GegenRechts/Rechts: Merkener zeigen Neonazis die kalten Rollläden

Düren. Aus Protest gegen einen NPD-Aufmarsch im Ortsteil Merken haben am Freitagabend zahlreiche Bürger ihre Rollläden „als Zeichen des gewaltlosen Protestes“ geschlossen gehalten. Die NPD hatte zu einem Aufmarsch unter dem Motto „Todesstrafe für Kinderschänder – unser Kreis soll sauber bleiben“ [1] aufgerufen. Nach Polizeiangaben und Recherchen von „Klarmanns Welt“ erschienen in Düren-Merken etwa 30 Neonazis. Überdies folgten später rund fünfzehn Bürger aus dem Ort dem Aufmarsch. Die NPD selbst behauptet unterdessen, exakt „62 Nationalisten“ und eine „weitere große Personengruppe aus der Bevölkerung und vereinzelte Bürger aus der Ortschaft begleiteten uns mit positiven zurufen“.

Der NPD-Aufmarsch wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Vereinzelt äußerten Bürger und eine handvoll Antifaschisten am Straßenrand ihren Unmut über die NPD. Als Redner fungierten der Volksverhetzer, vorbestrafte und zeitweise inhaftierte Neo-Nationalsozialist Axel Reitz (Pulheim) und der Dürener NPD-Chef Ingo Haller (Niederzier). Anwesend waren überdies der wegen eines Körperverletzungsdeliktes gegenüber Antifaschisten inhaftiert gewesene Neonazi Paul Breuer (Köln), der einschlägig vorbestrafte „Kameradschaftsführer“ der Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), René Laube (Vettweiß), sowie der Stolberger NPD-Ratsherr Willibert Kunkel, der u.a. vor einigen Jahren wegen eines Körperverletzungsdeliktes an einem 13-Jährigen zu einer Geldstrafe von 2.100 Euro verurteilt worden war.

Laut Polizei seien Straftaten oder Störungen im Verlauf der Versammlung nicht festgestellt worden. Die NPD schreibt auf ihrer Homepage – obschon Haller in Merken gegenüber „Klarmanns Welt“ darauf hinwies, dass ein Bürger gegenüber dem Aufmarsch (offenbar aus Protest gegenüber den Neonazis) den Hitler-Gruß gezeigt habe –, dass die „gesamte Veranstaltung […] ohne jegliche Störungen oder Zwischenfälle [verlief].“ Laut Polizei kam es jedoch „im Nachgang der Versammlung“ zur Festnahme eines 32 Jahre alter Teilnehmers aus Düren. Gegen ihn wurde laut Polizei ein bestehender Haftbefehl vollstreckt.

Die NPD kündigt für Samstag ab 10 Uhr eine „Mahnwache“ in der Dürener Innenstadt an und „erwachtet“ dafür „weitere Bürger aus Merken“. Das Thema „Kinderschänder“ wird von der Partei thematisiert, weil in Merken kurzzeitig ein Mann lebte, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern mehrere Jahre in eine klinischen Einrichtung inhaftiert war und wieder versucht haben soll, Kontakt zu Kindern aufzubauen [1]. Kurz vor den Kommunalwahlen am Sonntag will sich die NPD daher über dieses Thema weiter ins Gespräch bringen. Haller selbst bestritt in seiner Rede in Merken zwar, dass die Aktionen etwas mit dem Wahlkampf zu tun hätten – schimpfte allerdings kurz darauf gegenüber allen anderen „Versagerparteien“ wie ein gestandener Wahlkämpfer.


Nachwuchs-Menschenschänder oder doch nur der Kinderschutzbund? Neonazi-“Frontkämpfer“ und sein Killerinstinkt…

Die NPD hatte im Vorfeld in Merken zahlreiche Plakate aufgehängt, auf denen sie die „Todesstrafe für Kinderschänder“ forderte. Viel Erfolg hatte die Partei auch damit offenbar nicht. Merkener Bürger sollen diese Plakate noch am Donnerstagabend eigenhändig entfernt haben, auch aus Protest gegen den drohenden Aufmarsch. Dem Aufruf, die Rollläden an ihren Fenstern zu schließen, waren viele Bürger gefolgt, so dass in manchen Straßenzügen fast alle Rollläden herabgelassen worden waren. Neben den rund fünfzehn dem Aufmarsch folgenden Merkenern wurde den Aufmarsch zeitweise von Schaulustigen begleitet.

