GegenRechts: Überschaubare Solidarität gegen Rechts…

Aachen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat ein Großaufgebot der Polizei rund 30 Antifaschisten begleitet, die gegen Rechtsextremismus und für Solidarität mit den Opfern rechter Übergriffe demonstrierten. Auf jeden Demonstranten kamen inklusive Zivilbeamte in beiden Fällen rund 1,5 Polizisten. Und in beiden Fällen [1] waren die Kundgebungen mit anschließenden Kleinstdemonstrationen von der trotzkistisch-sektiererischen „Sozialistischen Alternative“ (SAV) angemeldet worden, wurden aber teilweise im Namen der Linksjugend bzw. der SAV-Vorfeldorganisation „Aktive Antifa Aachen“ (AAA) beworben.

In beiden Fällen waren – mit Ausnahme der SAV-Mitglieder in der Linksjugend – kaum andere Mitglieder der Linksjugend erschienen, die offenbar zuvor nicht oder nicht ausreichend über die Demonstration der SAV informiert waren, hieß es gegenüber „Klarmanns Welt“ nun. Auch am Dienstag war die Demonstration wieder dominiert von SAV-Mitgliedern, mindestens ein Redebeitrag hinterließ den Beigeschmack, als ob die SAV gerade ihren jungen, neu angeworbenen Mitgliedern erstmals dank der überschaubaren „Menge“ die Möglichkeit bot, öffentlich eine Rede zu halten, bevor dann die „Demonstration“ durch die Innenstadt zog.

Für die Bürger setzt sich so ein Bild fort: eine Handvoll linker Aktivisten wird wie Schwerkriminelle von einem großen Polizeiaufgebot begleitet – dass dies weniger daran liegt, dass die linken eine Gefahr darstellen, sondern weil die Polizei nicht zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate einen Überfall von Neonazis auf eine Antifa-Demo [2] geschehen lassen will, wird kaum nach Außen kommuniziert. Unterdessen hat indes einer der Teilnehmer bei dem linken Mediennetzwerk „Indymedia“ einen Bericht [3] eingestellt. Bei den Kommentaren wird nun diskutiert, ob es in Aachen überhaupt noch eine Antifa gibt, was wirklich an der AAA dran ist oder ob die SAV das Thema Antifaschismus (nur) nutzt, um neue Mitglieder anzuwerben… [© Klarmann]

[1] siehe zum ersten Fall: KLEINE ANTIFADEMO WEGEN NAZISCHMIEREREIEN
[2] NEONAZIS GREIFEN ANTIFADEMONSTRATION AN; ERMITTLUNGEN GEGEN NPD-FUNKTIONÄRE; RHEINLÄNDER AN ANGRIFF AUF ANTIFA-DEMO BETEILIGT
[3] Direktlink


20 Antworten auf “GegenRechts: Überschaubare Solidarität gegen Rechts…”


  1. 1 Name (notwendig) 30. Juli 2008 um 13:38 Uhr

    Dass die Demo/Kundgebung (fast) nur aus SAVlerInnen bestand, liegt wohl eher nicht daran, dass so wenige davon wussten. Meiner Ansicht nach blieben viele der Demo/Kundgebung fern, weil sie von der SAV angemeldet wurde.

  2. 2 DEMOkrat 30. Juli 2008 um 14:55 Uhr

    Als Autor des Artikels auf Indymedia und bekennendes nicht Mitglied der SAV musste ich mit einer grotesken Mischung aus Mitleid und Fassungslosigkeit dem oben angesprochenen „Redebeitrag“ am Kugelbrunnen lauschen. Irgendwie habe ich es sogar noch geschafft trotz ewig gleicher „hinter dem Faschismus steht das Kapital“-Parolen bis zum Elisenbrunnen dabei zu bleiben und hatte dann auch schon ungefragt das Megaphon in die Hand bekommen.
    Das schlimmste an der SAV ist nicht, dass sie es überhaupt nicht schafft zu mobilisieren (siehe fehlende linksjugend) oder gar zu vernetzten und Bündnisse zu schmieden (Gewerkschaften, Bürgerliche, SPD, GRÜNE, Kirchen, …) sondern, dass sie das von ihr vereinnahmte Thema Antifaschismus auch noch total diletantisch anpackt.
    Nach dem Trauerspiel gestern ist endgültig klar: Antifa muss autonom, innovativ und undogmatisch sein – gerade auch in Aachen.

