Rechts: NPD-Wanderzirkus anlässlich der Kommunalwahlen [update5]

Region. Die NPD wird am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag offenbar „Mahnwachen“ und Kundgebungen in Neuss, Grevenbroich, Mönchengladbach, Erkelenz und Heinsberg-Randerath abhalten. Die Veranstaltungen finden im Rahmen des Kommunalwahlkampfes statt, Gerüchten zufolge soll auch Parteichef Udo Voigt teilnehmen. Voigt wird auch am 8. August als Hauptredner einer Demonstration in Stolberg [1] und unbestätigten Hinweisen zufolge auch in Düren erwartet.

Der Startschuss für den NPD-Wanderzirkus fiel offenbar heute (6.8.) in Mönchengladbach. Beantwortete die Polizei Presseanfragen dazu bis Ende vergangener Woche noch dergestalt, dass keinerlei Hinweise auf oder Anmeldungen für NPD-Aktionen vorlägen, hieß es am Mittwoch nur noch, zu versammlungsrechtlichen Anmeldungen jedweder Couleur äußere man sich generell nicht. Unterdessen teilt NPD-Chef Voigt via Twitter mit, dass eine „Mahnwachen“ vor dem „Arbeitsamt in Mönchengladbach“ am Donnerstag stattfindet; dort sei er höchstselbst gegen 10.45 Uhr „eingetroffen“.

Antifaschisten berichten aktuell zudem auf verschiedenen Homepages davon, dass die NPD am Donnerstag (6.8.) in Neuss und Grevenbroich zwei Mahnwachen abhalten will. „Die Veranstaltung in Neuss soll von 12.30 bis 14.00 Uhr im Innenstadtbereich vor dem Freithof stattfinden, die Grevenbroicher Kundgebung an noch unbekanntem Ort um 14.30 Uhr beginnen. Angemeldet wurde jeweils für 25 Personen,“ berichten sie weiter. Man rufe daher dazu auf, den NPD-Aktionen „entschlossenen Widerstand entgegenzusetzen“ [a].

Am Freitag (7.8.) sollen nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ ebenso zwei „Mahnwachen“ in Erkelenz und Heinsberg-Randerath stattfinden. Die Veranstaltung in Erkelenz soll unter dem Motto „Arbeitsplätze zuerst für Deutsche“ stehen und zwischen 12 und 13.30 Uhr stattfinden. In Heinsberg-Randerath soll die NPD-Aktion unter dem Motto „Todesstrafe für Kinderschänder“ [2] zwischen 14 und 15 Uhr stattfinden. Ähnlich wie bei den anderen „Mahnwachen“ werden jeweils 25 Teilnehmer erwartet. Anmelder der beiden Kundgebungen ist Polizeikreisen zufolge der NPD-Kreistagsmann Helmut Gudat.

Unterdessen ruft das „Bündnis gegen Rechts im Kreis Heinsberg“ (BgR) aus Anlass der NPD-Demonstration in Erkelenz am Freitag (7.8.) zu einer Gegendemonstration auf. Sie findet von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr auf dem Erkelenzer Johannismarkt statt. Im BgR haben sich Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände, demokratische Parteien sowie Vertreter von Schulen, Kirchen und öffentlichen Einrichtungen zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Laut Lokalpresse sehe die SPD die Lage am Nachmittag in Heinsberg-Randerath anders. Norbert Spinrath, SPD-Kreisvorsitzender:„Gegenaktionen halten wir in dieser Situation und an diesem Ort nicht für angezeigt. Wir bitten aber die Randerather, den Rechtsextremen die kalte Schulter zu zeigen. Indem sie zum Zeitpunkt des Aufmarsches ein menschenleeres Randerath präsentieren, die Rolläden herunterlassen und auf diese Art und Weise den aus der Ferne anreisenden Neonazis zeigen, dass man sie weder braucht, noch gerufen hat und dass man sie in Randerath nicht sehen will.“

Voigt wird überdies am Samstag (8.8.) als Redner bei dem Aufmarsch in Stolberg erwartet [1]. In der Dürener Innenstadt hat die NPD am Samstagvormittag zudem einen Infostand angemeldet. Laut Polizei liegt für den Infostand „keine weitergehende Anmeldung vor“. Gerüchten zufolge könnte jedoch im Verlauf der morgendlichen Aktion auch Voigt vor Ort sein und eine kurze Rede halten.

Die NPD hat bislang mehrere Infoständen in Stadt und Kreis Düren abgehalten, zuletzt gestern in der Innenstadt von Düren. [© Klarmann]

[a] Siehe zu den stattgefunden habenden Gegenprotesten Kommentar-Posting 1.
[1] Vgl. dazu (inkl. Linkliste/Fußnoten) NÖNAZIS SCHMIEREN GEGEN BÜRGERMEISTER UND STOLBERG STELLT SICH GEGEN NÖNAZIS
[2] KOCHSTRAFE FÜR 60 NEONAZIS UND DREI NPD-LANDESVORSTÄNDLER IM POLIZEIKESSEL


6 Antworten auf “Rechts: NPD-Wanderzirkus anlässlich der Kommunalwahlen [update5]”


  1. 1 Klar, Mann? 06. August 2009 um 16:22 Uhr
  2. 2 Klar, Mann? 06. August 2009 um 16:39 Uhr

    Pressemitteilung der Antifa Neuss:

    Kundgebung der NPD in Neuss gestört!

    Eine Kundgebung der neofaschistischen NPD auf dem Neusser Freithof verhallte aufgrund des engagierten Protests von über 60 Antifaschistinnen und Antifaschisten heute ungehört. Trotz der Unterstützung des Parteivorsitzenden Udo Voigt gelang es den Neonazis nicht, mehr als 15 Teilnehmer für ihre Veranstaltung zu gewinnen, die auch noch mit über einer halben Stunde Verspätung begann.