Am Rande des Aufmarsches hatte sich eine Merkenerin gerühmt, „den Haller angerufen“ zu haben, damit er sich des Themas „Kinderschänder“ in Merken annehmen solle. „Die gehen für unsere Kinder auf die Straße,“ hatte sie unter anderem Bekannten erklärt, bevor sie sich für ein kurzes Gespräch zu den Neonazis gesellte. Auf Anfrage eines Polizisten, ob sie zu diesen wolle, hatte sie mitgeteilt: „Da gehe ich auch hin, die sind für uns hier.“ Letztlich folgten in dem Ort mit den rund 3.300 Einwohner dann indes nur sie und rund 15 weitere Merkener dem NPD-Aufzug.

Aus diesem heraus skandierten jene Neonazis, die zum Teil schon wegen Gewalttaten und -drohungen gegenüber Antifaschisten und Migranten erheblich aufgefallen sind, Parolen wie „Ein Baum, ein Strick, ein Schändergenick“ sowie „Wir wollen keine Kinderschänder-Schweine.“ Die KAL-Mitglieder trugen T-Shirts mit den Aufdrucken von dreiarmigen Hakenkreuzen neben vermummten Kämpfern mit Sturmgewehren; KAL-Chef Laube erschien im T-Shirt mit dem Rückenaufdruck „Antifa bedeutet Angst und die werdet Ihr haben wenn wir zu Euch kommen“; ein anderer Neonazi trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Frontkämpfer“ sowie einem Pistolenschützen auf der Brust – und ein junger NPD-Kandidat aus Stolberg schmückte seine Mütze eher unpassend zum Thema „Kinderschänder“ durch einem Sticker mit der Aufschrift „Party, Schlampen, Rock’n’roll“… [© Klarmann]

[1] ROLLLÄDEN RUNTER WENN DIE NACHUCHS-MENSCHENSCHÄNDER KOMMEN; NPD ENTDECKT WAHLKAMPFHIT IN DÜREN – ÖFFENTLICHE AKTION NOCH DIESE WOCHE


17 Antworten auf “GegenRechts/Rechts: Merkener zeigen Neonazis die kalten Rollläden”


  1. 1 Klar, Mann? 28. August 2009 um 22:20 Uhr
  2. 2 Kevin 29. August 2009 um 1:36 Uhr

    Merkener Bürger sollen diese Plakate noch am Donnerstagabend eigenhändig entfernt haben, auch aus Protest gegen den drohenden Aufmarsch.

    Beachtenswert war aber, das ein kleines Mädchen uns mit diesem Plakat in der Hand begrüßt hat…. ;-)

    das stimmt. mit ihrem bruder/freund hatte es neugierig und sehr mühselig das kaputte und zerbeulte plakat aus dem gulli gezogen. als es dann sah, dass etwas darauf stand, fragte es seine mutter, ob es das hochhalten darf. diese bejahte das. stolz lief es herum und zeigte es allen leuten, anwohnern wie polizei. dann kamen sie nebst „kummeraden“ in zwei gruppen an und es zeigte es auch ihnen. wegen des großen hallodri war es noch stolzer geworden. doch nachdem „kamerad“ u. fotos von dem kind machte, wies jemand ;-) eine der frauen aus der gruppe darauf hin, dass sie nun möglicherweise damit rechnen müsse, dass das kind auf der npd-homepage mit bild erscheinen könne. daraufhin sprachen kontaktbeamte mit dem kreis der mütter, väter und kinder. das ende von der geschichte? das kind brachte das plakat zurück und steckte es wieder in den gulli, ja, es trat es sogar ziemlich heftig wieder rein. aber keine bange: gehörte später noch zur nachhut… mik

