Aachen. Mitte der Woche ist das Buch „Volksgemeinschaft statt Kapitalismus? Zur sozialen Demagogie der Neonazis“ [1] erschienen. Der Autor dieser Zeilen hat für die Textsammlung einen Beitrag über „Autonomen Nationalisten“ (AN), Tarnkappen-Neonazis, „Nationaler Sozialismus“, Antikapitalismus, Judenhass und Rassenkampf [2] geschrieben. Herausgeber des Buches sind die beiden Politikwissenschaftler Richard Gebhardt und Dominik Clemens. Das Buch will Facetten des „Antikapitalismus von rechts“ darstellen und analysieren. Angesichts dessen und einer Zunahme von „braunen Kümmerern“ im Sozial- und Arbeitswesen versteht es sich aber auch als Handreichung für Interessierte, die rechte Argumentationsmuster kennen müssen. Klappentext:
Ob „Global dient dem Kapital – Sozial geht nur national“ oder „Kapitalismus – Feind der Völker“, Neonazis gehen mit „antikapitalistischen“ Parolen auf Stimmenfang. Dabei kopieren NPD und „Freie Kameradschaften“ nicht nur in ihrer Agitation gegen die neoliberale Agenda 2010 linke Slogans, sondern ebenso bei der Kritik der Globalisierung. Erweitert wird dieses Spektrum durch die „Autonomen Nationalisten“, die sich als irritierende Imitation der rebellischen linken Jugendkultur geben. Gerade bei ihnen spielen „antikapitalistische“ Parolen eine wichtige Rolle. Unterwürfige Mitläufer, die nach einem Führer schreien und gezielt gegen demokratische Kräfte vorgehen, inszenieren sich als Avantgarde einer völkischen Revolte gegen den „vaterlandlosen“ High-Tech-Kapitalismus und recyceln die Propaganda des historischen Faschismus. Das Buch fragt nach Herkunft und Wirkung des völkischen „Antikapitalismus“, untersucht dessen soziale Demagogie und fragt nach Erfolg versprechenden Gegenstrategien.
Das Vorwort zum Buch hat Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes, geschrieben. Kurt Heiler (VVN-BdA Aachen) untersucht historische Vorbilder des politischen Kampfbegriffes „Linke Leute von Rechts“. Dominik Clemens (u.a. Antifa Düren und Autor) widmet sich der NPD und deren Versuch, sich heuer als eine „neue“ Arbeiterpartei von Rechts zu gerieren. Regina Wamper (DISS) hat sich diskurstheoretisch dem gefühlten Antikapitalismus der NPD, beziehungsweise dem in der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ dargestellten, angenommen. Sabine Hüther (IG Metall) skizziert die gewerkschaftliche Gegenwehr gegen die soziale Demagogie der extremen Rechten – und weist auch selbstkritisch, aber nur kurz auf vorhandene Missstände in der Gewerkschaften hin (s.u.). Die meisten Beiträge sind eher analytisch verfasst. Eine Ausnahme bildet der Beitrag des Autors dieser Zeilen, der sich in einer Mischung aus journalistischer Reportage und Analyse dem Auftreten und der Strategiedebatten der AN annimmt – dem Vernehmen nach soll dieser Beitrag die erste längere Arbeit bisher über die AN sein.
Interessantester Beitrag für „Klarmanns Welt“ stellt der Text „Wie die Heuschrecken kommen sie über unser Land. Über die Fallstricke einer verkürzten Kapitalismuskritik“ von Marcus Meier, Politikwissenschaftler und IG Mertall-Bildungsreferent, dar. Beziehen sich etwa die anderen Beiträge konkret auf den „Antikapitalismus von rechts“, hat Meier Aussagen von SPD-Politikern und Gewerkschaftspublikationen im Zuge der Weltwirtschaftskrise analysiert. Dass hier unterschwellig im antisemitischen Duktus oder mit ebensolcher Bildsprache „argumentiert“ wird, stellt er anschaulich dar. Er weist zudem darauf hin, dass das bei Arbeitern und Bürgern ähnlich verstanden wird – und selbst antifaschistisch arbeitende Gewerkschaften so Vorfeldarbeit leisten, was NPD und Neonazis in den Bereichen Soziales und Arbeit Türen öffnen kann.
Das Buch ist ab sofort im gut sortierten Buchhandel oder direkt beim Verlag [1] zum Preis von 12,90 Euro erhältlich (187 Seiten, ISBN 978-3-89438-408-1). Als musikalische Begleitung bei der Lektüre empfiehlt „Klarmanns Welt“ den jüngeren oder jung gebliebenen Leserinnen und Lesern das Album „rage against the machine“ (1992) der Band „Rage Against The Machine“… – „Freeeeeedoooooommmmm!“ [© Klarmann]
[1] Direktlink
[1] NEONATIONALSOZIALISMUS EXTREM MODERN
Deutschlandfunk über das Buch:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1005918/
Etwas Klarmann-Lob dabei:
„[…] So sind zwar die Beiträge über das Sozialprogramm der NPD und über die Autonomen Nationalisten als rechte Klone der Linksautonomen gute faktische Einführungen ins Thema, eine tief greifende Analyse des zentralen Begriffs der ‚Volksgemeinschaft‘ findet sich aber weder hier noch in den anderen Beiträgen. […]“
jW-Besprechung des Titels:
http://www.jungewelt.de/2009/09-21/007.php
taz dazu:
„[…] Welche Formen diese „antikapitalistische“ Tendenz angenommen hat, lässt Michael Klarmanns Essay über die „Autonomen Nationalisten“ entnehmen. […]
http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=pb&dig=2010%2F04%2F10%2Fa0052&cHash=ab748f1ea1