Rechts: Zwischen Märtyrer der Bewegung und schlichtes Deutschsein

Stolberg. Die rechte Szene instrumentalisiert weiter das 19-jährige Opfer einer Bluttat, um gegen Migranten zu hetzen [1]. Nachdem man zuerst versucht hatte, den Berufsschüler als „Märtyrer der Bewegung“ zu glorifizieren, marschiert die Braunszene am Samstag in Stolberg zum dritten Mal auf. Als Hauptredner reist NPD-Chef Udo Voigt aus Berlin an.

Nachdem der 19-Jährige am 4. April von einem 18-jährigen Migranten nach einer Auseinandersetzung erstochen worden war, hatten NPD-Funktionäre wie der Stolberger Ratsmann Willibert Kunkel noch erklärt, das Opfer habe nicht der rechten Szene angehört. Doch zeitgleich verbreiteten schon andere NPD-Funktionäre und Neonazis aus der Region, das Opfer sei ein „Kamerad“, „NPD-Mitglied“ oder „NPD-Sympathisant“ gewesen. Europaweit hielten seitdem Neonazis „Mahnwachen“ ab und stellten Videos „zu Ehren“ des „gefallenen Kameraden“ ins Internet.

Auch wenn die NPD den Fall von Beginn an nutzen wollte, um gegen „Ausländerkriminalität“ zu agitieren – ein nicht als „Kamerad“ dargestelltes Opfer hätte es kaum ermöglicht, dass am 5. April spontan 170 und am 12. April dann 800 Neonazis durch Stolberg marschierten. Nachdem Freunde und Eltern des Opfers sich die „Lügen“ der Braunszene über ihren Sohn verbaten, begannen Neonazis gar gegen die „debilen“ Eltern zu wettern, die „charakterloses Lumpentum“ seien.

Charakterlos dürften andere sein. Aus Szenekreisen erfuhren die „Nachrichten“, dass nicht Kunkel, wohl aber andere NPD-Funktionäre die Sogwirkung eines „Kameraden“-Opfers nutzen wollten – wohl auch, um sich selbst zu profilieren. Und da das Opfer kurz vor der Bluttat noch ein 17-jähriges NPD-Mitglied, mit dem es befreundet war, von einer NPD-Versammlung abgeholt hatte, machte in Szenekreisen via Web und Mobiltelefon schon drei Stunden nach der Tat die Runde, dass ein „Kamerad“ ermordet worden sei.

Bei der „Mahnwache“, 15 Stunden nach der Tat, habe jene „Seifenblase“ schon existiert. Der Mythos vom „feige“ erstochenen „Kameraden“ sei nicht mehr „einzufangen“ gewesen, so Szenekreise heute. Tage später sei dann zurück gerudert worden. Das Opfer selbst ist laut des NPD-Aufrufes für den „Trauermarsch“ am heutigen Samstag schlicht noch ein „junger Deutscher“, der „grundlos von einem Ausländer ermordet“ worden sei. Dass unter – laut Polizei – noch ungeklärten Umständen die Schwester des Toten letzte Woche vermutlich von Ausländern verprügelt und schwer verletzt wurde, nutzt die Braunszene zusätzlich zur bundesweiten Mobilisierung.

Die Polizei bereitet sich nun auf den dritten Großeinsatz in drei Wochen vor. Geschätzte 1.500 Beamte sollen Auseinandersetzungen zwischen einer linken Gegendemo und dem rechten Aufmarsch mit bis zu jeweils 1.000 Teilnehmern verhindern. Zum zweiten Mal wird die Innenstadt hermetisch abgeriegelt sein – und werden Geschäftsleute massive Umsatzeinbußen hinnehmen.

[© Michael Klarmann; für AN (Politik); dieser Beitrag ist Teil einer heute erschienenen „Seite 3“, zudem erscheint auf der Seite unter dem Titel Der harte Kern wird aktiver und aggressiver die Verschriftung eines „Runden Tisches“ der „Nachrichten“ über aktuelle Entwicklungen und Aktionen der Braunszene; an diesem Redaktionsgespräch nahmen auf Seiten der Regionalzeitung Redakteure und freie Mitarbeiter teil, darunter auch Klarmann]

[1] Über die Tat und ihre Vereinnahmung hat „Klarmanns Welt“ mehrfach ausführlich berichtet; Interessierte nutzen bitte die Suchmaske oben rechts im Blog und geben die Begriffe „Stolberg“ und/oder „Märtyrer“ ein.


