Rechts: DVU-Stolberg boykottiert endlich Musels!

Stolberg. Ein geschätztes tausendjähriges Reich muss es her sein, als der damals noch zur DVU gehörende Willibert Kunkel – heuer: NPD – in Stolberg im Februar 2002 mit 30 Getreuen [1] zum Marsch gegen das Schächten aufrief [2]. Doch nun, nachdem sich ein DVU-Kreisverband Ende 2003 neu gründete und 2004 bei den Kommunalwahlen ein Ratsmandat in Stolberg erringen konnte, scharrt deren Mastermind Rudolf Motter wieder mit den „Schächt“-Stiefelabsätzen: Motter nebst Kreisverband rufen derzeit zum Boykott auf gegen Händler und Geschäfte, die Fleisch von geschächteten Tieren verkaufen. Schächten sei „Tierquälerei“, weiß Motter zu berichten, denn dabei würden bei den „barbarischen, aus dem tiefsten Mittelalter stammende[n] Rituale“ die Tiere „langsam und qualvoll verblute[n]“ – als gäbe es keine größeren Schlachthöfe oder Nerzfarmen in Deutschland… Vielmehr wurmt die ausländerfeindliche DVU dass ausgerechnet Muslime in Deutschland schächten, weil sie „[l]aut Koran (Bibel der Musels) […] nur Fleisch von geschächteten Tieren essen“ dürfen. „Dank einiger (von Muslimen) hoch geschätzter arschkriechender Politiker und Richter, dürfen Muslime hier in Deutschland zu besonderen Anlässen Tiere zu Tode quälen,“ verkündet Motter zudem. Und: „In legalen wie illegalen Schlachthöfen, auf Hinterhöfen und sogar im Mietshaus in der Badewanne werden Tiere aus niedrigen Beweggründen bestialisch abgeschlachtet.“ Also lebe man in einer Anarchie: „Ordnungsämter, Gesundheitsämter, Veterinäre, Richter, Staatsanwälte und alle Tierschutzorganisationen kuschen. Sie kuschen, weil die Täter Ausländer sind und weil diese Ausländer gelernt haben, jeden Deutschen als Nazi zu bezeichnen, der nicht nach ihre Pfeife tanzt.“ Und da niemand etwas gegen das Unrecht tut ruft nun nach Jahren des Unrechts die DVU endlich zum Boykott aller Geschäfte auf, die Fleisch von geschächteten Tieren anbieten. „Je weniger Fleisch diese Geschäfte für Döner etc. verkaufen, um so weniger Tiere müssen elendig verrecken,“ schlussfolgert Motter mit der unendlichen Leichtigkeit und Weisheit eines Currywurst- und Kotelettbrutzlers. Doch die Frage, ob es etwas nutzen wird, beantwortet die DVU leider nicht. Warum auch? Neonazis würden doch eh nix beim Musel kaufen… [© Klarmann]

[1] Der peinlichste Nazi-Aufmarsch Deutschlands? Dreißig angebliche Tierschützer wetterten gegen »barbarische Gebräuche«: Viel blieb am Ende von dem Motto »Die Rechten gegen Schächten« nicht übrig, unter dem dreißig Neonazis im nordrhein-westfälischen Stolberg am Sonnabend aufmarschierten. Sie nutzten eine Kundgebung vor dem Rathaus der Kleinstadt (Kreis Aachen) um gegen »Einwanderungsströme« und deren »barbarischen Gebräuche« zu hetzen. Während der anschließenden Demo nahm die Polizei einen Vertreter der »Kameradschaft Aachener Land« fest, der »Ruhm und Ehre der Waffen-SS« skandiert hatte. Daraufhin lösten die Sicherheitsbehörden den braunen Demonstrationszug auf. Ursprünglich erwartet hatte der Anmelder der Aktion, der Ratsherr der Deutschen Volksunion (DVU) Willibert Kunkel, hundertfünfzig »Mitglieder von DVU, NPD und anderen Gruppierungen«. Seine eigene Partei hatte sich indes von dem Ratsmann distanziert. Laut DVU läuft derzeit gegen Kunkel ein Parteiausschlussverfahren, da der ehemalige Kreisvorsitzende mit weiteren Kreisverbänden geschlossen in die NPD eintreten wolle. Letztlich demonstrierten am Samstagmittag Skinheads der »Kameradschaft Aachener Land« und Altvordere in Bundeswehrparkas an Kunkels Seite. Das Antifaprojekt an den Aachener Hochschulen verhöhnte das Grüppchen als »Dorftrottelz«, die VVN-BdA sprach von einem »elenden Haufen«. Kunkel selbst fabulierte von einem »echten Aufstand der Anständigen«, Passanten würdigten diesen mit Kopfschütteln und Belustigung. […] Antifaschisten gelang es dabei wiederholt, den unter starkem Polizeischutz quer durch die Innenstadt führenden Aufmarsch kurz zu stoppen. Nach einer zwanzigminütigen Sitzblockade kam es wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz zu 21 vorläufigen Festnahmen zwecks Identitätsfeststellung. […] Der Protest der Rechtsextremisten richtete sich angeblich gegen das vom Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe Mitte Januar [2002] erlassene Schächt-Urteil. Daher sollte der Stolberger Aufmarsch ursprünglich auch durch einen Ortsteil mit hohem Immigrantenanteil führen, wo laut Kunkel die meisten Schächter leben. Bevor es so weit kommen konnte, löste die Polizei die Nazidemo auf. Anlass dafür war die verbotene Parole des Teilnehmers der DVU-Demonstration. [© Michael Klarmann, damals geschrieben für die und erschienen in „junge Welt“]
[2] „Kameraden, Trillerpfeifen raus! Uuuuhhhnnnnddddttt PFEIFT!“


