Rechts: Bis heute verboten – das Verbot der Kameradschaft Aachener Land

Sie gilt als die älteste aktive Neonazi-Gruppierung in Nordrhein-Westfalen: die „Kameradschaft Aachener Land“, kurz: KAL. Im Frühjahr 2001 „unter Obhut“ (KAL-Eigenangaben) des ehemaligen „Führers“ der 1994 verbotenen „Wiking Jugend“ (WJ) in Stolberg gegründet, forderten Antifaschisten und Nazigegner mehrfach das Verbot der KAL. Geschätzte drei Generationswechsel später erblüht die Neonazi-Bande zu neuem Leben und rekrutiert munter junge Neumitglieder. Ihr „Kameradschaftsführer“ besetzt seit Jahren wichtige Funktionen innerhalb der regionalen NPD-Strukturen und die KAL selbst frönt munter dem Nationalsozialismus, nach außen indes als Light-Version alias „Nationaler Sozialismus“. Warum sollte man sie da verbieten…?

Aachen/Düren. Früher war alles besser. In jenen Tagen grüßten sich die „Kameraden“ bei ihren Treffen durch das Zeigen des Hitler-Grußes und ein kräftiges „Heil Hitler“. Einer ihrer Treffpunkte war die Dachgeschosswohnung an einer Dürener Ausfallstraße, in der einer der Mitbegründer wohnte. Im Oktober 2001 wechselten in dieser Wohnung Briefumschläge ihre Besitzer. Einer der Umschläge sorgte kurz darauf dafür, dass in einem Aachener Postzentrum kurzfristig die Sortieranlagen ruhen mussten. Inhalt: ein weißes Pulver, wahrscheinlich Back- oder Vanillepulver.

Es waren jene Tage nach dem 11. September 2001, als echte Milzbrand-Briefe oder Attrappen davon weltweit für Entsetzen sorgten. Die KAL hatte ihre Attrappe zwar anonym, aber mit einem zuzuordnenden Fingerabdruck eines KAL-Mannes an die Jüdische Gemeinde in Aachen verschickt. Wenige Monate zuvor hatte sich die Neonazi-Bande gegründet. Ihr Gründervater war Wolfgang Nahrath, einer der Köpfe der bundesrepublikanischen Naziszene und bis 1991 „Bundesführer“ der WJ. Die sich an die Hitlerjugend orientierende Neonazi-Kaderschmiede, die Kindern und Jugendlichen spielend den Nationalsozialismus in Zeltlagern, bei militärischen Appellen, Schulungen und Geländeübungen beibringen wollte, wurde 1994 verboten. Bis heute sieht die KAL in dem 2003 verstorbenen Nahrath ein Vorbild.

Bis heute fallen KAL-Mitglieder gleichwohl ebenso routiniert immer wieder durch ihre Gewaltbereitschaft auf – wiederholt waren KAL-Leute auf Festen in der Region an Schlägereien beteiligt oder anderweitig in Auseinandersetzungen verwickelt. Das nimmt kaum Wunder, denn schon den Grundstein der Neonazi-Bande legten weitaus weniger überzeugte Neonazis, als vielmehr Personen, die einem Haufen Schläger und Hooligans glichen. Schon Ende der 1990er Jahre, wissen manche Szenekreise heute noch zu berichten, reiften Überlegungen in einem Dürener Freundeskreis, eine Gruppe oder Bande zu gründen. In diesen Vorzeiten der KAL überwog demnach weniger der politische, als vielmehr eine Art kleinkrimineller Banden-Charakter rund um die späteren KAL-„Vordenker“. So verwundert es heute wenig, dass viele der Ur-Mitglieder im geringsten Fall wegen ihrer Auffälligkeiten bei Fußballspielen Stadionverbote einheimsten – oft genug aber auch mit der Justiz in Konflikt gerieten und schon zu Haft- und hohen Geldstrafen verurteilt wurden.

