Schwerin/Hückelhoven/Wegberg. Seit Monaten hängt innerhalb der NPD-Spitze der Haussegen schief, sowohl intern als auch in Medien und Szene-Webforen wird eine Ablösung des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt gemeldet und diskutiert. Immer wieder fiel dabei der Name Udo Pastörs, heute Fraktionschef der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern – einst angesehener Geschäftsmann in Hückelhoven (Kreis Heinsberg). Pastörs hat kürzlich gegenüber Medien gesagt, wenn er von seinen Parteifreunden gefragt werde, ob er für den Parteivorsitz kandidieren wolle, dann sei er bereit, „in die erste Reihe zu treten“. Zudem sprach sich der 56-Jährige für eine weitere Zusammenarbeit der NPD mit den militanten Kräften der rechten Szene aus.
Pastörs hatte an Pfingstsamstag 2007 in Erkelenz zu rund hundert Rechtsextremisten gesprochen. „Demokratiefaschisten“ nannte er dabei CDU-Politiker. SPD-Mitglieder titulierte er als „Sozialdemokröten“. Sie alle, sagte der NPD-Politiker, seien Teil des „verfaulten Parteiensystems“. Berlin nannte er die „Reichshauptstadt“. Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern sei eine „Palaverbude“. Organisiert hatte die Veranstaltung der NPD-Kreisverband Heinsberg – und das im Lokal eines Migranten in Erkelenz. Pastörs selbst lebte zu diesem Zeitpunkt zwar schon lange in Ostdeutschland, jedoch stammt er aus dem Kreis Heinsberg. Geboren in Wegberg, lebte er lange in Wassenberg. Als Uhrmacher und Schmuckhändler war er in Hückelhoven in den 1990er Jahren hoch angesehen – zugleich hielt Pastörs schon Kontakte zur rechten Szene.
Der NPD-Spitzenpolitiker hielt im Februar 2008 auch eine Rede in Dresden bei einem „Trauermarsch“ von Neonazis anlässlich des Jahrestages der Bombardierung der Stadt. Pastörs versuchte dabei offenbar rhetorisch den Massenmord an den Juden, deren Vergasung und das Verbrennen in den Krematorien der KZ, zu relativieren. Der Luftangriff auf Dresden habe stattgefunden, weil die Alliierten „den größten Glutofen der Menschheitsgeschichte in Betrieb zu nehmen“ gedachten, sagte Pastörs. Man habe die Einheimischen „auszurotten“ versucht und sich des „Problems“ der Flüchtlinge aus dem Osten durch das Bombardement „zu entledigen“ versucht. Winston Churchill und „John“ W. Bush nannte der NPD-Funktionär – ohne von Hitler und Nazideutschland zu sprechen – große Kriegsverbrecher. Und das „Kriegsverbrechen“, die Bombardierung Dresdens, werde man den Gegnern Deutschlands „nie vergessen“, drohte Pastörs unterschwellig.
Pastörs war verschiedenen Medienberichten zufolge schon Mitglied der 1994 verbotenen „Wiking Jugend“ gewesen. Bei einer NPD-Veranstaltung im Jahre 2006 sagte er: „Machen wir den Anfang und bestücken unsere Besen mit Stahlborsten, denn die brauchen wir, weil dieser ganze Müll, dieses Kroppzeug, was zum Teil in den Ämtern herumsitzt, nicht anders rauszufegen ist, als mit einem ganz starken, scharfen Besen!“ Im Juni 2007 rief der gebürtige Wegberger Neonazis in Rathenow zu: „Und wenn wir zur Macht gelangen, dann besteht darin auch die Verpflichtung jene einer gerechten Strafe zuzuführen, die für diese Ausplünderungspolitik unseres deutschen Volkes Verantwortung tragen und heute noch uns frech ins Gesicht grinsen. Also, liebe herrschende Klasse, seht euch vor, denn wer Wind sät, wird Sturm ernten. Lasst uns Sturm sein!“
Auch Voigt hatte einst Bezüge in die Region. Bevor er sein erstes Studium an den Nagel hängte wegen seiner Einberufung zur Bundeswehr im Jahre 1972 hatte er an der FH Aachen zwei Semester Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Voigt war 1968 der NPD beigetreten und von 1970 bis 1972 – also zeitgleich zu seinem Aachener Studium – Mitglied des Vorstandes des NPD-Kreisverbandes Viersen [1]. Voigt hat seit 2005 zudem mehrere Veranstaltungen und Aufmärsche in der Region besucht, u.a. in Stolberg, Heinsberg und Erftstadt. [© Klarmann]
[1] Aachener Unis und ihre späteren NPD-Prominenzen (Link führt zum alten Blog.)
Auch die ehemalige NPD-Landesvorsitzende in Hamburg, Anja Zysk, hat Verbindungen nach Aachen. Sie hat an der RWTH studiert. Aber das wurde hier im Blog sicherlich schon berichtet?
ist ja verlinkt. mik
Ob Vogt oder Pastörs, in beiden Personen liegt im politischen Denken eine Kloackenpolitik vor!