Rechts: Auch Neonazis mobilisieren nun nach Stolberg

Stolberg/Düsseldorf. Neben der NPD rufen nun auch Neonazis der „Freien Kräfte“ zu einem Neonazi-„Trauermarsch“ in Stolberg auf. Der Dürener NPD-Kreischef Ingo Haller hat wegen der Bluttat an einem 19-Jährigen „Trauermärsche“ bis ins Jahr 2018 rund um den Todestag Anfang April angemeldet. Während die NPD bislang öffentlich noch nicht intensiv zur Teilnahme aufruft, haben Neonazis nun eine neue Sonderseite ins Internet eingestellt und rufen zur Teilnahme an dem Haller-Aufmarsch auf. Die Seite liegt auf dem früheren Server des „Nationalen Infotelefons Rheinland“, das dem Düsseldorfer Neonazi Sven Skoda zugeordnet wurde.

Unter dem Titel „Mord! Trauer! Widerstand!“ wird auf der Homepage und auf Flyern zur Teilnahme an dem „Trauermarsch“ aufgerufen. Mit den Abläufen der Bluttat nimmt man es dabei nicht so genau. Hatte die rechte Szene lange das Opfer zum „Kameraden“ verklärt, ist nun nur noch von einem „Mord eines Ausländers an einem deutschen Jugendlichen“ die Rede. Während das Opfer – das mit der rechten Szene nichts politisch gemein hatte – einen „Kumpel“ (der NPD-Kreischef aus Aachen, Willibert Kunkel) von einer NPD-Versammlung abgeholt hatte, behaupten die Neonazis nun nur, „[e]ine dreiköpfige Gruppe junger Deutscher [hat] sich auf den Weg [gemacht,] einen Freund zu besuchen“.

Gut elf Monate nach der viel diskutierten Tat und einem Gerichtsverfahren mit einem Urteil gegen den Täter [1], verbreiten Neonazis also weiter Mythen rund um die Tat, nun offenbar bemüht, das Opfer – das sie zuvor zu Mobilisierungszwecken zum „Märtyrer der Bewegung“ umgelogen hatten [2] – zu entpolitisieren. Interessant dabei ist, dass die Neonazis in ihrem Text trotz der zahlreichen, von ihnen selbst verbreiteten Falschmeldungen über den Todesfall auch folgendes bemängeln: „Die Staatsanwaltschaft wird bereits kurz darauf vermelden, daß die Hintergründe der Tat im privaten und persönlichen Umfeld liegen würden. Eine Behauptung, die bereits zu einem Zeitpunkt an die Presse weitergegeben wurde als von gesicherten Ermittlungsergebnissen noch keine Rede sein konnte.“

Es sind dieselben Neonazis, die dies nun behaupten, die schon wenige Stunden nach der Tat von einem „Türken“ als Täter schrieben – was nicht stimmte, aber dazu führte, dass Neonazis massiv Türken bedrohten [3] – und von einem „Kameraden“, der da in Stolberg ermordet worden sei. Auf verschiedenen Homepages, etwa jener der „Aktionsgruppe Rheinland“, behaupten sie zudem bis heute, das Opfer sei ein „Kamerad“ gewesen (siehe Screenshot). Bürgerliche und antifaschistische Gruppen und Parteien rufen für den 4. April 2009 zu Gegenprotesten auf [4]. [© Klarmann]

[1] SECHS JAHRE HAFT FÜR MIGRANTEN – NOTHILFE ANERKANNT…
[2] KLEIN-SEBNITZ DER NEONAZIS
[3] JUNGER RECHTSEXTREMIST BEI MESSERSTEICHEREI IN STOLBERG GETÖTET
[4] TAUSENDE STOLBERGER UND GANZ VIEL PROMINENZ…; ANTIFA WILL STOLBERG (NICHT) ZUM EHRENFRIEDHOF FÜR NAZIS MACHEN; APPELL FÜR EINE NAZI-FREIE STADT VON DER NACHBARSCHAFT DER MÜHLE


3 Antworten auf “Rechts: Auch Neonazis mobilisieren nun nach Stolberg”


  1. 1 Klar, Mann? 19. Februar 2009 um 13:19 Uhr

    Nun hat es die KAL mal wieder zu einem dpa-Agenturfoto gebracht…

    KALdpa

    Originalquelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/molau-will-doch-nicht-npd-chef-werden/

    Das Foto wurde am 26.4.2008 aufgenommen bei einem der drei „Trauermärsche“… Mik

  2. 2 Klar, Mann? 25. Februar 2009 um 9:24 Uhr

    WDR-Westpol über die „Autonomen Nationalisten“ mit zwei Hinweise auf Aachen/Stolberg:

    „[…] Dortmund und Aachen gelten als die Zentren der Bewegung. […] Schon bald steht in Stolberg die nächste Großdemonstration an. Dann werden er und seine Mitstreiterinnen wieder im schwarzen Block mitmarschieren und ihren Feinden den Kampf ansagen. […]“

    http://www.wdr.de/tv/westpol/beitrag/2009/02/20090215_autonome_nationalisten.jhtml;jsessionid=Z25LVPWGVVIWQCQKYRSUTIQ

    [Videobeitrag über den Link „Beitrag als webTV“ abrufbar. (wie rippt man den? mik)]

  3. 3 Klar, Mann? 14. März 2009 um 9:53 Uhr

    Unterdessen gibt es von den „Freien Kräften“ einen weiteren Aufruf zur Teilnahme an dem „Trauermarsch“; Zitat:

    „Ein Jahr ist es nun her, als unser Kamerad Kevin P., gerade 19 Jahre, am Abend des 4. Aprils 2008 zusammen mit einem Freund von einer NPD Veranstaltung kam und von einer fünfköpfigen Ausländerbande überfallen und kaltblütig ermordet wurde. Zuerst prügelte man mit Schlagstöcken auf die beiden ein, dann zogen die Täter plötzlich Messer. Von 4 Messerstichen getroffen erlag das Opfer noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Der 17 jährige Begleiter landete mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus und wurde dort mehrere Tage behandelt. […]“

    Lüge 1: Kevin P. war kein „Kamerad“

    Lüge 2: Die Gruppe um Kevin P. – ein Mädchen, ein NPD-Mitglied, Kevin P. und ein italienisch stämmiger Jugendlicher – gerieten in Streit mit der anderen Gruppe; ob von einem Überfall und von Schlagstockattacken die Rede sein kann oder sollte, wie oben, könnte fraglich sein…

    Lüge 3: Nur ein Täter zog ein Messer, nicht alle Täter (s.o.) zogen ihre Messer.

    Lüge 4: Das 17-jährige NPD-Mitglied war 15 Stunden nach der Tat umtriebig am Rande der Organisation des ersten „Trauermarsches“ beteiligt und marschierte selbst mit den 150 Neonazis zum Tatort, wo er als erster der Teilnehmer mit Tränen in den Augen – so ich mich richtig erinnere – eine Kerze anzündete für seinen toten Freund…

    Vier Sätze, vier Lügen…aber die Presse lügt laut Braunszene… Mik

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