Aachen. Allem Anschein nach hatte die regionale Neonaziszene ihren Disput von Herbst 2007 zwischen „Autonomen Nationalisten“ (AN) sowie NPD und „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) [1] überwunden – doch nachdem das ehemalige NPD-Vorstandsmitglied und der frühere persönliche Sekretär von NPD-Parteichef Udo Voigt, Thomas „Steiner“ Wulff, unter den Augen von Voigt eine Hakenkreuzfahne auf den Sarg des verstorbenen Altnazis Friedhelm Busse ausgebreitet hatte [2], hängt der Haussegen im Braunen Haus wieder mal schief. Tage nach der Beerdigung distanzierte sich die NPD von „Steiners“ Tat. Nun gehen insbesondere Personen und Gruppen aus dem Bereich der „Freien Kräfte“ auf Distanz zur NPD – und der Riss geht auch durch die regionale Braunszene.
„Der Einsatz für ein sozial gerechtes Deutschland bedarf keiner Symbolik von Gestern,“ hatte die NPD in ihrer Stellungnahme geschrieben. Und weiter: „Die NPD-Führung mißbilligt gleichzeitig aber auch den Versuch Einzelner, das letzte Geleit für Friedhelm Busse durch die Beisetzung der verbotenen Reichskriegsflagge des III. Reiches für eine politische Selbstinszenierung zu instrumentalisieren, die nicht im Einklang mit den Zielen der NPD steht.“ Die „Freien“ kontern dies nun: „Es handelt sich hierbei nicht um eine ‚Selbstinszenierung’ und ganz sicher auch nicht um eine ‚leere Provokation’, sondern um den ausdrücklichen Wunsch des Kameraden Friedhelm Busse, mit dieser Fahne auf dem Sarg begraben zu werden. […] Busse hat sich immer als politischer Soldat in der Tradition der SA gesehen. Er trug stets voller Stolz den Ehrenring der SS, der ihm von einem ehemaligen SS-Gruppenführer der Allgemeinen SS für seinen Einsatz für Volk und Reich zugeeignet wurde. […] Wir können solch billige und herabwürdigende Angriffe auf die freien Kräfte nicht hinnehmen und werden die Zusammenarbeit mit diesem Parteipräsidium beenden, falls es zu keiner Einigung hinsichtlich eines vernünftigen Verhaltens der NPD kommt.“
Erstunterzeichner der Erklärung sind unter anderem Christian Malcoci (Grevenbroich) und Sven Skoda (Düsseldorf), später folgte auch Axel Reitz (Pulheim, Köln). Alle drei sind eng verwoben, entweder als Mitorganisatoren des oder Redner auf dem „Schlageter-Treffen“, das die KAL nunmehr zweimal gemeinsam mit der NPD Düren auf dem Anwesen des NPD-Kreisvorsitzenden Ingo Haller abhielt [3]. Reitz und Skoda waren am 26. April zudem Redner bei einem NPD-Aufmarsch in Stolberg [4], Skoda hatte schon am 5. April bei einem durch die NPD initiierten Spontanaufmarsch in Stolberg gesprochen [5]. Nach verschiedenen Querelen in der jüngsten Vergangenheit gehen die drei wichtigen Neonazi-Kader aus NRW also nun – wieder mal – auf Distanz zur NPD.
Auch der ehemalige FAP-Kader Ralph Tegethoff (Bad Honnef) – im Herbst 2004 noch gemeinsam mit „Seiner“ der NPD beigetreten, und zwar als Zeichen eines neuen Schulterschlusses zwischen „Freien“ und „der Partei“ – gehört zu den Erstunterzeichnern der „Freien“-Erklärung. Auch Tegethoff hat bei den „Schlageter-Treffen“ und zudem bei dem NPD/KAL-Aufmarsch am 22. September 2007 in Düren als Redner fungiert. Seine Kontakte zur NPD in Düren und der KAL sollen ausgesprochen gut sein. Ebenso zu den Unterzeichnern gehört Daniela Wegener (Bochum), eigentlich „Freie“, aber liiert mit dem NPD-Landeschef Claus Cremer und zugleich Chefin eines NPD-nahe Verköstigungsservice für Aufmärsche und Feste. Ebenso wie Malcoci stand Wegener bei der Landtagswahl 2005 als Kandidatin auf der Landesliste der NPD.