Anspruch und Wirklichkeit korrespondierten innerhalb der KAL nicht immer. Mehrfach fielen KAL-Leute in den Jahren 2001 und 2002 insbesondere in Stolberg auf, weil sie durch die Straßen zogen, Migranten anpöbelten sowie Naziparolen und „Sieg heil“ grölten. Während KAL-Leute besonders in den Anfangsjahren an Schlägereien auf Volks-, Jugend- und Dorffesten beteiligt waren oder diese teils anzettelten – in Szenekreisen machen zudem Gerüchte die Runde, dass es in mindestens einem Fall zu einer heftigen Messerstecherei in einer Diskothek kam –, übte man zugleich den Kampf gegen die Demokratie, Migranten und den politischen Gegner. So titelten etwa die „Aachener Nachrichten“ am 5. März 2002 [1] „Saufen und Bürgerkrieg spielen“ über einen Bericht. In dem Text hieß es:

„Immer wieder zieht es Neonazis aus dem Raum Aachen in jüngster Zeit nach Ostbelgien. Ziel ist ein stillgelegtes Kasernengelände in der Nähe von Eupen. Abseits der Öffentlichkeit leben Mitglieder der ‚Kameradschaft Aachener Land’ hier ihre Gewaltphantasien aus, spielen Bürgerkrieg. Mit Vorliebe übt die braune Truppe auf dem Areal das Stürmen von Häusern. Gleichzeitig proben die Neonazis Nahkampf. Ein Aussteiger erzählt, wozu diese ‚Wehrsportübungen’ dienen sollen: ‚In der Gruppe ist mehrfach darüber gesprochen worden, türkische Imbissbuden anzugreifen, sie zu zerstören und abzufackeln’. […] Mittlerweile ist die Kameradschaft zum Sammelbecken für rechtsorientierte Jugendliche in der Region Aachen/Düren geworden. Auf 120 bis 150 Personen beziffert die Gruppe ihr Mobilisierungspotenzial.

Kenner halten das zwar für übertrieben, räumen aber ein, dass es der Gruppierung gelungen ist, im Raum Weisweiler/Langerwehe Cliquen von Jugendlichen um sich zu scharen. […] Verantwortlich dafür zeichnet der 21jährige Rene Laube. Der grobschlächtige Skin, der in der Szene gerne kolportiert, er sei unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen worden, weil er sich mit einem dunkelhäutigen Vorgesetzten angelegt habe, soll in fast jedem Jugendzentrum der Orte ein und aus gehen. ‚Dank seiner erfolgreichen Nachwuchsarbeit hat er sich inzwischen zu einer Art Führungsfigur aufgeschwungen’, sind sich Mitglieder des Antifa-Projekts an der Aachener Hochschule sicher. Laube gilt in der Szene als gewalttätig. Er soll – wie einige andere seiner Kameraden – meist eine Waffe tragen.“

kal

Schon damals soll von KAL-Mitgliedern und deren Umfeld mit Rechtsrock gehandelt worden sein. Es waren jene Tage, als man sich mit „Heil Hitler!“ grüßte und einige der KAL-Mitglieder schon zuvor durch ihre Gewaltbereitschaft aufgefallen waren. Doch die „Nachrichten“ schrieben gut 13 Monate nach der Gründung der KAL auch: „Der Aachener Polizei liegen jedoch ‚keine Hinweise auf Gewalttaten vor, die eindeutig der Kameradschaft zuzuordnen sind’. Auch von einem Anschlag auf eine türkische Hochzeitsgesellschaft im vergangenen Sommer in Eschweiler – damals sollen Neonazis mehrere Rauchbomben geworfen haben – ist der Kripo nichts bekannt.

