Rechts[?]: Mahnmal für jüdische Opfer der NS-Diktatur zertrümmert [update]

Hellenthal. Laut Lokalpresse [1] haben Unbekannte in der Nacht zu Samstag das erst im November 2008 feierlich in Hellenthal-Blumenthal eingeweihte Denkmal für die jüdischen Opfer der NS-Diktatur zertrümmert. Das Mahnmal aus Stahlstreben und Glas hat an der Stelle, an der früher die Synagoge stand, an die Opfer erinnert. Auf dem Glas war zum Gedenken ein Gedicht der Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs nachzulesen gewesen.

Zudem wurde mit dem Mahnmal an die alte Synagoge erinnert, die in der Pogromnacht 1938 von Nazis und Bürgern zerstört worden war. Die Synagoge soll eine der größten in der Region gewesen sein und Juden aus vielen Teilen der Eifel als Gebetshaus gedient haben. Neben dem nun zerstörten Mahnmal fanden sich laut Lokalpresse „zudem mit Wachs gemalte Schriftzeichen auf der Straßendecke“. Die Polizei habe Spuren gesichert und den Staatsschutz eingeschaltet. Örtlichen Beobachern zufolge sollen in der jüngeren Vergangenheit im Umfeld des Mahnmals auch Aufkleber von Neonazi-Gruppen verklebt worden sein.

In dem Hellenthaler Ortsteil Rescheid war im Jahr 2007 von Jugendlichen aus dem Umfeld eines Jugendraumes parallel zum Dorf-Maibaum ein zweiter Baum aufgestellt worden, der mit schwarzen, roten und weißen Bändern in den „Reichsfarben“ geschmückt worden war. Zudem soll ein Hakenkreuz in den Stamm geritzt worden sein. Ähnliches hatte sich schon früher im Ortsteil Blumenthal zugetragen im Umfeld des dortigen Jugendraumes, auf dessen Tür auch einmal ein Hakenkreuz geschmiert worden sein soll [2].

In den letzten Jahren waren wiederholt Jugendliche in dem Bereich Gemünd, Hellenthal und Kall aufgefallen, die in Mischszenen verkehren, in denen es Bezüge zu rechtsextremen Ansichten bzw. Rechtsextremisten gibt. So waren etwa 2007 und 2008 unter dem Videoportal „YouTube“ von teilweise offenkundig rechtslastigen Jugendlichen aus Hellenthal und Kall selbst produzierte Videos zu finden, teilweise auch mit Neonazi-Musik von den Musikbands „Sleipnir“ und „Lunikoff Verschwörung“ unterlegt. „Lunikoff Verschwörung“ ist der Namen der neuen Band von dem ehemaligen Sänger der Musikgruppe „Landser“, die u.a. wegen ihrer volksverhetzenden sowie zu Mord und Gewalt aufrufenden Texte als kriminelle Vereinigung verboten worden war.

Das nun zerstörte Mahnmal ging zurück auf das Engagement der Interessengemeinschaft „JudiT.H“. Diese Gruppe hat laut Lokalpresse 8.000 Euro gestiftet, um es errichten zu können. Das Grundstück gehört der Gemeinde. „JudiT.H“ soll angekündigt haben, dass Mahnmal wieder neu errichten zu wollen. [© Klarmann]

[1] Direktlink
[2] Vgl. EIFELBRÄUNE IN SCHWARZLANDHAUSEN und die ebd. unter den Fußnoten verlinkten Berichte zu weiteren Vorfällen im Kreis Euskirchen.


15 Antworten auf “Rechts[?]: Mahnmal für jüdische Opfer der NS-Diktatur zertrümmert [update]”


  1. 1 Demokrat 30. Mai 2009 um 21:07 Uhr

    Mit BO-T-shirt.

    Mir dreht sich der Magen um.

    Die Klischee-Leute wirds erfreuen stimmts?;-)

    Gruß

  2. 2 punkt 31. Mai 2009 um 13:22 Uhr

    Der mit Onkelz Pulli hat ein schönes Lächeln.

  3. 3 Wehrhafte Demokratie 31. Mai 2009 um 14:07 Uhr

    Ich bin dafür dass die Böhsen Onkelz mal persönlich in Hellenthal vorbeifahren und diesen Leuten gewaltsam klarmachen, dass man auf solche „Fans“ keinen Wert legt.

  4. 4 Demokrat 31. Mai 2009 um 14:48 Uhr

    Gewaltsam?

