Gallespucken: NPD-Schlechtschreibreform, Heß-Aktivist jammert, REP-Vader, Contra-NRW lässt Feder

Region. „Lassen Sie Ihren Frust raus, im Wahllokal!“ skandiert der NPD-Kreisverband Düren derzeit auf seiner „Weltnetzseite“. Tatsächlich ist es der Partei trotz der anhaltenden Schlechtschreibreform gelungen, in zwei Absätzen die Leser fehlerfrei wissen zu lassen, dass am 30. August Kommunalwahlen sind. Offenbar hat die NPD den Text bis dorthin auch nur freschweg aus der Ankündigung einer Behörde kopiert. Denn schon im dritten Absatz kann der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes und Spitzenkandidat für die Wahl zum Dürener Stadtrat, René Rothhanns [1], in gewohnt unsicherer Textsicherheit kaum mehr an sich halten:

„Wir Nationaldemokraten nehmen zum ersten Mal in Düren an der Kommunalwahl teil und bitten Sie uns Ihr Vertrauen zu schenken und wählen Sie am 30. August in Düren die einzig wahre Volkspartei die NPD. Ein Soziales Düren geht nur mit einer Nationalen Deutschen Partei. Bei uns stehen Sie nicht vor verschlossenen Türen. Wir möchten in Düren und im Kreis Düren den Menschen zeigen, das eine soziale, gerechte und demokratische Politik bei uns in Düren noch möglich ist wenn national mit regiert. Ihre Stimme kann Berge versetzen.“ Ja, so ist die, die NDP („Nationale Deutsche Partei“) – will sofort Berge im Dürener Flachland versetzen, aber nicht mal einen kleinen VHS-Deutschkurs für integrationswillige Migranten besuchen…

Freilich, in Wahlkampfzeiten ist dafür superjeilwenisch Zick. Infostände müssen eben rollen für den Endsieg im Bergland der rheinländischen Tiefebene: „Am Mittwoch den 19.08.09 bei strahlendem Sonnenschein informierten wir die Bürgerinnen und Bürger in Jülich und Düren vor Ort durch jeweils einen Infostand in der Fußgängerzone, hierbei erhielten wir reges Interesse aus der Bevölkerung. Viele Passanten waren positiv überrascht und hatten großes Interesse an unserem Informationsmaterial besonders das Rahmenkommunahlwahlprogramm [sic!] stoste [sic! sic!] auf großes Interesse.“ (O-Schreibe übrigens von René „Stoste“ Rothhanns)

Auch über den Kommunalwahl-Frontverlauf zwischen dem 17. und 23. August hat die NPD einen Feldpostbrief ins Display gemeißelt; Autor soll diesmal ein gewisser „R. Rä.“ sein. Und der keilt mit: „[…] waren jetzt erstaunlicherweise auch Vertreter aller versager Fraktionen anwesend und verschenkten großzügig Werbematerial was eigentlich der Steuerzahler bezahlt hat. […] Unser Infostand in Jülich […] befand sich in unmittelbarer Nähe zu dem des Landrats Wolfgang Spelthahn […] was im Übrigen die Aufmerksamkeit etlicher Passanten mit sich zog welche nicht zwingend Interesse am Parteiprogramm der NPD haben oder hatten.“

Wohl auch deswegen blieb nach dem Abbauen des NPD-Infostandes später noch Zeit und NPD-Papier übrig, welches man in Jülich und Aldenhoven verteilen konnte. Insgesamt will die NPD im Kreis Düren „in der letzten Woche über 10000 Zeitungen und unzählige Flugblätter […] an den Mann und Frau durch eigene Kräfte gebracht“ haben.