Gleichwohl hat der Staatsschutz bei der Gruppe ein gewisses Gewaltpotenzial ausgemacht. ‚Wir beobachten sie sehr genau’, so Polizeisprecher Jürgen Robens.“ Als der Autor dieser Zeilen wenige Monate darauf seine Recherchen über die KAL aufnahm, umschrieben Polizeikreise die Gruppe lapidar wegen des immensen Alkoholkonsums als „Saufhaufen“ ohne Kontakte zu Neonazi-Organisationen. Die KAL selbst hatte seinerzeit längst ein – anonymisiertes – Foto publiziert, auf dem zahlreiche ihrer (Gründungs- und Führungs-)Kader gemeinsam mit Christian Malcoci, einem der bis heute wichtigsten Köpfe der NRW-Neonaziszenen, posierten. Einige der KAL-Leute zeigten auf dem Foto den Hitler-Gruß.

Der KAL-„Kameradschaftsführer“ ist wegen mehrerer gegen ihn verhängter Geldstrafen vorbestraft, unter anderem wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht, nachdem er falsch zugunsten eines „Kameraden“ aussagte. Weitere Geldstrafen wurden wegen Beleidigung von Polizisten, Volksverhetzung und wegen Beihilfe zur Verunglimpfung von Staatssymbolen gegen ihn verhängt. Ein heute führendes Mitglied der KAL wurde im März wegen gemeinschaftlich begangener, gefährlicher Körperverletzung verurteilt, weil es eine junge Frau attackiert hatte [2]. Sowohl besagtes KAL-Mitglied, als auch der „Kameradschaftsführer“ fielen in Aachen auch im Umfeld eines Überfalls auf eine antifaschistische Demonstration am 27. März 2008 auf.

Das Landgericht Aachen hatte den „Kameradschaftsführer“ zudem Anfang 2007 wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt – ein KAL-Mann hatte im März 2005 seine schwangere Freundin verprügelt. Während ein zweiter KAL-Mann wegen derselben Tat zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt wurde, musste der KAL-Chef eine Geldstrafe von 900 Euro zahlen. Dem Urteil zufolge haben die beiden Neonazis nach einem Trinkgelage einen dritten „Kameraden“ nicht davon abgehalten seine damalige Freundin zu malträtieren. Die junge Frau erwartete ein Kind von dem KAL-Mitglied. Der junge Mann wollte sie offenbar im März 2005 zur Abtreibung drängen. Als die Situation eskalierte, schlug und trat er die Frau in den Bauch. Der Täter war schon wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung verurteilt worden und zudem aufgefallen, weil er mit einem anderen KAL-Mitglied im Vorraum einer Bank randaliert hatte, als man Geld abheben wollte.

Der neben seinem „Kameradschaftsführer“ ebenfalls wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilte KAL-Mann (s.o.) musste sich Mitte 2007 vor dem Aachener Landgericht wegen Geiselnahme und Körperverletzung verantworten. Verurteilt wurde er – nachdem er vorsorglich und offenbar zum Schutz der Neonazi-Bande vor Gericht seinen Ausstieg aus derselben verkündet hatte – zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Trotz widersprüchlicher Zeugenaussagen sah das Gericht es als erwiesen an, dass er und zwei weitere „Kameraden“ der KAL zwei junge Frauen als Geiseln genommen hatten und er selbst dann den Bruder eines der Mädchen brutal zusammengeschlagen hatte. Der Verurteilte war bis dahin schon wegen Trunkenheit im Straßenverkehr, Raub, vorsätzlicher Körperverletzung und der Beleidigung von Polizisten verurteilt worden.

2005 stand ein Neonazi vor Gericht, der ein sieben Zentimeter großes Hakenkreuz über seinem Ohr tätowiert hatte. Vor Gericht gestand er ein, früher Kontakt zu KAL gehabt zu haben. Im Jahr 2004 war der unter Alkoholproblemen leidende Mann aus einer insgesamt vierjährigen Jugendhaftstrafe entlassen worden. Sie ging zurück auf eine in Alsdorf begangene Vergewaltigung sowie den sexuellen Missbrauch eines Kindes. Nach Verbüßung eines Teils der Strafe war er zwar auf Bewährung freigekommen, doch 2003 erneut durch eine Schlägerei aufgefallen und deswegen wieder inhaftiert worden. In seiner Haftpause gehörte er zu rund 15 Neonazis – darunter KAL-Führungskader – die solidarisch den Prozess gegen einen „Kameraden“ wegen der Milzbrandattrappe an die Jüdische Gemeinde in Aachen begleiteten (s.o.).

