Rechts: Ohne Nazis hat NPD keine Chance – auch in Mönchengladbach

Mönchengladbach. Der Neonazi lobte vergangenes Jahr in einem Szeneforum die Zusammenarbeit mit der NPD. Er könne nur „von uns [meint Mönchengladbach; mik] sprechen, und wir haben mit unserem Kreisverband keinerlei probleme, und die zusammenarbeit [zwischen uns radikalen, militanten Neonazis und der NPD; mik] klappt auch wunderbar…“ Die Kicker der türkischen Nationalelf nannte er „eselficker“ und neuen Forumsmitgliedern wünschte er „einen verbotenen gruss“. Die Lebensgefährtin des Neonazis grüßte derweil neue „Kameraden […] mit einem donnernden heil“. Bei der Kommunalwahl treten beide Personen für die NPD als Direkt-, Reservelisten- und Bezirksvertretungskandidaten an.

Ähnlich wie in Düren [1], Stolberg [2], im Rhein-Erft-Kreis [3] und zum Teil auch in Heinsberg [4] kann die NPD auch in Mönchengladbach zur Kommunalwahl im August nicht kandidieren, ohne Neonazis einzubinden. Oben zitiertes Paar gilt als Führungsriege der Neonazi-Gruppe „Volkssturm Rheinland“ (VSR), neben den beiden soll mindestens ein weiteres VSR-Mitglied für die NPD kandidieren. Nach dem Hack des VSR-Internetforums wurde Ende 2008 klar, dass deren Mitglieder nicht nur drastische Symboliken wie dreiarmige Hakenkreuze mochten, sondern ebenso Antifaschisten auf eine Stufe mit hungernden und sterbenden Juden in den KZs stellten [5] sowie sich positiv auf den Nationalsozialismus bezogen [6]. Überdies bekannte der VSR sich zu „Combat 18“ („Kampfgruppe Adolf Hitler“), dem bewaffneten Arm des Neonazi-Netzwerkes „Blood & Honour“ [7] – dessen deutsche „Sektion“ ist verboten.

Freilich kann – oder will – die NPD in der Vitusstadt auch bürgerlicher in Erscheinung treten. Mit Manfred Frentzen (Jahrgang 1948, Pflasterer) schickt die NPD einen zumindest in der Öffentlichkeit eher gemäßigt und bisweilen höflich auftretenden NPD-Kader ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters. Frentzen ist laut NPD stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Heinsberg/Mönchengladbach und fungiert überdies als Beisitzer im NRW-Landesvorstand seiner Partei. In den Jahren 2007 und 2009 war der passionierte Aufmarsch-Gänger zweimal bei Neonazi-Aufmärschen im Umfeld von Verstößen gegen das Versammlungsgesetz aufgefallen [8].

Frentzen wird zudem als Spitzenkandidat auf der NPD-Reserveliste zur Wahl antreten und dürfte somit einen Sitz im künftigen Stadtrat sicher haben – bei den Kommunalwahlen 2004 errang die NPD in Mönchengladbach 2,52 Prozent der Wählerstimmen und zwei Sitze im Stadtrat. Überdies fungiert Frentzen als Direktkandidat eines Wahlbezirkes und an erster Stelle der NPD-Kandidaten für die Bezirksvertretung West. Nachdem die Gebiete für die Bezirksvertretungen neu strukturiert wurden, könnte er auch hier einen Sitz erringen – bei den Kommunalwahlen 2004 hatte die NPD sich dank ihrer Wähler einen Sitz in der Bezirksvertretung Holt/Rheindahlen sichern können; beide Bezirke gehören nun dem Bezirk West an.

Neben jungen Neonazis respektive „Nationalisten“ setzt die NPD unter den Direktkandidaten auch auf alt gediente Kader, etwa den Schatzmeister des NPD-Kreisverbandes Mönchengladbach/Heinsberg, Frank Pfennings, und Marko Gerdes. Während der Aufmarsch-Gänger und gelegentlich als Ordner fungierende Gerdes (Jahrgang 1970, Kaufmann) auch auf dem aussichtslosen Reservelistenplatz 10 zur Wahl antritt, könnte Pfennings (Jahrgang 1962, kaufmännischer Angestellter) einen Sitz im Stadtrat erringen. Er wird auf Listenplatz 2 kandidieren und tritt ebenso an erster NPD-Stelle für die Bezirksvertretung Nord an.

Gerdes wird hier erst an dritter Stelle kandidieren, neben einen Neonazi auf Listenplatz 2 zur Bezirksvertretung Nord. Mutmaßlich letztgenannte Person gab noch im Jahre 2004 in dem Internet-Gästebuch einer Rechtsrock-Kultband an, in „goebbelsstedt“ [sic!] zu leben. Mönchengladbach war die Stadt, aus der NS-Propagandaminister Goebbels stammte und wird daher in einschlägigen Kreisen auch als „Goebbelsstadt“ bezeichnet. Jener Neonazi, der in diesem Jahr für die NPD wohl auch zur Kommunalwahl antreten wird, nutze eine E-Mail-Adresse mit der Ziffer „88“ als Code für HH alias „Heil Hitler“, grüßte mit „heilsa“ und glaubte, „der sieg“ sei „unser“…

Neben NPD-Kandidaten, Neonazis und einschlägig aufgefallener Verwandtschaft finden sich ebenso „Füllkandidaten“ unter den Direktkandidaten der NPD in Mönchengladbach. Diese ermöglichen es der NPD erst, flächendeckend antreten zu können [9]. In der Vitusstadt sind das etwa junge Leute, die sich in der Techno- oder Fußballfanszene bewegen und rechtslastige Ansichten vertreten dürften. Dessen ungeachtet wird das Bild der NPD-Kandidaten von zahlreichen bekennenden Rechtsextremisten und Neonazis wie den Mitgliedern des VSR geprägt.

