Dokumentiert: Kritik an geplantes Flammenritualgedenken am Friedenskreuz

Stolberg. „Unsere Ehre heißt Treue“, die Losung der SS ist damals wie heute, seit 1952, in das Ambiente des „Mahnmals“ im Stolberger Ortsteil Zweifall eingebunden [1]. Vor dem Hintergrund des auf einem Sockel stehenden Kreuzes bildet der behauene Stein auch im Jahre 2008 den Mittelpunkt des „Friedenskreuzes“. Rechts und links eingerahmt von den ebenfalls in Stein gemeißelten Namen der Gefallenen. Die Namen jener Männer, die für eine faschistische Diktatur in den Krieg zogen und dort für diese elendig zugrunde gingen.

Der Initiativkreis „Zweifaller Friedenskreuz“ plant für Karfreitag die Tradition der vergangenen Jahre fortsetzten und das auf privatem Grund stehende „Mahnmal“ mit über 100 Öllampen zu illuminieren. Darüber kann man in Goldschrift lesen: „Den Helden von Zweifall“. „1947 installiert und 1952 erweitert, macht die Anlage heute sehr deutlich, in welchem Geiste, in welcher inneren Tradition man damals teilweise noch fühlte und dachte! Die Befreiung durch die Alliierten, am 12. September 1944, verband sich vermutlich erst langsam mit der gefühlten Wirklichkeit“, so Ellen Rütten.

Noch immer ist die Aachener Staatsanwaltschaft mit der Strafanzeige betraut, die Ellen Rütten am 21. September 2007, stellte. Grundlage hierfür bildet Paragraf § 86a: „Die Verwendung und Kennzeichnung verfassungsfeindlicher Symbole!“ Der Slogan „Meine Ehre heißt Treue“ zierte von 1933 bis 1945 die Koppel der SS-Soldaten. Im Spätherbst kam es zu einem spektakulären Versuch der Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. Begründung: „Unsere Ehre heißt Treue“ sei in diesem Fall keine verfassungswidrige Einlassung. Dies würde das christliche Kreuz verdeutlichen. Die Nationalsozialisten hätten nichts mit dem Christentum zu tun gehabt. Bereits im Jahre 1984 hatte der katholische Geistliche des Ortes sich geweigert, das damals frisch renovierte Kreuz einzusegnen.

Kurz vor Weihnachten dann die Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft Köln. Mit ihrer unabhängigen, sachlichen Sicht auf die Geschichte des Nationalsozialismus machten sie es der Aachener Justiz unmöglich, ihre Geschichtsklitterung zu vollenden und das Verfahren zu entsorgen. In den vergangenen Jahren wurde die Ge- und Bedenkstätte auf dem Kahlenberg mehrmals mit Farbe beschmiert – zuletzt im vergangenen Herbst.

„Karfreitag gehen wir wieder auf den Kahlenberg!“ so Heinz Schweitzer, der Sprecher der Initiative. Die erneuten Recherche-Ergebnisse der Aachener Staatsanwaltschaft stehen noch aus. Ellen Rütten fordert weiterhin zumindest eine Tafel, die die Losung sachlich und geschichtlich korrekt erklärt und zuordnet! Dann könne das „Friedenskreuz“ tatsächlich „ein Objekt praktischen, prozesshaften, politischen Lernens werden!“ [Textquelle: redigierte Pressemitteilung/Stellungnahme von E. Rütten]

[1] Leserinnen und Leser, die die ausführliche Berichterstattung zu dem „Mahnmal“ und den etwas komplizierten Ermittlungsergebnissen bislang nicht verfolgt haben, schauen sich bitte diese Artikel und die zu einer Art Gesamtverzeichnis führende Linkliste an deren Ende (Fußnoten) an: Staatsanwaltschaft prüft diesmal sorgfältig wegen SS-Parole auf Friedenskreuz; SS-Parole auf Kreuz tatsächlich kein Firlefanz – Einstellungsbescheid back to sender (Links führen zum alten Blog.)