Rechts: Drohungen an Gegendemonstranten

Stolberg. Neonazis haben abermals das 19-jährige Opfer einer Gewalttat in Stolberg (Kreis Aachen) genutzt, um gegen Migranten zu wettern. Rund 450 Neonazis marschierten am Samstag (26.4.) hinter dem Transparent mit der Aufschrift „Kriminelle Ausländer raus!“ auf.

Es war schon der dritte Aufmarsch seit Anfang April. Erneut waren Neonazis aus ganz Deutschland angereist, um dem von einem Migranten erstochenen jungen Mann „zu gedenken“, den sie zeitweise als „Kameraden“ verklärt hatten. Diesmal waren auch prominente NPD-Funktionäre anwesend. NPD-Parteichef Udo Voigt und NPD-Generalsekretär Peter Marx trugen das Fronttransparent und fungierten als Redner. Redner waren ebenso der NPD-Kreisvorsitzende aus Aachen, Willibert Kunkel, der Bundesvorsitzende der NPD-Jugend, Michael Schäfer, der NRW-Landesgeschäftsführer Claus Cremer, Sven Skoda (Düsseldorf) und Christian Worch (Hamburg). Axel Reitz (Köln) hielt am Samstag die erste Rede seit seiner Haftentlassung Mitte April. Gemeinsam mit der „Kameradschaft Northeim“ marschierte das einschlägig vorbestrafte NPD-Bundesvorstandsmitglied Thorsten Heise als Paroleneinpeitscher mit. Ebenso anwesend waren der frühere Fußball-Hooligan und stellvertretende rheinland-pfälzische NPD-Vorsitzende, Sascha Wagner, der saarländische NPD-Chef Frank Franz und Benedikt Frings (Köln), 2006 Teilnehmer der Holocaustleugner-Konferenz in Teheran. Den Ordnerdienst leitete Manfred Börm, früherer Gauleiter Niedersachsen der 1994 verbotenen Wiking Jugend (WJ). In Reden wurde nicht nur gegen Migranten gewettert. Voigt drohte allen Gegendemonstranten: Man habe sie sich „genau gemerkt und fotografiert“ und werde sie nach einer Machtübernahme als „Erste“ zur Rechenschaft ziehen oder abschieben. Wegen des störenden Abspielens von Rockmusik aus einer Wohnung bei einer Kundgebung rief Dürens NPD-Kreischef Ingo Haller unbeherrscht über den Lautsprecherwagen, die Polizei müsse dafür sorgen, dass „dieses linke Pack diese Zeckenmusik ausmacht.“ Mindestens fünf Neonazis wurden laut Polizei wegen des Mitführens gefährlicher Gegenstände in Gewahrsam genommen. [(C) Michael Klarmann; für BnR]

siehe dazu auch: NEONAZI-AUFMARSCH UND GEGENPROTESTE IN STOLBERG


9 Antworten auf “Rechts: Drohungen an Gegendemonstranten”


  1. 1 Klar, Mann? 28. April 2008 um 17:56 Uhr
  2. 2 Hase 28. April 2008 um 19:38 Uhr

    Wenn ich sowas lese frage ich mich spontan: wie lange darf so jemand hier zulande eigentlich noch Politiker spielen und das auch noch auf meine Kosten?

  3. 3 Antifaschist aus der Region 28. April 2008 um 23:46 Uhr

    Wie aus den Presseartikeln zu entnehmen ist, ermittelt die Polizei gegen mehrere linke Gegendemonstranten, weil sie angeblich gegen das Vermummungsverbot verstoßen haben sollen.

    Angesichts der Drohungen von Herrn Voigt und den tatsächlichen Gewaltakten gegen Nazigegner wäre hier Vermummung gegenüber den Nazis durchaus gerechtfertigt. Solange diese Vermummung gegenüber Nazis nicht dazu dient, seine Identität gegüber der Polizei zu verbergen und im Schutze der Anonymität Straftaten zu begehen (und das tut sie ja nicht), müßte sie eigentlich straffrei bleiben.

  4. 4 Klar, Mann? 29. April 2008 um 11:28 Uhr
  5. 5 Klar, Mann? 29. April 2008 um 11:29 Uhr

    Jungle World über Stolberg und die Aufmärsche:

    http://jungle-world.com/artikel/2008/17/21641.html

  6. 6 Klar, Mann? 29. April 2008 um 13:45 Uhr

    Ausnahmsweise zwei Hinweise auf eines der wichtigsten Neonazi-Portale in Deutschland und ein Szeneforum zu einer Realsatire, die alles darf (Links muessen frisiert werden, indem die Xe selbst vervollständigt werden):

    Eklat bei Stolberg-Demo (29.04.08)

    Kevin ist von Ausländern ermordet worden: Aber NPD-Kunkel plauscht mit diesen Ghetto-Türken!

    Willibert Kunkel liefert Kameraden der Polizei aus

    siehe: http://de.altermedia.xxxx/general/eklat-bei-stolberg-demo-290408_14024.html

    und: http://forum.thiazi.xxx/showthread.php?s=c60e5f1e6f9f4cf49136d28f793475a2&t=126677

    und Kunkel dazu: http://pohl-markus.de/dueren/meldungen_dxxxen/stellungnahme_von_willibert_kunkel.htm

  7. 7 Francesco Hausfrau 29. April 2008 um 14:39 Uhr

    An den „Antifaschist(en) aus der Region“: Ich glaube zu wissen was sich bei der Festsetzung abgespielt hat. Die Demonstranten waren NICHT vermummt (das weiss ich ganz genau), aber es hat die Polizei wohl ein bisschen geärgert, dass es eine Gruppe von ca. 15 Antifaschisten geschafft hat die Demo zu verlassen und vollkommen unkontrollierbar durch Stolberg liefen und ein Transpi auf der Faschoroute aufgehangen haben (au weia, ich immer mit meinen Bandwurmsätzen, jetzt ist die Grammatik im A****). Sie wurden nur wegen dem VERDACHT festgesetzt sich vermummt zu haben und ihnen wurden dann die Sonnenbrillen weggenommen… Und nein, ich war nicht dabei :)

  8. 8 Klar, Mann? 07. Mai 2008 um 22:57 Uhr

    Aus Sicht der Volksfront-Medien (im Hintergrund spricht Axel Reitz, gerade 2 Wochen zuvor aus der Haft entlassen; zuerst angekündigt als Redner, wurde er dann offiziell wieder von der Rednerliste gelöscht, und zwar laut Szeneforum der NPD, da er einige erwarteten Besucher abschrecken könnte; am Tag des Aufmarsches hielt Reitz dann eine, allem Anschein nach vorbereitete Rede, die dem rechten Medienprojekt nun also wichtiger schien, als jene von NPD-Chef Voigt)

  9. 9 Klar, Mann? 11. Mai 2008 um 11:01 Uhr

    Bericht im ZDF-Länderspiegel:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/494180?inPopup=true

    [Sollte der Link nicht in jeden Browser korrekt funktionieren – ZDF ist da etwas schwierig und bietet zwar gute Player, aber problematische Direktlinks an – bitte

    -> www.zdf.de
    -> sendung „länderspiegel“ (leiste links oben)
    –> video stolberg (derzeit leiste rechts oben)

    auswählen.]

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