GegenRechts: 800 Mal Nein zu fehlgeleitetes Denken und bösartiges Handeln

Aachen. Kurz vor dem Neonazi-Aufmarsch an Heiligabend haben knapp 800 Menschen ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Sie versammelten sich am Dienstagabend am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in der Oppenhoffallee. Oberbürgermeister Jürgen Linden betonte, die Provokationen des „braunen Gesocks“ erfülle die Menschen unterdessen „mit Abscheu und Ekel.“

Linden betonte in seiner Rede [1] indes ebenso, dass Aachen eine interkulturelle und weltoffene Stadt sei, in der die Menschen friedlich und tolerant miteinander lebten. „In dieser Stadt ist kein Platz für rechtsradikale Provokateure, für Menschen, die unsere gesellschaftlichen Werte und Errungenschaften zerstören wollen,“ rief Linden den Menschen zu, die ihm für diese und ähnliche Aussagen teils lang anhaltenden Applaus spendeten.

Der Zustrom war so groß, dass auf dem Mittelstreifen schon rasch zu wenig Platz war. Die Polizei musste beide Fahrspuren der Oppenhoffallee sperren, damit auch alle Teilnehmer Platz fanden. Unter den Menschen waren neben Vertretern von Parteien, Kirchen und Initiativen auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Kreisdirektor Helmut Etschenberg. Anwohner verfolgten die Gedenk- und Protestkundgebung teilweise von ihren Fenstern und Balkonen aus.

Linden betonte, dass das Datum des rechten Aufmarsches an Heiligabend ebenso wie jenes für den braunen Spuk am Vorabend des 70. Jahrestages der Reichpogromnacht „mit böser Absicht gewählt“ sei. Die Neonazis würden „unser harmonisches und freiheitliches Zusammenleben beeinträchtigen, unsere Feste, das christliche Weihnachten, das jüdische Chanukka-Fest und das islamische Neujahrsfest verhöhnen. Das lassen wir nicht zu!“ Abermals folgte lang anhaltender Applaus.

Aachen, fuhr der OB fort, sage geschlossen Nein „zu solch’ irrwitziger Agitation fehlgeleiteten Denkens und bösartigen Handelns.“ Rechtsextreme seien „so verbohrt, so hasserfüllt und aggressiv, dass sie nicht einmal vor dem Leben des Anderen einhalten,“ sagte Linden. Es gelte daher, „über den Tag hinaus“ gegen Neonazis und für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. „Lassen Sie uns eintreten vor allem aber für unsere Werte, für Offenheit, Pluralität, Demokratie und den inneren Frieden,“ appellierte der OB. Und er erinnerte daran, dass das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auch an Franz Oppenhoff erinnere, dem ersten Aachener Oberbürgermeister nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur. Er war an Palmsonntag 1945 durch Nazi-Partisanen ermordet worden.

Zum Ende der rund 20 Minuten dauernden Kundgebung rezitierte der Theater-Schauspieler Jens Eisenbeiser das Gedicht „Todesfuge“ des Schriftstellers Paul Celan („Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“). Im Anschluss wurde schweigend der fast 140 Todesopfer gedacht, sie seit der deutschen Wiedervereinigung durch die Hand rechtsextremer und rassistischer Täter starben. Rund 30 Sekunden lang lag über der ansonsten viel befahren Oppenhoffallee eine bedrückende Stille. [© Michael Klarmann; für AN]

[1] DOKUMENTATION: REDE VON OB LINDEN AUF DER KUNDGEBUNG GEGEN RECHTSEXTREMISMUS (Zu den ersten Gegenprotesten siehe auch FOTOGALERIE.)


8 Antworten auf “GegenRechts: 800 Mal Nein zu fehlgeleitetes Denken und bösartiges Handeln”


  1. 1 Klar, Mann? 23. Dezember 2008 um 21:11 Uhr

    Link zum Onlinebeitrag bei der AN (mit zusätzlichen Infos zur Gegendemo am 24.12.):

    http://neu.az-web.de/lokales/aachen-detail-an/758418

    Lokalpresse (blau) dazu:

    http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_detail&id=758415&_wo=Lokales:Aachen

  2. 2 Michi-Rechts 23. Dezember 2008 um 23:30 Uhr

    Da verarscht sich der Bürgermeister und die Stadt Aachen ja wohl selber!
    Auf der einen Seite schreiben sie „Wir sind Aachen, Nazis sind es nicht“, und auf der anderen Seite kommen nur 800 Menschen zur Kundgebung !!??
    Nach meiner Meinung nach hat die Stadt Aachen ein paar Bürger mehr!
    Und wo waren die?!
    Bevor man im Namen der Stadt spricht sollte man sich vergewissern ob die Stadt diese Meinung unterstützt.

    rufen sie und ihre „kameraden“ nicht auch aus ihrem hundertmannpaarfraugrüppchen immer: „wir sind das volk“? wenn ja: gestern waren es 800 volker und volkerinnen…könnten auch sie mal drüber nachdenken. mik

  3. 3 Franz Gans 24. Dezember 2008 um 1:39 Uhr

    Guter Artikel!
    Wusste gar nicht, dass unser OB auch gute Reden halten kann!

