Rechts: Nönazis schmieren gegen Bürgermeister und Stolberg stellt sich gegen Nönazis

Stolberg. Unbekannte haben das Haus des Stolberger Bürgermeisters Ferdi Gatzweiler (SPD) beschmiert. Offenbar in der Nacht auf Montag hinterließen sie auf dem Gebäude die Parole „Stolberg gegen das FETTE Grauen!“ Damit spielten sie auf die Statur des Sozialdemokraten an. Auch wenn es keine Hinweise auf die Täter gibt, hatten insbesondere Neonazis der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) sich wiederholt lustig über Gatzweilers Statur gemacht. Gegen einen NPD-Aufmarsch am „8.8.“ will sich die Kupferstadt wehren – die Neonazis werden jedoch durch Teile der Innenstadt ziehen können.

Erst kürzlich bezeichneten die KAL Gatzweiler als „dickes Baby“. Zuvor hatten NPD und Neonazis eine Informationsveranstaltung gestört [1], bei der über Proteste gegen einen NPD-Aufmarsch am 8. August gesprochen werden sollte. Beobachter vermuten, dass die Farbattacke mit der am Montagabend abgehaltenen Neuauflage besagten Treffens zu tun haben könnte. Offenbar ebenso in der Nacht haben KAL-Mitglieder auch Wahlplakate und ein Trafohäuschen in Stolberg mit Gatzweiler-feindlichen Parolen beschmiert. Man möge die „Fette Sau notschlachten!“ fordert die KAL dabei im gewohnt proletenhaft-antisozialen Jargon.

Das Informationstreffen fand in Stolberg am Montagabend aus Angst vor Neonazi-Störaktionen unter Polizeischutz statt. Rund 130 Menschen trafen sich im Saal des Industriemuseums „Zinkhütter Hof“. Zwei Personen schlossen die Veranstalter aus, eine, weil sie offenkundig die Versammlung stören wollte und in Neonazi-Kreisen verkehrt. Der als extrem jähzornig bekannte Senior musste letztlich sogar von der Polizei des Platzes verwiesen werden. Die zweite Person hatte den Mann offenbar begleitet und verließ ebenso die Örtlichkeiten.

Der seit längerem als aufbrausend und unberechenbar geltende Störer – dem Vernehmen nach soll er 65 Jahre alt sein – soll angeblich ein CDU-Mitglied sein, dem ein Parteiausschlussverfahren droht, hieß es. Der pensionierte Lehrer nahm nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ in der Vergangenheit des öfteren an NPD- bzw. Neonazi-Aufmärschen in Stolberg teil. Am 3. April 2009 etwa peitschte er rund 80 Neonazis auf, gemeinsam mit ihm zu skandieren: „Gatzweiler muss weg!“

Auf dem Informationstreffen wurde bekannt gegeben, dass es in Stolberg am 8. August wegen des NPD-Aufmarsches [2] insgesamt sieben Gegenveranstaltungen geben wird. „Nach Informationen unserer Zeitung […] wird sich der Protest gegen den Aufmarsch der rechten Szene lediglich [ab 12 Uhr] vom Willy-Brandt-Platz bis zur Steinfeldstraße formieren dürfen. Auf den rund 50 Metern zwischen der Einmündung zum Krankenhaus und dem Schellerweg wird eine so genannte Pufferzone eingerichtet.“

Auf der Rathausstraße werde „es dann eine Kundgebung mit Reden und Rahmenprogramm geben, die erst dann endet, wenn die Rechtsextremisten die Innenstadt verlassen haben. Parallel dazu wird die Stadt gemeinsam mit dem Bündnis gegen Radikalismus Rechtsmittel einlegen, sobald die Polizei ihre Auflagen für den Protest offiziell zugestellt hat,“ schreibt die Lokalpresse [3]. Gegenveranstaltungen wurden laut Polizei bislang angemeldet unter anderem durch die Stadt Stolberg, die CDU, die SPD, die Jungsozialisten sowie durch die Junge Union.

Der NPD-Aufmarsch, angemeldet von dem Aachener NPD-Kreischef und Stolberger Ratsmann Willibert Kunkel, soll um 13 Uhr mit einer Auftaktkundgebung im Umfeld des Mühlener Bahnhof beginnen. Das Motto lautet, wie berichtet: „Wir wollen Arbeit und Lehrstellen!“ Es soll laut Lokalpresse ein Aufmarsch über die Rathausstraße bis zum Schellerweg und anschließend in entgegen gesetzter Richtung bis zur Schneidmühle folgen. An der Haltestelle „Schneidmühle“ der Euregiobahn neben den Glaswerken hatte am 4. April ein Neonazi-Aufmarsch sowohl begonnen als auch geendet.


