Neuauflage: Anarcho-Tuppesse gründen Aachener Mitfxxxzentrale

Aachen. Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich unlängst (Mitte 2003; mik) der kaiserstädtische Ortsverband der „Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands“ (APPD) gegründet. Dem Ziel, die gesellschaftliche „Rückverdummung“ zu betreiben, hat sich die „Krebszelle Aachen“ der aus der Punk-Szene kommenden Spaßpartei dem Slogan verschrieben: „Folgt dem unbekannten Tuppes!“ Tuppes sei „ein Wort aus dem lokalen Sprachgebrauch“ und „jemand, der bereits rückverdummt wurde“. Die meist jugendlichen Anhänger und Parteimitglieder versuchen derweil auch, die parteiübliche „Mitfickzentrale“ aufzubauen. Noch ist sie indes nur ein Kandidat stark. Besser gesagt: schwach.

1998 war es, als die „Punker-Partei“ (Bild-Zeitung) sowie „Stimme des Pöbels“ (Der Spiegel) an den Bundestagswahlen teilnahm und verschwindend geringe Prozente errang. Sie selbst warb seinerzeit mit Slogans wie „Arbeit ist scheiße“ oder „Saufen, saufen, jeden Tag nur Saufen!“ Man definierte sich als „legaler Arm“ der Hannoveraner Chaos-Tage und trat ein für die „totale Rückverdummung Deutschlands“. Zuvor schon hatte die APPD sich 1997 bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg zur Wahl gestellt und wurde laut parteieigener Sekundärliteratur – Untertitel: „Die Partei der Feinde der Buchgläubigkeit“ – mit „5,3 Prozent die viertstärkste“ Kraft im Stadtteil St. Pauli. Die Wahlkampfkostenrückerstattung, so hatte man vorher beteuert, werde in Freibier angelegt. Ehrenmitglieder wie die damalige RTL-Explosiv-Verdummerin Barbara Eligmann freute das dennoch wenig: sie wollte nicht neben Berti Vogts, Ilona Christen, dem „Unbekannten Affen“ oder SS-Sigi (Borussenfront-Naziführer aus Dortmund) als Ehrenmitglied gelten und bemühte die Justiz. Die „Krebszelle Aachen“ indes hat nur „den Tuppes“ zu ihrem Idol erkoren. Klagen kann der sowieso nicht.

Was aber treibt die Aachener APPD um, außer zu ihrem eigenen Amüsement das „Hauptquartier“ (Promenadenstraße) gelegentlich zu ihrem eigenen zu machen und „Pogo-anarchistische Tanzabende“ (PAT) zu organisieren? Der „selbst ernannte Vorsitzende“, Hermann Köttes, betont, die APPD plane, sowohl an den Europa-, wie auch den Kommunalwahlen im Jahr 2004 teilzunehmen. Nach den Partei-Zielen befragt, verweist der 19-Jährige lediglich auf das regional geprägte Parteiprogramm. Und das verdeutlicht, der früheren Stadt Karls der Großen blühen gewaltige Umwälzungen, sollte die APPD von ihrem jetzigen Treffpunkt auf dem Marktplatz ins Aachener Rathaus umziehen und Köttes Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) vom Thronsitz verjagen.

Da die APPD nämlich „keine Bildungslager in ihrer Region“ dulde, müssten „im Namen der Rückverdummung alle Universitätsgebäude geschlossen und dann zu Stätten ungehemmten Geschlechtsverkehrs und Alkoholkonsums umgebaut“ werden. „Hervorragend geeignet“ als „Mitfickzentrale“ sei zudem „das Universitäts-Klinikum mit seinen ausreichend vorhandenen Betten“. Ansonsten plädiert die APPD dafür, den Elisenbrunnen umzubauen, so dass dort nur noch „hochwertige Spirituosen“ sprudeln. Dem Parteivermögen zugeschlagen würde indes die Carolus Therme, um dort ein „pogo-anarchistische Wellness-Center“ zu errichten – „Schampus-Whirlpool und Korn-Kur“ inbegriffen.