  4. 4 anonym 24. Dezember 2008 um 14:31 Uhr

    Wusste gar nicht, dass unser OB auch gute Reden halten kann!

    War bei der letzten Demo auch überrascht.

    Bevor man im Namen der Stadt spricht sollte man sich vergewissern ob die Stadt diese Meinung unterstützt.

    Tut man doch bei den Wahlen. Würde die Mehrheit sich selber für Nazis halten, würden sicher viel mehr andere Parteien gewählt werden.
    Die Demonstrationsmüdigkeit muss man zwar nicht gutheißen, aber daraus kann man nicht schließen, dass der breite Rückhalt fehlen würde.

  5. 5 Peter 26. Dezember 2008 um 11:22 Uhr

    @Michi-Rechts :
    Wo waren alle die braunen Hampelmänner?
    Noch in Haft oder Gewahrsam oder gar auf Entzug?

    Wir sind Aachen!
    Ein dummer kleiner Zwerg hat hier gar nicht zu „kamellen“!

  6. 6 Päät 26. Dezember 2008 um 13:41 Uhr

    Mik,gerade Sie müssten doch neulich beim Vortrag in Stolberg erfahren haben,wie beispielsweise die letzte Veranstaltung ablief und welchen Eindruck wir dort hinterlassen haben,oder?
    Die Leute hat es gar nicht gestört,dass dort die ganz bösen Nönazis feiern.
    Doch einen Verwirrten gab es,der bei ihrem Vortrag reges Interesse zeigte und auch mal ganz mutig versuchte vorbei zu schauen in Form einer kleinen Aufkleberaktion.
    Deshalb sind wir im großen und ganzen die Stimme der schweigenden und feigen Mehrheit.
    So können nur wir Parolen skandieren wie “ Wir sind das Volk“.
    Und ich wette die meisten der Demonstrationsteilnehmer der „Gutmenschen“ haben sich bisher keineswegs mit dem nationalen Sozialismus auseinander gesetzt,stattdessen nur mit dem Holocaust und der plumpen Ausländerfeindlichkeit,die man „logischerweise“ direkt mit dem NS verbindet.
    Ferner gibt es wohl auch eine handvoll Leute,die nur um ihren Ruf und ihre Karriere besorgt sind,sodass diese buchstäblich dazu gezwungen werden,an antivölkischen Demos teilzunehmen.

    Abgesehen von dieser Thematik – versucht die Antifa immer wieder Migranten gegen uns aufzubringen.
    Selbst dort haben wir in Teilen der Subkultur einen nicht zu verhassten Ruf.
    Ich glaube,die Antifaschisten können sich nur vage daran errinern,wer nachher wen körperlich attackieren wollte,oder? ;)

    sie schreiben in rätseln: welcher vortrag und welche veranstaltung sind gemeint? der rest dürfte indes eher für ihren fast kindlichen größenwahn stehen und wird deshalb auch dokumentierend frei geschaltet – damit sich die „gutmenschen“ ein bild von ihnen und ihresgleichen machen können…glauben sie wirklich, die antifa müsste migranten gegen sie aufbringen? mik

  7. 7 Peter 26. Dezember 2008 um 18:19 Uhr

    @ Päät ;
    Meinen Sie den Vortragsabend Stolberg gegen Rechts?
    Es braucht sich keiner mehr mit dem nationalen Sozialismus auseinander zu setzen, da dies auf wissenschaftlicher Grundlage mehr als zigfach gemacht wurde. Es wurde wissenschaftlich und gesellschaftlich erkannt, das diese Politikform mit Verbrechen und mafiösen Strukturen gleich gesetzt werden kann. Dennoch wird immer wieder noch versucht, die Hintergründe des Rechtsextremismus von Heute zu ergründen, soziologische Maßnahmen gegen dieses Übel zu ergreifen und gesellschaftlich Aufklärung zu betreiben.

  8. 8 Päät 28. Dezember 2008 um 1:12 Uhr

    […] Wenn Sie doch mit irgendwelchen Pseudowissenschaften glänzen wollen,wäre es interessant zu wissen,welche Grundlage besagte Studien etc haben.
    Hierbei spielt wahrscheinlich wieder das böse 3.Reich eine entscheidene Rolle,dessen Fundament einer verfälschten Geschichtsschreibung zu Grunde liegt. […]

    danke auch für diesen beitrag über ihren heiß geliebten „nationalen sozialismus“, der ja nichts mit dem nationalsozialismus zu tun haben soll. mik

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