Rechts: Rechtsextreme und bisweilen antisemitische Russlanddeutsche [update]

Düsseldorf/Hürtgenwald. Vor dem nordrhein-westfälischen Landtag haben am Samstag (23.8.) rund 80 Vertreter rechtsextremer und bisweilen antisemitischer Russlanddeutscher im Beisein vereinzelter NPD-Funktionäre und Neonazis demonstriert [1]. Rund 100 Antifaschisten sollen insgesamt an verschiedenen Stellen rund um den Landtag und Fernsehturm dagegen demonstriert haben. Ersten Meldungen zufolge sollen anreisende Neonazis aus der Region in ihrem Auto von Antifaschisten attackiert worden sein. Drei junge Neonazis aus dem Umfeld der Aachener „Autonomen Nationalisten“ (AN) wohnten der Kundgebung bei.

Die Polizei nahm offenbar im Gesamtverlauf der Veranstaltungen mehrere Antifaschisten fest, u.a. zwei Jugendliche, die die Veranstaltung der Rechtsextremisten direkt gestört hatten. Anmelder der rechtsextremen, ausländerfeindlichen, geschichtsrevisionistischen und in Teilen offen antisemitischen bzw. anti-„zionistisch-bolschewistischen“ Kundgebung war Johann Thießen aus Hürtgenwald (Kreis Düren). Thießen ist Ansprechpartner für NRW der „Russlanddeutschen Konservativen“ und Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat’ der Deutschen aus Rußland“. Im Namen des möglicherweise als Vorfeldorganisation der eng mit der NPD verwobenen „Russlanddeutschen Konservativen“ wirkenden Vereins hatte er die Kundgebung angemeldet und moderiert.

Thießen war schon im Februar Teilnehmer eines Aufmarsches von NPD-Leuten und Neonazis aus der Region, die symbolisch die Taten des bzw. das gesamte „Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ (BgR) zu Grabe trugen. An besagtem Tag hielt das BgR seine erste Jahresvollversammlung in Düren ab, rund 500 Menschen aller gesellschaftlicher Schichten, vieler Vereine, Initiativen und Parteien nahmen daran teil und versammelten sich in der Christuskirche [2].

Auch wenn Thießen und andere Redner in ihren Redebeiträgen oder gegenüber dem WDR betonten, sie seien keine Rechtsextremisten, war der Charakter der Kundgebung eindeutig rechtsextrem. Thießen selbst soll schon vergangenes Jahr in Düren eine öffentliche Veranstaltung für Russlanddeutsche abgehalten haben, bei denen die Zeitung „Die Russlanddeutschen Konservativen“ ausgelegen und angeboten wurde.

Die aktuelle Ausgabe des Blatts enthält zahlreiche Beiträge der NPD und anderer rechtsextremer Autoren. Unter anderem enthält das Blatt einen Text von einem „Hans Kohlhase“, der sich in ausländerfeindlicher Manier über eine Gewalttat in Stolberg ausläst, die im April zu drei Neonazi-Aufmärschen führte. Irrigerweise werden als Quelle des „Kohlhase“-Beitrags nicht jene rechtsextremen Homepages genannt, von denen der Text offenbar kopiert wurde, sondern die offizielle Homepage der Polizei in NRW.

Fotogalerie zur Kundgebung siehe HIER, weiterer Bericht Montag. [(C) Klarmann]

[1] Zu den Hintergründen siehe: DIE REGION ALS EXPERIMENTIERFELD VON NPD UND RUSSLANDDEUTSCHEN; RECHTSEXTREME KUNDGEBUNG IN DÜSSELDORF MIT VERSTRICKUNGEN IN DEN KREIS DÜREN
[2] NPD-AUFMÄRSCHE UND GEGENDEMONSTRATION IN DÜREN; VOM TRAUERSPIEL ZUM PÖBELMARSCH – NPD IN DÜREN ZWISCHEN KARNEVAL UND HASS


7 Antworten auf “Rechts: Rechtsextreme und bisweilen antisemitische Russlanddeutsche [update]”


  1. 1 Mörci 23. August 2008 um 22:21 Uhr

    […]

    auch mal was für die muttersprache tun, nicht nur was fürs vaterland. wenn sie dann noch den richtigen ton finden, antworte ich vielleicht. mik

  2. 2 Peter 24. August 2008 um 16:59 Uhr

    Es leben in Deutschland ca. 1 Million Russlanddeutsche, zum Teil mit einer dubiosen „Deutschzugehörigkeit. Immerhin ist dieses Potenzial für die NPD interessant!