Zu Aktionen rund um den Todestag des ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß [2] scheint es in der Region nicht gekommen zu sein [3]. Publizistisch bemühte sich das regionale Braunhausen jedoch mehrfach, old mc-„Rudi“ zu ehren. So veröffentlichte die NPD-Düren, die sich gemeinhin als eigentlich gar nicht zurückschauen wollende Partei darzustellen beliebt [4], nun einen Text nach, der zuvor schon auf der Homepage der Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) nachzulesen war. In dem Text beklagt sich ein „Aktivist im nationalen Widerstand“, dass er und andere „Aktivisten“ wegen der Durchführung einer „Aufklärungskampagne“ zu Ehren Heß’ zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt wurden [5].

Die „Aufklärungskampagne“ fand im August 2007 nächtens statt, indem man zu Ehren des Nationalsozilisten Heß zwischen Nacht und Nebel unerlaubt Plakate verklebte und Parolen sprühte. Dazu stellt nun besagter, seiner Meinung nach zu Unrecht verurteilter Neonazi fest: „Wichtig ist es, zu verstehen, dass der letzte Krieg nicht Vergangenheit ist, sondern das Fundament der heutigen Politik darstellt.“ Fragte sich der Autor dieser Zeilen zuerst noch, ob die KAL – eher unfreiwillig – ihren eigenen politischen Background skizzieren wollte, geht es jedoch ganz anders weiter in dem Pamphlet, nämlich so:

„In deutschen Klassenzimmern und anderswo werden immer noch infame Geschichten über die Deutsche Vergangenheit verbreitet. Massenmord an Deutschen, Kriegspsychologie, Vertreibung, Inszenierungen, etc. werden herbei geführt von fremden Interessen […] Heß […] war einer der bedeutendsten Zeitzeugen der Strategien des 2. großen Krieges. Er durfte nicht überleben! In der BrD werden Wissenschaft und Historie dogmatisiert.“

Sehr schön an besagtem Text der offen neonazistisch agierenden KAL ist, dass er nun ebenso auf der Homepage der sich niedlich und putzig geben wollenden NPD erschienen ist. Besagte KAL war es nämlich, die auf ihrer Homepage Anfang 2007 einen Text veröffentlichte, in dem die Neonazis der Antifa zwecks Anreise zu einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen KZ Buchenwald „einen alten Viehwagon“ empfohlen hatten. Die KAL würde sich bereit erklären, auch „das Wachpersonal zu stellen,“ hieß es weiter [6]. Und Heß war übrigens einer jener Getreuen, dem Adolf Hitler schon früh seine Hetzschrift „Mein Kampf“ diktiert hatte. Heß war es überdies auch, der auf einem Nürnberger NSDAP-Parteitag schreite (O-Ton Hans „Stoste“ Rothrene): „Die Partei ist Hitler! Hitler aber ist Deutschland wie Deutschland Hitler ist!“ Tja, NPD…und was bist Du?

Zu hoffen bleibt, dass es stimmt, was laut Lokalpresse [7] der Sprecher der Stolberger Schulleiterkonferenz, Ferdinand Küpper-Jacobs, sagte: „So sei es nicht nur wichtig, Schüler für Politik zu begeistern, sondern auch das Interesse der Eltern für Politik zu wecken und gleichzeitig zu verdeutlichen, dass in Schulen ‚hervorragende Aufklärungsarbeit’ und damit erfolgreiche Präventionsarbeit gegen Rechts geleistet wird, wie Küpper-Jacobs verdeutlicht[.] Lehrkräfte besäßen in diesem Zusammenhang eine besondere Vorbildfunktion.“ Derlei wollen – ganz anderer Zusammenhang – derweil auch die „Republikaner“ (REP) in Stolberg erbeuten. Obschon sie nur fünf der 22 Wahlbezirke mit Kandidaten besetzen konnten [8], glauben sie sich schon im Rathaus der Kupferstadt:

