Aachen. Unbekannte Täter haben heute Morgen gegen 3 Uhr im Innenstadtbereich zwei große Fenster in der Wohnung eines von Neonazis bedrohten Antifaschisten eingeworfen. Der angerichtete Schaden wird auf rund 1.000 Euro geschätzt. Auf dem Bürgersteig unterhalb der Fenster seien zudem weitere Pflaster- und Ziegelsteine gefunden worden, erfuhr „Klarmanns Welt“ aus gut unterrichteten Kreisen. Ein Polizist sagte demnach auch, hätten die Steinewerfer mit dem Wurfmaterial Personen in dem Raum getroffen, wäre es vermutlich zu schweren Verletzungen gekommen. Ermittlungen wegen Sachbeschädigung seien eingeleitet worden, hieß es weiter.
Der 16-jährige Jugendliche lebt mit seiner Mutter gemeinsam in der Wohnung. Er wird seit Monaten schon von örtlichen Neonazis und der „Anti Antifa“ via Internet bedroht [1]. In späteren Bedrohungen hieß es etwa: „Ich wusste doch das alle Zecken krank sind und wie Müll beseitigt werden müssen!!! […] Sowas wäre früher nicht frei rumgelaufen!!! 88“ (88 steht als Zifferncode für HH, meint „Heil Hitler“). Zudem hieß es, der Antifaschist werde dereinst sein „Fett noch weg kriegen“. Nachdem Neonazis dann bei einem Zwischenfall an Karneval den Personalausweis des 16-Jährigen abfotografiert hatten [2], wollten ihm offenbar Anfang Februar Neonazis vor der Wohnung auflauern und beklebten Haustür und Briefkästen mit Aufklebern der „Anti Antifa“ [3]. Nachdem man wegen dieses Vorfalls die Polizei alarmiert hatte, hatten sich die Neonazis unerkannt zurückgezogen.
Antifaschisten aus Aachen wollen noch in dieser Woche wegen der anhaltenden Angriffe gegen den Jugendlichen eine Solidaritätsdemonstration in der Innenstadt abhalten, hieß es vonseiten der Anmelder gegenüber „Klarmanns Welt“. Genaueres dazu werde später mitgeteilt, hieß es weiter. Vermutlich wolle man jedoch am Donnerstag gegen die zunehmenden rechten Aktivitäten protestieren. [© Klarmann]
[1] Drohungen aus der vermeintlichen Anonymität des Webs heraus…
[2] AUSEINANDERSETZUNGEN ZWISCHEN NEONAZIS UND ANTIFASCHISTEN AN KARNEVAL; NEUER VORFALLREIGEN AUS DEM BEREICH POLITISCH MOTIVIERTES TREIBEN RECHTS
[3] NAZIS ALS DROHKULISSE GEGEN 16-JÄHRIGEN ANTIFASCHISTEN; NEUER VORFALLREIGEN AUS DEM BEREICH POLITISCH MOTIVIERTES TREIBEN RECHTS
Tja, dann ist das neue Lieblingsbetriebssystem vom Herrn von T***** wohl Windows.
lasse ich mal so als eingeständnis stehen. auch in der hoffnung, dass nicht auch die andere feldpostnummer dasselbe bestriebssytem entdeckt – und es die „anti-antifa“ mir wieder in die schuhe schiebt… mik
Vielleicht hatte ja seine Mutter endlich genug von dem Pfeffermühlen-Unsinn und hat das Ding kurzer Hand aus‘m Fenster geworfen?!?
Ne, aber mal im Ernst: Der liebe Zugreisende ist ja auch kein Kind von Traurigkeit, ne?
Aus Sicht von „AntifaschistInnen aus Aachen“ (dokumentierte Pressemitteilung vom 24.3.2008):
Aachener Polizei spielt Neonazis Informationen zu. Angriff auf einen Antifaschisten
Sonntagnacht wurde die Wohnung eines Aachener Antifaschisten von Neonazis angegriffen. Die AngreiferInnen warfen mit Ziegelsteinen Fenster der Wohnung ein.
Diesem neofaschistischen Angriff geht eine Geschichte voraus, die die Aachener Polizei in keinem guten Licht erscheinen lässt. So wurde der nun zum wiederholten Male bedrohte Antifaschist Karneval 2008, nachdem er sich engagiert einer Gruppe von NeofaschistInnen auf dem Aachener Markt entgegengestellt hatte, von der Polizei kontrolliert und festgenommen. Die Kontrolle lief derart ab, dass Aachener PolizistInnen seinen Personalausweis begutachteten und diesen offen einsehbar platzierten. Das besondere an dieser Situation: Einige Neonazis begleiteten diese Kontrolle mit ihren Videokameras und filmten den Personalausweis des Antifaschisten samt Adressangabe ab, obwohl die Polizei auf diesen gefährdenden Umstand hingewiesen wurde. Die Gruppe der Neonazis zog, nachdem einige AntifaschistInnen festgenommen wurden, durch die Aachener Innenstadt und griff noch mehrere Menschen an, bis die Polizei, nach Stunden, auch gegen sie vorging.
Seit diesem Vorfall wird besagter Antifaschist von Aachener Neonazis bedroht und angegriffen. An seiner Wohnung fanden sich unlängst Aufkleber der so genannten Anti-Antifa, einer Neonazi-Organisation, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Adressen und Informationen über AntifaschistInnen, JournalistInnen und andere Personen, die sich gegen neofaschistische Strukturen engagieren zu sammeln und diese auf so genannten Schwarzen Listen zu veröffentlichen.
Neofaschismus, das offensive Auftreten von Neonazis, rassistische Übergriffe sind längst keine Probleme mehr, die vor der Aachener Stadtgrenze halt machen. Nahezu jedes Wochenende kommt es inzwischen zu Provokationen von Neonazis in der Aachener Innenstadt. Diese organisieren sich nicht etwa ‚nur’ in den Vorstädten, sondern aktiv an Aachener Schulen und am Tivoli in verschiedenen Fanclubs. Etliche Neofaschisten der Anti-Antifa sind etwa in der ‚AC-Ultras Nachwuchsgruppe’ aktiv und mitunter auch schon mal in dem Alemannia-Fanhaus in der Liebigstrasse anzutreffen.
Mit dem – freundlich ausgedrückt – fahrlässigen Verhalten der Polizei, NeofaschistInnen persönliche Informationen von AntifaschistInnen zugänglich zu machen, ist die Aachener Polizei mitverantwortlich für die neuerlichen Angriffe.
Dieser Vorfall und seine Vorgeschichte zeigen einmal mehr, dass Antifaschismus in die eigene Hand genommen werden muss und ein blindes Vertrauen in staatliche Strukturen nicht angebracht ist.
Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren!