Rechts: HDJ-Verbot und seine regionalen Bezüge

Aachen. „Die neonazistische ‚Heimattreue Deutsche Jugend’ wurde am 31. März wegen Verfassungsfeindlichkeit verboten − mit scheinbar unpolitischen Freizeitangeboten hat die HDJ Kinder und Jugendliche ideologisch und militärisch gedrillt,“ leitet der „Blick nach Rechts“ seinen Beitrag über das heute vollzogene HDJ-Verbot ein [1]. HDJ-Kader waren auch schon in der Region aktiv oder stammen aus dem Raum Aachen.

Laut damaligen Informationen der „Recherche Nord“ waren Teile des NPD-Ordnerdienstes während eines NPD-„Trauermarsches“ in Stolberg Ende April 2008 auch Mitglieder der HDJ. NPD-Ordnerdienstleiter Manfred Börm leitete höchstselbst den Ordnerdienst in Stolberg – und verkündete neben dem Stolberger Ratsmann Willibert Kunkel sowie dem NPD-Chef aus Düren, Ingo Haller, Organisatorisches vom Lautsprecherwagen. Börm wird bis heute mit der HDJ in Verbindung gebracht und hat laut „Recherche Nord“ auch schon bei mindestens einem HDJ-Lager den Ordnerdienst geleitet. „Zeit-Online“ schreibt von „HDJ-Kader[n] um den Lüneburger NPD-Anführer Manfred Börm“ [2], dessen Sohn HDJ-Mitglied war.

„Bereits Kinder im Grundschulalter werden in ‚Rassenkunde’ unterrichtet und angehalten, für ‚Blutreinheit’ und das ‚Fortbestehen des deutschen Volkes’ einzutreten. Die HDJ lehnt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung strikt ab. Im Verbandsorgan der HDJ finden sich geschichtsrevisionistische, rassistische und antisemitische Inhalte. ‚Ausländer’ und ‚Juden’ werden als Bedrohung für ‚das deutsche Volk’ dargestellt. Erklärtes Ziel der Organisation ist es, für Kinder und Jugendliche eine völkisch-nationalistische Parallelwelt zu schaffen,“ stellen der Sprecher der Projektgruppe „Gegen Rechtsextremismus“ des Parteivorstandes der SPD, Niels Annen (MdB), und der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, Sebastian Edathy, fest [3].

In Verbindung mit der HDJ steht ebenso das wie Börm ehemalige Mitglied der „Wiking Jugend“ (WJ), der aus Stolberg stammende und heute in Berlin/Brandenburg ansässige Neonazi-Anwalt Wolfram Nahrath. Die WJ, deren „Bundesführer“ Nahrath nach seinem Vater Wolfgang zwischen 1991 und 1994 war, war 1994 als Quasi-Nachfolgeorganisation der „Hitlerjugend“ (HJ) verboten worden. „Spiegel-Online“ [4] schreibt zu Nahrath bezüglich voran gegangener Hausdurchsuchungen: „Im Zuge der Razzia sollen die Beamten auch auf ein Archiv der bereits seit 15 Jahren verbotenen ‚Wiking-Jugend’ (WJ) gestoßen sein, offenbar am Wohnsitz des früheren WJ-Führers und nun auch in der HDJ aktiven Neonazi-Anwalts Wolfram Nahrath in Brandenburg.“

Laut BnR soll zudem „HDJ-Anhänger und NPD-Landeschef [von Berlin] Jörg Hähnel“ von dem aktuellen Verbot und den Hausdurchsuchungen betroffen sein [5]. Hähnel war im Mai 2005 im Vorfeld der NRW-Landtagswahl bei einer Saalveranstaltung der NPD in Stolberg als „Liedermacher“ aufgetreten. Die Fachautorin Andrea Röpke sagte der „Süddeutschen“ zum HDJ-Verbot [6]: „Es ist sehr spät erkannt worden, dass es sich um eine umfassende Kindererziehung der Neonazis handelt, bundesweit organisiert und brandgefährlich. Das lag daran, dass die HDJ im Verborgenen nationalsozialistisch agiert hat.“

Zeitweise in der HDJ und anderen rechtsextremen Kreisen aktiv war ebenso Hagen Schmöller. Der Bundesgeschäftsführer der HDJ aus dem Jahr 1994 hieß Hagen Schmöller. Dieser dürfte in den 1990er Jahren an der RWTH studiert und seinen Wohnsitz in Aachen gehabt haben. [© Klarmann]

[1] Direktlink
[2] Direktlink
[3] Direktlink
[4] Direktlink
[5] Direktlink; Direktlink; siehe auch: SpOn
[6] Direktlink


3 Antworten auf “Rechts: HDJ-Verbot und seine regionalen Bezüge”


  1. 1 Recherche NRW 31. März 2009 um 21:35 Uhr

    Sehr gut gemachter Artikel.

    (klar) man(n) kann was man tut… mik

  2. 2 Thomas Bücher 01. April 2009 um 0:06 Uhr

    Klasse Foto. Geisterbahn!

    (klar) man(n) tut was man kann… mik

  3. 3 Peter 01. April 2009 um 10:31 Uhr

    Der Bericht ist mehr prägnant und gut, der Inhalt des Foto gleicht der Horror Picture Show!

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