„Liebe Stolberger, mit den anstehenden Wahlen haben Sie die Möglichkeit, die von den Parteien aufgestellten Kandidaten zu wählen. Man hat es Ihnen nicht überlassen, die Kandidaten aufzustellen, die Parteien tun dieses. So geschieht es, dass die Partei-Kandidaten die auf den vorderen Plätzen der Reserveliste stehen, schon vor der Wahl ihre Plätze sicher haben. […] zeigen Sie den jetzigen Parteien im Rat der Stadt Stolberg und im Kreistag die Rote Karte gehen sie zur Wahl. […] Wählen Sie […] Republikaner- Kandidaten[.]“ Der Autor dieser Zeilen hat übrigens sehr lange nachgedenkt (s.o.), ob die REP den Text mit dem reichlich gewöhnungsbedürftigen Argumentationsmuster etwa von der NPD-Düren abgeschrieben haben – aber dafür mangelt es wohl dann doch an Rechtschreibfehlern.

Zum Schluss dann noch der gespielte Witz: Contra NRW, im Volksmund auch verleumderisch als „Bürgerbewegung Pro NRW“ schöngeredet, hat nach René Emmerich [9] abermals eine Feder lassen müssen. Die „pro NRW“-Jugendbeauftragte Marylin Anderegg hat laut „NRW rechtsaußen“ [10] und den „Freien Kräften Köln“ (FKK) ihre Mitgliedschaft bei der kölschenen Jammerfraktion hingeworfen. Anderegg kam einst von den REP und glänzte in all den Jahren ihres Engagements gerne auch als sehr hübsch lächeln könnende Transparent- und Schildhalterin sowie Contra-Kaderaktivistin. Nun soll sie laut FKK im gewohnt soliden Tonfall einer abgrundtief Enttäuschten an ihre ehemaligen Contra-Kumpels geschrieben haben:

„Ich finde es unmöglich – und leider habe ich es erst [sic!] am letzten Freitag erfahren –, dass es in der Zeit in der ich arbeiten musste, mehrere Vorstandssitzungen gegeben hat, von denen ich nichts, aber auch gar nichts wusste und das, obwohl ich gewähltes Vorstandsmitglied bin, schämt Euch! […] Aber ich habe ja noch mehr gehört, sodass mir echt schlecht wurde. Mir habt Ihr drei Jahre lang erzählt ich solle nach der Wahl Eure Büro Tippse ersetzen, aber ich weiß ja jetzt wer das macht! Sogar mit Festeinstellung! Es kotzt mich an, immer wenn Ihr ‚andere’ habt, sind Eure Leute die immer da und fleißig waren abgeschrieben […] Dafür habe ich stundenlang (drei Jahre ehrenamtlich), jeden Tag umsonst im Büro gearbeitet und meine Freizeit für die Sache geopfert? Das mache ich nicht mehr mit! […] Sucht Euch andere Deppen, mit denen Ihr das machen könnt. Mit mir nicht mehr!“

Es drängt sich dem Autor dieser Zeilen der ungeheuere Verdacht auf, dass beim Formulieren der besagten Austrittserklärung eines der besten deutschen Sprichworte Pate oder Patin stand. Es lautet schlicht: „Schaum vorm Mund – ungesund!“ Oder mit den Worten einer Werbekampagne: „Alles muss raus!“ [© Klarmann]

[1] FRONTMÄNNER DER BEWEGUNG WOLLEN PARLAMENTE STÜRMEN; NPD PENDELT IN DÜREN ZWISCHEN FREMDENFEINDLICHKEIT, ANTIKOMMUNISMUS, ANTISEMITISMUS UND FAUSTRECHT; WAHLAUSSCHUSS HAT KEINE PROBLEME MIT NPD-LISTE
[2] RUDOLF HESS – VOM KINDSKOPF MIT DEM PRIMANERSTREICH ZUM MÄRTYRER DER NEO-NS-BEWEGTEN
[3] KEIN HESSMOB – ABER NAZIGEGNER VOR HBF
[4] ZWISCHEN BRAUNEN KÜMMERERN UND SCHLÄGER-ERLEBNISWELTEN
[5] MÄRTYRER FÜR DIE NPD…; AMTSGERICHT VERURTEILT NPD-KANDIDAT; KONTO FÜR HESS-PROZESSKOSTENPENDEN OFFLINE; DÜRENER NEONAZI SAMMELT SPENDEN
[6] WENN RECHTSEXTREMISMUS LANGSAM NORMAL WIRD
[7] Direktlink
[8] PRO NRW TRITT NICHT IN AACHEN, MÖNCHENGLADBACH UND VIERSEN AN, NPD NICHT IN EUSKIRCHEN UND AACHEN
[9] PRO-NRW-JUGENDBEAUFTRAGTER RHLD. WIRD NUN ECHTER NATIONALIST…
[10] Direktlink