  3. 3 martin von der gleichen ip wie Klau S. 30. Juli 2008 um 16:26 Uhr

    na na… , immer schön die kirche im dorf lassen.
    von wem hier in aachen sehen wir denn auch nur eine irgendwie geartetete aktion. ich bin jetzt auch nicht auf JEDER schweinhochzeit dabei und halte manches für echten blech oder auch schrott. aber selber MAL machen. die schwäche der anderen isr doch nicht das problem der sav! ne demo gegen rechts und ich gehe nicht hin wenn die sav diese angemldet hat? ich teile ja durchaus einige kritik. auch gerade gegenüber des einen redebeitrages. ABER in hessen ist eine person mit einen spaten fast tot geschlagen worden. der herr über mir entblödet sich nicht sich genau darüber auszulassen. irgend welche inhaltliche kritik? hinter den faschisten steht nicht das kapital? müssen wir das noch mal durchkauen? einfach mal ein bisschen historischen materialismus in die debatte. auch wenn das dann kinnbackenspannerei für einige hier bedeutet. und noch ne frage an den herren über mir. welche linksjugend solid gibt es denn noch in aachen. etwa die, die sich zu 4 in der kneipe trifft?

    ich denke, sie reden am thema vorbei. vergleichen sie mal das gehampel gestern oder vor einigen tagen mit der demonstration am 27. märz (bis zum angriff der neonazis). zur SAV in aachen müsste man sicher in diesem blog nichts mehr los werden. aber gut gemeint (und blitzaktionismus) ist eben nicht immer gut gemacht. nach der bluttat in stolberg schafften es NPD und AN in 15 stunden 170 leute auf die beine zu kriegen, zugegeben, durch falsch-PR und weil die AN einen anderen aufmarsch in NRW absagte und dann stolberg ansteuerten. wegen dem eingeworfenen fenster bei j. gingen nach vier tagen vorlaufzeit 150 bis 200 antifaschisten, bürger und lokalpolitiker auf die straße in aachen. aber will die SAV einem nun erzählen, dass ihre zweimal dreißig leute ne supidupi glanzleistung war? ich bin mir nicht ganz sicher, aber seit ende 2004 meine ich, hätte alleine die SAV in der region aachen nach dann aktuellen rechten vorfällen vier antifa-aktionen oder -jugendbündnisse ins leben gerufen. keines überstand länger als einige monate und drehte sich um reden halten bzw. mitglieder anwerben. dann aber versiegte der aktionismus und antifaschisten, die sich erhofft hatten, neue antifa-strukturen aufzubauen, zogen sich zum teil ins privatleben zurück, weil sie sich verarscht vorkamen. und die SAV stellt alle zwei jahre eine neue kinderarmee auf und dann beginnt der ganze sektiererscheißdreck von vorne… mik

  4. 4 DEMOkrat 30. Juli 2008 um 17:32 Uhr

    @ „historischen materialismus“ und „inhaltliche kritik“

    ich habe gehört es gibt Menschen, die aufrechte Demokraten und Antifaschisten sind und nicht dem historischen Materialismus anhängen, es gibt Menschen die glauben sogar (aus mir persönlich schleierhaften Motiven) an die selbstregulierenden Kräfte des Marktes und nicht zu letzt gibt es auch Linke, die für Marx, Lenin und Trotzki als Dogma nicht viel übrig haben – alle diese Menschen werden sich (wie ja in Aachen auch zu beobachten) aus der Antifaarbeit zurückziehen wenn es so läuft wie jetzt.
    Falsch verstanden fühle ich mich allerdings dass ich der SAV die Öffentlichkeit nicht gönne, aber wenn es mit so wenig Nachhaltigkeit betrieben wird und der Wille zur breiten Basis so offensichtlich fehlt (kann ich ja sogar nachvollziehen, dass die SAV aus Theoriegründen die Zusammenarbeit mit andern Gruppen scheut, da es sich bei den bürgerlichen Parteien ja nur um korrumpierte Ausführungsorgane des faschistoiden Kapitals handelt) dann wird es meiner Meinung nach Zeit für eine Neuorganisation.
    Nur für zwischen durch und zum Nachdenken: Nazi werden kann man ausser durch Kapitalinteressen auch durch zunehmend schlechte Bildung, fehlende Medienkompetenz, mangelnde politische Bildung in Elternhaus und Schule, soziales Umfeld, usw. (und ich weiss auch schon was sie antworten werden: alle diese Faktoren liegen im Argen wegen der kapitalistischen Besitz- und Produktionsverhältnisse, den „Sein bestimmt Bewusstein“)

