Rechts: Russlanddeutsches Volk und Vaterland…

Düsseldorf/Hürtgenwald. Die NPD versucht in Nordrhein-Westfalen verstärkt, Russlanddeutsche anzusprechen. Markus Pohl, NPD-Landesvize, sagte kürzlich, man habe „die Hoffnung, Ansprechpartner [unter ihnen] zu finden, die dann natürlich zwangsläufig dafür sorgen, dass wir eine neue Wählerschicht gewinnen – und vielleicht auch neue Mitglieder.“ Im Kreis Düren findet die Kooperation schon statt. Zudem fand eine Kundgebung von Russlanddeutschen vor dem Düsseldorfer Landtag statt, unterstützt von der NPD.

„Liebe deutsche Brüder und Schwester,“ sagte Johann Thießen vor einigen Wochen in Bamberg zu den Delegierten des NPD-Parteitags. Der in Hürtgenwald (Kreis Düren) lebende Russlanddeutsche erläuterte: „Die meisten von uns kamen nach Deutschland mit Begeisterung: Endlich als Deutsche mit Deutschen leben! Diese Begeisterung hat jedoch nicht lange angehalten.“ Es finde eine „volksfeindliche Politik“ statt, so Thießen weiter zu den „Kameraden“.

Thießen war auch Anmelder der Kundgebung am 23. August in Düsseldorf. Er ist NRW-Ansprechpartner der bundesweit aktiven „Russlanddeutschen Konservativen“ und Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat’ der Deutschen aus Rußland“. Als Zeichen dient dem Verein ein Wappen in den Reichsfarben mit dem Symbol des „Wodansknoten“, drei ineinander verschlungenen Dreiecke.

Anlass für die geschichtsrevisionistische, antisemitische bzw. anti-„zionistisch-bolschewistische“ Kundgebung war, dass ein Schulbuchverlag die „Lüge“ verbreitet habe, auch Russlanddeutsche hätten im Zweiten Weltkrieg in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten den Massenmord an den Juden unterstützt. Anwesend war auch der Vorsitzende des „Arbeitskreises der Russlanddeutschen in der NPD“, Andrej Triller (Hattingen). Triller ist zudem Führungskader der „Russlanddeutschen Konservativen“, auch „Freundeskreis der Russlanddeutschen Konservativen“ genannt.

Triller publiziert die „Volksdeutsche Stimme“, ein Internetportal, in der in deutscher und russischer Sprache auch über die Zusammenarbeit mit der NPD berichtet wird. Triller selbst verbreitet hier auch Neonazi-Verschwörungstheorien. Zugleich zeichnet Triller verantwortlich für die Zeitung „Die Russlanddeutschen Konservativen“, die Artikel aus der „Volksdeutschen Stimme“ und aus Neonazi-Kreisen sowie NPD-Verlautbarungen und Anzeigen rechter Verlage abdruckt.

Gerade unter Russlanddeutschen, die sich benachteiligt fühlen und skeptisch den deutschen Medien und der Politik gegenüber stehen, könnten Rechtsextreme ein leichtes Spiel haben. Sowohl in den Medien jener rechtsextremen Russlanddeutschen, als auch auf der Kundgebung in Düsseldorf wurde wiederholt gegen Migranten gewettert, die keine Deutschen seien. Anatoli Ganzhorn aus Bayern, neben Thießen ebenso Redner auf dem NPD-Parteitag, beschimpfte in Düsseldorf die Bundesregierung als „Multi-Kulti-Schwuchtelregierung“. Und ergänzte, angelehnt an die SA-Losung „Nichts für uns, alles für Deutschland“: „Nichts für uns, alles für das deutsche Volk und Vaterland.“ Thießen sagte, man wolle und werde sich nicht in die „multikulturelle Gesellschaft“ integrieren, denn „wir sind schon deutsch.“ Die Redner appellierten mehrfach an die rund 80 Teilnehmer, NPD zu wählen. NPD-Landeschef Claus Cremer hatte die Lautsprecheranlage und Teile der Ordner gestellt. In seiner Rede überbrachte Cremer den „russlanddeutschen Volksgenossen […] beste Grüße und Wünsche der NPD“.

