Rechts: Hauen und Sticheln in der Braunszene im Rhein-Erft-Kreis

Bergheim/Pulheim/Brühl. Wegen des Antritts der NPD bei den Kommunalwahlen im Rhein-Erft-Kreis ist es innerhalb der Neonazi- und NPD-Szene zu Streitereien und Anfeindungen gekommen. Wie berichtet [1], war es der NPD nur gelungen, ausreichende oder als gültig anerkannte Unterstützungsunterschriften für 15 von 33 Kreiswahlbezirken vorzulegen. Zudem wird der Pulheimer Neonazi Axel Reitz [2] nicht als NPD-Kandidat für das Amt des Landrates antreten können. Die Kandidaten der NPD setzen sich aus NPD-Kadern, offen neonazistisch auftretenden „Freien Kräften“ und eher bürgerlichen Personen zusammen.

Szenekreisen zufolge soll Reitz über 350 Unterstützungsunterschriften für seinen Antritt als Landrats-Kandidat vorgelegt haben, anerkannt wurden demnach jedoch nur 282. In einer Stellungnahme hat die Ortsgruppe Rhein-Erft der NPD nun sowohl die Behörden, indes ebenso „Kameraden“ kritisiert, die sich nicht ausreichend engagiert hätten. Drei Kreiswahlbezirke „gekostet“ habe etwa, heißt es in der Stellungnahme, „die alles andere als gute Kooperation mit den einzelnen Wahlämter[n]“. Angeblich sollen die Behörden in Hürth, Frechen und Bergheim gültige Unterschriften nicht anerkannt beziehungsweise bei deren Annahme und Überprüfung Verzögerungen herbeigeführt haben. Das habe dazu geführt, dass Unterschriften nicht anerkannt wurden. Kritik wird aber auch an den eigenen „Kameraden“ geübt:

„Ein weiterer Grund für das enttäuschende Abschneiden war, dass Teile der eigenen Kräfte in den zugesagten Wahlkreisen nicht gesammelt hatten. Teilweise lag es an den ungünstigen Arbeitszeiten, teilweise am Unverständnis für die Wichtigkeit der formalen Arbeit für den Wahlantritt, teilweise aber auch am Unwillen und/oder Unvermögen Leute anzusprechen […]. Viel zu spät erst wurde von uns erkannt, daß viele der eingeplanten Unterstützer und Wahlhelfer klammheimlich die Hände in den Schoß gelegt hatten […]. So war es uns unmöglich noch rechtzeitig […] in sämtlichen Wahlbezirken des Rhein-Erft-Kreises die benötigen Unterschriften fertig zu sammeln. […]


Teilabbildung eines NPD-Motivs für den Kommunalwahlkampf 2009 im Rhein-Erft-Kreis.

Unter anderem wurde der bisherige Spitzenkandidat auf der Reserveliste, Tim von Piechowski [NPD], wegen totaler Untätigkeit und erheblicher Verzögerung bei der Übergabe der von ihn in völliger Unordnung hinterlassenen Unterlagen […] durch Konrad Geiger ersetzt […]. [… A]uch Teile der freien Aktivisten aus dem Großraum Köln/Erft haben sich unrühmlich verhalten. Jedoch muß festgehalten werden, dass die NPD-Erftkreis zur Wahl antreten wollte und nicht die freien Kameraden. […] Reitz und einige Angehörige der Freien Kräfte Köln waren ebenso stark im Einsatz, Aktivisten der Freien Nationalisten Siegen halfen an 4 Tagen mit sammeln und einmalig unterstütz[t]en uns Kameraden der neugegründeten Kameradschaft in Velbert sowie Angehörige des NPD Kreisverbandes Aachen und der K.A.L. [Kameradschaft Aachener Land].“

Dass sich auch die „Freien Kräfte“ besonders engagierten, dürfte daran gelegen haben, dass Reitz seit Jahren schon eng mit diesen, aber weniger eng mit großen Teilen der NPD kooperiert hat. Reitz sollte nun indes als Landrats-Kandidat für die NPD sowie – als Nachrücker von Platz 3 – auf Platz 2 der Reserveliste antreten. Der vor Reitz platzierte Reservelisten-Anführer Konrad Geiger ist einer älteren NPD-Veröffentlichung zufolge stellvertretender Chef der NPD-Ortsgruppe Rhein-Erft. Auch Tim von Piechowski (Platz 3) wurde zuvor als NPD-Mitglied bezeichnet. Der Senior Herbert Schirmer (Platz 4) trat schon bei der Bundestagswahl 2005 als Direktkandidat für die NPD im Wahlkreis Erftkreis I an. Eisenbahnfreund Dieter Glasmacher (Platz 5) aus Kerpen (Jahrgang 1956) dürfte auch alles andere als eine „Freie Kraft“ sein.