    Der Kern ist doch das die SAV es nicht schafft den Kampf gegen gewaltverherrlichende, verfassungsfeindliche Faschisten von ihren persönlich politischen Kampf gegen das kapitalistische (aber demokratische, wenn auch nicht basisdemokratische) System zu trennen; dass sich da Demokraten ausserhalb der SAV vor den Kopf gestossen, weil auf eine Stufe mit dem braunen Pack gestellt, fühlen darf Mensch nicht wundern.

  5. 5 Klaus Störtebecker 30. Juli 2008 um 18:40 Uhr

    @ DEMOkrat…..
    Ohne den “ Historischen Materialismus“ zu kennen, hast du ihn verstanden.
    Den Begriff “ Dialektik“ sollte man auch kennen.

    Zitat:
    Nur für zwischen durch und zum Nachdenken: Nazi werden kann man ausser durch Kapitalinteressen auch durch zunehmend schlechte Bildung, fehlende Medienkompetenz, mangelnde politische Bildung in Elternhaus und Schule, soziales Umfeld, usw. (und ich weiss auch schon was sie antworten werden: alle diese Faktoren liegen im Argen wegen der kapitalistischen Besitz- und Produktionsverhältnisse, den “Sein bestimmt Bewusstein”)

  6. 6 Antifaschist aus der Region 30. Juli 2008 um 21:42 Uhr

    Angesichts der schweren Gewalttaten von Nazis (Mordversuch in Hessen, gefährliche Körperverletzung beim Rurseefest) war es ja gut, das wenigstens ein paar Leute auf die Straße gegangen sind, denn andere antifaschistische Organisationen bzw. Bündnisse aus Aachen haben ja bis jetzt auf die Vorfälle überhaupt nicht reagiert – jedenfalls nicht so, daß das in irgendeiner Weise öffentlich wahrnehmbar gewesen wäre.

    Sicherlich machte die Demo keinen sehr professionellen Eindruck und war sehr spät angekündigt worden. Außerdem das übliche Problem – hinter dem offiziellen Veranstalter Linksjugend solid (aus dessen Kreisen das fast umgebrachte 13-jährige Mädchen stammte und der ja in irgendeiner Form was machen mußte) wurde von vielen die SAV vermutet, was sicher nicht zu einer Erhöhung der Teilnehmerzahlen führte.

    Für die meisten Organisationen, die sich in antifaschistischen Bündnissen engagieren ist Antifaschismus nur ein Nebenthema, die Interessen der eigenen Organisation gehen meistens vor.

    Außerdem begünstigen die internen Entschiedungstrukturen und die Querelen und Machtkämpfe zwischen den Gruppen nicht gerade eine schnelle, angemessene Reaktion. Wenn man dann kurzfristig was machen will, ist die Zeit aller potentiellen Aktivisten schon verplant.

    Es ist aber nicht immer die SAV schuld (der ich nicht angehöre und mit der ich auch nicht sympathisiere).

  7. 7 DEMOkrat 31. Juli 2008 um 0:07 Uhr

    Zum allgemeinen Erstaunen möchte ich kundtuen, dass mir sowohl „historischer Materialismus“ als auch die zugehörige Marx/Engelsche „Dialektik“ seit längerem geläufig sind.
    Persönliche Auffassungen meinerseits vertrete ich, so denn der Fall, im vollen Bewusstsein ihrer Unvereinbarkeit mit der reinen marxistischen Lehre.
    Ich denke übrigens nicht, dass die Wertigkeit einer Aussage an den Kenntnissen ihres Urhebers über Marxistische Theorie und Exegese festgemacht werden sollte – wenngleich ich selbige allein aus historischer Sicht für elementare Bildung halte.
    Ich würde den Diskurs/Schwanzlängenvergleich an diese Stelle dann auch gerne beenden.

