Rechts: Eifelbräune in Schwarzlandhausen

Hellenthal/Schleiden/Euskirchen/Rheinbach. Örtlichen Beobachtern zufolge ist es im Bereich Schleiden, Hellenthal und Rheinbach in der letzten Zeit zu rechtsextremen Vorfällen gekommen. So kam es am Wochenende im Umfeld des Pfarrheims und der Kirche in Herhahn – einem Ortsteil von Schleiden – zu rechtsextremen Aufkleber- und Sprühaktionen. Unter anderem wurden Aufkleber rechtsextremer Gruppen aus dem Umfeld der „Autonomen Nationalisten“ verklebt. Mittels Schablonen wurden zudem das Konterfei des NSDAP-„Märtyrers“ und ehemaligen SA-Schlägers Horst Wessel, die Losung „NS Revolution“ und das Wort „Hass!“ mit SS-Runen gesprüht.

Herhahn ist ein Stadtteil von Schleiden im Kreis Euskirchen und liegt zwischen Gemünd und dem Rursee nahe der ehemaligen NS-„Ordensburg“ Vogelsang. Örtlichen Beobachtern zufolge sollen sich am Pfarrheim regelmäßig auch Mitglieder der rechten Szene treffen. Teilweise würden diese offenbar auch aus Gemünd (Kreis Euskirchen) und Simmerath (Kreis Aachen) kommen. In Gemünd war es vor Monaten schon zu Neonazi-Vorfällen gekommen [1] die offenbar teilweise bis heute dort und in Kall anhalten [2]. Ebenso war es in Euskirchen zu Neonazi-Aktionen gekommen [3]. Nachdem die Neonazi-Gruppe „Freie Nationalisten Euskirchen“ (FNE) ihr einjähriges Bestehen in einem Schützenhaus im Bereich Euskirchen mit Neonazi-Bands und -Rednern gefeiert hatte, kam es zu Hausbesuchen vonseiten des Staatsschutzes [4].

In Herhahn hat laut Bericht [5] des „Kölner Stadt-Anzeigers“ die Kirchengemeinde Anzeige wegen der Schmierereien erstattet „und will Schadensersatz geltend machen.“ Zudem berichtet die Zeitung in ihrem Lokalteil: „Die Einwohner haben bereits seit längerem beobachtet, dass sich nachts ortsfremde junge Leute etwa im Alter zwischen 16 und 30 Jahren im Ort treffen. Sie kommen mit Autos, die Kennzeichen deuten darauf hin, dass sie nicht nur aus dem Kreis Euskirchen, sondern auch aus dem Großraum Aachen kommen. […] Erst kürzlich hatte der Bürgermeister die Bevölkerung um Hinweise gebeten, nachdem nahezu alle Verkehrsschilder im Stadtgebiet mit rechtsextremen Aufklebern verschandelt worden waren.“

Örtlichen Beobachtern zufolge sind ebenso im Bereich Hellenthal rechte Cliquen und Gruppen aktiv und versuchen offenbar auch in Jugendräumen vorzudrängen. Auf Feten komme es, so örtliche Beobachter weiter gegenüber „Klarmanns Welt“, teilweise zu Saufgelagen, Gewalttaten und Vandalismus – zudem würden rechte Parolen gegrölt. Im Internet finden sich etwa Videos, die Mitte 2008 online gestellt wurden und Szenen jener Feiern zeigen. Teilweise sollen Personen in den Videoclips zu sehen sein, die der rechtsextremen Szene und deren Umfeld angehören.

Veranstaltungsort mindestens einer Feier war örtlichen Beobachtern zufolge ein Schützenhaus in der Gemeinde Hellenthal. In den Hellenthaler Ortsteilen Rescheid war zudem im Jahr 2007 von Jugendlichen aus dem Umfeld eines Jugendraumes parallel zum Dorf-Maibaum ein zweiter Baum aufgestellt worden, der mit schwarzen, roten und weißen Bändern in den „Reichsfarben“ geschmückt worden war. Zudem soll ein Hakenkreuz in den Stamm geritzt worden sein. Ähnliches hatte sich schon früher im Ortsteil Blumenthal zugetragen im Umfeld des dortigen Jugendraumes, auf dessen Tür auch einmal ein Hakenkreuz geschmiert worden sein soll.

Laut eines Berichts [6] des „General Anzeigers“ gibt es auch in Rheinbach deutliche Hinweise auf eine kleine Neonazi-Szene, die sich in einer Kneipe in der Innenstadt treffen soll. Und weiter: „In Rheinbach gibt es Rechtsextreme, das ist bekannt – spätestens, seitdem einige Randalierer nach dem verlorenen EM-Endspiel im vergangenen Sommer mitten in der Innenstadt den Hitlergruß zeigten. Auch Bürgermeister Stefan Raetz verschließt davor nicht die Augen. ‚Ich möchte in Rheinbach nicht alles düster malen’, sagt er […]. ‚Ich will aber auch nicht verschweigen, dass es solche Erscheinungsbilder gibt. Mir ist bekannt, dass es auch bei uns vor allem junge Menschen gibt, die dem Rechtsradikalismus zugeneigt sind.’ […]

Anziehungspunkt für Rechtsgesinnte scheint die Tomburg bei Wormersdorf […] zu sein. Dort finden sich immer wieder Schmierereien. Zuletzt, so berichtet der Bürgermeister, habe er vor einem halben Jahr in die Steine geritzte und aufgesprayte Hakenkreuze entfernen lassen. Auch an einer Bushaltestelle in Wormersdorf ließ er Hakenkreuze entfernen. ‚Das ist keine zwei Monate her.’ […] ‚Im Zuge unserer Gespräche vor Ort haben wir auch Hinweise auf Jugendliche bzw. Jungerwachsene erhalten, die, zum Teil in alkoholisiertem Zustand, zum Beispiel lautstarke Rechtsrock-Musik gehört haben’, schreibt Erster Kriminalhauptkommissar Manfred Wieczorek. […] Das Fazit des Staatsschützers: Eine strukturierte oder vernetzte rechte Szene ist in Rheinbach ‚nicht bekannt’.“

Offenbar aber eine solche, wie sie in Hellenthal, Schleiden und Gemünd anzutreffen ist… [© Klarmann]

[1] NAZIS RAUS AUS RUHMES- UND EHRENHALLE…; MEHR NEONAZIAKTIVITÄTEN IM KREIS EUSKIRCHEN…?
[2] Lokalpresse-Direktlink
[3] NAZISCHEISS PAPPT DURCH EUSKIRCHEN; NAZISCHEISS PAPPT DURCH EUSKIRCHEN; NPD FÜLLT BRIEFKÄSTEN IN DER REGION WEITER MIT AUSLÄNDERFEINDLICHEM PAPIER
[4] OHNE KUCHEN HABT IHR KEINE CHANCE – STAATSMACHT BITTET FNE-UMFELD UM KAFFEEKRÄNZCHEN; OHNE BRÖTCHEN HABT IHR KEINE CHANCE – STAATSMACHT BITTET FNE-UMFELD UM FRÜHSTÜCKSKAFFEE
[5] Direktlink
[6] Direktlink