In der Halloween-Nacht 2006 prügelten die KAL-„Kameraden“ bei einer Neonazifeier in Alsdorf mit Bierkrügen und Barhockern aufeinander ein. In derselben Nacht attackierten KAL-Mitglieder, die teilweise auch an der vorangegangenen Massenschlägerei beteiligt waren, aus Rache eine Fete der „Aachen Ultras“, die einen Neonazi rausgeworfen hatten. Vierzehn KAL-Mitglieder landeten danach in Polizeigewahrsam. Mangels Ortskenntnis hatten sie zuerst eine angrenzende Diskothek angreifen wollen. Die KAL selbst mischte zudem offenbar zum Jahreswechsel 2005 eine Sitzung der „Freien Kameradschaft Aachen“ (FKA) auf, weil man keine aufmüpfige Konkurrenz neben sich dulden wollte in der Region.

Einige jener Straftaten muten an wie ein schlechter Scherz für eine Neonazi-Bande, die für ein angeblich anständiges Deutschland kämpfen will. Doch ebenso hielten sich über Jahre gleich lautende Gerüchte innerhalb der Braunszene, innerhalb örtlicher Antifa- und sogar Polizeikreisen, dass im Umfeld von KAL-Gründungsmitgliedern Verbindungen in das Drogen- und Hehler-Milieu bestehen oder man für einen Dürener Händler Schulden eintreiben soll. Zwar verkündete mindestens eines der von den Gerüchten vage betroffenen KAL-Mitglieder um den Jahreswechsel 2006/2007 seinen Ausstieg aus der Gruppe, nicht jedoch den aus der rechtsextremen Szene.

Drogengeschichten scheinen indes in der KAL immer wieder möglich gewesen zu sein: 2007 stellte das Amtsgericht Aachen ein Verfahren wegen Drogenhandel gegen ein – da schon ehemaliges? – KAL-Mitglied gegen Auflagen ein – der junge Mann hatte 2003 rund 500 Gramm Marihuana zwecks Handel vorrätig gehalten; der Webmaster der KAL hat in seinem Register Einträge wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz; und ein seit 2007 führendes KAL-Mitglied wurde nach früheren Drogengeschichte Anfang 2008 erneut während einer Kontrolle mit Drogen erwischt.

Besagtes KAL-Mitglied war ebenso wie einige der KAL-Mitbegründer Mitglied der „Oidoxie Streetfighting Crew“, einem Saalschutz und Sicherheitsdienst der Rechtrock-Kultband „Oidoxie“ aus Dortmund. Angesichts der Publikums bei einem „Oidoxie“-Konzertes gelten die Mitglieder der „Streetfighting Crew“ als sehr durchsetzungsfähig – schlimmstenfalls müssen sie es mit Neonazi-Glatzen aufnehmen können, die ebenso wie die „Crew“ selbst im Straßenkampf und bei Massenschlägereien Erfahrungen sammeln konnten. Ähnlich wie „Oidoxie“ stand denn auch die KAL immer wieder im Ruch, starke Sympathien für das internationale Neonazi-Netzwerk „Blood & Honour“ (B&H) sowie dessen bewaffnetem Terrorarm „Combat 18“ (C18) zu hegen.