Regional besehen dürften als Erstunterzeichner jener „Freien“-Erklärung die KAL eine sehr kuriose Rolle spielen. Anführer der KAL ist René Laube (Vettweiß), zugleich stellvertretender Vorsitzender des NPD-KV Düren und Chef der NPD-Ortsgruppe Rhein-Erft. Während seine Neonazi-Bande der Erklärung zufolge auf Distanz zur NPD geht, ist Laube (noch) deren Funktionär. Zugleich fungieren zwei KAL-Mitglieder aus Düren und Herzogenrath innerhalb der NPD Düren als „Jugendbeauftragter“ sowie Beisitzer im Vorstand, wobei besagter Beisitzer zugleich der „autonom“-nationalistischen „Aktionsgruppe Rheinland“ (AGR) angehören soll. Mit der AGR war es schon im Herbst vergangenen Jahres zum Streit gekommen [1].
Dass die AGR, und Skodas bzw. Reitz’ „Aktionsbüro West“ (AB-West) ebenso als Unterzeichner der „Freien“-Erklärung gegen die NPD fungieren, versteht sich von selbst. Aber selbst das Neonazi-Grüppchen „Volkssturm Rheinland“ (VSR), dessen Mitglieder in Mönchengladbach, Heinsberg und Eschweiler leben, haben unterdessen den Aufruf nachträglich unterzeichnet. Mitglieder der Gruppe, die vor kurzem noch einen Aufruf zur Geschlossenheit in die Welt setzte [7], waren ebenso Teilnehmer des NPD-Aufmarsches in Stolberg. Ebenso waren Mitglieder der Neonazi-Gruppe „Freie Nationalisten Euskirchen“ (FNE) Teilnehmer von NPD-Aufmärschen. Die FNE betonten unlängst mehrfach, eng mit der örtlichen NPD kooperieren zu wollen beziehungsweise diese bei Flugblattaktionen und Infoständen unterstützt zu haben. Einer Ergänzung auf einem rechten Portal zufolge gehören die FNE nun ebenso zu den Unterzeichnern der „Freien“-Kritik gegen die NPD. [© Klarmann]
[1] NPD-Düren distanziert sich kurz vor Aufmarsch von Automaten und alle drohen sich gegenseitig (Link führt zum alten Blog.)
[2] HAKENKREUZ-SARG UND DAS NPD-GELEIT
[3] ANTIFA VERSAGT UND KAL BUCHT DEN RIEGER…; ERNEUT SCHLAGETER-TREFFEN IN DER REGION
[4] DROHUNGEN AN GEGENDEMONSTRANTEN
[5] JUNGER RECHTSEXTREMIST BEI MESSERSTEICHEREI IN STOLBERG GETÖTET?
[6] VOLKSSTURM RHEINLAND COVERT KAMERADSCHAFT AACHENER LAND
spon zu dem Streit zwischen „Freien“ und NPD:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,570230,00.html
es ist ja wohl entsetzend genug, dass man die totenruhe stört, nur um den letzten willen eines verstorbenen, als beweißmaterial zu sichern…
lieber (ehemaliger [1]) „kamerad“, über totenruhe würde ich am liebsten mit ihnen nicht diskutieren. in stolberg, wo ich sie nicht gesehen habe, haben NPD und „freie“ erst kürzlich bewiesen, dass die totenruhe eines einzelnen ihnen nichts wert ist [2]. wenn sie sich mit dem fall busse auskennen würden, so dürften sie auch kenntnis davon haben, was ein staatsanwalt gesagt hatte: hätte „steiner“ die flagge in eine schachtel getan und dem grab beigelegt (ich ergänze: oder hätte man die fahne in (!) dem sarg über den leichnahm busses ausgebreitet), dann wäre alles kein problem gewesen. „steiner“ und andere mitwisser müssen sich klar darüber gewesen sein, welches bild sie fabrizieren (wollten). da eine straftat vorliegt, muss ermittelt werden. dass aber ausgerechnet sie nun hier jammern, wie böse der staat ist: unter der flagge, die „steiner“ ausbreitete, haben abermillionen menschen gelitten. ein teil jener menschen war jüdischen glaubens, sie sollten ausgerottet werden. man störte deren „lebensruhe“. und man vergaste sie und verbrannte ihre überreste wie müll; man erschoss sie in gruben, die man zuscharrte, als würde man abfall beseitigen. und ausgerechnet sie bemängeln nun hier, dass nach der tat „steiners“ ein staat bzw. dessen helfer die totenruhe störte? sehr peinlich, ihr gejammer! mik