    Nanananana …

  5. 5 Peter 31. Mai 2009 um 17:35 Uhr

    Auch hier erfüllt sich bei den Standbildern das Bild eines Neonazis;
    Dumm, dreist, Billard ähnliche Struktur des Kopfes, evtl. Glatze, Baseballschläger, Zuckungen im Armbereich, Speichel triefend….

    frei nach helge schneider: ein klischee ist ein klischee ist ein klischee ist ein klischee ist ein klischee ist ein klischee ist ein klischee ist… mik

  6. 6 Klar, Mann? 31. Mai 2009 um 21:42 Uhr

    Aus Sicht des antifaschistischen Motorrad-Clubs „Kuhle Wampe“, Aachen:

    „Unbekannte (Nazis!?) haben in der Nacht zu Samstag das im November enthüllte jüdische Denkmal in Hellenthal-Blumenthal zertrümmert […]. Wir werden hinfahren und HINSEHEN am Sa, 6.6.09, 10.00 Uhr ab Monschauerstr/Siegelallee (Eismann). Seit Jahren mobilisieren Nazis rund um die „Ordensburg Vogelsang“. Gegen 11.30 Uhr werden wir in H.-Blumenthal, Alte Schulstr. darauf aufmerksam machen. […]

  7. 7 hase 01. Juni 2009 um 11:49 Uhr

    Jaja. Leider haben’s die Onkelz zwar ganz gut geschafft, sich von der Naziszene zu distanzieren, haben’s aber nie richtig geschafft, die Naziszene von sich zu distanzieren.

  8. 8 Klar, Mann? 01. Juni 2009 um 20:47 Uhr

    Direktlink zum AK „JuditH“ mit Infos zu dem Mahnmal:

    http://www.ekir.de/judith/

  9. 9 Klar, Mann? 01. Juni 2009 um 21:22 Uhr

    Ausführlicher Bericht in der Lokalpresse (KStA):

    http://www.ksta.de/html/artikel/1242833478994.shtml

    Weiterer Bericht in der Lokalpresse (KR):

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1238775230632.shtml

  10. 10 S. 02. Juni 2009 um 10:18 Uhr

    Wer nun denkt, ein neues Maß an Radikalität sei in dieser Region erreicht, der täuscht sich.

    Solche Probleme gibt es im Altkreis Schleiden schon seid einigen Jahren, wobei die im Bericht gezeigten Screenshots wohl eher die „junge Garde“ abbildet. Bisher wurde geschwiegen und das wird man wohl auch weiterhin tun.

  11. 11 Klar, Mann? 02. Juni 2009 um 20:13 Uhr

    Noch ein Bericht im KStA über die Zerstörung und den Reaktionen vor Ort:

    http://www.ksta.de/html/artikel/1242833480067.shtml

  12. 12 Klar, Mann? 03. Juni 2009 um 16:18 Uhr

    Lokalportal „input aktuell“ dazu:

    http://www.input-aktuell.de/mainframe.asp?n=2&newsid=23607

  13. 13 Klar, Mann? 03. Juni 2009 um 22:58 Uhr

    Nachschlag im KStA und die Frage, ob niemand etwas gehört/bemerkt habe…

    http://www.ksta.de/html/artikel/1242833482522.shtml

  14. 14 Klar, Mann? 05. Juni 2009 um 20:22 Uhr

    Stellungnahme von Pfarrer Oliver Joswig, Hellenthal:

    Gut ein halbes Jahr nach der Enthüllung am 9. November 2008 durch die Holocaust Überlebende Margot Heumann geschah das Unfassbare – mit dem doch leider viele Menschen früher oder später gerechnet haben. Das Mahnmahl wurde stark beschädigt. Der finanzielle Schaden wird sich wohl beheben lassen, jedoch wiegt der ideelle Schaden um so mehr.

    „Quo vadis?“ – Geschichtsverständnis?

    „Quo vadis?“ – demokratisches Hellenthal?

    Die Reaktionen in der Zeitung zeigen, dass die Hellenthaler Politik den Kopf nicht in den Sand steckt. Das ist sehr gut.
    Hoffentlich stehen solche Schlagzeilen über die Synagoge nie mehr über Hellenthal / Blumenthal in der Zeitung. Hinschauen und nicht den Kopf zur Seite drehen – das ist „Zivilcourage“. Vielleicht ist das zerstörte Mahnmal die nötige Zeichen auch die wachzurütteln, die meinen, das Mahnmal mache nur Ärger als das es dem Erinnern hilft. Das zerstörte Mahnmal ist fast noch sprechender als das vollständige.

  15. 15 Klar, Mann? 05. Juni 2009 um 20:27 Uhr

    Kommentar (Auszug) aus der Lokalpresse, KStA, von F.A. Heinen:

    „[…] Bisher fuhr die Gemeinde Hellenthal offiziell den Kurs des Bestreitens: Nein, ein Problem mit Rechtsradikalen sei nicht erkennbar. Auch gestern verwies Bürgermeister Manfred Ernst darauf, dass erst kürzlich offensichtlich politisch rechts stehende Leute „aus Euskirchen“ versucht hätten, sich an Hellenthaler Jugendliche heranzumachen. Vielleicht lohnt im Raum Hellenthal doch einmal ein Blick in die eigene Nachbarschaft, um zu sehen, wer wes Geistes ist. […]“

    Nachzulesen unter Pressespiegel mit Fotos des zerstörten Mahnmals unter:

    http://www.ekir.de/judith/mahnmahl090602/index.htm

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