Rechts: Die Region als Experimentierfeld von NPD und Russlanddeutschen

Aachen. Die rechtsextreme NPD versucht verstärkt, Russlanddeutsche anzusprechen. „Die Russlanddeutschen sind eine Bevölkerungsgruppe, die sehr abgeschottet lebt und schwer anzusprechen ist,“ sagte Markus Pohl, stellvertretender Landesvorsitzende der NPD dem Fernsehmagazin „Westpol“. Er ergänzte: „Wir haben aber die Hoffnung, Ansprechpartner zu finden, die dann natürlich zwangsläufig dafür sorgen, dass wir eine neue Wählerschicht gewinnen – und vielleicht auch neue Mitglieder.“ Im Kreis Düren findet eine Kooperation zwischen NPD und rechtsextrem gesinnten Russlanddeutschen schon statt. Einer der Köpfe der NPD-nahen Russlanddeutschen wohnt hier.

„Liebe deutsche Brüder und Schwester,“ gab Johann Thießen vor einigen Wochen in Bamberg den Delegierten des NPD-Bundesparteitags laut eines im Internet veröffentlichten Redemanuskripts mit auf den Weg. Und der in Hürtgenwald lebende Russlanddeutsche erläuterte weiter: „Die meisten von uns kamen nach Deutschland mit Begeisterung: Endlich als Deutsche mit Deutschen leben! Diese Begeisterung hat jedoch nicht lange angehalten.“ Angeblich finde in Deutschland eine „volksfeindliche Politik“ statt, führte Thießen weiter aus und nannte die Anwesenden „Kameraden“.

Gerade unter den Russlanddeutschen, die sich benachteiligt fühlen und skeptisch der deutschen Medien- und Politiklandschaft gegenüber stehen, könnten Rechtsextremisten ein leichtes Spiel haben. So ist denn auch die NPD auf der Suche nach Personen aus jenen Kreisen, die ihre rechtsradikale Ideologie teilen, aber unter den Russlanddeutschen angesehen sind. Die Kooperation zwischen NPD und verschiedenen Gruppen und Vereinen der Russlanddeutschen dauert denn auch schon länger an.

Innerhalb der NPD wurde im Februar 2008 ein „Arbeitskreis der Russlanddeutschen“ gegründet. Deren Chef Andrej Triller aus Hattingen marschierte jedoch schon im Mai 2007 in Dortmund bei einem Neonaziaufmarsch zwischen rechtsextremen Skinheads und militanten „Autonomen Nationalisten“ mit. Mit zwei Russlanddeutschen trug er ein NPD-Transparent mit der Aufschrift „Russlanddeutsche in der NPD“. Triller publiziert zudem die „Volksdeutsche Stimme“, ein Internetportal, in der in deutscher und russischer Sprache auch über die Zusammenarbeit mit der NPD berichtet wird. Triller selbst verbreitet hier auch Neonazi-Verschwörungstheorien, wonach die Alliierten seit Ende des Zweiten Weltkrieges durch Umerziehung, Zuwanderung und Sterilisation die Deutschen vernichten wollten.

Beobachter halten Thießen für einen der einflussreichsten Mitstreiter von Triller. Beide gehören den „Russlanddeutschen Konservativen“ an, die eng mit dem NPD-Arbeitskreis kooperieren. Bislang schloss der Dürener Kreisverband des „Bundes der Vertriebenen“ (BdV) schon mehrere Personen aus, die diesen Kreisen angehören. Bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sind Thießen und auch Triller indes laut WDR-Recherchen weiter Mitglieder. Thießen sitze sogar im Vorstand der Gruppe in Düren, berichtete „Westpol“.

Thießen war laut Markus Patzke, BdV-Landesgeschäftsführer, unter den vom BdV ausgeschlossenen in Düren. Verbandelt ist Thießen mit einer „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat’ der Deutschen aus Rußland“. Der Verein ist in Düren ansässig und hat für den 23. August eine Kundgebung vor dem Düsseldorfer Landtag angekündigt. Der Aufruf zur Kundgebung wird unter anderem von der NPD, aber ebenso von Neonazigruppen unterstützt. Empört werden soll sich darüber, dass ein Schulbuchverlag verbreitet, auch die Russlanddeutschen hätten im Zweiten Weltkrieg in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten den Massenmord an den Juden unterstützt.

In NRW sollen der NPD bislang rund 30 Russlanddeutsche beigetreten sein, der Landesverfassungsschutz schätzt die Partei selbst auf insgesamt 750 Mitglieder. Rund 400.000 Deutschrussen sollen in NRW leben. Um sie anzusprechen will die NPD bei der kommenden Landtagswahl einen ihrer Vertreter weit oben auf ihrer Landesliste platzieren, hieß es im WDR. Ähnliches plant nach Recherchen der „Nachrichten“ auch die NPD im Raum Düren, Erftkreis und Euskirchen. Teile der regionalen Parteiführung sowie NPD-Kreischef Ingo Haller – unterdessen auch Mitglied im NPD-Landesvorstand – besuchten im Juni ein lokales Treffen jener Dürener Russlanddeutschen. Bei den Kommunalwahlen 2009 will die NPD auf ihren Listenplätzen in einzelnen Kommunen auch Personen von ihnen platzieren. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]


3 Antworten auf “Rechts: Die Region als Experimentierfeld von NPD und Russlanddeutschen”


  1. 1 Ellen 19. August 2008 um 18:14 Uhr

    Ist ja wieder interessant, wo und wer seine kleinen Stummelfingerchen im schmutzigen, braunen Spiel hat.

  2. 2 Peter 19. August 2008 um 18:24 Uhr

    Insgesamt ist das rechte Fußvolk noch nie durch rationale Reflektion der Geschichte aufgefallen. Daher finde ich es nicht so verwunderlich.

    Letzendlich finden in jedem Land Nationalisten zusammen und suchen sich eine schwächere Gruppierung, die sie für die (eigenen) Probleme verantwortlich machen können, bzw. an denen sie ihren Frust raus lassen können.

  3. 3 Naruto 20. August 2008 um 9:20 Uhr

    Ja, dass ist so. Es wird sich immer ein schwaches Kettenglied zum Werkzeug und ein anderes zum Unterjochen gesucht. Traurig aber wahr. Aber so war Mensch schon immer.

    Ich mein selbst in der Grundschule sieht man sowas schon.

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