Rechts: Wortergreifungsstrategie-Update in Krefeld gescheitert

Krefeld. Wenn Rechtsextremisten den Jammerlappen mimen, dann kann es böse enden für die Demokratie und deren Organe: das „Demokratieverständnis“ der VHS-Krefeld sei in Wahrheit eine „totalitäre Gesinnung“ und ein Zeichen der „Angst dieser Kreaturen vor dem freien Wort des freien Bürgers“ und zeige, dass Demokraten eigentlich „Totalitaristen im Schafsgewand“ sind.

Autor jener Hatecore-Lyrik ist Hans-Ulrich Höfs, streng genommen nicht Vorsitzender, aber doch Mastermind des sich „Krefelder Forum Freies Deutschland“ nennenden Sammelbeckens extrem rechtskonservativer Querdenker. Und eben jene rechte Denkfabrik hatten 2005 in Krefeld in der VHS einmal eine Veranstaltung bereichert, nämlich die Lesung von Toralf Staud, der in der Neuauflage seines Buches „Moderne Nazis“ dazu festhielt [1]:

„Natürlich, auch in Westdeutschland gibt es Neonazis. Bei einer Lesung in Krefeld zum Beispiel stellten Rechtsextremisten jeden Alters und jeder Couleur die Hälfte des Publikums.“ Unter Zeit.de [2] geht die Passage so weiter: „Da steht ein älterer Mann auf, der bei der Wehrmacht war, und schwärmt von der Kameradschaft im Schützengraben. Eine gepflegte ältere Dame freut sich über meinen ‚schönen, nordischen Vornamen’ und bejammert ausschweifend den Verfall der Volksgemeinschaft. Ein junger Mann mit sächsischem Dialekt klagt, zu Hause sei er nie bedroht worden, wohl aber von Ausländern in Düsseldorf.“

Und weil seinerzeit schon so viel gejammert und gewehklagt wurde, hatte die VHS Höfs und seiner Gang vorsorglich Haus- und Jammerverbot erteilt, nachdem man von Plänen erfahren hatte, dass der Trupp einen Vortrag des Rechtsextremismusexperten Thomas Pfeiffer am Donnerstagabend konsultieren wollte. Laut eines auf der Forum-Homepage wiedergegebenen Schreiben teilte die VHS Höfs daher vorab mit: „Als Veranstalter möchte ich verhindern, Ihnen die Möglichkeit zu geben […] zu stören, wie Sie dies […] im Jahr 2005 bereits getan haben. Zu dem möchten wir Ihnen kein Forum bieten, Ihre Ideologien in dieser Veranstaltung zu vertreten.“

Genutzt hat es nur bedingt. „Vor der VHS die Rechten, darunter [verteilten] einige kahlköpfige Begleiter Handzettel und machten ihrem Ärger durch eine ‚Spontan-Demo’ Luft,“ weiß etwa die WZ zu berichten [3] von dem Update.Krefeld.2008 der rechten Wortergreifungsstrategie. Die RP beschreibt [4] es demgegenüber drastischer:

„Lautstark hat am Donnerstagabend eine Gruppe von Krefelder Rechtsextremen versucht, sich über das […] Besuchsverbot […] hinwegzusetzen. Die Gruppe versuchte, in das Innere des Vortragsraumes […] zu gelangen. […] Die Zuhörer, meist Jugendliche und Pädagogen, erlebten hautnah eine Agitationsmethode, die bei Rechtsextremen ‚Wortergreifung’ genannt wird. Nur widerwillig ließen sich die Eindringlinge von Zivilbeamten der Polizei nach draußen führen. Referent Pfeiffer sagte: ‚Rechtsradikale fühlen sich als Verfolgte.’“

Wie hatte Höfs noch gleich Demokraten und deren Organe genannt? „Totalitaristen im Schafsgewand“… Höfs ist also ein lumpenreiner Antifaschisten und überdies ein bös’ Verfolgter, der indes redlich wie ein Ritter mit seinen Knappen gegen Totalitarismus und Diktatur zu Felde stürmt. Aber schon der Schriftsteller, Ex-Sozialist und spätere Konservative Ignazio Silone wusste davon zu künden: „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“

