Dokumentation: VHS-Dozent auf extrem rechten Abwegen?

Düren/Aachen/Linnich. Auf Einladung der Volkshochschule Düren soll am 25. September der Linnicher Historiker Mario Kandil zum Thema „Zerfällt das nukleare Nichtverbreitungsregime?“ referieren. Was potenzielle Besucher nicht ahnen: Kandil, der in der Vergangenheit bereits mehrfach an Volkshochschulen – neben Düren beispielsweise auch in Aachen – dozierte, sprach in der Vergangenheit bereits vor neofaschistischem Publikum. Dies geht aus einem Artikel hervor, der in Kürze in der Fachzeitschrift „Antifaschistische Nachrichten“ erscheinen wird und der Antifa Düren vorab vorliegt.

Demnach sollte Kandil Ende August auf einer „Zeitgespräche“-Tagung der einschlägig rechten Verlage „Druffel & Vowinckel“ als Redner zum Thema „Der Vertrag von Brest-Litowsk – Zwischenspiel oder neue Ordnung für Osteuropa?“ auftreten. Das „8. Erlebnis-Wochenende Geschichte“, das die geschichtsrevisionistische Zeitschrift „Deutsche Geschichte“ mit Sitz im bayrischen Inning ausrichtet, fiel aufgrund der Intervention von AntifaschistInnen aus [1]. Bereits im vergangenen Jahr habe Kandil auf dem „7.Erlebnis-Wochenende“ des Verlags in Potsdam über das „Goldene Zeitalter der Kunst“ im kaiserlichen Deutschland gesprochen.

Weiter schreiben die „Antifaschistischen Nachrichten“, dass in einem Bericht über die Tagung auf der Webseite von Verlagschef Gert Sudholt, ehemals Vorsitzender der neofaschistischen „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP), Kandil als „ständiger Mitarbeiter“ der Zeitschrift „Deutsche Geschichte“ bezeichnet wird. Dort fänden sich Kandils Texte neben Beiträgen von Andreas Molau, Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern und amtierender Vorsitzender der GfP und Rudolf von Ribbentrop, dem Sohn des früheren Nazi-Reichsaußenministers, der der Zeitschrift „Der Freiwillige“ entnommen ist, die von ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS gegründet wurde.

Die Verantwortlichen bei der VHS in Düren wurden inzwischen über den oben geschilderten Sachverhalt informiert. Die Antifa Düren geht daher davon aus, dass der angekündigte Vortrag vor dem Hintergrund des Referenten nicht stattfinden wird. [Textquelle: Pressemitteilung/Stellungnahme der Antifa Düren]

Gegenrede zu den Vorwürfen der „Antifa Düren“ [Eingang: 5. November 2008, eingestellt hier am 6. November 2008; mik]:

Als selbständiger Freiberufler kann man im Hinblick auf das ökonomische Überleben nicht unentwegt „puristisch“ sein, was die Wahl der Auftraggeber angeht. Für den Druffel-Verlag schreibe ich, weil mir diese Einkünfte die Sicherung meiner Existenz ermöglichen.

Ich betreibe nicht (wie andere Personen) politische Agitation, sondern historische Aufklärung anhand belegbarer Fakten. Man wird weder in meinen Artikeln (in „Deutsche Geschichte“ etc.) noch in meinen Vorträgen (bei den „Zeitgesprächen“ oder anderswo) eine Äußerung finden, die man als „faschistisch“ hinstellen könnte. Die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts war zu keiner Zeit mein Anliegen und wird es auch zukünftig nicht sein.

Wenn die „Antifaschistischen Nachrichten“ darauf verweisen, dass auf der Internetseite der „Deutschen Geschichte“ mein Name neben dem von Andreas Molau stehe, dann hätten sie bei wirklich exakter Recherche feststellen können, dass deren Herausgeber, Dr. Gert Sudholt, die Zusammenarbeit mit Molau wegen dessen Auftreten für die NPD inzwischen beendet hat.

Dass ich in Potsdam 2007 bei den „Zeitgesprächen“ vor einem „neofaschistischen“ Publikum gesprochen habe und 2008 in Dresden wieder vor einem solchen Auditorium hätte sprechen sollen, ist in dieser Form falsch. So zählten zu den Vortragenden: ein früherer Berater Michail Gorbatschows, Prof. Dr. Wjatscheslaw Daschitschew (2008); der russische Nachwuchshistoriker Dr. Wladimir Kamkin (2007); der Bundeswehr-Generalmajor a. D. Christian Millotat (2007 und 2008), ehemaliger Stellvertreter des Kommandeurs der Kosovo Force in Pristina. Solche Personen als „neofaschistisch“ zu bezeichnen, zeugt zumindest von Ignoranz.

Schließlich sollte hier noch klar festgehalten werden, dass von der VHS Düren Stefan Kesting als Fachbereichsleiter seit Mai 2007 von meiner Tätigkeit für die „Deutsche Geschichte“ wusste, da ich ihm seinerzeit aus eigenem Antrieb ein Exemplar dieses Magazins gezeigt habe. Aber dieser Fakt interessiert die „Antifa“ offensichtlich nicht.

Dr. Mario Kandil

[1] siehe dazu den
redok-Bericht


2 Antworten auf “Dokumentation: VHS-Dozent auf extrem rechten Abwegen?”


  1. 1 AllesKlärchenKlarmann 17. September 2008 um 12:25 Uhr

    Sobald jemand „politisch unkorrekter“ Meinung ist, bekommt er Probleme. Kann sich die Antifa Düren ja mal kräftig freuen eventeuell dafür gesorgt zu haben, dass besagter Dozent keine Vorträge mehr halten darf, nur weil er im „politisch unkorrekten Lager“ einmal sein Geld verdient hat…

    fein gegrinst, nazi: was hat es mit politisch korrekt oder unkorrekt zu tun, wenn jemand (mutmaßlich) in einem umfeld referiert, in dem der holocaust ange-/bezweifelt oder gar bestritten wird und adolf hitler zum purzelschen der weltgeschichte zurechtgebogen wird, dem das „internationale finanzjudentum“ einen krieg aufgezwungen hat…??? gar nichts! ihre hier an den tag gelegte weinerlichkeit ist extrem albern, denn sie und ihre „kameraden“ sind es doch, die menschen (gegner, migranten, juden usw.) nicht nur aus den beruf drängen, sondern ihnen noch übler mitspielen würden. mik

  2. 2 Klar, Mann? 17. September 2008 um 19:46 Uhr
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