Stolberg. Die rechtsextreme Szene wird sich offenbar nicht einig darüber, an welchem Tag sie in Stolberg anlässlich der Bluttat an einem 19-jährigen Deutschen aufmarschieren will. Regionale NPD-Kreisverbände werben derzeit dafür, dass man am 26. April in Stolberg aufmarschieren werde; dass das Opfer ein NPD-Mitglied oder –Sympathisant gewesen sei, wird dabei immer weniger behauptet, jedoch sei das Opfer „ein Deutscher“ gewesen. Viele „Autonomen Nationalisten“ (AN) und „Freien Kameradschaften“ rufen indes derzeit zu einem eigenen Aufmarsch in Stolberg am 12. April, also kommenden Sonnabend, auf; sie nennen das Opfer noch einen „Kameraden“, halten diesen für einen Rechtsextremisten und „Märtyrer“.
Anmelder der NPD-Demonstration ist der Stolberger Ratsmann Willibert Kunkel, den Aufmarsch der „Freien“ hat laut Szene-Homepages der einflussreiche Hamburger Neonazi Christian Worch angemeldet. Grundlegende Unterschiede in den Planungen sind Diskussionen innerhalb der Braunszene: während die NPD einen großen Aufmarsch organisieren und „Kameraden“ aus ganz Deutschland die gemeinsame Anreise ermöglichen will, finden Worch und offenbar auch die ANs aus der Region, dass ihr Aufmarsch sobald als möglich nach der Tat stattfinden soll und es auf die Größe des Aufmarsches nicht unbedingt ankomme.
Nachdem sich zuvor schon Freunde des Opfers davon distanzierten, dass der 19-Jährige ein Rechtsextremist gewesen sei, haben sich gestern offenbar auch die Eltern gegen die „Lügen“ aus der Braunszene über ihren Sohn verwehrt [1]. Die Neonazis stört das indes wenig. Sie wollen angeblich weiter bundesweit mit Spontan-Aktionen und Flyern auf ihren „ermordeten Kameraden“ aufmerksam machen. Und auch im Internet werden längst Flyer per Grafikdateien zu ehren des „Märtyrers“ oder Todesanzeigen desselben verbreitet, in denen statt des üblichen Zeichens für die Geburt und den Tod (Stern und Kreuz) die germanischen Lebens- und Todesrunen den Geburts- und Todestag des Opfers kennzeichnen. Bei nahezu allen Szene-Veröffentlichungen werden überdies Bilder des Opfers gezeigt. [© Klarmann]
[1] FREUNDE UND ELTERN DES ANGEBLICHEN NEONAZIS FORDERN ENDE DER LÜGEN
Warten wir noch darauf, bis die Nazis wieder für jeden getöteten Deutschen zehn Ausländer umbringen? Die Äußerungen in Nazi-Foren sagen ja implizit dieses aus. Früher musste man dafür noch aufwändig in Jugoslawien oder Italien einmarschieren, heute kann diese Gruppierung einfach das Haus der ausländischen Nachbarn anzünden. Mobilisierung? Bisher nur bei den Nazis, bedenklich…
Wo bleibt bei den aufrechten Deutschen mit der aerodynamischen Frisur eigentlich die Empörung, wenn ein Linker umgebracht wird? Ahh, verstehe, Gewalt und Mord sind nicht schlimm, wenn es nur den Richtigen träfe….
Faketicker:
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„Leichnam von Ruolf Heß ausgebuddelt und geschändet. Aufnahmen hiervon bei YouTube. Nazis zeigen sich empört. Täter: ‚Herrn Heß hätte es Spaß gemacht, er war doch so einer!‘ Öffentlichkeit schockiert und ratlos.“
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Unapettitlich? Ja, genauso ekelhaft wie der Zinnober den die Nazikackbratzen anlässlich des Todes dieses jungen Menschen inszenieren wollen. Ich nenne das Leichenschändigung. ich hoffe Polizei und Ordnungsamt werden deren Aufmarsch verbieten und unterbinden, weil mit freier Meinungsäußerung hat das nix mehr zu tun.
@x
Innerhalb der linken Szene von Aachen gibts vehemente Diskussionen ob man aus Pietätsgründen weiterhin gegen die Nazis vorgehen kann.
Also Ich werde da sein.
Die einzigen die noch verhindern könnten das der Junge historische Dimension erreicht , sind die Eltern.
So schwer das auch führ sie ist.
Diese online Kommentare zählen nicht.
Messerstich nimmt seinen ganz harmlosen Anfang im Internet
http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_detail&id=484561&_wo=Lokales:Stolberg
Zu den „Pietätsgründen“, die die/den Eine(n) oder Andere(n) davon abhalten könnten, gegen die Aufläufe des Braunvoks Flagge zu zeigen, steht es sehr gut und passend bei indymedia:
„Von Nazi-Kreisen wird rassistische Propaganda, werden Aufmärsche momentan ebenso als Trauerarbeit verkauft. Die deutsche bürgerliche Öffentlichkeit schweigt aus Gründen falsch verstandener Pietät. Keine Regung des Protestes, des Widerstands gegen den Naziaufmarsch, gegen die Instrumentalisierung des Vorfalls durch NPD und Kameradschaften war am vergangenen Samstag zu sehen. (…)
Zu schweigen, nicht Stellung zu beziehen gegen die rassistische Hetze oder gar diese zu verharmlosen, heißt: Nazis den Raum zu überlassen, dieses Ereignis, das Thema für ihre menschenverachtende, faschistische, vernichtende Politik zu besetzen. Auch wenn es einem breiten Teil der bürgerlichen Öffentlichkeit gerade schwer fällt, Stellung gegen die zu beziehen, die sich als ‚FreundInnen’ und/oder ‚KameradInnen’ des Getöteten vermarkten, so ist eine klare Positionierung gegen Rechts dringend“
Ich denke, hier wird das Entscheidende gesagt und den Nazis darf das Feld nicht einfach überlassen werden, weil man – verständlicherweise – von linker Seite diesen traurigen Anlass nicht für politischen Protest missbrauchen will.
Sonst bleibt das Bild hängen, dass Gegenproteste in Wirklichkeit auch deshalb ausbleiben, weil die pure Menge an Braunvolk bei diesem Anlass überwältigend werden dürfte…ein Grund mehr aber, NICHT zu Hause zu bleiben!!
Antifaschisten rufen zu Gegenprotesten auf:
http://www.fau-aachen.net/termine/dokumentation-naziaufmarsch-in-stolberg-verhindern-20080409.html
Ja….wir sind momentan echt fix drauf….alle Achtung.
Flugis sind auch schon auf der Strasse.
Das wird GROSS!