Gallespucken: Emmerich wieder Contra Köln, Mönchengladbachs Beitrag zum NPD-Schulunwesen, Karlspreis sucks, Haller im Medienrausch

Region. Ende Mai warf er hin: René Emmerich, seinen Angaben zufolge zuvor „Jugendbeauftragter Rheinland“ der rechtsradikalen „Bürgerbewegung Pro NRW“, verließ seine Partei und schloss sich der Neonazi-Szene an [1]. Nun berichtet [2] der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (KStA), dass Emmerich weiterhin als Direktkandidat für Contra Köln bei den Kommunalwahlen im August fungiert. Offenbar wurde Emmerich vor seinem Austritt als Kandidat nominiert und abgesegnet, doch später nicht zurückgezogen. Da es für kleine Parteien und Wählerinitiativen, wie berichtet, problematisch ist, alle Wahlbezirke zu besetzen, könnte man sich deswegen seinen Teil denken…was indes auch „Pro Köln“-Mastermind Markus Beisicht kann.

Beisicht kann sich nämlich an Emmerich so gut wie gar nicht erinnern; laut seiner Stellungnahme – einsehbar auf der Homepage der Contras – will ihm Emmerich auch nur „außerordentlich rudimentär bekannt“ sein. Allenfalls, so der ideologische Vortänzer gegenüber dem KStA, sei der wohlmögliche Ex-Mitstreiter ein unwichtiger Mitläufer gewesen und habe keinerlei Funktion ausgeübt. Beisicht glaubt gar, der Neonazi sei – möglicherweise von den Fischen! – in die Partei eingeschleust worden um „Pro Köln“ kurz vor der Wahl zu diskreditieren:

„Es findet derzeit eine regelrechte Zersetzungskampagne gegen die unbequeme rechtsdemokratische Konkurrenz […] statt. Man hat offensichtlich versucht, einen getarnten Agent Provokateur […] einzuschleusen, um ihn dann kurz vor den Kommunalwahlen zu enttarnen, mit dem Ziel, die rechtsdemokratische Bürgerbewegung pro Köln maximal zu schädigen,“ stellt Beisicht in der Erklärung fest. Unklar ist jedoch noch, ob Beisicht in den letzten zwölf Monaten ernsthaft die Lachnümmerkens von Contra Köln und Contra NRW, einen Teil der daran teilnehmenden Menschen oder gar sein eigenes Tun und Handeln reflektiert hat. Denn niemand müsste „einen getarnten Agent Provokateur“ einschleusen, und schon gar nicht „mit dem Ziel, die rechtsdemokratische Bürgerbewegung pro Köln maximal zu schädigen“. Das kann die „Bewegung“ nämlich ganz alleine noch am allerallerallerbesten…

Eine neue Schulhof-CD ist wie ein neues Leben, denkt sich die schwer von internen Machtkämpfen und Schuldenbergen gebeutelte V-Mann-Division mit den drei markanten Buchstaben called NPD. Mit dem Kleinod voller in Musik gegossenem nationalem Schwermut wollen die Nönazis sich wieder ans Hirn der „deutschen Jugend“ anpirschen. Allerlei Liedchen finden sich auf der CD, die unter dem programmatischen Titel „BRD vs. Deutschland“ steht. Auf der CD ist auch ein Song des Musikprojektes aus Mönchengladbach called „Division Germania“. Das Lied hört auf den Rufnamen „Der Weg zur Revolution“ und bezieht Stellung zu Migranten, die das Deutsche Volk unterwandern und zersetzen oder gar ermorden wollen. Kernzeile: „Als freier Sklave wurdest du bereits geboren, nun spürst du selber, dass du krepierst.“

Der Song selbst ist eine Nachveröffentlichung und stammt Szenekreisen zufolge von der Split-CD des Mönchengladbacher Musikprojektes mit der Berliner Band „Macht & Ehre“. Die auch M&E abgekürzte Band hatte schon, ähnlich wie „Division Germania“, des öfteren Probleme mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien oder gar dem Rechtsstaat an sich. Das Gros der Aufnahmen von „Macht & Ehre“, offenbar mit Ausnahme der Songs von der Split-CD mit „Division Germania“ called „Hass schürender Lärm“ (2004), ist verboten. Auch wegen solcher Textzeilen: „Macht und Ehre / arische Musik / gegen Juden / wir führen Krieg“. Es dürfte sicher noch einige Jahre dauern, bevor auf Schulhof-CDs derlei Klartext aufmarschieren könnte…

