahmen und dem Landesvorstandsmitglied Stephan Flug ihr Ohr schenkten. Entgegengesetzt der Pressevermutungen mußte dieser im nachhinein seine Personalien noch vorlegen, da dies nicht im Vorfeld geschah und nicht weil er fälschlicherweise gegen irgendwelche minderbegründeten Auflagen verstoßen hätte.

    Die „Grabpredigt“ für die Taten des BgR hielt dann der NPD-Kreisvorsitzende Ingo Haller in unmittelbarer Nähe des eigentlich vorgesehenen Platzes.

    Unterm Strich gesehen können wir mehr als zufrieden mit dem Aufmarsch sein, da sich nicht nur zahlreiche Bürger ein Bild machen konnten, von wem die Gefahr in Düren wirklich ausgeht, sondern auch die erfreuliche Teilnehmerzahl von 74 national gesinnten Deutschen spricht für sich. Für den Aufmarsch wurde von Seiten der NPD Düren bewußt nicht groß geworben, hier wollte man lediglich testen, welches Potenzial binnen drei Tagen aus dem Umfeld zu organisieren ist, ohne die Parteikameraden in dem üblichen Ausmaß einzugliedern.

    NPD Kreisverband Düren
    Düren, den 10.02.2008
    Ingo Haller
    (Kreisvorsitzender)

    laut polizei war flug als redner nicht den behörden gemeldet worden. man habe dessen personalien aufgenommen, da die vorherige nicht-meldung des redners gegenüber den behörden zu ermittlungen wegen des verdachts eines verstoßes gegen die versammlungsauflagen führten. dieser verdacht richtet sich also nicht gegen die inhalte von flugs rede, sondern dagegen, dass ihn die versammlungsleitung zuvor nicht der polizei gemeldet hatte. mik

  3. 3 Klar, Mann? 10. Februar 2008 um 17:43 Uhr
  4. 4 Klar, Mann? 12. Februar 2008 um 17:55 Uhr

    Aus Sicht der NPD 2:

    Was uns zum Aufmarsch bewegte

    Da die NPD Düren von vornherein nicht plante, eine größere Demonstration in Düren durchzuführen, sondern lediglich den Anhängern des BgR etwas zum nachdenken zu geben, hat man unseren Aufmarsch auch erst in den letzten zwei Tagen beworben.

    Aufmerksamen Beobachtern unserer Feldpost, wie z.B. Klarmann, Taufenbach, Krüger…, wird ebenso aufgefallen sein daß aus den eigenen Reihen der NPD Düren nur sehr wenige Kameraden anwesend waren, was ebenso von uns beabsichtigt war.

    BgR steht bekanntlich für „Bündnis gegen Rechtsextremismus und Gewalt jeglicher Art“, jedoch glichen die Taten diverser Bündnismitglieder im letzten Jahr eher ausschließlich einem Bündnis gegen einen bestimmten politischen Gegner aus Düren, der selber niemals wegen politischen Straftaten auffällig geworden ist. Gegenüber den wahren Intensivtraftätern wie Migranten wurde nichts unternommen. Im Gegenteil, straffällig gewordene Ausländer und Antifaschisten konnten angeblich nicht ermittelt werden, erkannte Straftäter konnte man nicht belangen da es sich, wie z.B. bei schwerem Diebstahl, nicht um ein öffentliches Interesse handelte oder die Schadenssumme zu gering wäre.

    Die Antifa Düren hingegen steht sogar im verdacht zahlreiche Straftaten selbst ausgeführt zu haben. In einigen Fällen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft. Da das Bündnis aber mit dem Ausspruch „gegen jegliche Art von Gewalt“ wirbt und einige Mitglieder des Bündnisses, seien Sie auch aus dem nationalen Lager, darüber sehr erbost sind entschlossen wir uns zu diesem, wenn auch ungewöhnlichem Schritt. Nicht umsonst waren bei der diesjährigen Vollversammlung mehr als 200 Besucher der Kirsche ferngeblieben.

    Entgegengesetzt der Medienberichte demonstrierten wir nicht gegen das Bündnis als solches, sondern gegen den einseitigen Propagandakampf in dem man sogar in Kauf nimmt daß infolge dessen Deutsche Bürger aus Düren körperlich und finanziell zu Schaden kommen.

    NPD Düren
    Der Vorstand

    die npd hat sehr wohl innerhalb der rechten szene frühzeitig für den aufmarsch geworben, jedoch zeitweise noch für einen fackelmarsch mit trommeln, was die polizei ablehnte. mik

  5. 5 Klar, Mann? 17. Februar 2008 um 9:01 Uhr

    Begrüßungstext von Susanne Rössler, BgR-Sprecherin, bei Vollversammlung:

    http://www.duerener-buendnis.de/2008/begruessung-zur-vollversammlung-des-buendnisses-am-822008/

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