Aachen. Die Freilassung erfolgte ohne Angabe von Gründen, doch Omar Pernet Hernández wurde Mitte Februar offenbar wegen seiner schweren Erkrankungen aus der Haft entlassen. Der Gründer einer unabhängigen Bibliothek und einer lokalen Menschenrechtsgruppe war in Kuba im März 2003 zu fünfundzwanzig Jahren Haft verurteilt worden. Ende Februar erreichte dann Rita Becker von der Menschenrechtsorganisation „amnesty international“ (ai) die Nachricht von der Freilassung „ihres“ politischen Häftlings.
Am 18. März jährt sich zum fünften Mal der Beginn einer mehrtägigen Verhaftungswelle oppositioneller Kräfte in Kuba. Während die Welt damals auf den beginnenden Irak-Krieg schaute, wurden im Staat von Fidel Castro rund achtzig Menschen verhaftet, die sich für Meinungsfreiheit und Menschenrechte engagierten. Im Zuge des „Schwarzen Frühlings“ wurden davon 75 Betreiber unabhängiger Medien, Journalisten, Schriftsteller, Ärzte und Wissenschaftler in Schnellverfahren abgeurteilt. Rund 50 der Verurteilten sind heute noch inhaftiert. Pernet Hernández war bis vor kurzem noch einer von ihnen, doch die Haft hatte dem heute 62-Jährigen gesundheitlich zugesetzt: er litt an Lungeproblemen, Bluthochdruck und Magengeschwüren, zudem war er bei einem Autounfall während der Haftverlegung so schwer verletzt worden, dass man ihm zuerst sogar ein Bein amputieren wollten.
Seit den Verhaftungen im März 2003 haben sich die Beziehungen zwischen Kuba und der Europäischen Union (EU) verschlechtert. Die EU schränkte ihre diplomatischen Beziehungen ein und verhängte Sanktionen gegen den Inselstaat. Eine Normalisierung soll erst wieder möglich werden, wenn alle Inhaftierten frei sind. Unabhängig davon „betreute“ die Aachener ai-Gruppe um Rita Becker insgesamt sechs jener Inhaftierten. Neben Pernet Hernández war zuvor schon einer davon frei gekommen. Für die Freilassung der übrigen aus Aachen „Betreuten“ sammelt ai weiter Unterschriften sowie motiviert Politiker und Geschäftsleute, Protestschreiben an die kubanischen Behörden zu schreiben.
Mitte Februar wurden insgesamt sieben, meist erkrankte „März-Häftlinge“ gemeinsam freigelassen. Von drei der Personen seien die Namen bislang nicht bekannt geworden, sagt Rita Becker. Die vier anderen Häftlinge – darunter Pernet Hernández – seien ohne Angabe von Gründen entlassen worden. Aus der Haft heraus seien sie ohne Entlassungspapiere oder die Möglichkeit eines Abschieds von Angehörigen zum Flughafen gebracht worden. Von dort aus habe man sie ins spanische Exil geflogen, wo man ihnen Asyl gewährte. Heute lebe der Bibliothekar ohne Angehörige in Madrid, sitze im Rollstuhl und hoffe, dass man ihm das lädierte Bein wieder heilen könne, sagt Rita Becker.
In Kuba selbst engagierten sich auch die Angehörigen um die Freilassung der „März-Häftlinge“. Die „Damas de Blanco“ (Frauen in Weiß) halten etwa jeden Sonntag schweigend einen Art Spaziergang in Havanna ab, um an das Schicksal ihrer Ehemänner und Söhne zu erinnern. Diese sind im gesamten Land verstreut inhaftiert, oft mehrere hundert Kilometer von ihren Familien entfernt, so dass Angehörige mehrere Tage reisen müssen, um sie zu besuchen. Im Jahre 2005 wurden die Frauen mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit durch das EU-Parlament ausgezeichnet. Persönlich entgegen nehmen konnten sie die Ehrung nicht, da das kubanische Regime ihnen die Ausreise verweigerte. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]
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