Archiv für Mai 2009

Rechts[?]: Mahnmal für jüdische Opfer der NS-Diktatur zertrümmert [update]

Hellenthal. Laut Lokalpresse [1] haben Unbekannte in der Nacht zu Samstag das erst im November 2008 feierlich in Hellenthal-Blumenthal eingeweihte Denkmal für die jüdischen Opfer der NS-Diktatur zertrümmert. Das Mahnmal aus Stahlstreben und Glas hat an der Stelle, an der früher die Synagoge stand, an die Opfer erinnert. Auf dem Glas war zum Gedenken ein Gedicht der Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs nachzulesen gewesen.

Zudem wurde mit dem Mahnmal an die alte Synagoge erinnert, die in der Pogromnacht 1938 von Nazis und Bürgern zerstört worden war. Die Synagoge soll eine der größten in der Region gewesen sein und Juden aus vielen Teilen der Eifel als Gebetshaus gedient haben. Neben dem nun zerstörten Mahnmal fanden sich laut Lokalpresse „zudem mit Wachs gemalte Schriftzeichen auf der Straßendecke“. Die Polizei habe Spuren gesichert und den Staatsschutz eingeschaltet. Örtlichen Beobachern zufolge sollen in der jüngeren Vergangenheit im Umfeld des Mahnmals auch Aufkleber von Neonazi-Gruppen verklebt worden sein.


Standbild 1 aus einem der Videos von Jugendlichen aus Kall und Hellenthal mit offenkundig rechtslastigen Vorlieben…

In dem Hellenthaler Ortsteil Rescheid war im Jahr 2007 von Jugendlichen aus dem Umfeld eines Jugendraumes parallel zum Dorf-Maibaum ein zweiter Baum aufgestellt worden, der mit schwarzen, roten und weißen Bändern in den „Reichsfarben“ geschmückt worden war. Zudem soll ein Hakenkreuz in den Stamm geritzt worden sein. Ähnliches hatte sich schon früher im Ortsteil Blumenthal zugetragen im Umfeld des dortigen Jugendraumes, auf dessen Tür auch einmal ein Hakenkreuz geschmiert worden sein soll [2].

In den letzten Jahren waren wiederholt Jugendliche in dem Bereich Gemünd, Hellenthal und Kall aufgefallen, die in Mischszenen verkehren, in denen es Bezüge zu rechtsextremen Ansichten bzw. Rechtsextremisten gibt. So waren etwa 2007 und 2008 unter dem Videoportal „YouTube“ von teilweise offenkundig rechtslastigen Jugendlichen aus Hellenthal und Kall selbst produzierte Videos zu finden, teilweise auch mit Neonazi-Musik von den Musikbands „Sleipnir“ und „Lunikoff Verschwörung“ unterlegt. „Lunikoff Verschwörung“ ist der Namen der neuen Band von dem ehemaligen Sänger der Musikgruppe „Landser“, die u.a. wegen ihrer volksverhetzenden sowie zu Mord und Gewalt aufrufenden Texte als kriminelle Vereinigung verboten worden war.


Standbild 2 aus einem der Videos von Jugendlichen aus Kall und Hellenthal mit offenkundig rechtslastigen Vorlieben…

Das nun zerstörte Mahnmal ging zurück auf das Engagement der Interessengemeinschaft „JudiT.H“. Diese Gruppe hat laut Lokalpresse 8.000 Euro gestiftet, um es errichten zu können. Das Grundstück gehört der Gemeinde. „JudiT.H“ soll angekündigt haben, dass Mahnmal wieder neu errichten zu wollen. [© Klarmann]

[1] Direktlink
[2] Vgl. EIFELBRÄUNE IN SCHWARZLANDHAUSEN und die ebd. unter den Fußnoten verlinkten Berichte zu weiteren Vorfällen im Kreis Euskirchen.