Gallespucken: NPD-Plakate in Jülich, Noooo-Moooore-Hääääß-Mooobb, NPD-Dancefloor und die A.C.A.B.-Beilung

Region. Ja, was muss klar, mann? denn als Leser-Kommentar im Onlineangebot des „Zeitungsverlages Aachen“ (ZVA) erblicken? „Die NPD hat in Jülich jetzt auch Wahlplakate geklebt, allerdings nicht auf den dafür vorgesehenen Plakatwänden. Nein, diese Herren kleben ihre Schmierblätter lieber auf Stromkästen am Parkdeck am Schloßplatz, und an der angrenzenden Schloßstraße. […]“ „Klarmanns Welt“ konnte nicht prüfen, ob jener Vorwurf stimmt – aber im Rahmen der üblicherweise launigen Textpassagen hier will der Autor dieser Zeilen als Serviceleistungen für einen Teil der Leser an die NPD-eigene Aussage erinnern: „Der Kreisverband möchte daher nochmals auf das Verbot über wildes Plakatieren bis hin zur Anbringung von Aufklebern hinweisen.“ Genutzt hat es zumindest in Düren nichts. Die Innenstadt ist voll gepappt mit eben jenen Aufklebern, die die NPD eigens für die Kommunalwahl hat drucken lassen.

Das leidige Thema „Heßmob“ in Aachen am 17. August [1]: Nachdem „Klarmanns Welt“ schon darauf hinwies, dass der Aufruf szeneintern umstritten ist, zickt nun auch die Colabier-Bande called „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) herum – und das unabhängig davon, dass die KAL natürlich weiter ein Herz für Heß hat und sich allerlei Verfahren wegen Aktivitäten in den vergangenen Jahren angesammelt hatten [2]. Texte aus der Nönazi-Szenerie, die den Aufruf kritisieren, hat die KAL anlässlich des „Heßmobs“ nun auf ihrer „Weltnetzseite“ nachpubliziert. KAL-Kernlosung dabei: „Wir möchten an dieser Stelle deshalb alle Aktivisten dringend davor warnen, [dem Aufruf] Vertauen [sic!] zu schenken und den dort vorgeschlagenen Praktiken nachzufolgen!“ Ob es nun eine Absage in echt sein soll oder nur vorauseilende Distanz, falls man doch noch etwas zu Ehren von Hitler-Stellvertreter Heß anstellen wird – wer weiß? Zum „Rudi“ steht die KAL jedoch fest wie eine SS-Batterie und glorifiziert ihn mit roter Armbinde und retuschiertem Hakenkreuz derzeit so (Ausschnitt):

Gestern war wieder einmal NPD-Infostand in Düren. DJ Ingo „Panzerfisting“ Haller höchstselbst bediente dort auch die PA-Anlage, während „Mitstreiter der Kameradschaft Aachener Land […] in der Zwischenzeit großflächig knapp 2000 regionalbezogene Flugblätter in den Briefkästen [und] NPD Aktivisten im Osten der Stadt dieselbe Menge an Zeitungen zur Bundestagswahl verteilten.“ Obschon die NPD den Autor dieser Zeilen wiederholt als Vertreter der Antifa und der Bündnisses gegen Rechtsextremismus disste, und er gestern mal eben auf einen Song von „Sleipnir“ vorbeischaute, stellt die NPD in ihrem Schulaufsatz fest, „die stadtbekannten Störenfriede oder Angehörige des Bündnisses gegen Rechts [waren] nicht anwesend“. Indessen beklagt die NPD ein Beleidigungsdelikt: „Lediglich ein Radfahrer, der unserem Spitzenkandidat versprach ‚wir sehen uns einmal privat, dann mach ich dich fertig, du Nazischwein’, veranlasste die anwesende Polizei dazu, ihr Fahrzeug zu verlassen. Nach dem der Radfahrer dieses bemerkte, stieg er ebenso schnell auf seinen Drahtesel wieder auf, den er kurz zuvor in die Ecke schmiss.“ Wohl eher geschmissen hatte…