In ihrer Außendarstellung – auf Homepages etwa – nutzte die KAL wiederholt versteckte Hinweise auf „Blood & Honour“, dessen deutsche Sektion seit 2000/2001 verboten ist. KAL-Leute besuchten B&H-Konzerte im benachbarten Ausland, teilweise sollen sie Szenekreisen zufolge deren Durchführung sogar als Helfer oder etwa Mitglieder der „Oidoxie Streetfighting Crew“ unterstützt haben. KAL-Mitglieder fielen durch das Tragen von T-Shirts mit der Aufschrift „Combat 18“ auf – in Einzelfällen sogar mit solchen, auf denen das offizielle Logo und der Schriftzug von „Blood & Honour“ aufgedruckt waren, so Szenekreise.

Das C18-Motto „whatever it takes“ zierte lange die KAL-Homepage. Um 2004 trugen KAL-Mitglieder T-Shirts, auf deren Rücken das C18-Motiv eines vermummten, mit einer Pistole bewaffneten Untergrundkämpfers zu sehen war. Auf der Brustseite der „T-Hemden“ war „Kameradschaft Aachenerland“ zu lesen – die Worte waren in einem Schriftbild und Layout aufgedruckt, das jenem von „Blood & Honour“ nachempfunden war. Ähnlich des B&H-Originals war zwischen den beiden Worten anstelle des &-Zeichens ein dreiarmiges Hakenkreuz zu sehen – diese Triskele schmückt auch heute gemeinsam mit vermummten Untergrundkämpfern und Sturmgewehren die offiziellen T-Shirts der KAL.

Nicht nur Gewalt spielte bei der KAL immer eine große Rolle, auch Waffen oder eine Affinität zu diesen sind laut Szenekreisen allgegenwärtig gewesen. Szenekreisen zufolge kursierten in KAL-Kreisen zudem wiederholt Schriften und Zeitungen, in denen Strategieartikel über den Aufbau einer Neonazifeindaufklärung („Anti-Antifa“), über den militanten Kampf und den Umgang mit Waffen enthalten waren. Auch die Mitgliederzeitungen der 2000/2001 verbotenen deutschen „Sektion“ von „Blood & Honour“ kursierten lange in KAL-Kreisen – auch in ihnen wird über den bewaffneten Kampf „berichtet“.

Wiederholt forderten Neonazigegner das Verbot der KAL als kriminelle Vereinigung. Auch wenn die Gruppe nach außen hin mit einheitlichen T-Shirts und durch das Organisieren von Neonazi-Konzerten und -Treffen als Vereinigung auftritt, ist sie rein rechtlich gesehen keine Gruppe oder Verein. Würden die Behörden die KAL verbieten wollen, müssten sie ihr nicht nur beweisen, nationalsozialistisches Gedankengut zu vertreten und kriminelles Potential zu besitzen, man müsste ihr auch belegen, dass sie ähnlich eines Vereins strukturiert ist. Erst dann könnte sie nach dem Vereinsgesetz verboten werden. Zum einen begründete so vor Jahren auch das nordrhein-westfälische Innenministerium Presseanfragen nach einem Verbot – Strukturen seien nicht nachweisbar. Andererseits hieß es in Polizeikreisen wiederholt, dass man die KAL gewähren lasse, da Einzelmitglieder sonst ihre politische Arbeit in den Untergrund verlegten und nicht mehr kontrollierbar seien.

Doch war die KAL je kontrollierbar? Um 2003 sagte ein Behördenchef aus der Region gegenüber Antifaschisten, sie sei es. Stünden drei KAL-Leute beisammen, sei mindestens ein V-Mann darunter. Doch ließ der Staat den V-Leuten – wenn es denn so war – freie Hand? Als 2007 der V-Mann-Skandal im Umfeld von „Oidoxie“ Schlagzeilen machte und ein Neonazi aufflog, der lange Zeit unbehelligt Rechtsrockkonzerte im benachbarten Ausland organisierte, eine Kneipe in Lünen betrieb und Verwicklungen zum Kokain- und Waffenhandel sowie zur Prostitution hatte, vermuteten Beobachter erneut, dass man auch V-Leuten der KAL immer wieder freie Hand gelassen hatte. Der Kontaktbeamte beim Landesverfassungsschutz sollte etwa seinerzeit den V-Mann aus Lünen vor einer anstehenden Hausdurchsuchung gewarnt haben.