    1) ich hab nix gegen die SAV als politische Partei und möglichen Bündnispartner
    2) ich freu mich wenn die SAV gemäß ihrer Satzung und politischen Heimat aktive Antifaarbeit leistet
    3) ich war 2 mal in Stolberg und jetzt in Aachen dabei und es hat mir nicht sonderlich gefallen (Parteipolitik in Vordergrund, miserable Komunikation/Mobi, kein wirklich basisdemokratischer Umgang mit Bündnispartnern,… die Diskussion ist ja altbekannt)
    4) ich wünsche mit eine Autonome Antifa für Aachen, und bin sicher, dass der Kampf gegen rechte Verbrecher jeder Art so, sowohl von der Personenstärke/Mobilisierungsfähigkeit als auch von der Nachhaltigkeit, erfolgreicher geführt werden kann

  8. 8 Peter 31. Juli 2008 um 11:25 Uhr

    Die Antifa muss, wie Demokrat sagt, autonom, innovativ und undogmatisch sein und vor allem Parteiübergreifend sein!

  9. 9 tütütü 31. Juli 2008 um 16:11 Uhr

    es scheint ein sport geworden zu sein, nach allen aktionen jeder art, wo die SAV wie auch immer dran beteiligt ist, beschimpfungen, kritik und vor allem lügen zu verbreiten.
    beschimpfungen sind mir ehrlich gesagt egal. kritik kann ich tatsächlich gut vertragen! aber vor allem dann, wenn sie auch mal an SAV´ler rangetragen wird. wie erbärmlich ist es denn, sich im internet das maul zu zerreißen und sich beim nächsten zusammentreffen mit einem SAV´ler direkt umzudrehen und zu gehen, oder beleidigt wegzugucken oder gar noch zickigere dinge zu tun. wie war das nochmal? zusammen kämpfen, oder nur gemeinsam mit anderen lästern?? HIER WERDEN MENSCHEN FAST TOTGEPRÜGELT! also ehrlich, schämt euch mal!
    übrigens: ich bin SAV´ler, ich weiss exakt wann der aufruf für die solikundgebung verschickt wurde und dementsprechend auch, dass DAS NICHT ZU SPÄT war. nur für jene, die sowieso nie mit SAV arbeiten würden.
    und dann hier mit nem schwanzvergleich ankommen – selber machen lautet die devise. ich WÜNSCH mir auch die revolution, aber ich tu da auch was für!
    und jetzt überlegt mal schön weiter, wie denn die perfekte antifastruktur aussehen sollte und dann könnt ihr in 100 jahren auch mal anfangen. tolle idee,wa?!

  10. 10 Lasse 31. Juli 2008 um 17:50 Uhr

    @tütütü

    Die Kritik an der SAV kann ich dir auch gerne geben. Aber lieber per direktem Mailkontakt. Ich vermute mal du hast meine Adresse.

  11. 11 martin von der gleichen ip wie Klau S. 01. August 2008 um 0:23 Uhr

    ich habe den eindruck das hier diskutiert wird, kann auch bequem noch mal dienstags diskutiert werden. die diktion kommt mir very bekannt vor…. . mik könnte ja den moderator machen. oder warten wir eigentlich noch auf n lspr termin… ?

    @demoKRAT

    naja gehört schon mal. aber verstanden oder J… ?

    meine erfahrungen sind so erschöpfend, das sie erschöpfend bleiben. nicht ich, wie es letztens ein NPD-rabauke formulierte, spalte aachens linke „cene“ mit texten in diesem blog, sondern diese schafft das wunderbar alleine und sucht dann ganz fein selbst nach einem moderator. wobei ein supervisions-coach angebrachter wäre, wenn ich dessen tätigkeit nun nicht falsch im hinterkopf schlummern habe…mik ps. nah-ost-konflikt und all der hass auf mik schon vergessen? beim mik nicht…manchmal gibt es gute gründe, sehr nachtragend zu sein!

  12. 12 martin von der gleichen IP wie Klaus 01. August 2008 um 12:24 Uhr

    @ mik

    sie sollen nicht coachen, sondern redeliste führen….. .