10 Antworten auf “Gallespucken: NPD-Schlechtschreibreform, Heß-Aktivist jammert, REP-Vader, Contra-NRW lässt Feder”


  1. 1 Thomas Bücher 25. August 2009 um 20:29 Uhr

    Sehr geährter herr rülpsmann,
    hallihalo herr haltse,

    am tage des gestosten intereses ires rumbakomischenwalzprogroms in dülich und jüren beschildern sieh inetermezzos aus regen und bewölkung. Am anfangs ires gespanten gerichtes heist es aber von „strahlendem sonnenschein“. verstäh ich nich. füle mich durch sie vor den copf gestuppst.

    t. bücher

  2. 2 hase 26. August 2009 um 8:44 Uhr

    […] „Heß war es überdies auch, der auf einem Nürnberger NSDAP-Parteitag schreite“
    …sagt man nicht „schrie“ statt „schreite“?
    ;)

    so wie man stieß statt stoste schriebte… mik

  3. 3 hase 26. August 2009 um 9:55 Uhr

    …am Schreien war… ;)

  4. 4 Markus W. 26. August 2009 um 10:54 Uhr

    Dumme reden halten das konnt ihr alle.Aber wie wäre es wenn ihr euch mal selber an eurem Gewürzprüfer fassen würdet.Ihr habt doch alle selber genug Dreck vor der Haustüre liegen.MKG Odl-NPD Düren

    interessant, was man bei der NPD in düren so alles für mail-adressen nutzt… mik

  5. 5 Rente 26. August 2009 um 15:20 Uhr

    Dreck vor der Haustür……stimmt ich muss immer diese Braunen Haufen entfernen ^^

  6. 6 Markus W. 26. August 2009 um 17:45 Uhr

    @Rente Vielleicht liegt das ja daran,das du dir deine Wurst selber vor die Tür legst.Kann ich ja auch verstehen,wenn man kein Klo in der Wohnung hat!

    müsste man eigentlich mal jemanden in HS fragen, ob er es schon in der wohnung „gross“ machen kann…übrigens, MW, auch als kommentator sind sie wie live… mik

  7. 7 Markus W. 26. August 2009 um 22:03 Uhr

    Dann haben wir ja wenigstens eine Sache gemeinsam.

    aber deswegen gesessen habe ich noch nicht, was dann wohl der kleine feine unterschied ist… mik

  8. 8 Klar, Mann? 27. August 2009 um 11:58 Uhr

    KStA zum Austritt von Anderegg:

    http://www.ksta.de/html/artikel/1246883824702.shtml

  9. 9 M.W 27. August 2009 um 13:35 Uhr

    Kann ja bei dir noch kommen.Hoffe doch sehr darauf,das dir dies auch mal geschieht.

    wen meinen sie hier duzen zu können? mik

  10. 10 Zisch 28. August 2009 um 10:12 Uhr

    @Emmerich

    War mir eine Freude. Bei AM bist Du meiner „Zeckenironie“ aufgesessen.

    Die kleinen Spitzen beschäftigen Euch also mehr als alles andere.

    Gute Strategie, Euch so zu beschäftigen. Dann fehlt die Zeit für anderes.

    Uiuiui…

    muss man das verstehen? mik

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