Zeitweise kursierte in den Medien die Nachricht, dass im Umfeld jenes V-Mann-Skandals gut ein Dutzend weitere wichtige V-Männer aus NRW aufzufliegen drohten. Als Inhalt der Gerüchte kursierte zudem, dass auf der Liste jener V-Leute auch Personen aus der KAL bzw. Mitglieder der „Oidoxie Streefighting Crew“ enthalten seien. Seit Jahren hält sich ebenso das Gerücht, dass im Umfeld der KAL ein Polizeispitzel aktiv sein soll, der im Drogenmilieu dafür Sorge trägt, dass gelegentlich Straftäter auffliegen – und er selbst im Gegenzug ungestört seinen Drogengeschäften nachgehen könne. Belegen lassen sich diese Gerüchte bislang nicht – vielleicht sind es auch die üblichen Falschverdächtigungen innerhalb des Milieus, in dem eine Hand die andere lediglich so lange wäscht, bis sich ein jeder nur noch selbst der nächste sein kann.

Belegbar dürfte indes etwas anderes sein. Als vor Jahren in der Eifel die „Kameradschaft Aachener Land – Sektion Nordeifel“ (KAL/SNE) expandierte – deren jüngsten Mitglieder erst 14 Jahre alt waren – sowie die KAL/SNE einen selbst verwalteten Jugendraum in Konzen quasi besetzt hatte und dort „Kameradschaftstreffen“ mit Hakenkreuzflaggen abhielt, lies die Polizei ihre Muskeln spielen. Es kam im Bereich Konzen, Monschau und Simmerath zu Hausdurchsuchungen bei Neonazis der KAL bzw. deren Umfeld.

Doch zumindest in einem der Orte fanden die Beamten kaum belastendes Material vor. Örtliche Beobachter erklärten Mitte 2007 gegenüber „Klarmanns Welt“, warum dies so war: Betroffene hätten schon Tage zuvor Tipps erhalten, dass Hausdurchsuchungen anstünden. Eine Reihe der Neonazis habe so genügend Zeit gehabt, brisante Kleidungsstücke, Schriften, Tonträger, Flaggen oder Fotos aus ihren Wohnungen und Zimmern zu schaffen oder das Material bei als unverdächtig geltenden, weil unpolitischen Freunden in der Eifel zwischen zu lagern. [© Klarmann]

[1] Printversion. Zitiert wird an dieser Stelle aus der Onlinefassung, die am 4. März 2002 um 23 Uhr ins Netz gestellt worden war. Anders als heute waren die damaligen Online-Berichte der „Nachrichten“ identisch mit der späteren Printversion.
[2] Das Urteil dürfte noch nicht rechtskräftig sein.


15 Antworten auf “Rechts: Bis heute verboten – das Verbot der Kameradschaft Aachener Land”


  1. 1 Klaus Störtebecker 26. Oktober 2008 um 20:49 Uhr

    Wahnsinns Truppe !
    Kiffer, Säufer Frauenschläger…..na das nenne ich doch mal dialektisch!

  2. 2 Carsten 26. Oktober 2008 um 21:52 Uhr

    Und nicht zu vergessen:
    Drogenhändler, Vergewaltiger und Kinderschänder!!

    Danke für diese gute Zusamnmenfassung über diese edle Gesellschaft, mic!!! (Bestimmt keine leichte Arbeit, ohne Magenkrämpfe dabei zu bekommen…)
    Wenn Mensch das Alles so am Stück liest, dann kann einem wirklich schon kotzeschlecht werden!