  13. 13 Bronsteins_Enkel 01. August 2008 um 21:50 Uhr

    Es ist eigentlich immer das selbe lächerliche Spiel in Aachen! Trotz ernstzunehmender Angriffe von Nazis halten es antifaschistische Kreise (von den Autonomen bis hin zu GewerkschafterInnen, der Partei DieLINKE, Unorganisierte) nicht für nötig, Kundgebungen und/oder Demos gegen die Fascho-Angriffe abzuhalten und steckt den kopf in den Sand.
    Wenn dann die böse SAV die Initiative ergreift (oh Gott wie dreist von ihr!), wird das von den meisten anderen Gruppen ignoriert oder man geht hin und schreibt hinterher im Internet wie Scheisse es war.
    Die Frage an alle anwesenden, aber SAV-kritischne Menschen muss lauten: Warum haben sie nicht die Gelegenheit ergriffen, das Wort zu ergreifen? (die Gelegenheit dazu gab es) Warum wurden keine eigenen Banner oder Slogans auf Schildern oder Transpis mit genommen, um der Kundgebung einen breiteren und politisch vielschichtigeren Antsrich zu geben?

    Ich denke, dass solche Schimpfattacken wie hier (oder sonst bei so vielen Gelegenheiten) gegen die SAV vor allem Versuche von einigen sind, das eigene politische Versagen zu bewältigen. Das macht man dann, indem man auf diejenigen herumhackt, die aktiv sind und als einzige das tun, was ebenso die Pflicht von zig anderen Gruppen gewesen wäre!…

    Und immer dieses ewige Gejammere, dass man die bürgerlichen Parteien, die Kirchen und andere nicht dabei hat!…
    Schon mal überlegt, dass das vielleicht damit zusammen hängen könnte, dass diese Kräfte kein Interesse daran haben, aktiv etwas gegen Nazi-Terror zu unternehmen, es sei denn, wenn er ein solches Level erreicht dass der gute Ruf der eigenen Stadt (als Wirtschaftstandort) verloren zu gehen droht?…
    Aber so weit sind wir in AC ja noch nicht. Noch gehen die Nazis ja nur mit Terror gegen Linke und MigrantInnen vor.

    in dem kommentar steckt auch etwas wahrheit – aber zugleich ein irrtum: wenn das büro der linken beschmiert wird, wäre es tatsächlich an der linken selbst, diesbezüglich eine kundgebung o.ä. abzuhalten oder abprachen mit anderen betroffenen zu treffen, ob man eine kundgebung gemeinsam abhält. vielleicht würde aber auch eine, wie es geschehen ist, presseinfo genügen in der sache, denn man muss nicht immer im öffentlichen raum als demo agieren (jaja, SAV, trotzki, permanente revolution, jaja). die SAV aber ist aktionistisch veranlagt, meldet erst mal an (in dem fall als linksjugend „getarnt“) und sucht dann bündnispartner, die sie nicht findet (drücken wir uns mal diplomatisch aus: weil die SAV halt oft genug bewiesen hat, wie’s am ende wird…). am 27. märz gingen 150 bis 200 leute auf die straße aus solidarität mit einem bedrohten antifaschisten (SAV hatte nicht angemeldet, war aber dabei); im september 2007 trafen sich 2 wochen nach dem nazi-geschmier in walheim 400 bürgerinnen und bürger in walheim zu einer mahnwache vor der kirche (weitestgehend ohne SAV-beteiligung, wenn meine erinnerung nicht trügt). walheim war für die SAV strategisch völlig uninteressant. so hatten walheimer vereine und gemeindevertreter reiflich zeit, ohne den (blinden?) SAV-aktionismus im nacken, überlegen zu können, was man tut. man entschloss sich dazu, nicht direkt ein mickriges, sondern etwas später ein sehr deutliches zeichen gegen rechtsextremismus zu setzen. bis heute sind leute in walheim (ohne mitwirkung der SAV) aktiv, hängen dies jedoch nicht an die große glocke. da werden weiter überlegungen und bildungsseminare angestellt/abgehalten, jugendarbeit versucht, und ab und an sieht man das transparent „walheim gegen rechtsextremisten“ in einem umzug im ort; zudem wird versucht, im „bezirk“ zu wirken, denn weil walheimer jugendliche das inda-gymnasium in knolle besuchen, strahlt ein walheimer „problem“ weiter aus, nämlich ebenso auf schüler in haan, venwegen, breinig… das (immer) kurzfristige, öffentliche auftreten der SAV mag auf den ersten blick wie „etwas tun“ wirken, doch langfristig sind ganz andere gesellschaftliche kräfte aktiv, nur eben weitaus stiller, und oft effektiver. gerade im bereich kirche, pax christi, pfadfinder-gruppen ist übrigens seit sommer 2007 weitaus mehr ohne das übliche SAV-geschrei passiert, als man denken mag. da es manchmal jedoch schwerfällige „betriebe“ sind, planen sie etwas träger. während man letztlich aber das thema konsequent angeht, reitet die SAV schon wieder ein neues (zu tode?). mik