Außerordentlich rudimentäre Erinnerungen hat „Klarmanns Welt“ an den UWG-Ratsherren Horst Schnitzler, der zwischenzeitlich mal auf allen ideologischen Hochzeiten tanzte und innerhalb der Linkspartei für behutsam viel Wirbel sorgte. Als Einzelkämpfer, vermeintlich mit einer „UWG [Unabhängigen Wählergemeinschaft] Bürgerwille“ im Hinterkopf, will der ehemalige Fraktionsgeschäftsführer der Linken, deren Sektiererfraktion ihn zeitweise sogar als stolzen OB-Kandidaten aufs Schild hievte – bevor dann alles in Trümmern lag –, wieder in den Stadtrat gewählt werden. Und im Kommunalwahlkampf muss man sich ins Gespräch bringen, zumal einen wegen der veranstalteten Wirren kaum einer mehr für glaubhaft hält – was ja immerhin mal Schnitzlers Stärke gewesen sein soll, die Glaubhaftigkeit.

Laut Lokalpresse [3] hat Schnitzler nun gefordert, Kurt Pfeiffer, Albert Servais und Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerschaft der Stadt Aachen abzuerkennen. Als Begründung wird demnach angeführt, es handele sich um „Honoratioren mit NS-Vergangenheit“. Zumindest zu Kurt Pfeiffer bleibt anzumerken, dass dessen NS-Vergangenheit und ein „postfaschistische[r] Antinationalismus“ schon vor Jahren Inhalt eines Vortrages des Aachener RWTH-Politikwissenschaftlers und Mitarbeiters des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS), Thomas Müller, war. Schon 2000 hatten linke Gruppen derlei kritisiert und Mitte 2002, im Vorfeld der Verleihung des Karlspreises – dessen Gründervater Pfeiffer war –, berichtete auch der Autor dieser Zeilen in der „jungen Welt“ über jenen Vortrag zur ominösen Vergangenheit Pfeiffers und des Karlspreis-Kultes. In „Klarmanns Welt“ wurde das Thema danach mehrfach aufgegriffen, etwa gewohnt bösartig [4] oder neuauflegend in einem Manuskript für die „konkret“ [5], das leider qua Terminkalender nicht erscheinen konnte…

Im Umfeld des NPD-Infostandes in Düren und bei dem NPD-Aufmarsch in Stolberg – Starring Udo Voigt [6] – war am 8. August ein WDR-Team im Einsatz, das für „Hier und Heute“ eine Reportage vorbereitet. Dass so etwas Dürens NPD-Kopf Ingo Haller zu Kopfe steigen musste, war absehbar [7]. In einem NPD-Bericht heißt es nun: „[…] ungewöhlich […] war der Umstand, daß ein Kamerateam des WDR die gesamte Versammlung begleitete und mit unserem Kreisvorsitzenden Ingo Haller sowie dem parteifreien Kandidaten der NPD im Rhein-Erft-Kreis, Axel Reitz, fortwährend Interviews führte. [… Wir ließen uns auf den Medien-Kontakt ein,] weil wir der Ansicht sind, daß es der Presse nicht gelingen wird, unser aufrichtiges Wollen und unseren selbstlosen Einsatz so sehr zu verfälschen, daß es für die nach einer nationalen Alternative dürstenden Menschen unkenntlich wird, wer wir sind und was wir wollen. Mit einem Bericht […] werden wir ein Millionenpublikum erreichen und mit unserer Arbeit sowie unserem Wollen in Berührung bringen.“

Ach, Haller…uns kleinen Menschen, die wir uns aus dem kaum als Mittelmaß zu bezeichnenden Loch der Gesellschaft mühselig empor geschuftet und derer wir es zu gelegentlicher Medienpräsenz gebracht haben, steht die Gehirnerektion und ein bisschen klebriges Gespritze an Eigenlob so unsäglich schlecht… [© Klarmann]