Um sich nun aber selbst nicht in der Rolle als Anti-Antifaschist einen Antifaschisten schimpfen zu müssen, kann man zur Not auch die anderen als „Kreaturen“ mit einer „totalitäre[n] Gesinnung“ dissen… [© Klarmann]

[1] Als .PDF-Version übrigens HIER abrufbar
[2] Direktlink (siehe Teil 2!)
[3] Direktlink
[4] Direktlink


6 Antworten auf “Rechts: Wortergreifungsstrategie-Update in Krefeld gescheitert”


  1. 1 Peter 22. November 2008 um 23:52 Uhr

    […] Auch hier zeigt sich der Rechtsextremismus mit bürgerlichen Mäntelchen getarnt, in seiner übelsten Art.

  2. 2 Martin 23. November 2008 um 1:14 Uhr

    Eine Randbemerkung zu dem Silone-Zitat „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“

    Den Spruch fand ich ziemlich gut und habe danach gegoogelt – dabei kommt man schnell auf einen Eintrag in dem Blog deutschland-kontrovers.de . Wer bei dem Titel schon böse Vorahnungen hat, aus welcher politischen Ecke der Autor kommt, behält leider Recht. (Für diejenigen Klarmann-Leser, die Probleme mit Anspielungen und langen Sätzen haben: es ist die „Ich armer verfolgter Deutscher der immer nur zurückschlägt“ bzw. „Gegen Inländerdiskriminierung, gegen Mehrheitenverfolgung“ (oder so) -Ecke.)

    Und leider hat der Autor von d-k.de Silones Aussage leider so verstanden, dass die Antifa in Wirklichkeit Faschisten sind, während er doch einfach nur friedlich demonstrieren wollte, übrigens „für Köln“ ;-) … auauauauaaaah, das sind genau die Leute, die Silone wohl gemeint haben muss.

    Schönen Tag noch!

    sowohl „neurechte“, rechtspopolisten, npd-kreise, „kameradschaften“ und „autonome nönazis“ nutzen die aussage bzw. das zitat genau so. dabei fiel ihnen bislang aber wohl selbst nicht auf, dass – egal wie silone es tatsächlich gemeint hat – genau diese aussage deren eigene strategie bloßstellt… mik

  3. 3 Politischer Soldat 23. November 2008 um 13:41 Uhr

    @mik: „dass […] genau diese aussage deren eigene strategie bloßstellt“
    Dann hast du die Argumentation nicht verstanden ;-)

    würde ich auch behaupten, wenn man mich ertappt hätte… mik

  4. 4 Peter 24. November 2008 um 5:03 Uhr

    Klar doch, die armen verfolgten Rechtsextremisten!

    Leider reicht hier die Schauspielerei nicht mehr….

  5. 5 Klar, Mann? 26. November 2008 um 14:15 Uhr
  6. 6 Klar, Mann? 28. November 2008 um 14:24 Uhr

    Aus Sicht eines Blogger vom Niederrhein mit extrem-heftiger NPD-Nähe (Zitate stammen aus zwei Texten):

    „[…] Wie das Schimpfwort “Du Opfer” ist auch die Verhöhnung des Gegners wegen “Jammens” und “Wehklagens” eine neue Entwicklung. […] (Und ein Michael Klarmann findet sich hier Schulter an Schulter mit dem rechtsradikalsten Zionisten, der über das ständige “Jammern und Wehklagen” der palästinensischen Bauern spottet.)

    Michael Klarmann ist von Interesse, weil er eine Art Scharnierstellung zwischen dem linksradikalen Radau-Antifaschismus und dem bürgerlich-moderaten Antifaschismus einnimmt. Die Frage ist: Transportiert er bürgerlich-moderate Versatzstücke ins linksradikale Milieu, oder transportiert er linksradikale Versatzstücke ins bürgerliche Milieu? In diesem Punkt jedenfalls das letztere! Es ist aber nicht zu spät umzukehren – für keinen der Beteiligten. […]

    „[…] Ich wähle das Wort bewusst, weil Michael Klarmann im gleichen Text das “Jammern und Wehklagen” der Rechten verhöhnt. Ich schäme mich meines Wehklagens in dieser Sache durchaus nicht und will hier gerne mitgemeint sein.“

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