  14. 14 Bronsteins_Enkel 01. August 2008 um 22:22 Uhr

    @DEMOkrat
    Deine Kritik enthält ja immerhin auch einen wichtigen politischen Aspekt, auf den ich gerne eingehen würde. Du schreibst:
    “ich habe gehört es gibt Menschen, die aufrechte Demokraten und Antifaschisten sind und nicht dem historischen Materialismus anhängen, es gibt Menschen die glauben sogar (aus mir persönlich schleierhaften Motiven) an die selbstregulierenden Kräfte des Marktes und nicht zu letzt gibt es auch Linke, die für Marx, Lenin und Trotzki als Dogma nicht viel übrig haben”
    - alle diese Menschen werden sich (wie ja in Aachen auch zu beobachten) aus der Antifaarbeit zurückziehen wenn es so läuft wie jetzt.”
    -Das halte ich für ziemlich kleinkariert und unernsthaft von denen. Ich als Revolutionär beteilige mich an Demos, auch wenn die von fragwürdigen Kräften organisiert werden und wenn die RednerInnen dort m.E. nur dummes Zeugs reden, wenn die Sache ansich richtig ist. Dann gehe ich dahin, verteile meine Flugblätter oder Stellungnahmen, die etwas anderes sagen als die RednerInnen und suche die Diskussion mit den TeilnehmerInnen der Veranstaltung. Wenn (!) mann mich lässt, versuche ich bei Gelegenheit auch selbst das Wort zu ergreifen
    Das ist m. E. politisch richtig, alles andere ist kindisch udn kontraproduktiv.

    Die SAV (der ich angehöre) vertritt in der politischen Arbeit die Einheitsfrontmethode. D.h.
    Gemeinsam solidarisch in der Sache handeln, aber dabei die politisch-inhalltiche Unabhängigkeit aller TeilnehmerInnen bewahren. Heisst: Alle gemeinsam gegen Nazis, aber jede Gruppe und jedes unorganisierte Individuum mit eigenen politischen Inhalten -frei von inhaltlicher (Selbst-)Zensur

    Unserer Meinung nach sind Rassismus sowie die Existenz von Nazi-Gruppen untrennbar mit dem kpaitalistischen System und den von ihm verursachten Problemen verbunden. Auch zeigt die Geschichte und die Gegenwart, dass Nazis die Kettenhunde des Kapitals sind. Ich würde gerne ausführen, wieso, verzichte aber darauf, da das den Rahmen der Diskussion hier sprengen würde.
    Vor allem aber ist der Kampf gegen die Nazis heute wie zu jeder Zeit ein Kampf um die Köpfe. Und ich frag mich, wie zum Teufel wir gegen die Faschos und deren pseudo-soziale Agitation (gegen Hartz IV, gegen die “Bonzen”, gegen Kapitalismus, gegen das Establishment) ankommen wollen, wenn wir AntifaschistInnen aus falscher Rücksichtnahme gegenüber SPD, CDU, FDP, Grünen, Arbeitgeberverbänden und Kirchen auf die Anprangerung von Sozialabbau und dergleichen verzichten!…
    Das sollen mir die SAV-KritikerInnen hier mal beantworten!

