Rechts: Mord an einem „Kameraden“

Nach dem Tod eines 19-Jährigen in Stolberg instrumentalisieren die Neonazis das Opfer zum „Märtyrer“ der „Bewegung“.

Obschon sich Eltern und Freunde dagegen ausgesprochen haben, dass Neonazis den Tod eines 19-jährigen Opfers einer Bluttat in Stolberg (Kreis Aachen) instrumentalisieren, bleibt dieses für die Rechten ein „Märtyrer“. Nachdem schon am 5. April rund 170 Neonazis gut 15 Stunden nach der Tat ausländerfeindliche Parolen skandierend durch Stolberg zogen, marschierten am Samstag (12.4.) rund 800 Neonazis auf. Im Verlauf des Aufmarsches kam es zu Rangeleien zwischen Polizei und Neonazis. Insgesamt nahm die Polizei 31 Rechte vorübergehend fest.

Sie hatten laut Polizei durch ihre Vermummung und das Mitführen gefährlicher Gegenstände gegen versammlungsrechtliche Auflagen verstoßen. Unter den Neonazis wurden Zwillen, Messer, eine Axt, mit Quarzsand gepolsterte Schlaghandschuhe und Pfefferspraydosen sichergestellt. Ein Neonazi wurde wegen eines Vorfalls bei dem rechten Spontanaufmarsch am 5. April wieder erkannt, die Beamten leiteten daher ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung gegen ihn ein. Der Mann soll aus einem aggressiven Mob heraus mehrfach ausländischen Geschäftsleuten und deren Kunden zugerufen haben: „Türken haben Namen und Adressen, kein Vergeben, kein Vergessen!“; „Wir kriegen euch alle!“ Die Polizei ermittelt zudem wegen Verstoßes gegen Versammlungsauflagen gegen den Anmelder der Spontandemonstration. Dabei handelte es sich um den Chef des NPD-Kreisverbands Aachen, Willibert Kunkel.

Hintergrund der beiden Aufmärsche war der Tod eines 19-Jährigen. Der Berufsschüler war am 4. April in der Stolberger Innenstadt bei einer Auseinandersetzung von einem 18-jährigen staatenlosen Mann mit Migrationshintergrund erstochen worden. Der mutmaßliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft vermutet ein persönliches Motiv für die Tat. Da das Todesopfer jedoch zuvor ein 17-Jähriges NPD-Mitglied von einer Versammlung des NPD-Kreisverbands Aachen abgeholt hatte, versucht die Braunszene es als „Kameraden“ darzustellen. Nach „BnR“-Recherchen hatte das Opfer indes nur freundschaftliche Kontakte zu Einzelpersonen aus der rechten Szene, ohne dieser selbst anzugehören. Auch Eltern und Freunde des Getöteten haben bestritten, dass dieser mit der rechten Szene sympathisierte – was den „debilen“ und „vom System umerzogenen“ Eltern, auf deren Trauer man keine Rücksicht nehmen müsse, Hassäußerungen in Neonazi-Foren und auf rechten Websites einbrachte.

Neonazis stellen seit einer Woche die Tat im Internet, auf Flugblättern und bei bundesweiten „Mahnwachen“ als Mord an einem der ihren dar. Die Neonazis waren daher auch am Samstag aus dem ganzen Bundesgebiet angereist, darunter u.a. Neonazi-Kader wie der einschlägig vorbestrafte Marcus Winter („Nationale Offensive Schaumburg“) und Ralph Tegethoff. Als Anmelder fungierte Christian Worch. Während der Stolberger Ratsmann Kunkel das Opfer nur einen „deutsch Geborenen“ und „Freund“ des 17-jährigen NPD-Mitglieds nannte, sprach Dennis Giemsch, Dortmunder Vertreter der „Autonomen Nationalisten“, weiter von einem „Kameraden“.

Der Landesgeschäftsführer der NPD-NRW, Claus Cremer, hatte die Tat anfangs noch den politischen Gegnern angelastet: „Die Hetze, welche die etablierten Versagerparteien und die regionalen [antifaschistischen] Bündnisse […] gegen die NPD verbreitet, trägt mörderische Früchte,“ hieß es in einer ersten Stellungnahme. Am Samstag nannte Cremer das Opfer nur noch einen „jungen Deutschen“, schimpfte indes am Tatort auf die Eltern des Opfers, die sich auch gegen Rassismus ausgesprochen hatten: „Das sei […] den Eltern […] ins Stammbuch geschrieben: Wenn diese kriminellen Ausländer nicht in Deutschland gewesen wären“, würde der 19-Jährige noch leben, hetzte Cremer. Der NPD-Vorsitzende aus Krefeld, Lars Spönlein, ereiferte sich gar, dass „das BRD-Kartell“ es geschafft habe, dass die Eltern nun „Verständnis für seine Mörder haben“.

Die NPD kündigte weitere Infostand- und Flugblatt-Kampagnen zu dem Fall an. Am 26. April will die Partei selbst noch einen großen „Trauermarsch“ in Stolberg abhalten. Hauptredner soll Parteichef Udo Voigt sein. [(C) Michael Klarmann; für BnR]


6 Antworten auf “Rechts: Mord an einem „Kameraden“”


  1. 1 Klar, Mann? 14. April 2008 um 19:17 Uhr

    Aus Sicht niederländischer Neonazis (oder: Perversion in Reinkultur):

  2. 2 martin von der gelichen IP wie Klau S. 14. April 2008 um 22:08 Uhr

    Mann, Sie können uns auch einiges ersparen!
    Ist ja nicht so, das man sich an sowas dilektiert!

  3. 3 Oldenburg 14. April 2008 um 22:09 Uhr

    Naja, bisschen dick aufgetragen…

    die beiden NPD-ler? mik

  4. 4 Oldenburg 15. April 2008 um 9:17 Uhr

    Die Musik ist gut gewählt, wenn auch oft gebraucht in ähnlichen Zusammenhängen.

    @ die beiden NPD-ler? mik
    Nein, der Quelltext von BlickNachRechts… Aber so ist die Politik der „Linken“ wohl.

  5. 5 Björn 15. April 2008 um 11:25 Uhr

    Ich frag mich wieso es eine Instrumentalisierung ist, wenn man gegen die Ursachen dieses Mordes protestiert.
    Wenn man nicht will das soetwas nochmal passiert dann muss man auf die Ursachen aufmerksam machen und diese dann beheben.
    Und mal ganz erhlich. Dieser Mord wäre nicht passiert, hätten wir uns alle von Anfang an gegen Multikulti und seine „Errungenschaften“ gestellt.
    Und ohne diesen Trauerzug der Rechten hätte dieser Mord nichtmal im Lokalteil erwähnung gefunden.

    Interessant auch das die Polizei sofort eine politische Tat ausgeschlossen hat. Wenn junge Menschen die von einer NPD-Veranstaltung kommen abgefangen, angegriffen und einer auch noch ermordet wird, wäre ich als Polizeichef nicht so flux dabei politische Gründe auszuschließen.
    Das ging wohl mehr nach dem Motto:Weil nicht sein kann was nicht sein darf.
    Ob er wohl auch sofort politische Gründe ausgeschlossen hätte wären ein paar Linke nach einer „Gegen-Nazis-Veranstaltung“ angegriffen worden?

    kennen sie hintergründe zur tat? wenn nicht: spekulatius tremens. mik

  6. 6 Klar, Mann? 15. April 2008 um 13:30 Uhr
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