Bislang schloss der als extrem konservativ geltende Dürener Kreisverband des „Bundes der Vertriebenen“ (BdV) mehrere Personen aus, die dem Thießen-Kreis angehören. Bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sind Thießen und Triller indes laut WDR-Recherchen weiter Mitglieder. Thießen, nicht identisch mit dem hessischen Landeschef der russlanddeutschen Landsmannschaft, sitzt laut WDR sogar im Vorstand der Landsmannschaft-Gruppe Düren.

In NRW sollen der NPD bislang rund 30 Russlanddeutsche beigetreten sein. Um die Deutschrussen anzusprechen will die NPD bei der kommenden Landtagswahl einen ihrer Vertreter auf ihrer Landesliste platzieren. Ähnliches plant auch die NPD im Raum Düren. Im Februar 2008 hatte Thießen an einem NPD-Aufmarsch in Düren teilgenommen. Teile der NPD-Spitze um Kreischef Ingo Haller besuchten im Juni ein Treffen der Thießen-Gruppe. Bei den Kommunalwahlen 2009 will die NPD-Düren auch Russlanddeutsche zur Wahl aufstellen. [© Michael Klarmann; für BnR]


10 Antworten auf “Rechts: Russlanddeutsches Volk und Vaterland…”


  1. 1 logischer Denker 12. September 2008 um 1:23 Uhr

    Irgendwie grotesk, dass sich die Russlanddeutschen bei ihren Protesten gegen ihre Beteiligung am Holocaust ausgerechnet von denjenigen unterstützen lassen, die immer noch bedauern, dass das dritte Reich gewaltsam dazu gezwungen wurde mit dem Massenmord aufzuhören.

    Eigentlich müssten die Russlanddeutschen aus NPD-Sicht doch Vaterlandsverräter sein, wenn sie da nicht mitgemacht haben.

  2. 2 W.Peters 27. September 2008 um 10:58 Uhr

    Eine sehr komische Logik haben Sie, Genosse! Wo haben Sie eigentlich gelesen, dass die deutschen Patrioten irgendwelche Morde gutheissen?!

    denke nicht, dass hier irgend jemand von ihnen als mitverantwortlicher einer neonazi-postille, die für ihr onlineangebot ausgerechnet bilder aus „klarmanns welt“ klaut – und damit mindestens ein klischee über russlanddeutsche sauber bestätigt ;) – als genosse tituliert werden will; weder tatsächliche genossen, noch ihre „kameraden“. ihre clique besteht überdies nicht aus „patrioten“, sondern größtenteils aus neonazis, und man hat ihnen auch NICHT vorgeworfen, morde gut zu heißen. sie verharmlosen halt nur strafrechtlich irrelevant ein klein wenig den einen oder anderen massenmord und beschimpfen ausgerechnet das system, welches ihnen diese freiheit zugesteht, als eine art diktatur (aus der früheren UDSSR dürften sie indes schon noch wissen, was eine diktatur ist oder wie sie tatsächlich funktioniert, woll?)…immerhin scheinen sie aber eine gute einreise gehabt zu haben. ein nobles regime, diese BRD? mik

  3. 3 Peter 27. September 2008 um 19:42 Uhr

    Mmh, schon komisch, wenn man bedenkt, das die Braunen ansonsten den Osten nur als Kornkammer anerkannt haben und nun froh sind ein Häufchen Russlanddeutscher für ihre zum Teil fast kriminellen (Volksverhetzung usw.)Energien zu gewinnen.
    Wie weit will die NPD noch sinken und uns weltweit blamieren?

  4. 4 W.Peters 27. September 2008 um 21:19 Uhr

    Ich habe bei Ihnen gar nichts geklaut. „Neonazis“, sagen Sie? Aber die Neonazis (genauso wie einfache Nazis)sind Patrionen automatisch. Auf jeden Fall, kann ich mir keinen Nationalisten vorstellen, der sein Vaterland nicht liebt.
    Übrigens,die „Abstempelung“ NEONAZIST/Faschist heutzutage bedeutet nur eines: der „Abgestempelte“ ist ein einständiger Mensch. Zum Beispiel, Herr Putin wird als „faschistischer Bandit“ von „Demokraten“ und Sovjetkommunisten bezeichnet. Und wer ist Herr Putin? Er ist ein Staatsmann, der Russland als NATIONALSTAAT gerettet hat.

    das klauen von drei meiner bilder ist unstrittig, egal ob sie oder sonst ein redakteur sie ohne meine erlaubnis und honorarzahlungen aus meinem bildportal genommen und bei ihnen eingesetzt hat. mik ps. der rest ihres kommentares spricht für sich. dankeschön dafür.