11 Antworten auf “Rechts: DVU-Stolberg boykottiert endlich Musels!”


  1. 1 Ellen 04. September 2008 um 18:00 Uhr

    „(…) Schächten sei „Tierquälerei“, weiß Motter zu berichten, denn dabei würden bei den „barbarischen, aus dem tiefsten Mittelalter stammende[n] Rituale“ die Tiere „langsam und qualvoll verblute[n]“

    Heuchlerischer geht’s nimmer.
    Hauptsache, man ist in der Öffentlichkeit präsent. Bei verletzten, traumatisierten oder vergasten Menschen ist der Herr nicht so pingelig…oder?
    Würde er mal in seinen eigenen Reihen scharren. Wäre gewiss sinnvoller.;-)

  2. 2 Peter 04. September 2008 um 18:08 Uhr

    Bei dem Bericht wird deutlich, das bei extremistischen Organisationen die Handlungen gleich sind. Man vergleiche den Boykott Versuch der DVU mit dem Boykottaufruf (gegen Firmen die mit Israel zusammenarbeiten bzw. zu Israel stehen) des Muslimmarkt (einer durch die Verfassungsbehörden eingestuften extremistisch eingestuften Organisation)in Bremen.
    Antisemitische Gruppierungen gleichen sich eben in ihren Projekten!

    Ich habe schon oft genug in Stolberg, darunter auch „Sonnenschutzfaktor 1000″ sowie Neonazis in Dönerbuden gesehen, da diese genau wissen wie lecker Döner schmeckt und nach einem Bierchen sättigt.

    Gegen Schächter richtet sich nun augenscheinlich der Protest, obwohl sich dieser auch gegen Juden praktischer Weise auch richtet, da sie ja auch schächten.

    Was für eine verlogene nationale Politik offenbart sich hier?
    Diese Auftritte sind für die Stadt Stolberg die peinlichsten in ihrer Geschichte!

  3. 3 Peter 05. September 2008 um 10:19 Uhr

    @Ellen;
    Ich frage mich wie es den noch überlebenden paar Menschen des Holocaust in Stolberg nun zumute ist?

  4. 4 Ellen 05. September 2008 um 17:05 Uhr

    @Peter,
    habe ich mich auch schon des öfteren gefragt.
    Finde einfach entsetzlich, wie aktuell die verzerrt Neo-Faschismusfratze (immer noch) schon wieder präsent ist.
    Wenn es die Kategorie „fremdschämen“ gäbe, würde ich dies am ehesten jene Empfindungen beschreiben.
    So aber bleibt „un“ (nur) wenigstens die Freiheit unser Wort, unsere Stimme und unser Gesäß hochzukriegen und den Radius jener Unverbesserlichen einzuschränken, wo immer es geht.
    Faschismus ist KEINE politische Meinung, sondern ein Verbrechen, egal ob 1933 oder 2008!