8 Antworten auf “Rechts: Zwischen Märtyrer der Bewegung und schlichtes Deutschsein”


  1. 1 Klar, Mann? 26. April 2008 um 7:24 Uhr

    Radiobericht des linken, freien Radios „Radio Corax“:

    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=22146

  2. 2 Klar, Mann? 26. April 2008 um 18:01 Uhr

    WDR-Lokalzeit über den Fall des Opfers, die rechte Szene in der Region (beides erster Teil) und des anti-rechten Friedensfestes in Stolberg:

    http://www.wdr.de/mediathek/html//regional/2008/04/25/lokac_01.xml;jsessionid=E7048AC80125744E496E9D35478FDF7D.mediathek4

  3. 3 Klar, Mann? 26. April 2008 um 18:31 Uhr

    WDR-Online (Bericht) über den Fall des Opfers und die rechte Szene in der Region (mit drei Klarmann-Fotos):

    http://www.wdr.de/themen/politik/nrw/rechtsextremismus/stolberg/index.jhtml

  4. 4 Preston 28. April 2008 um 14:26 Uhr

    Meinen sie das wirklich ernst?
    Die Schwester des Getöteten sei unter „noch nicht geklärten Umständen“, vermutlich von Ausländern, verprügelt worden?
    Was muß man denn NOCH wissen, wenn eine Frau ins Krankenhaus geprügelt wurde? Ob sie vielleicht (wie in bestimmten Kulturkreisen üblich) ihre Täter „provoziert“ hat? Wollen Sie das wirklich andenken?
    Wollen Sie Ihr Gehirn -vor lauter politischer Korrektheit- dermaßen
    umpolen, daß diese uralte sexistische Ausrede plötzlich wieder greift?

    sollten sie mehr über tat und täter wissen, setzten sie sich bitte umgehend mit der polizei in verbindung. sollten sie jedoch nichts wissen, sollten sie ihre vorurteile nicht damit verwechseln, dass sie tatsachen zum tatablauf zu kennen glauben.

    Dazu gleich noch eine Frage: warum „Migranten“?
    Warum fängt die Entschuldigung schon beim Begriff der Gruppe an?
    Menschen, die hier geboren sind, sind keine „Migranten“; es sind
    Einwanderer der 2. oder 3. Generation, aber keine „Flüchtlinge“.
    Die meisten (der kriminellen Ausländer) waren NIE „Flüchtlinge“;
    sie kamen hierher, um zu arbeiten – oder zumindest, um Geld zu
    machen. […]

    alle nach deutschland gekommenen ausländer sind für sie kriminelle? dann danke für ihre eigenhändige entlarvung. es ging ihnen mit ihrer zuschrift also offenbar nie darum, hintergründe oder fakten zu erfahren (von denen sie in diesem blog zum fall einige finden können). es ging ihnen auch nicht darum, fakten zur auflösung der verbrechen beizutragen (s.o.). aus diesem grund sehe ich davon ab, weitere anmerkungen von ihnen zu beantworten und lösche sie einfach. es ging ja nahezu genau so weiter… mik

  5. 5 Klar, Mann? 29. April 2008 um 16:40 Uhr
  6. 6 Klar, Mann? 29. April 2008 um 22:00 Uhr

    Vaterland statt Muttersprache – Presse- und „Bullen“-Schelte im Fall Kevin aus der Braunszene:

  7. 7 Klaus Störtebecker 29. April 2008 um 22:57 Uhr

    Ach du Kacke……Das geht ja echt nicht. Das muss gefaket sein.

  8. 8 Preston 14. Mai 2008 um 11:23 Uhr

    […]
    Ich glaube, damit wird klar, daß ICH ganz bestimmt kein NPD-Wähler bin.

    tut mir leid, sie sind wohl doch kein NPD-wähler. sie sind nur eine nervensäge, die es sich zur lebensaufgabe gemacht hat, ihr eigenes vermurkstes leben anderen anzulasten und ihnen dann mächtig auf den senkel zu gehen. lassen sie mich bitte künftig einfach meine arbeit machen, hören sie auf mich per mail zu beschimpfen und von ihrer obskuren gedankenwelten und verschwörungstheorien zwischen links, rechts, nationalrevolutionär, marxistisch-leninistischer-volksfront, netten ausländern, bösen ausländern, netten arabern, bösen arabern, netten juden, bösen juden – und alle gemeinsam mögen sich dann aber doch nicht, IN RUHE! ganz schlicht: ich bin NICHT schuld, dass sie ihr leben vielleicht selbst verzockt haben, also gehen sie NICHT mir auf die nerven. und, damit sie es auch wirklich verstehen: jedes nazikiddie aus unserer region, dass tagtäglich die phantasie hegt, mich umzubringen, ist mir lieber, als leute wie sie. bei erstgenannten weiß ich ja, woran ich bin. bei ihnen wissen es sie selbst offenbar noch nicht mal, woran sie sind. mik

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