Rechts: Lokalpatrioten sehen anders aus – Pro NRW erhält Contra

Aachen. Ist die „Bürgerbewegung Pro NRW“ nur eine neue Partei oder handelt es sich dabei um Rechtsradikale? Alexander Häusler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsstelle Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf, fand in Aachen dazu deutliche Worte. Mit „populistisch, plumpen Parolen“ und dem „Auftreten als scheinbar lokal agierende Bürgerbewegung“ tarne sich „Pro NRW“ und verpacke Rassismus und Fremdenfeindlichkeit „seriös“.

Gemeinsam hatten die Landesarbeitsgemeinschaft der Migrationsräte (Laga), der Migrationsrat der Stadt Aachen und die Volkshochschule zu dem Vortrag eingeladen. Ungewöhnlich dürfte der Veranstaltungsort gewesen sein, denn Häusler referierte am Dienstagabend im Ratssaal. OB Jürgen Linden betonte, dies zeige auch, dass alle gemeinsam als „demokratisches Bollwerk“ gegen Rechtsradikalismus agieren müssten. Muhsin Ceylan, Vorsitzender des Migrationsrates, mahnte an die rund 60 Zuhörer, darunter Parteivertreter: „Wir sind nur gemeinsam stark!“ Laga-Chef Tayfun Keltek sagte, „Pro NRW“ betreibe „politisch motivierte Aufwiegelei“.

„Pro NRW“ selbst geht auf die Gruppierung „pro Köln“ zurück, die in der Domstadt am Rhein bei den Kommunalwahlen 2004 mit vier Vertretern in den Rat gewählt wurde. Später trat noch ein Ratsmitglied der rechtsextremen „Republikaner“ (REP) in die „Pro“-Fraktion ein. In Köln habe „Pro“ sehr stark gegen einen Moscheebau agitiert, erläuterte Häusler. Gegen solche Bauten und Menschen islamischen Glaubens zu wettern, sei der „Propagandarenner“ jener neuen Rechten.

Doch auch wenn sich „Pro NRW“ bürgerlich-konservativ gebe, warnte Häusler davor, ihnen auf den Leim zu gehen. Führende Vertreter der „Pro“-Bewegung seien zuvor Mitglieder in der neonazistischen NPD, rechtsextremen Splittergruppen oder den REP gewesen. „Pro Köln“ habe zudem mit Neonazis, rechten Schlägern und anderen rechtsextremen Parteien in Köln bei Aktionen und Demonstrationen kooperiert. Als „Bürgerbewegung getarnt“ und optisch sowie in der weich verpackten Argumentation kaum noch als Rechtsradikale erkennbar, vertrete man indes weiterhin alt bekannte Inhalte.

Häusler skizzierte auch die Bemühungen von „Pro“ in Aachen Fuß zu fassen. Ende 2007 hatte die „Bürgerbewegung“ anti-islamische und ausländerfeindliche Flugblätter verteilt. Man wollte gegen den Moscheebau im Ostviertel vorgehen, ein „Pro NRW“-Funktionär hatte gar angekündigt, man werde den Bau „verhindern“. Die Gründung eines Kreisverbandes fand offenbar noch nicht statt (siehe Kasten). Häusler warnte indes, die weit nach rechts offene, „getarnte Bürgerbewegung“, die sich als Partei des kleinen Mannes und „Vollstrecker der öffentlichen Meinung“ geriere, dürfe nicht Fuß fassen, da sie das politische Klima vergifte. [© Michael Klarmann; für AN]

Frage an den Referenten: Tarnt die „Pro“-Bewegung Ausländerfeindlichkeit hinter Islamkritik und Antiislamismus?

Alexander Häusler: Ganz eindeutig. Das ist ein Versuch der Kulturalisierung des Rassismus über den Umweg der Kritik an der Religion Islam. Das zeigt sich daran, dass zwischen Islam als Religion und Islamismus als politisch-extremistische Bewegung der Neuzeit nicht unterschieden wird. Der Islam wird als Fremd- oder Ausländerreligion diffamiert, also verknüpft mit der Zuwanderungsfrage.

Zum Thema: Der Aufbau eines Aachener Kreisverbandes von „Pro NRW“ kommt nach Recherchen der „Nachrichten“ weiterhin nur langsam voran und hat sich seit Mai verzögert. Nach Recherchen unserer Zeitung konnten mehrere angekündigte Info- und Strategietreffen in Gaststätten nicht wie geplant durchgeführt werden. Von vier geplanten Infoständen in der Innenstadt kamen zudem nur zwei zustande. Aktuell teilt die rechtradikale „Bürgerbewegung“ zudem mit, in welchen Städten und Kreisen sie bei den Kommunalwahlen 2009 auf jeden Fall antreten werde – Aachen wird dabei (noch) nicht genannt. (mik)


5 Antworten auf “Rechts: Lokalpatrioten sehen anders aus – Pro NRW erhält Contra”


  1. 1 Peter 16. Oktober 2008 um 12:28 Uhr

    Es gibt eine berechtigte Islamkritik, aber dann mit Hintergrund und Fachwissen!
    […]
    Es geht hier um billigste Hetze im gutbürgerlichen Gewand. Ich selber beschäftige mich 35 Jahre mit dem Islam, mit seinen Stärken, Tücken, seiner Politisierung und seinen Schwächen. Islamkritik äussert man nicht, indem man versucht eine Moschee durch ein Bauplanfeststellungsverfahren zu verhindern. Kritik kann man in einem Dialog, auch wenn er kritisch ist anbringen und auch begründen. Pro köln zeigt auf, das inhaltliche Thesen des Islams nie geäußert wurden, sondern nur mit plakativen Statements versucht wurde, innerhalb der Bevölkerung die Bürger zu Wählern zu bekommen, die sowieso gegebn das Fremde Vorbehalte haben oder den braunen Kern zu gewinnen.
    Schade das bei diesem Vortrag kein unbekannter Islamkritiker mal eingeladen wurde, um auch aufzuzeigen wie billig hier die Islamkritik ist.

  2. 2 Demokrakt 18. Oktober 2008 um 10:36 Uhr

    @ Peter

    Das war irgendwie der erste vernünftige Kommentar den ich hier von Ihnen lese ;-)

    Gruß

    Demokrat

  3. 3 Peter 18. Oktober 2008 um 18:13 Uhr

    @Demokrat;
    Hin und wieder fällt bei mir auch der Groschen…grins

  4. 4 Peter 18. Oktober 2008 um 18:14 Uhr

    @mik;
    Der Aufbau des Kreisverbandes wird Pro Köln hier in Aachen nicht möglich werden!

  5. 5 Demokrat 18. Oktober 2008 um 21:20 Uhr

    @ Peter

    Hehe ;-)

    Aber denke Sie nichts falsches. Ich finde Sie hier politisch gebildeter und unterstützenswerter als manch Andere ;-)

    demokratischen Gruß

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