Archiv für Juni 2009

Rechts: NPD bringt Verdächtigen nach Angriff auf Rollstuhlfahrer zur Polizei [update]

Krefeld. Am 24. Juni haben – laut Polizei [1] – in Krefeld zwei Männer einen 70-jährigen Rollstuhlfahrer angepöbelt, ihm die Brille vom Kopf geschlagen und ihn mit Pfefferspray besprüht. Anschließend klebten sie noch einen NPD-Aufkleber auf seinen Rollstuhl. In einer ersten Stellungnahme am späten Abend desselben Tages hatte die NPD mitgeteilt [2]: „Der NPD Kreisverband Krefeld verurteilt diese Tat auf das Schärfste. Wir sind uns sicher, dass diese widerliche Tat nicht von Mitgliedern oder Freunden unserer Partei begangen wurde.“ Unterdessen scheint jedoch klar, dass der Hauptverdächtige aus Duisburg seit mindestens September 2007 an zahlreichen rechtsextremen Aktivitäten teilgenommen hat.

Vermutet hatte der Kreisvorsitzende Lars Spönlein in der ersten Pressemitteilung noch einen „hinterhältige[n] Versuch[,…] unsere im Wahlkampf stehende Partei im Vorfeld der Kommunalwahl zu diskreditieren. Solche Versuche sind schon des Öfteren begangen worden, um die Nationale Opposition in ein schlechtes Licht zu rücken. Einen NPD-Aufkleber kann sich schließlich jeder besorgen.“ Auch der Kommentar-Schreiber des NPD-Kreisverbandes Unna/Hamm äußerte die Vermutung [3], dass die Geschichte erfunden sein könnte, um die Partei zu schädigen.

Doch schon einen Tag später konnte die Lokalpresse verkünden [4]: „Nach dem brutalen Übergriff auf einen Rollstuhlfahrer (70) am Mittwochabend […] hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt.“ Die NPD hatte sich zuvor schon in einem zum Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ passenden Akt inklusive neuer Verschwörungstheorien damit gebrüstet, einen der Tatverdächtigen „ermittelt“ zu haben [5]:

„Es handelt sich dabei um einen etwa 23 Jährigen, welcher vor einiger Zeit Kontakt zur NPD aufnehmen wollte von uns aber abgewiesen wurde. Besagter Person ist Mehrfach bei Veranstaltung als Provokateur aufgefallen , auch die gestrige Aktion lässt darauf schließen das es sich um eine gezielte und gesteuerte Provokation zu Ungunsten der NPD handelt. Kontakt zur Polizei wurde bereits aufgenommen.“ (Rechtsschreibung wir Original).

„Klarmanns Welt“ erfuhr am Montag aus Ermittlerkreisen, dass ein NPD-Vertreter am Morgen nach der Tat mit einem Verdächtigen bei der Polizei vorstellig wurde. Allerdings habe es da schon Hinweise auf den Haupttatverdächtigen gegeben, so dass man diesem wohl auch selbst hätte habhaft werden können, hieß es weiter. Der von der NPD benannte „mutmaßliche Hauptverdächtige“ steht und stand nach derzeitigem Stand der Ermittlungen der rechtsextremen Szene nahe.

Dies deckt sich auch mit Recherchen von „Klarmanns Welt“ aufgrund von Hinweisen der NPD-Krefeld zu dem mutmaßlichen Täter. So will Kreischef Spönlein mit einer „lediglich bei der Tat anwesend[en]“ Person gemeinsam zur Polizei gegangen sein. Dort dürften beide den Ermittlern dann Hinweise auf den mutmaßlichen Haupttäter mitgeteilt haben. Spönlein schreibt [6]: „Der Haupt- bzw[.] der Alleintäter ist in meinen Augen tatsächlich ein Spitzel.“ Laut NPD sei die Person mehrfach aufgefallen durch provokative Aktionen. (mehr…)