[1] siehe NPD-Veröffentlichung, womit wohl sie gemeint sind: „[…] So geschah es mit einem nun ehemaligen Mitstreiter unserer Sache, der von besagtem Journalisten soweit bedrängt wurde, daß der Kamerad freiwillig bei uns ausstieg, um dem nationalen Widerstand nicht zu schaden. Dies bestritt der Journalist in einem persönlichen Gespräch, er konnte sich nicht mal mehr an den Namen des Kameraden erinnern. Nach dessen Aussage wurde ihm jedoch zu einem Aussteigerprogramm geraten. Dies ist entgegen der weitläufigen, unwahren Behauptung über die angeblichen sektenähnlichen Methoden der NPD jedoch gar nicht nötig, bei uns gibt es ebensolche formellen Abmeldemethoden wie bei allen anderen zugelassenen Parteien auch, und wer einmal raus ist, wird von uns sicher nicht verfolgt und bedroht. Wir als volkstreue Deutsche besitzen noch Anstand! […]“
[2] http://klarmann.blogsport.de/2008/05/19/rechts-klein-sebnitz-der-neonazis/
sehr amüsant, mik
ich werte ihren beitrag mal als verhöhnung der opfer des naziregimes. alle weiteren beiträge werden nicht mehr frei geschaltet. mik ps. sie gefielen mir besser, als sie noch in peinlichen hiphop-videos einem mädel nachtrauerten. schade, dass ich die filme nicht gesichert habe. ihre alten und neuen „kameraden“ würden sicher wieder wie früher von ihnen denken…
@ An ex-nwh ;
Lieber ex-nwh, eine Störung der Totenruhe leisten die Neonazis sich ständig so in Stolberg oder bei Huldigungen von Kriegsverbrechern wie Heß, Schlageter oder anderen, wo Mördern gedacht wird und nicht den Opfern!
Da der Friedhof öffentlicher Raum ist hat weder eine Hakenkreuzflagge verpackt noch unverpackt dort vorhanden zu sein! Einem verstorbenen Kinderschänder lege ich auch kein kinderpornografisches Material als Grabbeigabe in den oder auf dem Sarg!
Friedhelm Busse war ein krimineller Nazi und da hat es nichts mehr mit dem letzten Wunsch eines Verstorbenen zu tun verbotene Gegenstände dem Verstorbenen beizulegen!
Er ist schon auf einem öffentlichen Friedhof – unabhängig seiner Vergangenheit und Straftaten – dem Grundgesetz entsprechend würdig bestattet worden, was in vielen diktatorischen Systemen nicht möglich war und ist!
Also regen Sie sich gekünselt über die angebliche Störung der Totenruhe auf, sondern beachten Sie unsere Gesetzgebung, die eindeutig auch für Nazis und Nazibanden gilt!
Ich denke das diese „Trauerfeier“ an azosialem Verhalten nicht mehr übertroffen werden konnte und Adolf H. sich dieses braunen Packs mehr als geschämt hätte!
„Ich denke das diese “Trauerfeier” an azosialem Verhalten nicht mehr übertroffen werden konnte und Adolf H. sich dieses braunen Packs mehr als geschämt hätte!“ Das was nach der Beerdigung ablief/abläuft, dafür hätte sich „Adolf H.“ geschämt… […]
das dürfte reichen..mik
Ist das alles zuckersüss…und endlich eine Soap Opera, die alles hat an Intrigen, kitschigem Schmalz, spannendsten Verwicklungen und Wendungen…und das ebenso bezahlbar für potentielle Sendeanstalten wie 9Live, wie auch simpel und verständlich genug für die brauen Pantoffeltierchen!! […]
ich denke, dass ist die bessere pointe. die aktuelle braunszene, die meint, geistig-kulturell und vom blute und der hautfarbe her etwas besseres zu sein als der rest der menschheit, auf das niveau einer seifenoper abzustufen, hat schon einen gewissen rei(t)z… mik
@AllesKlärchenKlarmann ;
Hier eine Stellungnahme zum braunen […]
http://de.youtube.com/watch?v=7nzm0WOQWOA
Hi mic,
ich verstehe schon deine dezente Zensur…
Mir ist nur wichtig, dass es weniger um „Pointen“ geht, als vielmehr darum festzustellen, dass das Einzige, was mich am Tod von einem Menschen wie Friedhelm Busse stört, das hohe Alter ist, welches er erreichen durfte!!