    Bleibt zu hoffen, dass a) der harte Kern der KAL alsbald für lange, lange Jahre in den Bau wandern und sich nach Seife bücken wird und b) jüngere Leutchen, die sich im Dunstfeld dieser Verbrecher rumtreiben und von dem ganzen Gepose und Getue der Erlebniswelt Neonazi fasziniert, aber noch nicht wirklich durchdrungen sind…
    dass die nochmal in sich gehen und wenn sie das hier lesen, überlegen, ob sie wirklich ein Teil dieser Gruppe sein wollen!!!

  3. 3 AllesKlärchenKlarmann 26. Oktober 2008 um 22:15 Uhr

    Carsten kannst du lesen? Da steht, dass der harte Kern bzw. der alte harte Kern nichts mit der KAL zutun hat.

    da beschwert sich gerade der richtige…der neue die-hard-core ist als heranwachsender-haufen schon fett dran an den alten harten kern… mik

  4. 4 Mar015 26. Oktober 2008 um 22:39 Uhr

    @ Klaus Störtebecker & Carsten

    Soll ich euch ein Handtuch geben? damit ihr euch die scheiße die aus euren Mund kommt abwischen könnt?

    Mfg Mar015

    ein deutliches zeichen dafür, dass bei der KAL trotz anderslautender verlautbarungen (siehe AKK) immer noch ein solide-rauher ton vorherrscht… mik

  5. 5 Peter 27. Oktober 2008 um 1:10 Uhr

    @Carsten;
    @Klaus Störtebecker;

    Neben diesen Delikten die Sie auflisten, ergibt sich die Frage wieso der Staat diese Vereinigung als Kameradschaft, Club oder nicht eingetragenen Verein,als kriminelle Vereinigung einstuft, bei Verdacht auf Straftaten, somit auch die „geistigen Brandstifter“ rechtlich packen kann und letztendlich die ganze Meute für Verbrechen verurteilen kann.

    Also was hindert den Staat daran, die KAL (Verbrechen und Kriminalität gibt es ja dort genug) zu einer kriminellen Vereinigung zu erklären und zu verbieten?

    Gibt es gewichtige Gründe dies unterbleiben zu lassen?
    Sind es übergeordnete politische Gründe oder Überlegungen?

    Oder sollten die linken Gruppierungen von ihrer eigentlichen Tätigkeit durch solche Gruppierungen wie der KAL abgelenkt werden?
    Immerhin, solange ein Linker sich mit solchen Gruppierungen beschäftigt, kommt er nicht zu seiner eigentlichen politischen Arbeit.

  6. 6 Klar, Mann? 27. Oktober 2008 um 10:00 Uhr

    Damit der Text nicht ganz so deprimierend auf die Leserinnen und Leser wirkt:

    http://www.nazis-auslachen.de/

  7. 7 Politischer Soldat 27. Oktober 2008 um 20:46 Uhr

    1. Wer ist Mar015 und ist er Mitglied der KAL?
    2. Der Typ mit dem Hakenkreuz am Ohr war niemals KAL-Mitglied oder hat sich in ihrem Umfeld bewegt. Auch wusste sicherlich niemand über seine Vorstrafen Bescheid, sonst hätte das ganz anders aus gesehen…

    @Klarmann: „der neue die-hard-core“ ist was vollkommen anderes als der alte harte Kern…

    letztgenanntes können sie gerne behaupten. zum pkt. 2: warum sagen sie, keiner habe „sicherlich“ die vorstrafen gekannt, wenn er sich gar nicht im umfeld bewegt hat; sie bräuchten ihn doch gar nicht zu rechtfertigen…? ansonsten glaube ich schon, dass Mar015 einer der ihren ist, aber wie ich darauf komme, das bleibt vorerst mein betriebsgeheimnis… mik

  8. 8 Politischer Soldat 27. Oktober 2008 um 22:49 Uhr

    „pkt. 2: warum sagen sie, keiner habe “sicherlich” die vorstrafen gekannt, wenn er sich gar nicht im umfeld bewegt hat; sie bräuchten ihn doch gar nicht zu rechtfertigen…?“

    Es gibt einen Unterschied zwischen „im Umfeld bewegen“ und „flüchtige Bekanntschaft“. Sie haben als Beleg für seine Kontakte zur KAL, neben seiner eigenen Aussage, auf die ich überigens nicht all zu großen Wert lege, folgendes angeführt:

    „In seiner Haftpause gehörte er zu rund 15 Neonazis – darunter KAL-Führungskader – die solidarisch den Prozess gegen einen „Kameraden“ wegen der Milzbrandattrappe an die Jüdische Gemeinde in Aachen begleiteten (s.o.)“.

