Rechts: Erneut Schlageter-Treffen in der Region [update]

Region. Auf Neonazi-Homepages wird seit kurzem für eine Neuauflage eines „Schlageter-Treffens“ in der Region geworben. Jener „Tag des Nationalen Widerstandes im Rheinland“ soll demnach, ähnlich der Ankündigungen im Jahre 2007, wieder im „Raum Aachen“ stattfinden. Vergangenes Jahr hatte das Treffen Mitte Mai stattgefunden. Diesmal wird als Austragungsdatum der 31. Mai genannt. Organisator der Veranstaltung ist wie im vergangenen Jahr die Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Beworben wurde das Treffen seit Tagen schon auf Homepages der „Freien Kräfte“ bzw. „Autonomen Nationalisten“ aus dem Rheinland. Unterdessen hat die KAL auf ihrer Homepage ebenso begonnen, das Treffen zu bewerben. Demnach soll bei dem Treffen sowohl dem ehemaligen Freikorpskämpfers Albert Leo Schlageter, als auch dem früheren „Bundesführer“ der an die Hitler Jugend angelehnten „Wiking Jugend“ (WJ), Wolfgang Nahrath, gedacht werden.

Organisatoren des jährlich rund um den Todestag des Freikorpskämpfers Schlageter stattfindenden Treffens waren im Jahr 2007 die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) und der NPD-Kreisverband Düren. Das Treffen hatte vor einem Jahr in Inden-Pier auf dem Grundstück des NPD-Kreischefs Ingo Haller stattgefunden [1]. Im Jahr 2006 soll das offenbar ebenso von der KAL organisierte „Schlageter-Treffen“ in Siegburg stattgefunden haben; dies war offenbar das erste reguläre „Schlageter-Treffen“ im Rheinland gewesen.

Schlageter führte bei der Ruhrbesetzung 1923 einen Stoßtrupp gegen die französischen Besatzer, wurde verhaftet und hingerichtet und galt schon unter den Nationalsozialisten als Märtyrer. Der rechtsextreme Schlageter-Kult wird u.a. weiterbetrieben von den Neonazi-Kadern Sven Skoda (Düsseldorf), Christian Malcoci (Neuss) und Ralph Tegethoff (Bad Honnef). In Szenekreisen wurde schon seit geraumer Zeit darauf hingewiesen, dass das „Schlageter-Treffen“ auch in diesem Jahr wieder in der Region stattfinden soll.

Laut KAL wird es dabei auch „Livemusik“ geben. Über den genauen Austragungsort des Treffens hält sich die Szene bislang bedeckt. Auch der Polizei in Düren lagen bis gestern noch keine Hinweise vor, ob das Treffen im Kreis Düren stattfinden wird. Beobachter vermuten, dass das Treffen nicht in einer Gastwirtschaft abgehalten wird, da Szenekreisen zufolge Vorbereitungen getroffen werden, die Besucher aus dem Rheinland und dem angrenzenden Ausland eigenhändig zu verköstigen.

Wurde bislang bei den Treffen nur Schlageter gedacht, hat die KAL nun ihr Gedenken auf Wolfgang Narath (sic!) ausgeweitet. Der ehemalige WJ-„Bundesführer“ und das ehemalige NPD-Gründungsmitglied, Nahrath, war am 27. Februar 2003 im Alter von 74 Jahren verstorben. Der, wie es seinerzeit in Nachrufen in einem SA-ähnlichen Jargon hieß, „vorbildliche politische Soldat“ hatte zeitweise dem Bundes- und NRW-Landesvorstand der NPD angehört und in Stolberg gelebt. Für Aufsehen hatte Nahraths Tätigkeit als Sozialrichter in Aachen Anfang der 1990er Jahre gesorgt. Erst 1994 war er von diesem Amt entbunden worden.

