Mitte: Christlich-Jüdische Gesellschaft Aachen zerlegt sich

Aachen. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Aachen steht derzeit ohne Vorstand da. Dies geht aus Berichten in der Lokalpresse hervor. Demnach traten nun auch die Vertreter eines restlich verbliebenen Vorstandes zurück [1]. Der achtköpfige Vorstand setzt sich traditionell unter anderem aus je zwei jüdischen Vertretern sowie zwei Repräsentanten der beiden großen christlichen Konfessionen zusammen. Schon Ende letzten Jahres waren der katholische Vertreter sowie die jüdische Vorsitzende zurück getreten. In einem ersten Bericht hatte die jüdische Vorsitzende dafür in der AZ [2] „Mobbing“ genannt:

„Kurz darauf erklärte auch Riwkah Or ihren Rücktritt. Begründung: Durch ‚fortgesetztes Mobbing’ sei jegliche Vertrauensbasis zerstört. ‚Es gab keinen Weg, weiter zu agieren’, erklärte sie auf Anfrage, ‚nicht nur persönlich, sondern auch als jüdische Vertreterin wurde ich in einer Weise behandelt, die ich als demütigend bezeichnen muss. Und ich habe wirklich keine Ahnung, warum.“ Schwang hier schon unterschwellig mit, dass möglicherweise antisemitische Anspielungen Teil des Mobbings waren, konkretisiert die AN in einem neuen Bericht [3] zu dem Fall:

„Untermauert wurde Frau Ors Sichtweise durch die Aussagen einer Frau, die kurze Zeit Mitarbeiterin der GCJZ war, ihren Job aber wegen nicht tragbarer Äußerungen gegenüber der jüdischen Vorsitzenden kündigte. Diese ehemalige Honorarkraft hat nun ihre Vorwürfe konkretisiert. ‚Im Umfeld der turbulenten Versammlung zitierte ich aus einer schriftlichen Erklärung der Dame: ‚Einziger Wermutstropfen war, dass ich schon bei meinem ersten Tag im Büro unangenehm berührt war, als ein Mitglied des Vorstandes äußerte, dass sie nicht verstehe, warum Frau Or ihre Telefonnummer so privat halten würde, da brauchen sie, die Juden, sich über ihre ständige Sonderstellung nicht zu wundern’.’

[Rechtsanwalt] Hofmann merkte an, dass man eine solche Äußerung nicht als persönliche Differenz abtun könne. ‚Wenn ablehnende Worte mit einem solchen, möglicherweise antisemitischen Unterton verbunden werden, dann ist diese Person, für eine Gesellschaft, die sich dem christlich-jüdischen Dialog verpflichtet fühlt, nicht mehr tragbar.’ Auch wenn diese Äußerung lediglich einem Vorstandsmitglied zugeschrieben werde, hat sich seiner Ansicht nach der Rest des Vorstands durch den nicht transparenten Umgang selbst disqualifiziert.“ [© Klarmann]

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[2] Direktlink
[3] Direktlink


1 Antwort auf “Mitte: Christlich-Jüdische Gesellschaft Aachen zerlegt sich”


  1. 1 Klar, Mann? 02. November 2009 um 22:00 Uhr

    Zerlegung dauert laut Lokalpresse an:

    http://www.az-web.de/lokales/aachen-detail-az/1103007

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