  5. 5 Rudolf Motter 14. September 2008 um 16:52 Uhr

    @ Klarmann:
    Es steht nirgends geschrieben, das die Tiere vor dem Schächten nicht betäubt werden dürfen. Dieses und nichts anderes ist unsere Forderung.
    Es gibt sogar eine Fatwa, die besagt das auch Fleisch von beim Schächten betäubter Tiere halal ist.

    wenn nichts anderes ihre forderung sein soll, warum stellen sie diese dann nicht, veröffentlichen aber eine ausländerfeindliche langzeile auf ihrer homepage? mik

  6. 6 Rudolf Motter 14. September 2008 um 20:07 Uhr

    @ Klarmann
    Auf meiner Webseite befinden sich keine ausländerfeindlichen Zeilen […]

    ach was…mik

  7. 7 Hase 16. September 2008 um 10:27 Uhr

    Äußerst ärgelich ist die Verwendung des Ausdrucks „Musel“. „Musel“ oder „Muselmänner“ waren dei ausgehungerten Gefangenen in den KZs.
    Hier eine Quelle: http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at/Auschwitz/HTMLd/Muselmann.html
    Hier bei der Gelegenheit auch noch ein kleines Zitat, damit wir nicht vergessen was „Nationalsozialismus“ in seiner praktischen Ausführung bedeutet:
    „Die Schwächsten – die Muselmänner
    - wurden, sofern sie nicht mehr
    stehen konnten, bei Minus 34 Grad unter
    den Baum gelegt. Die SS befahl, sie
    mit Wasser zu übergießen, so dass sie in
    Eisblöcke eingefroren starben.“
    Quelle: www.lagergemeinschaft-auschwitz.de/MB2_2003.pdf

  8. 8 Der Tobi 28. Oktober 2008 um 0:19 Uhr

    @ Motter:

    Ach Motter, zentrier´ Dich mal.

    Kümmer´ Du Dich mal um Deine rein „deutschen“ Angelegenheiten, dann haben wir wenigstens was anständiges zu lachen.

    wie zum Beispiel die hier:

    http://www.xxx-stolberg.de/Stolberger%20Burgkeller.htm [nachträglich frisierter link; mik]

    hm, mit „brüderlichem Respekt vor anderen Völkern“ hat das nicht mehr viel zu tun… (Parteiprogramm DVU, Absatz 1 zu Pkt. 1)

    Am allerpeinlichsten finde ich Deine dämlich-amateurhafte Bildbearbeitung… ECHT billig.

    Ich kann die Betreiber bestens verstehen, vor Deinem Eintreten hätte ich das Schild „geschlossene Gesellschaft“ auch schnellstens rausgehängt!

    unglaublich…

  9. 9 Peter 29. Oktober 2008 um 0:24 Uhr

    @Tobi;
    Motter hat was das schächten betrifft recht. In den Auslegungen des Korans steht nichts was gegen eine Betäubung des Tieres spricht. Es gibt auch eine entsprechende Fatwa, die dies vorsieht und damit die heutige Zeitepoche trifft. Der Koran selber kannte damals keine Betäubung, dies muss seitens der Muslime berücksichtigt werden. Die entsprechende Fatwa passt sich also der heutigen Zeit an. Selbst das türkische Amt für Religonsangelegenheiten hat diese Fatwa empfohlen.

    Es ist schon klar, das es Motter um andere Dinge geht; nämlich Muslime an den Pranger zu stellen, eben mit diesem Mantel des Tierschutzes.
    Was sagt uns dies – das sich die Lokalpolitik auch um solche Themen kümmern muss, bevor es braune Gruppierungen tun!
    Ich glaube das Lokalpolitiker damit nicht die Integration gefährden.

  10. 10 Peter 29. Oktober 2008 um 14:41 Uhr

    Ich bekam heute gegen 13.35h auf Phönix einen Bericht über Thüringen mit, wo eine deutsche Familie auf Ihrem Hof ein Schwein schlachteten – wie?
    Mit Halsschnitt und ausbluten lassen! Das Blut wurde in einer riesigen Schale aufgefangen, das Tier bei vollem Bewusstsein!

    Die DVU und die NPD sollten daher erst einmal bei den guten Doitschen anfangen zu kritisieren!

  11. 11 Peter 29. Oktober 2008 um 22:14 Uhr

    Der Film auf Phönyx in dem die Schächtung des Schweins durch Deutsche gezeigt wurde hatte den Titel;

    Hauptsache Arbeit – 3 Männer auf Montage

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