Archiv für Februar 2008

Rechts: Anti-Antifa Aachen reloaded [update]

Aachen. Die Neonazi-Feindaufklärung „Anti-Antifa Aachen“ (AAFAAC) will wieder Daten und Fotos von politischen Gegnern im Internet veröffentlichen. Offenbar aus Szenekreisen wurde „Klarmanns Welt“ am 27. Februar auf eine im Aufbau befindliche Homepage hingewiesen, die die Gruppierung derzeit einrichtet. Bis heute fanden sich auf der Homepage noch keine Angaben über Nazigegner, jedoch wird dies angekündigt. In einem Introtext heißt es unter der Überschrift „Unsere Stadt bleibt sauber“, man habe sich am 22. Februar mit „knapp 20 Kameraden“ getroffen und wolle künftig „linksfaschistischen Gruppierungen wie z.B. [der] SAV oder auch der (Aktiven) Antifa-Aachen das Leben schwer […] machen. […] Die Schlacht, sie kann beginnen !“

In der Selbstdarstellung schreiben die Neonazis aus Stadt und Kreis Aachen, man wolle „sich keine antifaschistische Aktionen gefallen lassen.“ Man wolle „direkte Gegenstöße“ gegen „linke Gewalt“ anwenden. Eine „Anti-Antifa Aachen“ aus Mitgliedern der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) und des „Sturmbunds Aachen“ (SBA) – dessen Anführer einst eine Art obskures Konzept für die Anti-Antifa entwarf [1] – war im Herbst 2006 schon einmal aktiv geworden. Damals hatte man Bilder und Daten von Nazigegnern auf einer Homepage veröffentlicht mit dem Untertitel: „Antifa heißt Angst!“ [2] Später traten verschiedene Neonazis aus der Region auch als örtliche „Anti-Antifa“ auf, etwa in T-Shirts mit den Aufdrucken „Anti-Antifa Herzogenrath“ [3] oder der Sohn eines Polizeibeamten als „Anti-Antifa Kohlscheid“.

Die Gruppierung(en) selbst wurde(n) später umbenannt und zusammen gefasst in die „Anti-Antifa Aachen-Düren“. Diese will sich jedoch Mitte 2007 aufgelöst haben [4]. Begründung: es gebe keine aktive Antifa-Szene in der Region mehr und das Gegen-„Projekt“ sei demnach Zeitverschwendung. Aus jenem Umfeld rekrutierte sich später die „Aktionsgruppe Rheinland“ (AGR) der regionalen „Autonomen Nationalisten“ [5]. Ungeachtet der Umbenennung und einer vermeintlich nach außen hin anderen Art der Aktivitäten sammelten frühere Mitglieder der „Anti-Antifa“ und neue Neonazis weiterhin Daten über Gegner. Das Material will man nun offenbar auch publizieren.

Offenbar gab es im zeitlichen Umfeld des Gründungstreffens auch schon erste Aktionen vonseiten der „Anti-Antifa Aachen“. So erfuhr „Klarmanns Welt“ von örtlichen Antifaschisten, dass am Freitagabend (22.2.) ein zwanzig- bis dreißigköpfiger „Mob“ Neonazis am Elisenbrunnen auf sie zugestürmt war. Die Antifaschisten flüchteten Eigenangaben zufolge vor den Neonazis. Gerüchten zufolge sollen diese auch im Umfeld einer Sitzung der SAV im Ostviertel Besucher provoziert haben. Unter den Neonazis seien Jugendliche und Heranwachsende gewesen, die schon zuvor der „Anti-Antifa“ angehört hatten und teilweise der rechtsradikalen Fanszene von Alemannia Aachen und den „Autonomen Nationalisten“ angehören. Dieselben Kreise waren schon an Karneval an verschiedenen Provokationen und Gewaltaktionen beteiligt [6]. [© Klarmann]

[1] Realsatire: Als der Sturmbund Aachen schon die Anti-Antifa-Aachen sein wollte (Link führt zum alten Blog.)
[2] Rechte Szene in Aachen Stadt zwischen stürmischen Zeiten und dem Ballfieber (Link führt zum alten Blog.)
[3] Boom der Anti-Antifa-Grüppchen… (Link führt zum alten Blog.)
[4] Anti-Antifa will sich aufgelöst haben und Aktionsfront West sein (Link führt zum alten Blog.)
[5] Aktionsgruppe Rheinland haut schon mal mächtig auf die braune Kacke (Link führt zum alten Blog.)
[6] AUSEINANDERSETZUNGEN ZWISCHEN NEONAZIS UND ANTIFASCHISTEN AN KARNEVAL; NEUER VORFALLREIGEN AUS DEM BEREICH POLITISCH MOTIVIERTES TREIBEN RECHTS; NAZIPAROLEN IM AZ UND EINE AUFGELÖSTE NAZIPARTY