Rechts: Zwischen demokratischer Maskerade und NS-Glorifizierung – der Haller-Malcoci-Pakt

Aachen. Der Neonazi-Kader Christian Malcoci scheint seine Aktivitäten in der Region Aachen zu verstärken. War Malcoci offenbar schon im Jahre 2007 in das „Schlageter-Treffen“ auf dem Grundstück des Dürener NPD-Kreischefs Ingo Haller involviert [1] und ebenso Mitorganisator eines Neonaziaufmarsches in Heinsberg-Randerath vor einer Woche [2], ist er laut NPD ebenso in die Organisation der Neonazi-„Trauermärsche“ in Stolberg am 3. und 4. April eingebunden. So schreibt Haller in einer Rundmail zum Kooperationsgespräch bei der Polizei Mitte März wegen jener Aufmärsche von dem „mich zu dem Gespräch begleitende[n] Kameraden Christian Malcoci“.

Malcoci war laut Antifaschisten schon vor Jahren auf einem – anonymisierten – Foto der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) zu sehen gewesen, auf dem zahlreiche (Gründungs- und Führungs-)Kader der KAL gemeinsam mit ihm posierten. Einige der KAL-Leute zeigten auf dem Foto den Hitler-Gruß [3]. Malcoci war zuvor schon NRW-Führungskader der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) gewesen. Die FAP war am 24. Februar 1995 verboten worden, weil sie sich sowohl inhaltlich, als auch optisch am SA-Flügel der historisch-nationalsozialistischen Bewegung orientiert hatte.

Am 24. März 2001 fand eine Neonazi-Kundgebung in Würselen statt, die Malcoci aus Grevenbroich bei Neuss organisiert hatte. Der heute immer noch einflussreiche Neonazi aus NRW hatte an dem Tag eigentlich mit seinen rund 100 „Kameraden“ symbolisch von Herzogenrath aus in die Niederlande einmarschieren wollen. Der Aufmarsch sollte Wahlkampf sein, da Malcoci etwa ein Jahr später im niederländischen Kerkrade für die antisemitische, fremdenfeindliche und neonazistische Partei NVU zur Kommunalwahl antreten sollte.

Ein Sohn von Malcoci hält bis heute Kontakte zu örtlichen Neonazis. Die von Malcoci getrennt lebende (Ex-)Ehefrau betrieb um das Jahr 2000 in Wassenberg (Kreis Heinsberg) den Thule-Multimedia-Verlag, der einst u.a. Homepages und Designs für die Szene entwerfen wollte, aber auch Buch- und CD-Produktionen angekündigt hatte. Besagter „Verlag“ initiierte seinerzeit auch die Neonazi-Kampagne „Bootleg – Hände weg!“ gegen das illegale brennen und kopieren von Rechtsrock-Tonträgern. Dazu hieß es seinerzeit auf der Homepage:

„Die Kampagne ‚Bootleg – Hände weg!’ ist ein Appell, der sich an gewissenhafte Musikliebhaber richtet. […] Vielen ist ihr Handeln und die daraus resultierenden Folgen in der gesamten Tragweite nicht bewusst, wenn sie mal eben für einen oder mehrere Freunde CDs brennen oder Lieder als MP3s im Weltnetz veröffentlichen. […] Das Brennen jeder einzelnen CD ist Betrug an denen, die zur Herstellung der CD beigetragen haben – also an Künstlern, Produzenten und legalen Konsumenten – und zwar unabhängig davon ob viel oder wenig oder gar kein Geld damit verdient wird. Musiker und Texter arbeiten in unserer Szene unter erschwerten finanziellen Bedingungen. Bootlegs verhindern auf die Dauer, dass diese kreativ arbeiten und sich somit weiterentwickeln können. […] Unsere Musik- und Kulturszene bekommt im Gegensatz zu anderen Musikern nicht die gesellschaftliche Anerkennung und Leistungsbestätigung, die ihr gebührt; ihr wird nicht das Ansehen oder die Bewunderung zuteil, die ihr aufgrund ihrer Leistungen zusteht.“

Christian Malcoci selbst ist seit Jahrzehnten in der Neonazi-Szene aktiv. Laut verschiedener Publikationen war er etwa am 20. April 1989 anlässlich des 100. Geburtstages von Adolf Hitler in Essen an der Besetzung des Büros der Nachrichtenagentur dpa beteiligt und soll im Vorfeld von der Aktion auch Funktionär des „Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers“ (KAH) gewesen sein. In der Braunszene war er zudem aktiv für die „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“. Malcoci soll überdies Mitglied der NSDAP/AO, der später verbotenen „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationaler Aktivisten“ (ANS/NA) und der „Nationalen Offensive“ gewesen sein.

Laut „Handbuch Deutscher Rechtsextremismus“ gehörte Malcoci in den 1990er Jahren zu den Hauptverdächtigen des Strategietextes „Eine Bewegung in Waffen“. Der Text skizzierte den bewaffneten, rechtsterroristischen Kampf gegen die Bundesrepublik. Als Autor trat er auch in der rechten Publizistik und Esoterikszene in Erscheinung, u.a. mit der Veröffentlichung einer Fantasy-Geschichte. Seinen politischen Wirkungsbereich hatte Malcoci als Funktionär der NVU zwischenzeitlich in die Niederlanden verlegt. In Deutschland fungierte er nur noch selten als Initiator und Organisator von Aufmärschen wie jenem am 13. Oktober 2007 in Neuss [4], als er in die koordinierenden Gespräche mit der Polizeieinsatzleitung eingebunden war.

Malcoci gilt als glühender Nationalsozialist [5], äußert sich allerdings seit Jahren nicht mehr öffentlich allzu konkret über seine politischen Vorlieben. Als ihn etwa im Umfeld der Gemeinderatswahlen im niederländischen Kerkrade der WDR interviewte, beantwortete Malcoci die Frage danach, was er von Adolf Hitler halte, nicht – dazu könne er sich öffentlich nicht äußern… Schon bei der Landtagswahl 2005 hatte Malcoci dessen ungeachtet als Listenkandidat der NPD fungiert. Da Haller schon mit der berüchtigten Neonazi- und Schlägerbande KAL sowie dem NSDAP-Fan Axel Reitz kooperiert [6], dürfte die Zusammenarbeit mit Malcoci dem (schein-)bürgerlichen Auftreten der NPD in der Region keinen – weiteren – Imageschaden mehr zufügen… [© Klarmann]

[1] Sitzen Malcoci und Skoda mit im Schlageter-Treffen-Boot?
[2] NACHWUCHS-MENSCHENSCHÄNDER GEGEN KINDERSCHÄNDER
[3] BIS HEUTE VERBOTEN – DAS VERBOT DER KAMERADSCHAFT AACHENER LAND
[4] Gegen Polizeirepression sorgt für Polizeirepressionen
[5] Siehe dazu: Ein Nazikader unter der Lupe
[6] DER HERRGOTT SANDTE DER NPD IM RHEIN-ERFT-KREIS EINEN NATIONALSOZIALISTEN


2 Antworten auf “Rechts: Zwischen demokratischer Maskerade und NS-Glorifizierung – der Haller-Malcoci-Pakt”


  1. 1 Hempels 01. April 2009 um 10:34 Uhr

    Was für ein Teufelskerl!!!

    räusper:

    http://twitter.com/Klarmann/status/1419427534

    mik

  2. 2 Peter 02. April 2009 um 20:42 Uhr

    Mann sind das vielleicht Figuren…..alträume von Adolf!

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