GegenRechts: Hilfe für Eltern von Neonazis

Aachen. Familiäre Probleme, die Eltern erleben, wenn Kinder sich der rechtsextremen Szene anschließen, gehen weit über die üblichen Pubertätsprobleme hinaus. Eltern erleben oft heftige Auseinandersetzungen, die Monate und Jahre andauern können. Hinzukommt, dass die Kinder straffällig werden können oder die Polizei sogar eine Hausdurchsuchung durchführt. Nicht selten sehen Kinder ihre Eltern irgendwann auch als Teil des von ihnen gehassten demokratischen „Systems“ an, also als „Feind“.

Die Dresdener Journalistin Claudia Hempel hat für ihr Buch Mütter und einen Vater sowie dessen Sohn, einen Aussteiger, dazu befragt, wie es ist, wenn Kinder zu Neonazis werden. Dabei hat sie jedoch keine Eltern befragt, die das Problem ignorieren oder es sogar gut heißen, wenn ihr Kind sich innerhalb der Braunszene bewegt. Alle von Hempel verschrifteten Interviews setzten sich also kritisch mit der rechten Szene auseinander. Einige der Interviewten haben sich sogar unterdessen in Initiativen gegen Rechtsextremismus engagiert oder Selbsthilfegruppen betroffener Eltern gegründet.

Auch wenn die Interviews keine allgemeingültigen Tipps liefern und die geschilderten Fälle verschieden sind, so liefert es doch zahlreiche Hinweise und Denkanstöße für betroffene Eltern. Da sich diese oft dafür schämen, was aus ihrem Kind wird oder wurde, sie die Probleme auch in sich hineinfressen und die heftigen Auseinandersetzungen irgendwann sogar zu psychischen Erkrankungen führen können, ist das Buch ein erster Schritt, um zu erkennen, dass man nicht alleine dasteht.

Das Buch sensibilisiert darüber hinaus und macht Betroffenen Mut, mit dem Problem offensiv umzugehen. Gerade Eltern noch wenig gefestigter Jugendlicher dürfte es aufzeigen, was man tun kann. Eine Mutter sagt etwa, anfangs habe man das Problem ignoriert, doch dann habe der Sohn Kontakte zu organisierten Neonazis und der NPD geknüpft: „Gegen diese Indoktrination hatten wir keine Chance. Das ging so schnell, ich hätte nicht gedacht, dass man einen Menschen so schnell fangen kann,“ warnt die Mutter.

In dem Buch werden keine Fälle, sondern Schicksale geschildert. Angesichts dessen, dass es lange keine kompetenten Hilfsangebote für betroffene Eltern gab, ist es ein sehr wichtiges Buch – auch oder erst recht für die Kinder, die hier detailliert nachlesen können, was sie ihren Eltern zumuten und antun. Das Buch enthält zudem Informationen über Szene-typische Kleidung, Symboliken und Liedtexte. Überdies werden Kontaktadressen von Beratungsstellen aufgelistet. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]

Claudia Hempel: Wenn Kinder rechtsextrem werden. Mütter erzählen. Zu Klampen Verlag, Springe 2008. 208 Seiten, 12,80 Euro


1 Antwort auf “GegenRechts: Hilfe für Eltern von Neonazis”


  1. 1 Klarmann 04. Januar 2010 um 20:55 Uhr

    Besprechung des Buches im BnR/Vorwärts:

    http://www.bnr.de/content/die-hilflosigkeit-der-muetter

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