Ein böser Mensch meinte zudem, „Klarmanns Welt“ möge diesen Polizeibericht aus Düren einmal an prominenter Stelle und leicht redigiert dokumentieren: „Ein Strafverfahren leitete die Polizei am Sonntag gegen einen 41-jährigen Dürener und drei seiner Begleiter ein. Sie hatten die Beamten bedroht und sich deren Anordnungen widersetzt. Gegen 1.40 Uhr […] war die Polizei zu Streitigkeiten auf die Tivolistraße gerufen worden. Die entsandten Beamten trafen nur wenig später an der Ecke Tivolistraße/Mariaweilerstraße auf eine Frau und mehrere Männer, die sich sofort aggressiv gegenüber den Ordnungshütern verhielten und deutlich machten, dass sie die Sache selbst regeln wollten. Da die Beamten aber davon ausgehen mussten, dass es bereits zu Körperverletzungsdelikten und einer Sachbeschädigung gekommen war, sollten die Personalien der Beteiligten festgestellt werden.

Dies gelang erst, als weitere Streifenwagen zur Unterstützung am Einsatzort angekommen waren. Zwischenzeitlich hatte sich das Geschehen zu einer Hauszufahrt in der Mariaweilerstraße verlagert. Dort ergriff der 41-Jährige ein Beil von einem anderen Beteiligten und bedrohte damit einen der eingesetzten Polizisten. Diesem gelang es gemeinsam mit weiteren Kollegen, den Angreifer zu überwältigen und vorläufig festzunehmen. Dem unter Alkoholeinwirkung stehenden Mann wurde eine Blutprobe entnommen. Da ein weiterer Tatverdächtiger, ein 27-Jähriger aus dem Stadtgebiet, die Polizeibeamten bei der Klärung des Sachverhalts störte und sie verbal in aggressiver Form anging, wurde er ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen.“ Leider wollte uns ein lieber Mensch nicht sagen, warum der böse Mensch glaubt, dass das hier hin gehört… [© Klarmann; ein Teil der Überschrift ist frei nach „Pantera“ und „This Love“ vorzutragen, nämlich nach der Zeile „no more headtrips“…]

[1] DER HESSMOB, NPD-PLAKAT IN EUSKIRCHEN, DIE NPD-SCHULHOF-CD UND DAS WAHLBEOBACHTERSYNDROM
[2] Vgl. AMTSGERICHT VERURTEILT NPD-KANDIDAT; siehe auch Linkliste zu weiteren Artikeln unter DER HESSMOB, NPD-PLAKAT IN EUSKIRCHEN, DIE NPD-SCHULHOF-CD UND DAS WAHLBEOBACHTERSYNDROM


3 Antworten auf “Gallespucken: NPD-Plakate in Jülich, Noooo-Moooore-Hääääß-Mooobb, NPD-Dancefloor und die A.C.A.B.-Beilung”


  1. 1 Peter 13. August 2009 um 22:55 Uhr

    Aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten Neufassung des § 130 StGB, dessen Absatz 4 zufolge die Billigung, Verherrlichung oder Rechtfertigung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft unter Strafe stellt, könnte man hier eine Glorifizierung des Stellvertreters von Hitler durchaus sehen!

  2. 2 Jülicher 14. August 2009 um 14:19 Uhr

    Was die Plakate als auch den Kommentar in der AZ-Online angeht, kann ich beides bestätigen: Die Plakate sind ebenda (die dort wohnenden Herren und Damen Dumpfnationalisten werden wissen, warum sie vor ihrem Wohnhaus plakatieren), und der Artikel/Kommentar ist/war … von mir. Schade finde ich nur, dass Kommentare in der AZ-Online, die gegen Rechts und definitiv nicht beleidigend sind, sehr schnell wieder von den Seiten verschwinden, während rechte Kommentare einfach bleiben. Obs Absicht ist, weiß ich indes nicht…

    …vielleicht auch nur unvermögen…? mik

  3. 3 Peter 15. August 2009 um 0:15 Uhr

    @ Jülicher;
    Die Blauen waren früher mal nicht so dem Druck von Lobbyisten unterworfen….

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