Einer der heikelsten Punkte für das Groß- und Kleinbürgertum dürfte im APPD-Parteiprogramm indes folgendes Vorhaben sein: „Abriss des Aachener Doms“, der „immer baufälliger“ werde „und somit gutes Geld verschlingt“. An seiner Stelle will die Partei später „ein Denkmal für den unbekannten Tuppes errichtet.“ [(C) Michael Klarmann; im August 2003 für die „Movie“ glossiert]

Literatur: Die Partei hat immer Recht! Die gesammelten Schriften der APPD. Berlin 1998. ISBN 3-910079-57-1 (www.jugendkulturen.de)


7 Antworten auf “Neuauflage: Anarcho-Tuppesse gründen Aachener Mitfxxxzentrale”


  1. 1 Arno Nymus 04. Juni 2009 um 14:45 Uhr

    Die APPD ist so anarchistisch wie Hitler blond war…

  2. 2 Der Psychopapst 04. Juni 2009 um 16:00 Uhr

    Darum haben sie ja auch stets beton, nicht anarchistisch, sondern Pogoanarchistisch zu sein.

    Ansonsten erinnere ich mich stets gerne an das gemeinsame Grillen von APPD, Jusos, Grüner Jugend und PDS Aachen – The next Generation. Dort habe ich -wenn mich mein schlechtes Gedächtnis nicht täuscht auch zum ersten Mal die Nummer 2 der Aachener Krebszelle kennengelernt, der bis zu seinem Wegzug ein hervorragendes Mitglied unserer Clique war.

    Danke für die Wiederveröffentlichung des schönen Artikels.

  3. 3 haltsmaulnazi 04. Juni 2009 um 16:09 Uhr

    Schade, dass die APPD die ganze linke Szene lächerlich macht…

    Viele werden denken, die APPD sei das Idealbild des Anarchismus‘…

    rischtisch… mik

  4. 4 Hempels 04. Juni 2009 um 19:15 Uhr

    Karl Nagel – Ein Mann , dem Sie vertrauen können!

    Es gab ja auch mal die köstliche Episode, wo Karl Nagel sich mit Christian Worch zum Gipfeltreffen mit Currywurst und Pommes verabredete^^

    die alten science-fiction-, comic- und con-seilschaften halt… mik

  5. 5 Wehhafte Demokratie 05. Juni 2009 um 0:43 Uhr

    Wobei es nicht gerade für die Neonaziszene spricht, dass es niemanden stört, wenn Worch mit jemandem saufen geht, der einer Partei vorsteht, die mit dem Slogans „Arbeit ist Scheiße“ und „Saufen saufen, jeden Tag nur Saufen“ wirbt. Beim historischen Vorbild wären solche Leute doch alle vergast worden, wenn mich die historischen Kenntnisse nicht täuschen. Und von besonderen Fortschritten in Sachen Menschlichkeit kann man ja auch nicht gerade sprechen.

  6. 6 hase 05. Juni 2009 um 10:58 Uhr

    Karl Nagel- Gründer der APPD- ist doch nicht mal mehr in der APPD nachdem sich in Berlin (glaube ich) eine Art Realoflügel gebildet hatte. Seine Partei heißt jetzt Pogopartei.

    Haltsmaulnazis Einwand kann ich nachvollziehen, aber ich meine dass die linke Szene sich auch ohne APPD schon lange lächerlich macht. Insbesondere die linksanarchistische die durch Uniformierung und Meinungsgleichschaltung von der Rechten oft nur in Detailfragen zu unterscheiden ist. Offenbar können wir in Deutschland entweder nur absurd einheitlich oder absurd chaotisch auftreten.
    Ich fand die APPD am Anfang frisch und nett mit ihren Dogmaübergreifenden Provokationen. Jetzt ist sie schon viel zu instutionalisiert und nimmt sich auch schon ernst, was wirklich nur noch peinlich sein kann.
    Ich glaube übrigens nicht dass die Mehrheit der Leute das mit Anarchismus gleichsetzen. Ich glaube die Mehrheit der Leute hat null Ahnung, was das überhaupt für ein komisches Wort ist, Anarchismus ;)

  7. 7 Meineid 14. September 2009 um 23:40 Uhr

    Ohne, dass ich ebenso handeln würde aber: Man muss schon die Bunkerbriefe von Nagel im Ganzen lesen. Lediglich die Information „Nagel hat sich mit Worch getroffen“ ist doch etwas dürftig, wenn nicht über den Sinn und Zweck da steht. Das ist so als würde man nach einer Nazidemo und einer Gegendemo „Neonazis und Antifaschisten sind beide unzufrieden mit den Zuständen“ :)
    Auf der anderen Seite kann ich die Irritationen, die sein Verhalten ausgelöst hat, voll und ganz nachvollziehen.

    es gibt doch immer wieder menschen, die die APPD analytisch betrachten wollen, hier wie oben wie… mik

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