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Übersichtskarte, keine Route…

Laut Polizei werden die bevorstehenden Demonstrationen für die Bürgerinnen und Bürger zu Beeinträchtigungen führen. Im Mittelpunkt aller polizeilichen Maßnahmen stehe der Schutz der Versammlungen, solange die vom Grundgesetz geforderte Friedlichkeit gewahrt bleibe, heißt es im Polizeibericht [4]. Da die Gespräche der Polizei mit allen Anmeldern noch nicht abgeschlossen seien, stehe der von diesen Beeinträchtigungen betroffene Bereich noch nicht endgültig fest. Da es sich bei dem NPD-Aufmarsch jedoch um eine Wahlkampfveranstaltung handele, sei „eine vollständige Verbannung aus dem Stolberger Stadtkern rechtlich nicht haltbar.“ [© Klarmann]

[1] NEONAZIS STÖREN INFORMATIONSVERANSTALTUNG GEGEN BRAUNEN AUFMARSCH
[2] NEONAZIS STÖREN INFORMATIONSVERANSTALTUNG GEGEN BRAUNEN AUFMARSCH; NPD WILL AM 8.8. DURCH STOLBERG MARSCHIEREN; NWH ADE, AGR OHWEH, NPD HINTERFRAGEN, STOLBERG 8.8.
[3] Direktlink
[4] Direktlink


5 Antworten auf “Rechts: Nönazis schmieren gegen Bürgermeister und Stolberg stellt sich gegen Nönazis”


  1. 1 Klar, Mann? 04. August 2009 um 11:19 Uhr

    Ich glaube ja nicht, dass es am Samstag in Stolberg bei NPD oder den Gegendemos tanzbar wird. Also, zum warmup:

  2. 2 Klar, Mann? 04. August 2009 um 11:23 Uhr

    Jetzt ermittelt auch die Polizei wegen dem Geschmiere:

    http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/11559/1451379/polizei_aachen/

  3. 3 blub 05. August 2009 um 17:23 Uhr

    Wo muss man den auf dem Zettel sein Kreuz machen um wirklich die KAL wählen zu können? Manchmal denke ich bei „normalen“ Schmierereien ja schon: „Dümmer gehts nimmer“ aber bei rechtem Gekrakkel schlägts dem Fass den Boden aus…

    SO….ich geniesse jetzt weiter den Sommertag

  4. 4 Isabelle 05. August 2009 um 19:18 Uhr

    Gibt es Bilder oder Videos von diesen Pöbler? Würde mich interessieren ob ich Ihn oder diese kenne.

    den kennt doch jeder… mik

  5. 5 Klar, Mann? 10. August 2009 um 9:59 Uhr

    Nachtrag:

    Auch die zweite, von den Veranstaltern und der Polizei des Hauses/Platzes verwiesene Person bewegt sich in der rechtsextremen bzw. neonazistischen Szene.

    Die Person betrieb eine Internetseite, in der teilweise fremdenfeindliche bzw. rechte Inhalte verbreitet wurden. Überdies hat die Person offenbar im Jahre 2008 unter dem Nickname „Der Stolberger“ und/oder „Stolberger“ in verschiedenen Neonazi-Webforen gepostet, inkl. Link-Angaben auf seine eigene Webpage (der seinerzeit noch ein Forum angehören sollte, dass heute wohl nicht mehr genutzt wird).

    Die Person betrieb seinerzeit auch ein Geschäft/Kleinstunternehmen in Stolberg und gab an, über gute Kontakte in das Vereinsleben zu verfügen und Nachwuchsförderung zu betreiben. Der offenbar gebürtige Aachener/Stolberger lebte zuvor lange Jahre (beruflich) in Süddeutschland und der Schweiz.

    Er war während jener Jahre auch bei den REP aktiv, etwa als Direktkandidat bei der Landtagswahl in Baden-Würtemberg 2006. Im März 2006 war er in Parteimedien als Beisitzer des REP-Landesvorstands BW geführt.

    Erstaunlicherweise taucht der Name besagter Person auch später auf einer Online-Unterzeichner-Liste gegen rassistische Rufe auf dem Tivoli von Alemannia Aachen auf.

    An dem Aufmarsch am 8.8.2009 in Stolberg nahm er später teil und machte Filmaufnahmen von dem Aufmarsch, den Rednern sowie Antifaschisten und Journalisten.

    Mik

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