Aachen. Nachdem es im Herbst mehrfach zu rechtsextremen Vorfällen gekommen war, kam es in Aachen zu neuen Ereignissen. Wie berichtet, war es in Walheim zu Schmierereien und im Ost- und Frankenberger Viertel zu rechten Aufkleber-Aktionen gekommen. Zudem wurden damals Vorfälle bekannt, bei denen Neonazis volksverhetzende Musik spielten und Parolen grölten. Auch wurde eine Schwarzafrikanerin bedroht.
Schon in der Nacht zum 1. Januar pöbelten Neonazis in der Zeppelinstraße wieder Migranten an. Rund fünf Rechte bauten sich dabei um Mitternacht vor einem größeren Mietshaus auf, in dem diese leben. Dabei riefen sie nach „Nachrichten“-Recherchen ausländerfeindliche und rechte Sprüche. Während des Feuerwerks warfen sie gezielt mit Krachern auf Kinder der Migranten, die sich ins Haus zurückzogen.
An Fettdonnerstag hatten sich nach „Nachrichten“-Recherchen Neonazis mit bis zu 35 Personen verabredet. Ein Antifaschist sagte, er habe zudem gehört, dass diese geprotzt hätten, sie würden „Zecken klatschen“. Meint: Linke und Punks verprügelt. Nachdem die kostümierten Neonazis auf dem Markt mit Linken aneinander gerieten, nahm der Sicherheitsdienst einen der Nazigegner fest. Zwei Neonazis aus Aachen und Düren, beide Vertreter der Neonazi-Feindaufklärung „Anti-Antifa“, folgten ihnen und fotografierten ungestört den Ausweis des 16-Jährigen bei der Übergabe an die Polizei ab.
An Fettdonnerstag kam es auch am Elisenbrunnen zu Vorfällen, weil Neonazis und Mitläufer Punks und Migranten mit rechten Parolen und dem Zeigen des Hitler-Grußes provozierten oder mit Flaschen warfen. Einmal besprühten dabei Punks einen Neonazi mit Pfefferspray, einmal griffen Linksautonome einen Neonazi an. Die Polizei nahm Strafanzeigen auf und erteilte Linken und Rechten Platzverbote. Neonazis landeten den Tag über in Polizeigewahrsam. Auch in Richterich sprach die Polizei am Festzelt Platzverweise gegen Neonazis aus.
Für den festgenommenen Linken hatte das Fotografieren seines Ausweises Folgen. Schon zuvor hatten Neonazis ihn via Internet bedroht. Nachdem man nun dessen Adresse kannte, wollten offenbar zwei von ihnen den 16-Jährigen abpassen, als er von einem Antinazi-Protest am 8. Februar heim kam. Nur durch die Warnung von Anwohnern lief er den Neonazis, die dessen Haustür mit „Anti-Antifa“-Aufkleber beklebten, nicht in die Arme.
Auf der Anreise zu besagter Demo in Düren am 8. Februar war das Kräfteverhältnis noch anders gewesen. Rund zehn von sechzig Antifaschisten hatten eine Handvoll Neonazis bei Langerwehe aus dem Zug geworfen. Diese gehörten teils der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) an und sollen laut Szenekreisen in Aachen einen eigenen „Sturm“ gegründet haben. KAL-Mitglieder stehen im Verdacht, auch an den Schmierereien in Walheim beteiligt gewesen zu sein. Mitte Januar waren nach „Nachrichten“-Recherchen KAL-Leute und andere Neonazis schon am Holzgraben in Gewahrsam genommen worden, weil sie rechte Parolen skandiert hatten.
In Haaren löste die Polizei kurz vor Karneval eine Party zum Geburtstag eines 18-Jährigen auf. Offenbar war der Wirt getäuscht worden und hatte ein Hinterzimmer zur Verfügung gestellt. Es wurde rechte Rockmusik gehört und infolge von Streitereien beendete die Polizei die Fete. Danach gerieten Teile der Gruppe in Aachen wieder in Auseinandersetzungen. Daher wurde laut Polizei eine Person „dem Polizeigewahrsam zugeführt“. Die anderen seien „in die elterliche Obhut gegeben“ worden. Teile der Jugendlichen waren später auch an den Streitereien an Karneval beteiligt.
Nach der Partie gegen den 1. FC Köln leitete die Polizei Ermittlungen gegen einen 15-Jährigen aus Herzogenrath wegen Volksverhetzung ein. Der Junge soll einen Ordner antisemitisch beleidigt habe. Auch er verkehrt nach Recherchen unserer Zeitung unter den sehr jungen Fans der Alemannia, aus denen sich rechte Cliquen entwickelt haben. Gerade in Eilendorf, im Ostviertel, in Richterich und Kohlscheid trifft man auf die Jugendlichen und Heranwachsenden, die meist an den Vorfällen beteiligt waren. [© Klarmann; Teil einer „Nachrichten“-Recherche; wird teils gekürzt, teils ausgeweitet und somit in Teilen konkretisiert]
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