    Ich meinte, dass es sicherlich anders ausgesehen hätte, wenn seine Vorstrafen zu dieser Zeit bereits bekannt gewesen wären.

  9. 9 Der Tobi 27. Oktober 2008 um 23:24 Uhr

    Ersteinmal Respekt vor Deiner / Ihrer Arbeit, „mik“; ich bin beeindruckt. Das klingt alles solide recherchiert, so wenig Duchblick ich auch (leider NOCH) habe, über die braunen Strukturen im Aachener / Dürener Umland. Den es interessiert mich als geb. Dürener SEHR, deshalb ist diese Seite zu meiner ersten Wahl geworden, mich zu informieren. Interessant ist allerdings die unverhohlen dreiste Art aus einschlägiger Richtung, diese Artikel thematisch detailliert zu kritisieren, verstärken sie doch nur meinen Eindruck über die Fundiertheit dieser Berichte.

    In Kürze:

    Danke für Ihre ständig aktuelle Arbeit &

    weiter so!

    der Tobi

    bedankteschön. mik

  10. 10 Reiner Hohn 28. Oktober 2008 um 20:38 Uhr

    @ Tobi

    Hi Tobi,
    Du wirst feststellen, daß der „mik“ für seine Recherchierarbeit und für die täglichen Mühen, die dieses interaktive Blog ihm ständig abfordert, meistens nur dumme Anmache erntet.
    Und das hält er seit Jahren durch.
    Der Kerl ist ein echter Idealist, also ein seltenes biologisches Wunder. Mit dem gleichen Talent wäre ich längst in die CDU eingetreten (oder in die Linkspartei ???) und säße mindestens im Landtag.

    Also genieß den Blog und bereichere ihn.
    Viel Vergnügen !

    haha, ich in einer partei… nach meinem ersten wutanfall flieg ich sofort wieder raus. also nach geschätzten zehn minuten (allerdings vor meinem eintritt schon!). *lol* mik

  11. 11 Franz Gans 29. Oktober 2008 um 9:27 Uhr

    Detaillierte und sehr informtaive Arbeit!
    Hut ab.

    bedankteschön. mik

  12. 12 Banana-Joe 10. Dezember 2008 um 19:50 Uhr

    geiler Artikel !

  13. 13 Sebastian 05. Februar 2009 um 11:56 Uhr

    Vielen Dank für diesen Einblick in die Geschichte. In den letzten Monaten habe ich in Aachener Straßen ungefähr 100 Aufkleber der KAL abgekratzt. Mit Freude und Genugtuung. Seit ein paar Wochen werden allerdings keine mehr nachgeklebt. Gibt es dafür einen bestimmten Grund? Sind die Kameraden müde geworden? Bereiten sie vielleicht etwas Großes vor? Oder gönnen sie mir einfach nicht meinen Spaß?

  14. 14 kalle 05. Februar 2009 um 12:51 Uhr
  15. 15 52525 05. Februar 2009 um 13:07 Uhr

    @kalle: Ein Aussteiger wird wohl nicht der Grund sein, für den Schwund an KAL Aufklebern.
    Gestern oder vorgestern gab es einen neuen Schwung Aufkleber in Heinsberg und Umgebung. Allerdings waren da auch keine von der KAl dabei. Vielleicht gibts ja nur nen Engpass und es müssen neue gedruckt werden. So oder so bin ich im Moment auch wieder fleißig am kratzen…

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