  5. 5 W.Peters 27. September 2008 um 21:50 Uhr

    „Mmh, schon komisch, wenn man bedenkt, das die Braunen ansonsten den Osten nur als Kornkammer anerkannt haben “

    Lieber Peter, woher haben Sie dieses „Wissen“?

  6. 6 Ellen 28. September 2008 um 12:41 Uhr

    W. Peters schreibt: „Auf jeden Fall, kann ich mir keinen Nationalisten vorstellen, der sein Vaterland nicht liebt.“
    Dazu habe ich mal eine Frage: Wie „liebt“ man ein Land? Geht man mit ihm ins Bett?
    Jetzt mal völlig unabhängig davon, ob man den Begriff Vater- oder Mutter davor schraubt.
    Menschen, Subjekte jedweder Art kann ich lieben, aber ein Land????
    So hat es schon mal angefangen!

  7. 7 Peter 28. September 2008 um 13:05 Uhr

    @ W.Peters;
    Was Sie von sich geben entbehrt jeglicher Grundlage und ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnissen unhaltbarer Nonsens!

    @Ellen; Die Braune Sippschaft weiss weder was richtiger Patriotismus bedeutet, noch was ein gesunder Nationalstolz ist. Dies erkennt man schon an der Kriminalitätsstatistik der Nazis in 2008.

  8. 8 Ellen 28. September 2008 um 13:28 Uhr

    @ Peter: Ich ahne was du meinst, gleichwohl, mit Verlaub, halte ich es für problematisch von „gesundem Nationalstolz“ zu sprechen. Mal laut gedacht: Was heißt in diesem Zusammenhang „gesund“? Insbesondere der Faschismus ist mit Biologismen gespickt.
    Hier ein Zitat, gerade bei Wikipedia gemopst;-)*

    „Viele politische Strömungen (u.a. der Faschismus) haben biologistische Erklärungsmodelle für ihre Zwecke instrumentalisiert, indem sie Biologismen zur Rechtfertigung sozialer Ungleichheit, Ausbeutung und Unterdrückung verwendeten. Diskriminierungen gehen häufig einher mit einer biologistischen Argumentationsweise, der drei Funktionen zukommen:
    * Unterscheidung: der Unterschied zwischen der diskriminierenden und der diskriminierten Gruppe wird durch vermeintlich biologisch gegebene, also angeborene Merkmale festgeschrieben.
    * Unveränderbarkeit: dieser Unterschied wird als unveränderbar behauptet, die Möglichkeit einer diesbezüglichen Veränderung durch sozialen Wandel wird verneint.
    * Rechtfertigung: ein tatsächlich gegebenes oder behauptetes Faktum der Natur wird zur Rechtfertigung bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse benutzt.“
    Nix für ungut, nachdenkliche Sonntagsgrüße, Ellen*

  9. 9 Peter 28. September 2008 um 20:18 Uhr

    @ Ellen;
    Ich meine den Stolz den vielleicht mancher Demokrat auf die Grundwerte unseres Staates hat, die in so manchem Land nicht selbstverständlich sind.

  10. 10 Ellen 29. September 2008 um 12:20 Uhr

    @ Peter: Wenn ich daran denke, WIE wir zu „unseren“ Grundwerten gekommen sind, sie den Deutschen in die Feder diktiert werden mussten, man sie ihnen aufzwingen musste, bin ich zwar als „Nachgeborenen-Generation“ (1948) unendlich dankbar, in eine Republik hinein geboren worden zu sein,… aber „stolz“?
    Auch unser Wahlsystem gehört dazu, mal fix nebenbei, aus aktuellem Anlass;-)*
    Wo und in welches Staatsgefüge man hinein geboren wird, welche Regierungsform man vorfindet, ist meines Erachtens im Höchstfall Glück oder Pech. „Stolz“ bin ich im eher auf eigene Leistungen, Überwindung, Aufrichtigkeit, also Entwicklungen in mir oder zu denen ich gesellschaftlich was beitrage (beigetragen habe). Nix für ungut, tschuldigung, neige an der Stelle eher zu ner etwas kritischen Betrachtung. Nachdenkliche Grüße, Ellen*

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