„Freien Kräfte“ – also Neonazis, die mehr oder minder offen zum Nationalsozialismus und Adolf Hitler standen oder stehen – befinden sich indes auf der Liste der Direktkandidaten. Reitz wird auch im Kreiswahlbezirk Pulheim als Direktkandidat für die NPD antreten. In mindestens zwei weiteren Fällen treten zudem alt gediente Neonazis als NPD-Direktkandidaten an, die laut örtlicher Antifaschisten auf einer Silvesterfeier zwischen Hakenkreuzfahne und Hitler-Porträt feierten. Beide Personen sollen der „Kameradschaft Köln / Gruppe Erft“ angehören und sind auf Fotos zu sehen, die örtlichen Antifaschisten und „Klarmanns Welt“ vorliegen. Zwischen von der Decke herabbaumelnden bunten Luftschlangen hängen an den Wänden ein gerahmtes Porträtbild von Adolf Hitler und eine Hakenkreuz-Flagge. Einer der NPD-Direktkandidaten im Rhein-Erft-Kreis wohnte laut den Aufnahmen sogar in einem T-Shirt mit dem Aufdruck des Totenkopf-Symbols der Waffen-SS, großen Doppel-Sigrunen und einer SS-Losung als Brustaufdruck der Party bei.

Ob es jene Nähe war, vor der die DVU zurückschreckte? Ursprünglich sollte sich Reitz auf der Reserveliste erst an dritter Stelle zur Wahl stellen können. Offenbar hatte jedoch der für den zweiten Listenplatz vorgesehene stellvertretende NRW-Landesvorsitzende der DVU, Andreas Höveler (Brühl), schon im Frühjahr seine Kandidatur zurück gezogen und so den zweiten Listenplatz für Reitz frei gemacht. Die NPD Ortsgruppe Rhein-Erft, die bislang meist die gute Kooperation mit der örtlichen DVU gelobt hatte, wirft in ihrer Stellungnahme nun der DVU vor, den NPD-Wahlantritt torpediert zu haben:

„Die DVU trug dann noch ihren Teil für das schlechte Ergebnis der Wahlantrittsvorbereitung bei. Nicht nur, dass der stellv. Landesvorsitzende und Kreisvorsitzende der DVU, seine Kandidatur zurückzog, weil es in Dortmund zu keiner Einigung den Kommunalwahlantritt betreffend zwischen der dortigen NPD und [der DVU] gekommen war, nein, er verbot auch noch laut Aussage einiger DVU-Anhänger den Mitgliedern seines Verbandes, Unterschriften für unsere Wahlantritte zu leisten. Dabei hatte dieser ‚ehrwürdige’ Patriot im Vorfeld wiederholt zugesagt, dass er mit seinen Anhängern ganze 10 Wahlbezirke fertig sammeln würde. Letztlich wurde nicht eine einzelne Unterschrift von ihm oder seiner Partei beigebracht… Soviel zur ‚Bündnistreue’ und ‚Glaubwürdigkeit’ der DVU…“

Doch ganz ohne bürgerlich-„patriotische“ Kräfte ging es wohl doch nicht. So finden sich – möglicherweise als „Füllkandidaten“, um alle Wahlbezirke mit Direktkandidaten besetzen zu können – ein selbstständiger Heizungsbauer, ein Verwaltungsangestellter und ein Verwaltungsfachangestellter unter den NPD-Direktkandidaten, die wohl eher dem Klischee des bürgerlichen Lagers entsprechen dürften. In einem Kreiswahlbezirk wird zudem eine Hausfrau (Jahrgang 1982) für die NPD kandidieren, die ebenso als Schriftführerin und Webmasterin eines Bergheimer Dartvereins fungiert und sich auch schon im Umfeld der Freiwilligen Feuerwehr im örtlichen Vereinsleben bewegte. Ist die NPD nun also in der Mitte der Gesellschaft angekommen – oder hat die Mitte der Gesellschaft nichts mehr dagegen, gemeinsam mit NS-Fans, die den Jahreswechsel neben Hakenkreuz und Hitler feiern, bei Wahlen anzutreten…? [© Klarmann]

[1] REITZ KANN NICHT LANDRAT IM RHEIN-ERFT-KREIS WERDEN
[2] Auf Reitz und dessen Agitations-/Politikverständnis muss hier nicht mehr eingegangen werden, siehe die Reihe von Beiträgen/Analysen dazu im Blog: DEMOKRATIE-TÜV FÜR DEN GOEBBELS AUS PULHEIM; VOLKSVERHETZER REITZ FÜR DEMOKRATIE SCHLICHT UNGEEIGNET?; REITZ RÜCKT AUF NPD-LISTE IM RHEIN-ERFT-KREIS EINEN PLATZ VOR; AUCH HITLER TRUG MAL SCHLIPS UND ANZUG…; DER HERRGOTT SANDTE DER NPD IM RHEIN-ERFT-KREIS EINEN NATIONALSOZIALISTEN; REITZ WILL WOLTER SCHLAGEN…


2 Antworten auf “Rechts: Hauen und Sticheln in der Braunszene im Rhein-Erft-Kreis”


  1. 1 Rente 24. Juli 2009 um 22:38 Uhr

    Schluß mit dem NPD Volksbetrug…

    Fällt mir spontan ein, mal schauen was Herr (K) A.Reitz dazu schreibt, immerhin scheint er ja des öfteren eher der „Feindpresse“ zu glauben, als den eigenen Weltnetzseiten.

  2. 2 Klar, Mann? 02. August 2009 um 0:13 Uhr
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