Die Adresse der damals noch in Düren lebenden VSR-Mitanführerin, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für die NPD zur Wahl antritt (s.o.), fand sich schon 2004 unter den Kunden eines führenden Neonazi-Versandhandels – neben Adressen von Mitgliedern der Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL). Eine Hackattacke der „Datenantifa“ auf besagten Händler hatte derlei offen gelegt. Zudem dürften dann 2008 zwei weitere NPD-Kandidaten im Internet-Forum des VSR angemeldet gewesen sein, einer davon unter dem Nickname „thorsenkel“ (der Enkel von Thor). Alleine vier Personen aus jenem Umfeld werden auch auf der Reserveliste für die NPD kandidieren, allerdings auf unsicheren Plätzen. Jedoch könnte eine Person aus jenem Umfeld Aussicht auf den Sitz in einer Bezirksvertretung haben.

Was fehlt? Bis zur Kommunalwahl im August sitzen offiziell noch zwei Vertreter der NPD im Stadtrat von Mönchengladbach, denn die Partei hatte 2004 immerhin 2,52 Prozent (2.315 Stimmen) auf sich vereinen können. Nachdem der frühere Neonazi-Skinhead Pascal Geyer wegen eines Umzugs seinen Sitz aufgeben musste, gehörten dessen „Kamerad“ Wolfgang Geilenkirchen und der Nachrücker Dennis Wüllenweber dem Rat an [10]. Geilenkirchen war 2004 auch als Oberbürgermeister-Kandidat für die NPD angetreten und hatte 2,36 Prozent (2.171 Stimmen) geholt. Wüllenweber hatte sich später mit einer leicht antisemitischen Anfrage hervor getan [11]. Doch weder Wüllenweber, noch Geilenkirchen werden im August 2009 für die NPD kandidieren.

Bei einem der beiden könnte der Grund eine eher zwangsweise Verlegung des Wohnsitzes sein: örtlichen Beobachtern zufolge verbüßte besagter Ratsmann Mitte diesen Jahres eine Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung, weil er einen Punk attackiert haben soll. Und schon 2004 hatte die NPD wegen einiger Probleme mit ihren Kommunalpolitikern in Mönchengladbach negativpunkten können. Um an der konstituierenden Ratssitzung teilnehmen zu können, hatte einer der beiden Ratsmänner laut Antifaschisten und Lokalpolitiker Hafturlaub beantragen müssen – Frentzen und Pfennings werden ihrer Heimatstadt eine Neuauflage eines solchen Schauspiels mit Sicherheit ersparen. [© Klarmann]

[1] NPD PENDELT IN DÜREN ZWISCHEN FREMDENFEINDLICHKEIT, ANTIKOMMUNISMUS, ANTISEMITISMUS UND FAUSTRECHT
[2] NPD-KANDIDATEN ZWISCHEN HERR BÜRGERLICH UND BUB HAKENKREUZ
[3] HAUEN UND STICHELN IN DER BRAUNSZENE IM RHEIN-ERFT-KREIS
[4] NPD KANN AUCH IM KREIS HEINSBERG, IN HÜCKELHOVEN UND ERKELENZ ANTRETEN
[5] VOLKSSTÜRMCHEN RHEINLAND PACKT AUS…
[6] VOLKSSTURM RHEINLAND UND SEINE SICHT DER WELT
[7] HOMEPAGE DES VOLKSSTURMS GESTÜRMT…
[8] NPD-KADER FRENTZEN WILL MÖNCHENGLADBACH REGIEREN
[9] Zu der Problematik der „Füllkandidaten“ siehe NPD KANN AUCH IM KREIS HEINSBERG, IN HÜCKELHOVEN UND ERKELENZ ANTRETEN; HAUEN UND STICHELN IN DER BRAUNSZENE IM RHEIN-ERFT-KREIS; NPD-KANDIDATEN IN STOLBERG ZWISCHEN HERR BÜRGERLICH UND BUB HAKENKREUZ
[10] GEYERS STURZFLUG – NPD-MANN VERLIERT RATSMANDAT WEGEN UMZUG
[11] ANTISEMITISMUS LIGHT BEI DER NPD-MG


3 Antworten auf “Rechts: Ohne Nazis hat NPD keine Chance – auch in Mönchengladbach”


  1. 1 gladbacher 01. August 2009 um 16:25 Uhr

    Familie W[…] bedrohte zur letzten Kommunalwahl einen damals 78jährigen Antifaschisten, der auf dem Stapper Weg vor seiner Haustür ein NPD-Plakat entfernte.

    vor der gepflegten brustkorbpflege fällt mir da nur ungepflegt „hatebreed“ zu ein:


    mik

  2. 2 Klar, Mann? 01. August 2009 um 17:07 Uhr
  3. 3 rheydter 05. August 2009 um 11:48 Uhr

    seit wann ist marko g. kaufmann? oder heisst call-center agent mittlerweile kaufmann?

    http://www.cho-time.de/2008/index.php

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>