Nahrath gilt für die KAL als rechtsextremer Säulenheiliger und gehört zu ihrem Gründungsmythos. In den 1980er Jahren fanden im Umfeld des Nahrath-Anwesen am Brockenberg in Stolberg-Büsbach WJ-Zeltlager statt. Nahraths Haus galt in der Region selbst nach dem WJ-Verbot 1994 als Anlaufstelle für Neonazis. So schrieb die 2001 [2] gegründete KAL bis vor wenigem Monaten in einer Selbstdarstellung, sie sei „im Frühjahr 2001 unter Obhut des Bundesführers der Wiking Jugend Wolfgang Nahrath aus dem Umfeld des NPD-Kreisverbandes Aachen am Brockenberg in Stolberg gegründet [worden]. Der Brockenberg [sei] seit Jahren und Jahrzehnten eine ideologische Festung, hier waren die Wiking Jugend, FAP, NPD und nun auch die KAL Zuhause,“ berief sich die Neonazi-Bande u.a. auf verbotene Organisationen wie die WJ und FAP. [© Klarmann]

[1] Schlageter-Treffen mit diffuser Nähe zum Nationalsozialismus; Waffenfunde und Festnahmen auf dem Weg zum Schlageter-Treff; Randbemerkungen zum Tag des Schlageter-Treffens; Sitzen Malcoci und Skoda mit im Schlageter-Treffen-Boot? (Links führen zum alten Blog.)
[2] In neuen Erklärungen schrieb die KAL kürzlich, sie sei 2002 gegründet worden. In einer Selbstdarstellung aus dem Jahre 2002 hatte es indes noch geheißen: „Die ‚Kameradschaft Aachenerland’ ist der freie Zusammenschluss von doitschen nationalen Sozialisten aus dem Großraum Aachen, welche sich Mitte 2001, mit dem Ziel einer unparteiischen Gemeinschaft Gleichdenkender zu schaffen, im Aachenerland formierte […].“


9 Antworten auf “Rechts: Erneut Schlageter-Treffen in der Region [update]”


  1. 1 Klar, Mann? 17. Mai 2008 um 20:49 Uhr

    Aus in Düsseldorf soll Schlageter „gedacht“ werden, siehe WZ:

    http://www.wz-online.de/?redid=239281

  2. 2 extra.nur.fuer.michael 21. Mai 2008 um 16:31 Uhr

    wer hat sich denn da einen rechtschreibefehler geleistet? tzz tzz tzz

  3. 3 Klar, Mann? 23. Mai 2008 um 21:46 Uhr
  4. 4 Klar, Mann? 25. Mai 2008 um 16:44 Uhr
  5. 5 Klar, Mann? 25. Mai 2008 um 23:57 Uhr
  6. 6 Mar... 26. Mai 2008 um 15:12 Uhr

    Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

    Liebster Mik,
    ich finde es nicht inordnung das sie die K.A.L als bande bezeichnen gruppe wäre ja ok,aber bande nee ;)

    Mkg

  7. 7 Fachmann 26. Mai 2008 um 17:59 Uhr

    Bande ist nach deutschem Strafrecht eine Bezeichnung für mehrere zusammenwirkende Straftäter. Der Begriff umfasste nach Auffassung der Rechtsprechung bis ins Jahr 2001 mindestens zwei, nach einer Entscheidung des Großen Senats in Strafsachen wieder mindestens drei Bandenmitglieder (BGH-Beschluss vom 22. März 2001, GSSt 1/00). Die überwiegende Literaturmeinung vertritt ebenfalls den Standpunkt, dass es sich dabei um mindestens drei Bandenmitglieder handeln müsste. Begründet wird dies damit, dass erst bei drei Mitgliedern eine erhöhte Gefährlichkeit besteht, die sich unter anderem aus der Gruppendynamik ergibt. Weiterhin sollen nicht Mittäter von den Bandendelikten erfasst werden, die mit organisierter Kriminalität nichts zu tun haben. Relevant ist der Begriff zum Beispiel beim Tatbestand des Bandendiebstahls.

    Nach der neueren Rechtsprechung des BGH ist es nicht mehr notwendig, dass alle Bandenmitglieder gemeinsam vor Ort sind, was eine sogenannte Aktionsgefahr darstellt. Es reicht vielmehr aus, wenn die Bandenmitglieder in beliebiger Form organisatorisch zusammenwirken (Beispiel: einer entwendet die Sache, der andere steht „Schmiere“, der dritte verkauft sie). Die Bandenmitglieder müssen sich auch nicht kennen oder persönlich verabredet haben. Ausreichend ist allein der Willen, sich mit mindestens zwei anderen zur Begehung zukünftiger Straftaten zu verbinden.

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    Die Beschreibung passt doch wunderbar auf die KAL…

  8. 8 Klar, Mann? 26. Mai 2008 um 20:30 Uhr
  9. 9 Klar, Mann? 26. Mai 2008 um 20:37 Uhr
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