GegenRechts: Antifa will Stolberg (nicht) zum Ehrenfriedhof für Nazis machen

Stolberg. Neben einem breiten bürgerlichen Protest gegen einen für den 4. April in Stolberg geplanten Neonaziaufmarsch [1] soll es zudem vonseiten der Antifa „energischer[e] und konsequenter[e]“ Formen der Gegenproteste geben. Mittlerweile werden via Internet Stellungnahmen örtlicher Antifa-Gruppe verbreitet, die bundesweit Antifaschisten dazu aufrufen, nach Stolberg anzureisen und den Aufmarsch der Neonazis zu stören. Grund für die bundesweite Mobilisierung – „Lassen wir die Stolberger AntifaschistInnen nicht mit ‚unseren’ und ‚euren’ Neonazis allein.“ – sei der Umstand, dass an dem durch den NPD-Kreisvorsitzenden aus Düren, Ingo Haller, angemeldeten Aufmarsch auch Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet teilnehmen werden.

Gegenüber den Protestaktionen aus Politik, Vereine und Parteien glauben die regionalen Antifaschisten, dass „dieser kalkulierbare, ‚bürgerliche’ Protest […] allein nicht ausreichen [wird], um ein zweites Salem zu verhindern.“ Im schwedischen Salem zelebrieren Neonazis, ähnlich wie vielleicht bald in Stolberg, seit Jahren „Trauermärsche“ für einen von Migranten „ermordeten Kameraden“. In Stolberg war 2008 in der Nacht vom 4. auf den 5. April ein 19-Jähriger von einem Migranten im Zuge einer Auseinandersetzung mit Messerstichen so schwer verletzt worden, dass das Opfer bald darauf starb. Neonazis verklärten das Opfer entgegen der Realität zu einem der ihren und „Märtyrer der Bewegung“ [2]. Der Mythos vom im Stolberg „ermordeten Kameraden“ führte zu bundesweiten Aktionen von Neonazis, dreimal marschierten diese zudem in Stolberg auf – Teilnehmer waren dazu aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland angereist.

Größere Gegenproteste hatte es wegen der kurzfristigen Mobilisierungszeiten nur bei dem letzten der drei Aufmärsche im April 2008 gegeben. „Es ist daher dringend notwendig, sich energischer und konsequenter als im vergangenen Jahr den Neonazis in den Weg zu stellen. […] Sorgen wir im April dafür, dass Stolberg nicht zu einem braunen Walhalla wird!“ schreiben die regionalen Antifaschisten in ihrem Aufruf zu eigenen Gegenprotesten am 4. April 2009. [© Klarmann]

[1] TAUSENDE STOLBERGER UND GANZ VIEL PROMINENZ…
[2] Siehe dazu auch die Arbeit des Autors dieser Zeilen bei „Telepolis“ (Märtyrer wider Willen) und auch noch einmal der Hinweis auf den Quasi-Abschlussbericht (KLEIN-SEBNITZ DER NEONAZIS).


3 Antworten auf “GegenRechts: Antifa will Stolberg (nicht) zum Ehrenfriedhof für Nazis machen”


  1. 1 Politischer Soldat 23. Januar 2009 um 15:01 Uhr

    „In Stolberg war 2008 in der Nacht vom 4. auf den 5. April ein 19-Jähriger von einem Migranten im Zuge einer Auseinandersetzung mit Messerstichen so schwer verletzt worden, dass das Opfer bald darauf starb.“
    Süß gesagt…

    stimmt, normal formuliere ich treffender…

    http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_detail&id=403370&_wo=Lokales:Eifel

    …und sonst, wie isset? jooohht? mik

    ps. wissen sie, ich habe auch nach dem prozess noch hie und da das ohr auf den schienen, habe zufällig freunde des opfers und täters kennen gelernt und noch mindestens vier gut sortierte quellen sprechen dürfen. auch wenn gewisse „kameraden“ ja so gerne behaupten, das verfahren sei nicht öffentlich gewesen, damit medien, politik, polizei und gericht „weiter“ (angebliche) hintergründe vertuschen können (die den „märtyrer“-mythos der „nationalisten“ natürlich bestärken würden…)… –

    – …sie wissen ebenso wie ich, dass das verfahren wegen des alters des täters nicht öffentlich war, aber was vielleicht neu für sie ist: wäre das verfahren öffentlich gewesen, dann hätten sie erfahren können, wie alles wirklich war…so aber können sie weiter ihre mythen stricken bzw. auf jene mythen des „kameraden“, „patrioten“, „npd-mitglieds“ oder „npd-interessenten“ aufbauen. zugegeben: das alles macht die tat nicht weniger schlimm, macht den tod des opfers nicht weniger schlimm (oder weniger sinnlos).

    aber die lügen all der neonazis muten bei alldem wissen umso perfider an, und manchmal habe ich wirklich schwache momente, da teile ich einen teil ihrer meinung fast und könnte die todesstrafe fordern – nämlich für jene menschen, die die totenruhe und trauer einer familie und wirklicher freunde mutwillig (zer)stören, um selbst das größere stück kuchen beim leichenschmaus abzukriegen [so, spönlein, können sie nochmal etwas nicht verstehen und in ihrem forum zwar richtig zitieren, aber gerne die falschen schlüsse ziehen…].

  2. 2 Aachener 24. Januar 2009 um 0:05 Uhr

    „„Es ist daher dringend notwendig, sich energischer und konsequenter als im vergangenen Jahr den Neonazis in den Weg zu stellen. […] Sorgen wir im April dafür, dass Stolberg nicht zu einem braunen Walhalla wird!“ schreiben die regionalen Antifaschisten in ihrem Aufruf zu eigenen Gegenprotesten am 4. April 2009.“

    Diesen Aufruf habei ich bisher nur bei der Antifa Düren finden können – weder beim AK Antifa Aachen noch beim Antifaschistischen Aktionsbündnis Aachen ist dieser Aufruf bis jetzt zu finden. Ich weiß also nicht, ob man hier von „regionalen Antifaschisten“ (bezüglich der Region Aachen/Stolberg) reden kann.

    ein neuer „peter“ ist uns geboren. die beiden genannten homepages sind i.d.r. immer super aktuell [ ;) ] und umfassend [ ;) ], vielleicht erscheint ja noch etwas… mik

  3. 3 Klar, Mann? 06. Februar 2009 um 11:28 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>