  3. 3 AliGinDaHouse 29. August 2009 um 2:57 Uhr

    aja nachwuchs-menschenschänder dann rate mal wer der erste ist?!
    hakennase

    vielen dank, herr wolf. ich freue mich immer wieder über ihre aufmunternden zeilen. wenn ich der erste sein soll und sie meinen, ich sei ein jude („hakennase“), würde ich mal sagen: falko, falko, falko…und hoffentlich googlet die bundeswehr ihren namen mal. ihnen aber einen schöneren tag als mir! mik ps: IP: ::ffff:84.63.91.9 , dslb-084-063-091-009.pools.arcor-ip.net , E-Mail: 1.kamerad88@web.de

  4. 4 Klar, Mann? 29. August 2009 um 14:13 Uhr
  5. 5 AliGinDaHouse 29. August 2009 um 14:17 Uhr

    glaubste echt das interessiert mich?komm bei der nächsten demo mal was näher ran bitte muss dir mal was zeigen!wir sehen uns bestimmt nochmal in laurensberg oder im kaiserreich richterich aber dann ist mein fahrstyle vllt etwas schlechter!

    gruß der menschenschänder

    sehr verblüffend, herr wolf: sie kündigen hier tatsächlich an, mich (getarnt als – zuvor angekündigten! – verkehrsunfall…) mit ihrem auto umfahren oder mich beim nächsten aufmarsch attackieren zu wollen. für so cool hätte ich selbst sie nicht gehalten, zumal hier die polizei mit liest. übrigens lesen hier auch viele merkener mit – und denen sei gesagt: der mich hier wiederholt bedrohende neonazi mit dem nickname „AliGinDaHouse“ war teilnehmer und „frontkämpfer“ des aufmarsches in merken und meint, er wäre „kinderschützer“… mik

  6. 6 Kevin 29. August 2009 um 15:06 Uhr

    @ AliGinDaHouse

    Lass den mist doch…

    rufen sie ihren „kameraden“ und sportsfreund doch kurz an, bevor er es ganz versemmelt. mik

  7. 7 Kevin 29. August 2009 um 15:18 Uhr

    Habe die Nummer leider nicht…. :P

  8. 8 Merken 29. August 2009 um 15:18 Uhr

    Joa, Merken liest sehr interessiert mit…

  9. 9 AliGinDaHouse 29. August 2009 um 15:23 Uhr

    xD

    zuerst Falko dann Herr Wolf

    ja da kann man kombinieren!die sache mit dir homo hat mit den anderen sachen zB der demo von gestern nichts zutun!aber du weißt was ich jetzt gerne schreiben würde…würde nur meine breiftasche belasten!wir sehn uns

    natürlich haben die drohungen gegen mich durch sie, einen teilnehmer des aufmarsches, etwas zu tun. sie waren es ja auch, der mich gestern aus dem aufmarsch heraus mehrfach primitiv, mit obszönen gesten und aggressiv provoziert hat – und mich am ende auch mit einem „kameraden“ bedrängten, obschon sie kein „ordner“ waren und dieselben dabei zuschauten.

    wieso nennen sie mich einen „homo“? wäre es sooo schlimm, sollte ich einer sein – aber wenn ich keiner bin, soll es dann eine beleidigung sein? ebenso wie die „hakennase“, ein begriff, den sie aus strafrechtlichen gründen nutzen, weil sie mich nicht ohne den verdacht der volksverhetzung einen „juden“ nennen können. was wäre denn schlimm daran, würde ich einen jüdischen glauben vertreten?

    neonazis wollen für ein anständiges deutschland sein (kämpfen!). aber lesen sie sich ihre texte hier mal durch, reflektieren sie einfach mal, wie sie sich benommen haben und benehmen. sie wurden doch selbst bei volksfesten schon so ausfallend und aggressiv gegenüber normalbürger (also deutsche), dass der sicherheitsdienst sie rausschmeißen musste…und selbst eigene „kameraden“ und ehemalige mitläufer sollen sie schon angezeigt haben – zumindest erzählen sie davon.