    Man sieht hier bei der Demo genau, was diesen Mitbürgern für ein braunes Weltbild von Deutschland unter Federführung der NPD eingetrichtert wurde!

    Lügen, Lügen, Lügen, antisemitische Hetzparolen, Verdrehung der Geschichte, ja das sind die Dinge die zum Teil bei der Demo von jungen Russlanddeutschen abgelassen wurden.

    Die NPD bewegt sich hier auf einem sehr dünnen eis, das einbrechen könnte bevor ein weiterer Fuss abgestellt wurde.

  3. 3 Michi-Rechts 24. August 2008 um 19:24 Uhr

    @peter
    zu erst einmal war es keine Demo sondern eine Kundegebung!
    Ich weiß zwar nicht genau worauf sich dein Kommentar bezieht aber falls dein Kommentar die gestrige Veranstaltung in Düsseldorf betrifft scheinst du wohl falsch informiert zu sein.
    Denn wie oben schon gesagt handelte es sich um eine Kundgebung und ich weiß auch nicht wo deine jungen Russlanddeutschen waren denn die Veranstaltung bestand zum größten Teil aus älteren Russlanddeutschen die sich wohl mehr als ruhig verhalten haben.
    Die einzigen die etwas destruktives abgelassen haben waren wohl die Chaoten hinter den Absperrungen.

    zeichensetzung bitte! mik

  4. 4 Peter 24. August 2008 um 23:20 Uhr

    @Michi-Rechts;
    Zum ersten sprechen wir malüber die „Kundgebung“, die eindeutig durch „sogenannte Russlanddeutsche“ rechtsxtremistische Strömungen aufwies.
    Hier waren alle Alterklassen vertreten, ich hoffe Mik hat alsbld Fotos der Demo, pardon „Kundgebung“. Die durch die NPD und Nationalisten angestachelte rechtsextremistischen Russlanddeutschen betrieben eindeutig antisemitische Thesen und Geschichtslügen in Reinstform. Diese Kundgebung erfüllt meiner Meinung nach die Volksverhetzung und die Rechtfertigung und Glorifizierung des NS Systems.
    Die Chaoten waren es nicht nur, auch gewaltbereite Braune wurden gesichtet.

    fotos? ja, wo sollten die auch sein…mik

  5. 5 Michi-Rechts 25. August 2008 um 11:55 Uhr

    @peter
    „auch gewaltbereite Braune wurden gesichtet.“
    du meinst wahrscheinlich jene „Gewaltbereite“ die in Ihrem Auto saßen und mit Flaschen und Steinen von den Chaoten attackiert wurden!
    Ich rede außerdem vom Großteil der Kundgebung die eher durch ältere Rußlanddeutsche besucht wurde.
    Wäre dies anders gewesen,und es wären Junge Nationalisten anwesend gewesen,hätten die zwei Chaoten die die Kundgebung störten diese Tat sicher nicht gewagt.

    ich weiß zwar nicht, welche gewaltbereiten peter meint, aber ich habe da einige wenige aus ihrem spektrum gesehen. zudem war ja auch ein npd-mann da, der vorbestraft ist, weil er bei einem angriff auf eine antifaschistische gedenkkundgebung involviert war. und mindestens einer, der auf die attacke auf die antifa-demo in aachen gesehen wurde ;) mik

  6. 6 Klar, Mann? 25. August 2008 um 13:52 Uhr

    Siehe dazu auch mit weiteren Hintergründen diese BnR-Meldung:

    http://klarmann.blogsport.de/2008/08/25/rechts-multi-kulti-schwuchtelregierung/

  7. 7 Peter 25. August 2008 um 16:16 Uhr

    @mik;
    Ich meine die 7 Personen im Alter zwischen 20 und 35, die auch Mitglied der NPD sind (befanden sich etwas am Rand)

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