Rechts: Weiße T-Shirts in Bad Nenndorf sind der gelbe Stern für die KAL

Bad Nenndorf. Rund 1.000 Menschen haben am Samstag (1.8.) Medienberichten zufolge in Bad Nenndorf gegen einen Aufmarsch von Neonazis in der niedersächsischen Kleinstadt demonstriert. Zu der Aktion hatte das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ aufgerufen. Damit sollte ein Zeichen gegen einen „Trauermarsch“ von Neonazis zum Wincklerbad, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Verhörzentrum britischer Behörden diente, gesetzt werden. An besagtem Aufmarsch nahmen unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 600 und 800 Neonazis teil, darunter auch aus der Region Aachen.

Szeneveröffentlichungen zufolge war einer der Redner der Neonazi Sven Skoda aus Düsseldorf. Skoda hat seit April 2008 zudem auf zahlreichen Aufmärschen in Stolberg, Aachen und Heinsberg als Redner fungierte. Das Fachportal „redok“ berichtet zudem [1], dass stellvertretend für den Chef der Niederländischen Volksunion (NVU), Constant Kusters, der NVU-Parteisekretär Christian Malcoci aus Grevenbroich/Neuss Grußworte aus Holland verlas. Kusters selbst war im vergangenen Jahr nach seiner antisemitischen Hetzrede vor dem Wincklerbad unter anderem wegen Volksverhetzung angezeigt worden. Malcoci gehörte zu den Mitinitiatoren bzw. Gesprächspartnern für die Polizei bei Aufmärschen in Heinsberg, Aachen und Stolberg [2].

Medienberichten zufolge hatten sich am Bad Nenndorfer Bahnhof gegen Mittag etwa 600 Angehörige der Neonazi-Szene versammelt. Da rund 130 Teilnehmer eine polizeiliche Überprüfung verweigert hätten, sei ihnen die Teilnahme an dem „Trauermarsch“ verwehrt worden. Die Polizei unterband zudem in zahlreichen Fällen das tragen schwarzer Hemden, Pullover oder T-Shirts. Aus diesem Grund wurden von der Polizei weiße T-Shirts an die Neonazis zum überziehen verteilt. Ein Mitglied der Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) kommentiert dies in einem Szene-Forum mit den sarkastischen Worten, man dürfe demnächst vielleicht „nur noch im rosa Tütü und mit gelbem Stern marschieren.“ Zur öffentlichen Brandmarkung von Juden mussten diese in Nazideutschland gut sichtbar einen gelben Stern tragen [3].

Am Wincklerbad hatte das britische Militär von 1945 bis 1947 ein Verhörzentrum für gefangene Nationalsozialisten und mutmaßliche deutsche Kriegsverbrecher eingerichtet. Mehrere Häftlinge wurden damals misshandelt. Vor Jahren hatte eine britische Zeitung die Misshandlungen, die 1947 zur Schließung des Gefängnisses geführt hatten, neu aufgerollt. Dies griffen örtliche Neonazis auf und veranstalten seitdem „Trauermärsche“. Dabei handele es sich um den Versuch der Neonazis, „die Verbrechen des Dritten Reiches zu relativieren und SS-Verbrecher von Schuld reinzuwaschen,“ sagte Sebastian Wertmüller vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) am Sonnabend.

2008 hatten sich etwa 400 Neonazis an einem „Trauermarsch“ in Bad Nenndorf beteiligt. Neonazis aus der Region Aachen sollen in diesem Jahr unter anderem per Zug angereist sein, hieß es aus Szenekreisen. Ein Neonazi, der in einem Szeneforum angibt, aus dem Rheinland zu stammen, umschrieb die An- und Abreise der Neonazis mit dem Zug so: „Die Anreise verlief soweit ohne Probleme, auch wenn es nicht angebracht war, verfassungswidrige Zeichen aus Aufklebern an die Fenster zu kleben, sodass alle anderen Fahrgäste in den Bahnhöfen von draussen schon sehen konnten, mit wem sie es hier zu tun haben. Das ist natürlich alles andere als ein gutes, vorbildliches Verhalten. […] Die restliche Heimreise der Kameraden […] jedoch, war alles andere als vorbildlich. Es wurde ‚Frei, sozial und national’ gerufen […].

In den mehr als vollen Bahnen, in denen auch andere Fahrgäste saßen, mit Kindern und Babys, wurde schön laut mit dem Handy Musik gehört, gesungen, gegröhlt etc. Dieses Verhalten ist nach so einem Trauermarsch alles andere als angebracht und viel mehr als asozial. Die meisten konnten an nichts anderes Denken, als wie sie am schnellsten zu ihrem Bier kommen könnten. […] In den Zügen wurde geraucht, sich daneben benommen, gepöbel und anderes unangebrachtes… […] Alles positive, was wir an diesem Tag erschaffen haben, wurde wenige Minuten später durch alkoholsüchtige Vollasis wieder nieder gemacht.“ [© Klarmann]

[1] Direktlink
[2] ZWISCHEN DEMOKRATISCHER MASKERADE UND NS-GLORIFIZIERUNG – DER HALLER-MALCOCI-PAKT
[3] Die Punkband „Oberste Herresleitung“ (OHL) brachte den „Sinn“ des „Judensterns“ wohl vor vielen Jahren besonders griffig auf dem Punkt: „Ein gelber Stern auf meiner Jacke, angebracht von Nazi-Ratte. Ein rotes J in meinem Pass, morgen sterb ich durch das Gas.“


1 Antwort auf “Rechts: Weiße T-Shirts in Bad Nenndorf sind der gelbe Stern für die KAL”


  1. 1 Klar, Mann? 04. August 2009 um 13:28 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.