[1] PRO-NRW-JUGENDBEAUFTRAGTER RHLD. WIRD NUN ECHTER NATIONALIST…
[2] Direktlink
[3] Direktlink
[4] Europa-Junkies fixen an
[5] KARLSKULT, KANZLERIN UND KARAT
[6] EIN DEUTSCHLANDLIED IM BOXRING DES NATIONALEN WIDERSTANDES; ERMITTLUNGEN GEGEN ANTIFASCHISTEN NACH VOIGT-BESUCH (Düren); PEINLICHES ENDE EINER VOIGT-WAHLKAMPFREISE; DEMONSTRATIVE AKTIONEN VERLIEFEN STÖRUNGSFREI – FINGER IM PO, KUNKELCO
[7] Zu Testzwecken soll das deswegen auch jemand so eingefädelt haben…


8 Antworten auf “Gallespucken: Emmerich wieder Contra Köln, Mönchengladbachs Beitrag zum NPD-Schulunwesen, Karlspreis sucks, Haller im Medienrausch”


  1. 1 Franz Gans 16. August 2009 um 15:37 Uhr

    Ungewohnter und herrlich sarkastischer Beitrag!
    Gute Arbeit!
    Wenn das der Führer wüsste…

    ach, der weiß dass…was so ein echter führer ist… mik

  2. 2 Peter 16. August 2009 um 16:57 Uhr

    Guter Beitrag!

    Zu dem Antrag von Horst Schnitzler denke ich, das dieser mehr als überfällig war! Der Rat der Stadt Aachen verabschiedete am 10.Dezember 2008 die Resolution „Aachen sind wir – Nazis sind es nicht!“ Diese Resolution verliert an Glaubwürdigkeit, wenn diese nicht auch auf „Ehrenbürger“ mit Vergangenheit auch übertragen wird!
    Es kann ja nicht angehen, das Neonazis an den Pranger gestellt werden und man gleichzeitig Altnazis oder Förderer des NS Regimes weiter als Ehrenbürger glorifiziert! Eine solche Resolution gilt für Nazis der Neuzeit, aber auch für Altnazis der Vergangenheit!

  3. 3 Hempels 17. August 2009 um 21:54 Uhr

    […]
    Naja, schönen Abend noch ;)

    kann ich jetzt nicht drüber lachen, aber sie haben google (k)einen gefallen getan…

    http://bit.ly/4cUtju

    mik

  4. 4 Klar, Mann? 18. August 2009 um 14:07 Uhr

    Aus Sicht der „Freien Kräfte Köln“ – bzw. fragt klar, mann? sich, ob er nun schon Ghostwriter bei denen ist (zum Vergleich s.o.):

    (…) „Es findet derzeit eine regelrechte Zersetzungskampagne gegen die unbequeme rechtsdemokratische Konkurrenz […] statt. Man hat offensichtlich versucht, einen getarnten „agent provocateur“ […] einzuschleusen, um ihn dann kurz vor den Kommunalwahlen zu enttarnen, mit dem Ziel, die rechtsdemokratische Bürgerbewegung pro Köln maximal zu schädigen,“.

    Fraglich, ob Beisicht seiner eigenen Erklärung Glauben schenkt. Denn wenn er auch nur minimal dazu fähig sein sollte sein eigenes Tun und das seiner politischen Freunde zu reflektieren, würde er schnell erkennen, daß niemand Agenten und Provokateure in die „Bürgerbewegung“ einschleusen müßte, um diese zu schädigen, da sie das mit ihren Funktionären und ihrer Art der Selbstdarstellung noch immer am besten alleine fertig bringt. (…)

  5. 5 Klar, Mann? 18. August 2009 um 14:11 Uhr

    Aus Sicht von René Emmerich:

    […] In besagtem Artikel wird in durchsichtiger Art und Weise der Versuch unternommen mich als „extremistische“ Randerscheinung darzustellen, die von „Pro“ aufgefordert worden sei aus der Vereinigung auszutreten und dies dann im Streit auch getan haben soll.