Millionen von Menschen, die Opfer jenes kranken Massenmördersystems wurden, das er angebetet hat, hatten dieses Glück leider nicht…
Hier geht es nicht um Pietät: solche kranken Überzeugungstäter wie er sind keine verblendeten dummen Jungs mehr!!
Und ich persönlich freue mich über JEDEN von denen, der dahinscheidet….ob durch – hofentlich schwere – Krankheit, einen Unfall, oder ….
@Carsten;
Carsten ich muss Ihnen Recht geben, jedoch denke ich das der Tod eines solchen Nazi Verbrechers alleine für sich gesehen das Problem nicht beseitigt! Aufklärung, sachliche wissenschaftliche Beratung für Aussteiger, Wertevermittlung unserer Demokratie stehen hier im Vordergrund, Blindheit vor Extremismus jeglicher Art zu beseitigen; ich denke hier fängt es an Leistungen zu erbringen!
Was haben wir von dem Tod eines Nazis? Gar nichts! betrachten wir den Tod von Heß, Schlageter und Konsorte – es wurden Märthyrer durch die Nazis geschaffen, die heute dazu dienen eine einzige Lüge aufrecht zu erhalten.
Ich persönlich – und dies muss ich eingestehen – freue mich zwar immer wieder über das zeitliche Ableben eines Nazis (aufgrund seiner kriminellen Energie), sehe aber darin wie gesagt alleine keine Problemlösung.
Wir müssen dem Extremismus – hier insbesondere dem Rechtsextremismus -gesellschaftlich eine Abfuhr erteilen, egal ob es sich um Rechtsextremismus, Linksextremismus oder dem islamischen Extremismus handelt. Keine Chance den Extremisten.
[…]
erst, wenn sie sich an die spielregeln halten. mik
war das grad etwa ein aufruf zum mord, lieber mik?
ich verweise auf den nachfolgenden kommentar und erlaube mir, darüber hinaus niemandem zu antworten, der oder die unter der e-mail braun.eva etwas einsendet. mik
Carsten, solche Menschen wie dich, verabscheuen wir genauso, wie den brauen Dreck damals. Du bist keinen Deut besser und es macht mich traurig zu wissen, dass wir solche Leute in der Bewegung haben.
Busse war ganz sicher alles andere als ein guter Mensch, aber aus Prinzip all diesen Leuten ein schnellen und unnatürlichen(!!) Tod zu wünschen ist einfach nur krank. Du bist für mich schlimmer als so mancher Hobby-Nazi, oder dergleichen.
Hallo Antifa-Berlin,
interessante Aussage… wer ist denn das „wir“??
Spricht da etwa die gesamte Antifa in Berlin mit einer Stimme?
Mit deiner/eurer Ansicht habe ich keinerlei Probleme…ich denke aber, du solltest dich nochmal eine Runde hinsetzen und darüber nachdenken, ob das wirklich so krank und schrecklich ist, einem Menschen, der den Tod von Millionen Menschen verherrlicht, selbst den Tod zu wünschen… ich bin kein reiner Pazifist und auch nicht gläubig… wenn du das bist, sei dir aber deine Meinung gegönnt, dass auch ein solcher Mensch „wertvoll“ und sicher tief im Herzen einfach supiedupie, missverstanden und goldig ist.
Ihr könnt die Nazis ja gerne mit endlos langen Plenen und Gruppenkuscheln wahlweise in sanftes Koma säuseln oder – was natürlich sehr schön wäre – von euren Ansichten überzeugen…
Bei einem bis ins tiefste Mark überzeugten Nazi wie Herrn Busse werdet ihr damit aber leider kaum Chancen haben.
@Fräulein Eva: Tststs…. wo wird denn da zu einem Mord aufgerufen??
Wenn ich schreibe, dass ich mich über ein schönes Sommergewitter oder eine Fussball-EM freue, rufe ich ja auch nicht dazu auf, dass Jemand am nächsten Tag sowas selbst startet… ob ich traurig wäre, wenn das Jemand täte, ist ne andere Frage.