…titelt das Fachportal „redok“ und berichtet [1] über die Verurteilung des Münchener Neonazi-Kaders Philipp Hasselbach [2]. Zitat: „Beim Begräbnis [eines Altnazis] am 29. Juli 2008 [3] war eine Gruppe von etwa 30 Neonazis mit Schlägen und Tritten auf den 35-jährigen Reporter losgegangen. Dem Journalisten Robert Andreasch wurde die Kamera entrissen, er wurde erheblich verletzt und erlitt unter anderem mehrere Rippenbrüche. Erst mit dem Einsatz von Pfefferspray konnten Polizisten den Angegriffenen aus der Gefahr retten, noch schlimmer zugerichtet zu werden. Der zur Tatzeit 20 Jahre alte Anführer der Münchner ‚Freien Nationalisten’, Philipp Hasselbach, hatte nach Erkenntnis des Münchner Jugendgerichts das Kameraobjektiv des Journalisten zertreten. Dafür wurde er […] wegen Sachbeschädigung zu einer Haftstrafe von drei Monaten ohne Bewährung verurteilt.“
Hasselbach hatte vor seinem Umzug nach München in Essen gelebt und galt als Führungskader der seinerzeit noch durch sehr junge Neonazis geprägten „Kameradschaft Josef Terboven“. Mit besagter „Kameradschaft“ hatte Hasselbach – der unterdessen eine steile Karriere in der Neonazi-Szene hinlegte – auch an einem „Heldengedenkmarsch“ in Erkelenz im Jahre 2004 teilgenommen [4]. Transparentträger neben Hasselbach war seinerzeit auch Julian E. aus Essen, der unterdessen ebenso eine Karriere im rechtsextremen Milieu hingelegt hat. Sowohl bei einem Neonazi-Aufmarsch in Heinsberg-Randerath (März 2009) und Stolberg (April 2009) war E. anwesend und versuchte sich u.a. in der „Anti-Antifa“-Arbeit. E. gilt als führender Kader der „autonom“-nationalistische „Aktionsgruppe Essen“.
E., einst „Kameradschafter“ und unterdessen eine der treibenden AN-Kräfte im Ruhrgebiet, las 2006 in Bielefeld den „Kameradinnen und Kameraden“ als Redner eines Aufmarsches vom Blatt ab: „Dieser Staat ist scheiße, dieses System ist scheiße und diese antideutsche Regierung ist sowieso der größte Scheiß!“ Man lebe heute in einem Staat „mit einer scheiß-verfickten Regierung.“ An anderer Stelle drückte sich E. allerdings gewählter aus. Über den Nationalsozialismus wisse kaum jemand die Wahrheit, denn davon erfahre man heute nur etwas aus den „Systemmedien, von der jüdischen-bolschewistischen Presse oder vom angeblichen KZ-Häftlingen von nebenan.“ Nationalsozialismus meine nicht „Krieg, Tod, Zerstörung und sechs Millionen Leichensäcke“; Nationalsozialismus stehe für das „vierte Großdeutsche Reich“, wofür man kämpfen wolle und müsse, für „Gemeinschaft, Freiheit, Gleichheit, Arbeit und Frieden.“
Zum Urteil gegen Hasselbach schreibt die „Süddeutsche“ [5]: „Schließlich ging der Fotograf zu Boden, wo die Neonazis weiter auf ihn eintraten, so dass er sich mehrere Rippen brach. Im Verlauf des Geschehens war das Objektiv aus der Kamera herausgebrochen worden – so massiv, dass beide Teile irreparabel beschädigt wurden. Das Objektiv flog Phillip Hasselbach, der etwas abseits stand, vor die Füße. Und der sprang […] mit beiden Füßen darauf, so dass es zertrümmert wurde. […] Neben typischen Neonazi-Vergehen wie Volksverhetzung enthält [dessen Sündenregister] auch Verurteilungen wegen Betrugs und Körperverletzung. Deshalb befand er sich zum Zeitpunkt der Tat auch in einer offenen Bewährung. Der Szene-Anwalt André Picker versuchte zwar noch, mit juristischen Winkelzügen seinen Mandanten vor dem Gefängnis zu bewahren, doch das half nichts: drei Monate Freiheitsstrafe – ohne Bewährung.“ [© Klarmann]
[1] Direktlink
[2] Nicht zu verwechseln mit dem Aussteiger gleichen Nachnamens, Vorname Ingo.
[3] HAKENKREUZ-SARG UND DAS NPD-GELEIT
[4] Naziaufmarsch in Erkelenz von massiven Polizeiaufgebot und antifaschistischen Protesten begleitet
[5] Direktlink
Nachschlag: Hitlergruß vor Hakenkreuz-Fahne
http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1463&Itemid=36
Doch kein Nachschlag, gute Sozialprognose indes:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1104634&kat=27&man=3
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/804/491174/text/
Irgendwie nun doch Nachschlag…
http://www.merkur-online.de/lokales/stadt-muenchen/haftstrafe-neonazi-hasselbach-1000122.html