    Spontan versammelten sich über 60 Nazigegner aus allen politischen Spektren, um ihrem Unmut über diese Provokation lautstark und kreativ Ausdruck zu verleihen und sorgten so dafür, dass der NPD eine öffentliche Wirkung versagt blieb. Ein Redebeitrag wurde von Sprechchören übertönt und Versuche, Propagandamaterial zu verteilen scheiterten kläglich. Sichtlich frustriert beendeten die Neonazis nach nur einer Stunde ihre Kundgebung.

    Marc Wolters, Sprecher der Antifa Neuss: „Wir werden nicht zulassen, dass die NPD in Neuss oder irgendwo anders unter dem Deckmantel des Kommunalwahlkampfes, in dem sie bislang nur durch das Anbringen von Flyern mit pseudosozialen Forderungen auffiel, ungestört menschenverachtende und geschichtsverfälschende Propaganda betreibt. Der heutige Tag hat gezeigt, wie wichtig es ist Protest gegen Neonazis vor Ort zu etablieren und wie wirkungsvoll dieser Protest sein kann. Ich freue mich dass trotz des nur kurzfristigen Bekanntwerdens der Pläne der NPD so viele Menschen aus verschiedensten Spektren vor Ort waren. Wenn die NPD und andere Neonazis und Rassisten in die Öffentlichkeit treten, sind wir da und werden diese Versuche verhindern.“

  3. 3 Klar, Mann? 06. August 2009 um 18:26 Uhr

    Aus (Ge)Sicht der NPD Neuss:

    „NPD zeigt Gesicht in Neuß

    Heute – Donnerstag, den 6. August – fand in Neuß am Marktplatz eine Kundgebung unter dem Motto „Arbeit – Familie – Heimat“ statt. Von 12.30 Uhr bis 14.00 Uhr waren knapp 20 Aktivisten mit Fahnen und Transparenten präsent und verteilten fleißig unsere regionalen Flugblätter. Besonderer Höhepunkt dieser Kundgebung war der Spezialgast Udo Voigt, seines Zeichens Parteivorsitzender der NPD. Udo Voigt legte in seiner halbstündigen Rede unsere Forderungen für die Kommunalwahl dar. […]“

    Aus Sicht der NPD Mönchengladbach:

    „NPD Vorsitzender in Möchnengladbach [sic!]

    Der Bundesvorsitzende der NPD Udo Voigt ist heute am 6. August zu Gast in Mönchengladbach. Er hielt an mehreren Stellen in der Stadt eine öffentliche Rede ab, die viele Bürger angesprochen hat. Parteifreunde nutzten die Gelegenheit, um Informationsmaterial unter Mitbürgern zu verteilen.
    Leider wurde bei dieser Veranstaltung ein Auto eines NPD Aktivisten von vermutlich Linken Gegendemonstranten zerstört. […]“

    mal eben paar screenshots vom dollen rüchtschraibfühler gemacht, man weiß ja nie, wozu es mal nützlich sein kann… mik

  4. 4 Flake 06. August 2009 um 18:54 Uhr

    Ich dachte, das Bündnis gegen Rechts existiert noch gar nicht?!

  5. 5 Klar, Mann? 07. August 2009 um 18:42 Uhr

    Man kann wohl nur spekulieren, ob doch letztlich das Gesichtzeigen für Rechts ein Problem war…? Mik

    „[…] Binnen 24 Stunden schaffte das Bündnis [gegen Rechtsextremismus – für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg] die Mobilisierung von rund 100 Personen, die sich am Freitagmittag auf dem Johannismarkt einfanden. Im Gegensatz zur NPD: Von ihr fehlte (anders als am Nachmittag in Heinsberg-Randerath) zumindest in Erkelenz jede Spur… […]

    So freute sich Ehlers am Ende der rund zweistündigen Aktion über einen doppelten Erfolg: Einerseits freute er sich, weil die NPD nicht gekommen sei, wobei er einräumte, dass nur spekuliert werden könne, ob dies an der angekündigten Gegendemonstration gelegen habe. Andererseits freute er sich über die Resonanz auf den Aufruf des Bündnisses. […]

    Die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte NPD war in Erkelenz nach Erkenntnissen der Polizei gar nicht aufgetaucht. Auf dem Marktplatz in Heinsberg-Randerath versammelten sich nach Angaben des Polizeisprechers – wie angemeldet – rund 25 Personen an einem Infostand der NPD, die dort eine Mahnwache unter dem Titel «Todesstrafe für Kinderschänder» angekündigt hatte.“

    http://www.an-online.de/lokales/heinsberg-detail-an/1003620?_link=&skip=&_g=Buendnis-gegen-Rechtsextremismus-Erster-Erfolg-schon-vor-Gruendung.html

  6. 6 Klar, Mann? 08. August 2009 um 8:36 Uhr

    „[…] Dass dort rund 80 Menschen gegen eine Veranstaltung der rechtsextremen NPD demonstrierten, fand der junge Mann gut – und ging weiter. Manch anderer schloss sich der Veranstaltung an, zu der das „Bündnis gegen Rechts“ keine 24 Stunden vorher aufgerufen hatte. […]

    Die angekündigten rund 25 NPD-Wahlkämpfer blieben gestern auf dem Erkelenzer Johannismarkt übrigens aus. Sie schlugen stattdessen am frühen Nachmittag im Heinsberger Ortsteil auf, wo der Sexualstraftäter Karl D. lebt. Dort allerdings habe ihnen die Bevölkerung die kalte Schulter gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher.“

    http://www.rp-online.de/public/article/erkelenz/742216/Friedliche-Demonstration-fuer-die-Demokratie.html

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