    Um am Ende noch mal eventuellen Missverständnissen vorzubeugen: wir SAV-Leute haben nichts dagegen, wenn bürgerliche Kräfte sich an Demos und Kundgebungen beteiligen. Im Gegenteil! Wir begrüßen das. In der Regel machen wir aber die Erfahrung, dass sie es nicht tun.
    Aber anscheinend nehmen diese Kräfte in der Regel nur dann teil, wenn dort auf jegliche Kapitalismuskritik seitens der OrganisatorInnen und RednerInnen freiwillig verzichtet wird und die Sache unpolitisch und inhaltsleer ausgerichtet ist.
    (und oftmals selbst dann nicht!)
    Was -wie gesagt- von mangelnder Ernsthaftigkeit von diesen Kräften zeugt!

    ich verweise auf meine anmerkungen siehe oben. den rest kann DEMOkrat stricken. mik

  15. 15 martin von der gleichen ip wie Klau S. 02. August 2008 um 0:04 Uhr

    @bronstein

    pffffffffffffffffffffffffffffff heise luft ausm luftballon.
    mann mit diesen dingern loxt du doch echt mal soo gar keinen hinterm ofen vor! das ist ja alles richtig was du schreibst, aber es ist auch immer das gleiche knäbrä von dir… . was mik hier so über die sav ablästert finde ich auch nicht soo super! aber wo bleiben eigentlich selbstkrische punkte. stringenz ist für dich ein problem oder? den ress liest ausser mir und dem inetressierten fachpublikum keiner. so willst du ne einheitsfront schmieden? mit wem? mit den arbeitern? die lachen dich aus wenn du ihnen mit stundenlangem geplapper kommst! einfach wat mehr praxis und nicht nur das große wort schwingen!

  16. 16 martin von der gleichen ip wie Klau S. 02. August 2008 um 0:23 Uhr

    @bronstein

    uind gott lass mal schön raus aus der debatte.
    das ist unmarxistisch… .

  17. 17 DEMOkrat 02. August 2008 um 0:29 Uhr

    Dass sich Menschen weigern Positionen für die sie sich nicht im geringsten schämen (nämlich antifaschistische) öffentlich zusammen mit der SAV zu vertreten mag man als kleinkariert und objektiv unbegründet bezeichnen und das kann ich auch nicht wirklich widerlegen. Dennoch kann ich diese Position die auf viele meiner Bekannten und Freunde zutrifft als subjektive Entscheidung durchaus nachvollziehen (dass heisst ich werfe der SAV nicht vor diesen Leuten nicht den roten Teppich auszurollen, aber um ein bisschen Realismus bitte ich schon).
    Ich für meinen Teil beteilige mich an Demos der SAV und wenn die RednerInnen dort m.E. nur dummes Zeugs reden und Flugblätter verteilen, dann versuche ich bei Gelegenheit auch selbst das Wort zu ergreifen (wie z.Bsp am Dienstag geschehen).
    Die Einheitsfront ist ein Konstrukt, das auf gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz angewiesen ist, sie ist nur solange stark, wie man sich auf seine Gemeinsamkeiten besinnt. Wenn einem Redner nur deshalb mangelnde Ernsthaftigkeit im Kampf gegen Rechts unterstellt wird, weil er keine explizite Kapitalismuskritik betreibt, oder auch nur den kausalen Zusammenhang zwischen Kapital und Faschismus leugnet, dann ist es mit dem Ideal die politisch-inhalltiche Unabhängigkeit aller TeilnehmerInnen zu wahren aber nicht so weit her. Den ernsthafter Antifaschismus kann ich auch aus der Menschenwürde, der demokratischen Auffassung oder sogar aus der Religion heraus begründen (wenngleich letztere meiner Meinung nach selbst wieder ein Übel ist so sie ausserhalb des Privaten Gestalltungsansprüche hegt).
    Dass jeder zur Kundgebung hätte kommen können ist richtig und wäre auch wichtig gewesen. Ich selber kenne die Gründe für des Nichterscheinen von Jusos, VVN, Grünen und co nicht, habe nur die Beteuerungen der SAV alle Bündnispartner in AFAB rechtzeitig informiert zu haben und die Aussage des AFAB dass am Dienstag explizit keine AFAB sonder eine SAV Kundgebung stattgefunden hat. Da ich keinen Einblick in die Interna habe möchte ich weder der SAV noch einem andern Mitglied des AFAB eine Vorwurf machen, als Aachener Antifaschist muss ich aber kritisch feststellen, das irgendwas gewaltig schief läuft.
    Wenn ich also in der logischen Konsequenz eine autonome Antifa für Aachen fordere (als Verstärkung des AFAB) dann deshalb weil ich mir davon erhoffe, dass eine überparteiliche Struktur uns dem (im Moment fernen Ziel) einer Einheitsfront näher bringen kann und viele Leute wieder ins Boot holen kann die in der letzten Zeit über Bord gegangen sind, weil sie sich voll und ganz auf das Thema konzentrieren kann ohne dogmatische Scheuklappen und bürokratische Fesseln. Und weil wie mik oben schon erwähnt hat (Stichwort: „Aktionismus“) der wichtige Kampf in der Öffentlichkeit nicht das einzige ist was dringend erledigt werden will – und so motiviert die SAV auf der Strasse auch auftreten mag, glaube ich einfach nicht, dass sie das ganze Spektrum antifaschistischer Aktion (Informationssammlung, Vernetzung, undogmatischer Diskurs, Infoveranstaltungen, Kulturangebot, …) zu leisten vermag.
    Kurzum (auch wenn ich mich wiederhole):
    1) ich hab nix gegen die SAV als politische Partei und und begrüsse ihre Mitgliedschaft im AFAB Aachen
    2) ich bin zutiefst unzufrieden mit den Aachener Zuständen, möchte niemandem die Schuld daran zuschreiben, sondern Lösungen aufzeigen
    3) meine Lösung heisst Autonome Antifa Aachen, als autonomes, überparteiliches Netzwerk, offen für alle Demoktaten und für einen undogmatischen Diskurs, mit dem Ziel in Aachen das wieder aufzubauen, was in vergleichbaren Städten selbstverständlich ist, nämlich eine solide Basis für eine auf allen Ebenen geführten Kampf gegen Neofaschisten

