Rechts: Nazischmierereien auch in Hellenthal-Reifferscheid

Hellenthal. An dem Pfingstwochenende, an dem das Mahnmal für Opfer des Holocaust in Hellenthal-Blumenthal zerstört worden ist [1], hat es auch im benachbarten Hellenthal-Reifferscheid „Schmierereien mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegeben“. Dies berichtet die Lokalausgabe des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (KStA) [2]. Neben der Tat in Blumenthal war Mitte des Monats ebenso der jüdische Friedhof in Euskirchen-Flamersheim geschändet worden [3]. Die Schmierereien am Pfingstwochenende im Blumenthaler Nachbarort hatte die Lokalpresse zuvor auch „rassistisch“ genannt.

In einem Kommentar hat der KStA-Redakteur F.A. Heinen angemerkt, dass „die Gemeinde Hellenthal [bislang] offiziell den Kurs des Bestreitens [fuhr]: Nein, ein Problem mit Rechtsradikalen sei nicht erkennbar. Auch [nach der Zerstörung des Mahnmals] verwies Bürgermeister Manfred Ernst darauf, dass erst kürzlich offensichtlich politisch rechts stehende Leute ‚aus Euskirchen’ versucht hätten, sich an Hellenthaler Jugendliche heranzumachen. Vielleicht lohnt im Raum Hellenthal doch einmal ein Blick in die eigene Nachbarschaft, um zu sehen, wer wes Geistes ist. […]“


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Nach einem Bericht in der „Kölnischen Rundschau“ [4] seien „Unweit“ des nun in Blumenthal zerstörten Denkmals mit Wachs die Namen „David“, „Nicolas“ und „Hannu“ auf den Straßenasphalt geschrieben worden. Diese Namen seien am Freitagabend vor der Tat noch nicht da gewesen. Beobachter vor Ort vermuten, dass diese Namen mit dem Wachs der zum Gedenken am ehemaligen Mahnmal aufgestellten Kerzen hinterlassen wurden. Unterdessen meldet der KStA [2], dass es offenbar keinen Zusammenhang zwischen den Wachsbeschriftungen und der Denkmalschändung gebe.

Indes wurde die „Tatwaffe“ der Zerstörung – ein Schotterstein im Format fünf mal fünf mal sechs Zentimeter – sichergestellt. Laut eines weiteren KStA-Berichtes [5] sei bereits „vor einiger Zeit ein Schüler aus dem Hellenthaler Gemeindegebiet wegen rassistischer Texte beschuldigt und auch vom Amtsgericht zu einer Arbeitsauflage verurteilt worden.“ Der Hellenthaler Pfarrer der evangelischen Trinitatis-Gemeinde im Schleidener Tal, Oliver Joswig, sagte dem KStA zudem, dass sich gerade wegen der Glasscheibe am Blumenthaler Mahnmal bereits frühzeitig viele Leute die Frage gestellt hätten, wie lange es wohl dauern würde, bis es zerstört würde.

Im nahe Ort Herhahn, der zur Gemeinde Schleiden gehört, war es erst kürzlich zu Neonazi-Sprüh- und -Aufkleberaktionen im Umfeld des Pfarrheims und der Kirche gekommen. Unter anderem wurden Aufkleber rechtsextremer Gruppen aus dem Umfeld der „Autonomen Nationalisten“ verklebt. Mittels Schablonen wurden zudem das Konterfei des NSDAP-„Märtyrers“ und ehemaligen SA-Schlägers Horst Wessel, die Losung „NS Revolution“ und das Wort „Hass!“ mit SS-Runen gesprüht. Kurz zuvor sollen Verkehrsschilder im Stadtgebiet mit rechtsextremen Aufklebern verschandelt worden sein [6]. [© Klarmann; Karte via Google-Maps eingeblendet]

[1] MAHNMAL FÜR JÜDISCHE OPFER DER NS-DIKTATUR ZERTRÜMMERT
[2] Direktlink
[3] SCHÄNDUNG EINES JÜDISCHEN FRIEDHOFES IM KREIS EUSKIRCHEN
[4] Direktlink
[5] Direktlink
[6] EIFELBRÄUNE IN SCHWARZLANDHAUSEN


4 Antworten auf “Rechts: Nazischmierereien auch in Hellenthal-Reifferscheid”


  1. 1 S. 06. Juni 2009 um 8:00 Uhr

    Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen und Interessierten in allen umliegenden Ortschaften umsehen. Da wird sich bestimmt noch einiges andere finden.

  2. 2 Klar, Mann? 09. Juni 2009 um 16:43 Uhr

    Noch einmal ein Nachklapp in der Lokalpresse:

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1238775232419.shtml

  3. 3 Klar, Mann? 19. Juni 2009 um 10:28 Uhr

    Lokalpresse zur Sondersitzung des Gemeinderates und einer Stellungnahme der evgl. Kirchen gegen rechtsextreme Umtriebe im Schleidener Tal:

    http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1245228225127.shtml

    Kommentar in der Lokalpresse dazu:

    http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1245228225131.shtml

  4. 4 Klar, Mann? 30. Juni 2009 um 10:09 Uhr

    Lokalpresse (KR) fragt nun zur Zerstörung:

    War Konstruktionsfehler die Ursache?

    http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1238775236786.shtml

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