Rechts: Stichworte zu dem getöteten 19-Jährigen und wie die Braunszene damit um geht…

Stolberg. Kurze und aktuelle Infos zu dem Tötungsdelikte an einen 19-Jährigen, der am Freitagabend in Stolberg durch Messerstiche schwer verletzt wurde und später seinen Verletzungen erlag [1]:

– Laut Lokalpresse wurde der Täter gefasst und soll gegenüber den Ermittlern die Tat gestanden haben. „Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Sonntag […], dass bereits am Samstag ein 18-Jähriger aus Stolberg als Tatverdächtiger festgenommen wurde. […]

Der 18-Jährige wurde in die Untersuchungshaft überstellt. Er wurde in Stolberg geboren und ist formal ohne Nationalität. ‚Er hat die Tat weitestgehend eingestanden’, erklärte Oberstaatsanwalt Robert Deller,“ so die LOKALPRESSE.

– Auf der Neonazi-Homepage der „Aktionsgruppe Aachen“ (AGAC [2]) wurden Fahndungsbilder und teilweise auch (Vor-)Namen von angeblich bekannt gewordenen Tätern veröffentlicht, die den 19-Jährigen und das 17-jährige NPD-Mitglied überfallen haben sollen. Obschon „Autonome Nationalisten“ aus der Region mehrfach behauptet haben, die AGAC existiere nicht – angeblich sei die Homepage eine Fälschung der Antifa –, konnte man auf dieser Homepage schon bald nach der Tat Hinweise zum Tatverlauf nachlesen, die bis dahin mit großer Wahrscheinlichkeit nur Rechtsextremisten aus dem Umfeld der lokalen Braunszene und des 17-jährigen NPD-Mitglieds bekannt sein konnten. Oder den Ermittlern.

– Während viele NPD-Verbände und insbesondere die „Autonomen Nationalisten“ und „Kameradschaften“ auf ihren Homepages immer noch von dem Opfer als „Kameraden“ schreiben, rudert die lokale NPD – nach Aachen nun auch Düren – langsam zurück. Sowohl in einem Videoclip aus der Braunszene mit einem Interview mit dem Dürener NPD-Kreischef, Ingo Haller, als auch auf der Dürener NPD-Homepage, wird aktuell nicht mehr ganz so deutlich von einem „Kameraden“ gesprochen, wie am Sonnabend. Zitat Haller (Bericht auf der NPD-Homepage): die „Mahnwache“ am Samstag habe „nichts damit zu tun, ob das Opfer ein Kamerad war oder nicht. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass ein deutscher Jugendlicher hinterhältig von sechs Migranten angegriffen wurde und allem Anschein nach durch vier Stiche im Oberkörper sein Leben ließ.“

– Für das Neonazi-Portal „Altermedia“ ist das Todesopfer immer noch ein Mitglied der rechten Szene. Obschon Freunde des Opfers nun mehrfach im Web zum Ausdruck gebracht haben, dass der 19-Jährige kein Mitglied der rechten Szene war, beruft sich Altermedia auf ein Profil im StudiVZ, in dem das Opfer angegeben hat, dass es politisch „rechts“ stehe. Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ ist dies zwar korrekt wiedergegeben, indes verschweigt das wichtige Quasi-Nachrichtenportal der Braunszene, dass das Opfer in jenem Profil auch viele Migranten in seiner Freundesliste verlinkt hat – aber keinen einzigen Neonazi aus der Region.

– Die NPD plant eine „Großdemo“ in Stolberg anlässlich der Tat. Weiterhin ist in Szenekreisen die Rede davon, dass dies am kommenden Samstag (12.4.) passieren soll. Offenbar wird dieses Datum aber nicht mehr regulär beworben. Nun wird auf das Datum des 26. April für diesen Großaufmarsch hingewiesen. Unter anderem hat in einem Neonazi-Forum der Webmaster der „Kameradschaft Aachener Land“ auf dieses Datum hingewiesen. Bundesweit sollen zu dem Aufmarsch auch Neonazis aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland anreisen. Dem Vernehmen nach wurde für den 26. April auch schon eine Demonstration angemeldet. Ob Antifaschisten Gegenproteste planen, ist unklar. Das örtliche „Bündnis gegen Radikalismus“ appelliert jedoch zur Besonnenheit.

– „Altermedia“ und andere Neonazi-Homepages publizieren seit anderthalb Tagen das Bild eines Leichenwagens und behaupten, das Bild zeige, wie das Todesopfer gerade abgeholt werde. Dies ist eine Lüge. Während die Polizei am Samstag eine Spontandemo stoppte und die Neonazis festsetze, machten Kollegen und der Autor dieser Zeilen Fotos von dieser Aktion. Zufällig parkte in einer Straße daneben ein Leichenwagen und lud einen Sarg ein oder aus. Ein Kollege machte ein Bild von den gerade durch die Polizei gestoppten Neonazis, auf dem in einem Bildbereich ebenso der Leichenwagen zu sehen ist. Mit dem Opfer hat das indes nichts zu tun. Zum Zeitpunkt der Aufnahme dürfte der Leichnam in der Gerichtsmedizin in Köln obduziert worden sein.

In mehreren Städten Deutschlands haben Neonazis am Wochenende Spontandemonstrationen/Kundgebungen anlässlich der Tat abgehalten oder mit Flyeraktionen auf den Fall hingewiesen. Auf einer größeren Demonstration am Wochenende erinnerte NPD-Chef Udo Voigt überdies an das Opfer und forderte zu einer Schweigeminute auf. [© Klarmann]

[1] JUNGER RECHTSEXTREMIST BEI MESSERSTEICHEREI IN STOLBERG GETÖTET?
[2] AKTIONSGRUPPE AACHEN WILL MITMISCHEN


2 Antworten auf “Rechts: Stichworte zu dem getöteten 19-Jährigen und wie die Braunszene damit um geht…”


  1. 1 Klar, Mann? 07. April 2008 um 20:08 Uhr
  2. 2 check it! 08. April 2008 um 15:16 Uhr

    In Marburg haben vermutlich „Autonome Nationalisten“ (also als coole kids verkleidete Nazis) angeblich eine Spontandemo durchgeführt. Es gab einen Artikel dazu auf Indymedia, der aber inzwischen verschwunden ist. Der gesamte Artikel wird als Fake bewertet d.h. die Nazis haben nur vorgegeben ihrem angeblichen „Kameraden“ zu gedenken und in Wirklichkeit dumm rum gesessen. Vielleicht kannste da ein paar ergänzende Informationen zu auftreiben.

    das auftreiben von informationen füllt mich derzeit schon in meinem „angestammten“ gebiet voll und ganz aus… mik

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.