    p.s. es würde auch der SAV nützen, wenn sie nicht länger diese schwere Bürde der alleinigen Verantwortung tragen müsste und dafür als Dank nur üble Nachrede erhält, denn wenn zukünftige Kundgebung von einer autonomen Antifa getragen werden dann wird doch den ganzen „kindischen, unernsthaften, kontraproduktiven“ Kritikern der Wind aus den Segel genommen …
    :)

  18. 18 Klaus Störtebecker 02. August 2008 um 3:33 Uhr

    „Trotz ernstzunehmender Angriffe von Nazis ….“
    Na,Na,Na……einfach mal der eigenen Lageanalyse vertrauen, lieber (erfahrener) Genosse.
    Wenn das „ernst zu nehmen“wäre hätten wir ja ’ne Miliz, oder nicht?

  19. 19 Carsten 02. August 2008 um 10:06 Uhr

    Hmmm…. eine linke Enheitsfront – so schön dieses Bild sich mir auch zeichnet – ist gesamtpolitisch wohl leider noch auf lange Zeit illusorisch. Beim Kampf gegen die Faschistenpest sollte sie aber eigentlich selbstverständlich sein!!!!!!!
    Wie kann man sich den in albernen Sandkastenspielereien gegenseitig zerfleischen, wenn hier der gemeinsame Feind mehr als deutlich ist???
    So unterschiedlich die politischen Inhalte und Ziel der Linken auch sein mögen, haben sie im Kampf gegen rechts aus meiner Sicht zurückzustehen… ich komme mir da vor wie in den 1920e/30er Jahren. Und da ging das nicht wirklich gut…

    Da hoffe ich doch mal sehr, dass auch die Zerstrittenheit der braunen Einzeller weiterhin ein verlässliches Element bleibt…

    P.S.; die harsche Kritik in Richtung SAV wundert mich hier ein wenig… ich bin da aber auch nicht tief genug in der Sache drin, dies beurteilen zu können. War bisher aber immer froh, dass die SAV entgegen anderen Gruppen zwar manchmal einen etwas blinden Aktionismus an den Tag legt…aber wenigstens überhaupt einen Aktionismus…

  20. 20 DEMOkrat 03. August 2008 um 13:41 Uhr

    Scheinbar tut sich doch noch was in Aachen :)

    http://akantifaac.blogsport.de/

    Der AK befindet sich wie auf der HP zu sehen und von der „afa HS“ bestätigt im Aufbau und scheint auf eine Initiative der „FAU“ / freier Anarchisten zurückzugehen, ist aber für alle Interessierten offen (regelmässiges Antifa-Cafe) uns scheint sich überhaupt in der Ernsthaftigkeit um einiges von bisherigen Konstrukten („aaa“, „auaa“, …) abzuheben.

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