    Dazu bleibt festzuhalten, daß ich die „Pro-Gruppierung“ weder im Streit verlassen habe noch mir zu irgendeiner Zeit zum Verlassen der selbigen geraten wurde. Ganz im Gegenteil versuchten die Pro-Köpfe mich mit billigen Versprechungen zum Verbleib in der Partei zu überreden – und das im vollem Bewußtsein meiner nun als „extremistisch“ bezeichneten Gesinnung, aus der ich zu keiner Zeit einen Hehl gemacht habe und an der man auch nie Anstoß genommen hatte.

    Mit Vergnügen habe ich nun gelesen, dass die Bürgerbewegung mit „enttarnten Extremisten“ nichts zu tun haben will. Ausnahmsweise scheint der für sämtliche Schreibarbeiten von „Pro“ zuständige Markus Wiener hier einmal die Wahrheit kund getan zu haben, wenn auch nur zwischen den Zeilen. Denn den Ausführungen nach zu urteilen scheint „Pro“ nur mit „enttarnten Extremisten“ in ihren Reihen ein Problem zu haben, nicht aber mit getarnten.

    Richtig wird von Wiener in dem „Pro“-Artikel allerdings festgestellt, dass Herr Beisicht und ich zu keiner Zeit „beste Freunde“ waren, doch dann greift man erneut zu leicht zu durchschauenden Lügen, indem behauptet wird, Markus Beisicht habe mich lediglich „rudimentär“ gekannt und nicht mehr als 2 oder 3 mal persönlich gesehen. […]

    Die Not innerhalb dieser selbstherrlichen „Bürgerbewegung“ muss enorm groß sein, wenn fast ausschließlich Falschaussagen über meine Person verbreitet werden, eine Auseinandersetzung mit der von mir und anderen vorgebrachten Kritik aber tunlichst vermieden wird.

    Seit meinem öffentlich gemachten Austritt wurde bis heute nicht einmal persönlich Kontakt zu mir aufgenommen. Niemand bat mich um einen Rücktritt oder forderte mich dazu auf nicht mehr für „Pro“ zu kandidieren.

    Auch wenn ich nach wie vor nicht von einer erfolgreichen Wahl ausgehe bleibt es somit dabei, dass ich für den Fall eines Einzuges in die Bezirksvertretung oder den Stadtrat nicht für eine selbstgerechte Bande von Heuchlern, Lügnern und politischen Taschenspielern die sich unter dem Namen „Pro“ einen Namen gemacht haben Politik machen, sondern als parteifreier nationaler Sozialist und Aktivist der Freien Kräfte Köln wirkliche Volksvertretung betreiben werde.

    Köln, den 17.08.2009

    René Emmerich

  6. 6 Klar, Mann? 19. August 2009 um 12:07 Uhr
  7. 7 Antifaschist aus Düren 19. August 2009 um 18:12 Uhr

    @mik: Ja, und wir werden nicht wie die NPD-Loser ein Millionen-Publikum, sondern Milliarden erreichen (/Satire off).

    In Düren hat ja Haller am 8. August geprahlt, mindestens drei Mandate (im Kreistag oder Stadtrat) wären der NPD sicher. Nun beugt die Neonazi-Partei aber einen voraussichtlich eher deutlich schlechterem Abschneiden vor. Wie ist es sonst so erklären, dass OSZE-Wahlbeobachter bei der Kommunalwahl im Kreis Düren gefordert werden?

    Da liegt die passende Verschwörungstheorie ja schon in der Schublade parat, falls es mit dem Durchmarsch in Stadt- und Kreistag doch nicht so klappt. Und mal ehrlich: Was besseres als Axel Reitz als NPD-Vorturner hätte uns doch gar nicht passieren. Ein besseres Argument, eben NICHT NPD zu wählen, gibt es ja wohl kaum. Ob da ein WDR-Feature über die NS-Karikaturen hilft?!?

  8. 8 Peter 20. August 2009 um 19:29 Uhr

    Bezug; Entzug der Ehrenbürgerschaften
    Am gestrigen Tag war die Sitzung des Rates. Bei einer Einwohnerfrage eines Bürgers hinsichtlich des Entzuges der Ehrenbürgerwürden an die CDU Fraktion, teilte der Ratsherr Einmahl dem Bürger als Antwort mit; „Wir haben andere Probleme….

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