    das wird ja ein schönes deutschland sein, für das sie kämpfen, gemeinsam mit ihren „kameraden“… pöbeln, beleidigen, schlagen, totschlagen, erschießen…vergasen? die „todesstrafe für kinderschänder“ ist dann wohl nur die vorstufe, hemmschwellen einreißen zu können.

    danach folgen dann – wie gehabt – migranten und juden; linke, kommunisten und gewerkschafter; demokraten und liberale; christen und priester; am ende sogar „kameraden“, die einem im weg stehen („röhm putsch“) usw.

    mik

  10. 10 Mensch 29. August 2009 um 17:20 Uhr

    „Ein Hals – ein Strick – ein Schändergenick“ klingt aber arg nach der von einzelnen Nazigegnern gelegentlich geäußerten Parole „Ein Hals – ein Strick – ein Nazigenick“ (also wieder „alles nur geklaut“).

    Aber die Kombination – als besonders agressiv geäüßerter Anti-Nazi-Protest – würde schon passen:

    „Todesstrafe für Kindermörder! Ein Hals-, ein Strick-, ein Nazigenick!“

    Nichtsdestowenig wäre auch diese Lynchparole widerlich und indiskutabel.

  11. 11 Klar, Mann? 29. August 2009 um 19:15 Uhr

    Das scheibt die NPD zu ihre angekündigten „Mahnwache“ heute in Düren:

    „In Düren führten zwischen 4 und 7 Aktivisten eine angemeldete Mahnwache durch, die eher den Stil eines Infostandes zeigte.“

    Und die Merkener Bürger? Mik

  12. 12 Merken 29. August 2009 um 19:38 Uhr

    Die sitzen hier und lesen die Kommentare ;-)

  13. 13 Antifaschist aus Düren 29. August 2009 um 19:55 Uhr

    Die „Mahnwache“ in Düren war ein Witz – eigentlich ein regulärer Infostand der NPD, der wie gewohnt auf wenig Resonanz stieß. Dafür verteilten AntifaschistInnen mehr als 500 Flugblätter an die Passanten.

    Haller hatte wohl Muffensausen und hat den Infostand kurzfristig in eine Kundgebung umgemodelt, damit er dann den besonderen Schutz des VersG genießt. Aus gut unterrichteten Kreisten heißt es, Haller habe „Angriffe“ befürchtet.

    Zu den Merkenern: Die waren wohl noch nicht „erwacht“. Im Übrgen: Zwei Drittel der Neonazis gestern in Merken kamen von außerhalb. Und ob die örtliche Bevölkerung so bescheuert ist, gerade der Partei morgen ihre Stimme zu geben, aus deren unmittelbaren Umfeld mutmaßlich vor einiger Zeit der lokale Sportplatz verwüstet wurde?

  14. 14 Merken2 30. August 2009 um 1:24 Uhr

    Zu Antifaschist aus Düren
    Die Merkener waren nie wacher als jetzt!

  15. 15 Klar, Mann? 30. August 2009 um 10:27 Uhr

    Aus Sicht des BgR zu Merken:

    […] Eine Mutter mit einer kleinen Tochter: “Ich komme aus Merken und habe gestern erlebt, was die NPD in unserem Ort Unmögliches veranstaltet hat.

    Eine Bekannte von mir hat sich auf eine Diskussion mit denen von der NPD eingelassen – davon hat sie jetzt einen gebrochenen Knöchel und musste ins Krankenhaus. Sie hat natürlich Anzeige erstattet. Das ist gut, dass es euch gibt.” […]

    http://www.duerener-buendnis.de/2009/mitgliederzuwachs-vor-der-kommunalwahl/

  16. 16 Klar, Mann? 31. August 2009 um 18:51 Uhr

    @NPD-Düren:

    Nach mehrfachem Nachzählen der Teilnehmer komme ich auf 30 (evtl. 31) zu Beginn nach den ersten Metern des Marches & nach der Kirche auf 36 oder 37 Teilnehmer. Alle Angaben ohne die nachfolgenden Merkener (an Kirche 17 Personen).

    Mik

  17. 17 HottenTotten 31. August 2009 um 20:19 Uhr

    Von einer Diskussion einen gebrochenen Knöchel?

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