Dokumentation: Achtzig Jahre waren Kommunisten von Zweifall verschollen

Stolberg. Achtzig Jahre waren sie verschollen: Die Kommunisten von Zweifall. Doch die Wahlergebnisse der Weimarer Jahre, zwischen 1919 und 1933, belehren uns eines Besseren. Als sehr lebendige Größe, als Teil der Dorfgemeinschaft waren sie ein Teil der vielschichtigen Zeitgeschichte im „Weimar“ von Zweifall. Die KPD kam am 4. Mai 1924 aus dem Stand auf satte 13,24%. Ab dem 7. Dezember 1924 wählten die Zweifaller sogar kontinuierlich „rot-rot“. Bei der Reichstagswahl 1932 erzielte die KPD letztendlich sogar 19,86%. Die SPD hatte bereit seit 1919, mit der Wahl zur Nationalversammlung und 10,84%, einen festen Platz im örtlichen Leben gefunden. „Der kurze Ausschnitt auf die Zahlen zeigt, wie präsent ‚linkes’ Leben im Ort stattgefunden zu haben scheint,“ so Ellen Rütten.

Noch im April 1933 notiert der „Stadt- und Landbote 29“ (Monschau): „Gemeinderat in Zweifall (…) und für die Kommunisten 1 Sitz ergaben.“ Zu finden in der Dokumentation „Die nationalsozialistische Machtergreifung in Monschau 1933“, von Dr. Toni Offermann. Gesucht werden nun Nachkommen jener „Linken“. Möglicherweise kann man dann endlich nicht nur jenen Menschen nachspüren, sondern ihnen auch einen Platz in der Geschichte des heutigen Stolberger Stadtteils Zweifall einräumen.

„In der Biografie über meinen Großvater wird auch das lokale Leben und vor allem die politische Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Raum haben,“ so Rütten. „Sonst ist meines Erachtens eine historische ‚Schieflage’ vorprogrammiert. Im Zweifall jener Jahre gab es unter anderem durchaus Protest gegen die langsam hoch kommenden Nationalsozialisten.“ Sie erhielten bei der Reichstagswahl 1930 9,80% der Stimmen.

„Im Rahmen meiner Biografiearbeit zu ‚Opas Geschichte’ bin ich auf bislang manche unentdeckten historischen Schätze gestoßen. Hinter der offiziellen Dorfgeschichte scheint es eine zweite Geschichte zu geben. Es wäre einfach zu schade, diesen Entdeckungen keinen Raum einzuräumen,“ sagt Rütten. Sie sucht nun unter ellen_ruetten@gmx.net und der Telefonnummer 0163-4430020 weitere lokale und regionale Unterlagen und Dokumente. Möglicherweise gelingt es, nach über 80 Jahren, jenen bislang verschollenen „linken“ Menschen mehr Platz einzuräumen als nur Kreuzchen auf dem Wahlzettel. [Textquelle: redigierte Pressemitteilung]


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